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Hilfe zur Selbsthilfe

Anleitung zum Troubleshooting

11.01.2007
Ein neues Betriebssystem ist wie ein neues Leben? Nicht ganz, aber vieles erscheint Linux-Einsteigern und -Umsteigern doch oft ungewohnt. Wenn Probleme auftauchen, ist guter Rat oft teuer – wir geben Hilfe zur Selbsthilfe.

Sie sind nicht allein – viele Anwender vor Ihnen sind auf Linux umgestiegen und haben dieselben oder ähnliche Fragen gestellt bzw. Probleme gelöst. Viele Antworten sind daher dokumentiert – im Hilfesystem von Linux selbst oder in Mailinglisten, Foren und Newsgroups im Internet. Wer lieber direkt kommuniziert, sollte sich IRC (Internet Relay Chat) anschauen oder Kontakt zu einer lokalen Linux User Group aufnehmen.

Lokal installierte Dokumentation

Vor dem Hilferuf in Foren & Co. steht in der Regel die eigene Recherche: Ihre Linux-Distribution bringt ein umfangreiches Hilfesystem mit, das Zugriff auf Programmhandbücher, Dokumentation zur grafischen Benutzeroberfläche, Erklärungen von Kommandozeilentools und vieles mehr bietet.

KDE-Benutzer finden das so genannte KDE-Hilfezentrum hinter dem Rettungsring-Icon der Kontrollleiste oder im K-Menü. Alternativ starten Sie die Anwendung über ein Schnellstartfenster ([Alt]+[F2]) oder Terminalfenster, in das Sie khelpcenter eingeben. Abhängig von der Distribution, die Sie einsetzen, präsentiert sich die KDE-Hilfe unterschiedlich, von der Funktion her unterscheiden sich die fleißigen Helfer allerdings kaum. Neben Navigationsmöglichkeiten wie bei einem Webbrowser finden Sie im KDE-Hilfezentrum eine Suchfunktion, die es erlaubt, im gesamten Hilfesystem oder innerhalb eines Dokuments gezielt nach einem Suchbegriff zu fahnden. Auch der Gnome-Desktop bringt mit Yelp einen eingebauten Hilfe-Browser mit. Beide Tools, Yelp und das KDE-Hilfezentrum, lassen sich natürlich nicht nur in der "eigenen" Desktopumgebung, sondern auch unter anderen Oberflächen verwenden, und sie bieten als zusätzliches Feature komfortablen Zugriff auf Info-Seiten und Manpages (Abbildung 1).

Abbildung 1: Wer nicht gerne auf der Shell arbeitet, liest Manpages einfach mit dem KDE-Hilfezentrum.

Alternativ lesen Sie Manpages und Info-Seiten im Terminalfenster, was vor allem dann sinnvoll ist, wenn die grafische Oberfläche streikt. Dazu verwenden Sie den man-Befehl, dem Sie den Namen des Programms als Argument übergeben, also z. B.:

man ls

Innerhalb der Manpages blättern Sie mit den Pfeiltasten hoch und runter; mit /suchbegriff suchen Sie nach Stichworten, und mit [Q] verlassen Sie das Programm. Neben diesen Handbuchseiten bringt Linux ein zweites Dokumentationssystem für Kommandozeilenbefehle mit. Die so genannten Info-Seiten enthalten oft denselben Inhalt wie die Manpages, manchmal finden Sie hier aber ausführlichere Darstellungen und erklärende Beispiele. Das info-Programm starten Sie in einer Konsole über den Befehl info. Weitere Informationen zu den beiden Programmen sowie deren Bedienung auf der Kommandozeile finden Sie in einem Artikel unserer Schwesterzeitschrift LinuxUser [1].

Viele Distributionen bieten Übersetzungen der englischsprachigen Manpages an. Auch wenn einige der Handbuchseiten immer noch ausschließlich in englischer Sprache zur Verfügung stehen, gibt es einige recht gut übersetzte Anleitungen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Viele Manpages sind bereits ins Deutsche übersetzt worden.

Besser googlen

Wenn Sie in der lokal installierten Dokumentation nicht fündig werden, heißt das nicht, dass Sie allein mit dem Problem sind. Möglicherweise haben andere Anwender ähnliche Komplikationen erlebt, eine Lösung gefunden und diese irgendwo im Netz veröffentlicht. Damit Sie nicht selbst alle Foren, Newsgruppen oder Mailinglisten-Archive durchstöbern müssen, indizieren Suchmaschinen die Inhalte solcher Webseiten. Für Google & Co. gibt es einige Tricks, mit denen Sie effizienter suchen und schneller ans Ziel kommen:

  • Um gezielt nach Linux-Themen zu googlen, suchen Sie direkt unter http://google.de/linux. (Auch die anderen Betriebssysteme werden nicht vernachlässigt: Mac-Anwendern steht http://www.google.de/mac zur Verfügung, Windows-Benutzer suchen unter http://www.google.de/microsoft.)
  • Mit den "+"- und "-"-Operatoren verfeinern Sie die Suche: "+" fügt einen Begriff hinzu, z. B. easylinux +mailingliste, und mit "-" schließen Sie gezielt Dinge aus. So fahndet easylinux +mailingliste -suse nach Seiten, die "easylinux" und "mailingliste", nicht aber "suse" enthalten.
  • Zusammenhängende Phrasen, wie z. B. Fehlermeldungen, schließen Sie am besten in Anführungszeichen ([Umschalt]+[2]) ein, damit Google nach den Begriffen in genau dieser Kombination sucht.

All diese Funktionen und noch einige mehr finden Sie übrigens auch, wenn Sie auf der deutschen Google-Hauptseite neben dem Suchfeld auf Erweiterte Suche klicken.

Wer mit den eigenen Recherchen nicht weiterkommt, gibt seine Frage an andere Anwender weiter. Die folgenden Abschnitte erklären, wie Sie Mailinglisten, Foren und Newsgroups sowie das IRC ("Internet Relay Chat") nutzen. Für alle Dienste gilt: Es gibt eine so genannte Netiquette ("Net" + "Etiquette", [2]), d. h. Benimmregeln, die Sie beachten sollten; mehr dazu lesen Sie im Kasten Richtig fragen.

Richtig fragen

Wie im echten Leben gibt es auch in Foren und auf Mailinglisten einige Regeln für das Miteinander. Ein höflicher Umgangston ist selbstverständlich, auch wenn sich viele Benutzer untereinander duzen. Der Artikel [11] beschreibt die wichtigsten "Tischmanieren" für das Internet.

Auf vielen Mailinglisten und Foren werden immer wieder dieselben Fragen gestellt. Bevor Sie posten, sollten Sie daher zunächst im Archiv der Liste oder in alten Forumsbeiträgen suchen, ob das Thema schon behandelt wurde. Darüber hinaus erleichtern Sie freundlichen Helfern die Arbeit, indem Sie die nötigen Informationen gleich mitliefern: Zunächst einmal ist die Angabe, auf welchem System Sie arbeiten, wichtig. Geben Sie nicht nur den richtigen Namen der Distribution und die genaue Versionsnummer an (z. B. Suse Linux 10.1, Mandriva 2007, Kubuntu Dapper Drake usw.), sondern auch, ob es sich um ein 32- oder 64-Bit-System handelt.

Speziell bei Hardwareproblemen ist es für Helfer wichtig zu wissen, ob Sie den Standard-Kernel der Distribution, eine neuere Version vom Distributor oder einen selbst gebauten Kernel verwenden. Die Versionsnummer des Kernels erfahren Sie beispielsweise auf der Startseite des KDE-Kontrollzentrums; schneller geht es auf der Shell: Starten Sie ein Terminalfenster und geben Sie dort

$ uname -r
2.6.16.13-4-default

ein. Informationen aus den verschiedenen Logfiles [12] des Systems sind darüber hinaus interessant und geben oft Hinweise auf mögliche Probleme. Wenn Sie relevante Ausschnitte an andere Diskussionsteilnehmer schicken, erleichtern Sie die Fehlersuche. In der Regel finden Sie sämtliche Logfiles unterhalb des Ordners /var/log; vor neugierigen Augen geschützt, sind sie meistens nur für den Systemverwalter lesbar. Die wichtigsten Protokolldateien, die bei der Problemlösung helfen, sind:

  • /var/log/messages: Die erste Anlaufstelle, wenn das System Schwierigkeiten macht. Die meisten Distributionen speichern hier Meldungen zur Netzwerkverbindung, zum Starten und Beenden von Diensten, Informationen zu Hardwaretreibern, zur Benutzer-Authentifizierung usw.
  • /var/log/Xorg.0.log: Hier liegen Meldungen des X-Servers X.org. Wenn es Probleme mit der Anmeldung an der grafischen Oberfläche gibt, sich die Maus nicht rührt oder die Tastatur unter KDE/Gnome versagt, finden Sie hier Hinweise.
  • /var/log/cups/: Streikt der Drucker, lohnt sich ein Blick in dieses Verzeichnis. Hier landen verschiedene Protokolle des Drucksystems (Common Unix Printing Systems, CUPS).

Wenn Sie nicht sicher sind, welche Informationen aus welchen Logdateien für Ihr Problem wichtig sind, fragen Sie nach – erfahrene Benutzer wissen in der Regel, wohin ein Blick lohnt.

Auf die Form kommt's an!

Beteiligen Sie sich an Diskussionen in Mailinglisten und Newsgruppen, sollten Sie zunächst einen Blick auf [13] werfen. Mit dem richtigen Zitierstil halten Sie E-Mails leserlich und verderben anderen Teilnehmern nicht den Spaß. So genanntes TOFU ("Text oben, Fullquote unten"), also eine Antwort über der vollständig zitierten Mail des Vorgängers, unnötig lange oder gar keine Zitate machen Diskussionen unverständlich.

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