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Welche Linux-Software Sie brauchen

11.01.2007 Jedes Standard-Linux-System bringt eine kaum überschaubare Menge von Programmen mit – gut für die Vielfalt, aber schlecht für eine schnelle Einarbeitung. Wir verraten, welche Programme Sie wirklich brauchen.

Schreiben Sie Mails lieber mit Mozilla Mail, Thunderbird, KMail, Evolution oder vielleicht einem der Textmodustools mutt, elm und pine? Und greifen Sie fürs Bearbeiten einer Konfigurationsdatei zu KEdit, GEdit, Kate, XEmacs, Emacs (ohne X), Vi, Nedit, Nano, Joe, mcedit, …?

Im Open-Source-Umfeld ist es üblich, das Rad – nicht neu zu erfinden, aber doch zumindest in zahlreichen Varianten immer neu zu entwickeln: Das liegt daran, dass keine Anwendung exakt auf die Bedürfnisse jedes beliebigen Benutzers zugeschnitten ist. Wer nun programmieren kann, ärgert sich nicht lange mit unpassenden Tools herum, sondern entwickelt einfach ein eigenes: entweder auf Basis eines schon bestehenden Programmes, oder vollständig "from scratch", also ohne Rückgriff auf vorhandenen Source-Code.

So entstehen zu jedem Anwendungsbereich dutzende Programme, die sich in Funktionsumfang und Bedienung deutlich unterscheiden. Der fortgeschrittene Linux-Anwender ist dadurch im Softwareparadies, Einsteiger überfordert die Qual der Wahl aber oft. Dabei gibt es für die meisten Aufgaben etablierte Standardprogramme, mit denen die meisten Benutzer gut zurecht kommen – man muss sie nur kennen. In diesem Beitrag stellen wir sie vor.

Office: Texte und Tabellen

Officepakete gehören zur Standardausstattung aller Bürorechner und auch der meisten privaten PCs, die meistgenutzte Anwendung ist dabei die Textverarbeitung. Windows-Anwender arbeiten hier in der Regel mit Microsoft Word oder mit der Textverarbeitung in Microsoft Works, und auch das freie Officepaket OpenOffice wird unter Windows immer beliebter.

Auf modernen PCs ist unter Linux OpenOffice [1] der beste Word- und Excel-Ersatz: Die OpenOffice-Komponenten Writer und Calc öffnen problemlos alte Dokumente im .doc- und .xls-Format und speichern auch darin, was für die Weitergabe von Dokumenten an Windows-Benutzer wichtig ist. OpenOffice ist nicht nur kostenlos, sondern bei den von EasyLinux unterstützten Distributionen auch gleich vorinstalliert.

Eine wichtige Einschränkung gibt es bei VBA-Makros (Visual Basic for Applications), mit denen sich Microsoft-Dokumente zu kleinen Programmen erweitern lassen: OpenOffice versteht die VBA-Sprache nicht, es verwendet einen eigenen Basic-Dialekt für seine Makros. Eine OpenOffice-Ergänzung, die VBA-Support nachrüstet, ist allerdings in Arbeit [2] – Suse Linux Enterprise Desktop (SLED), eine Suse-Version für den Einsatz in Unternehmen, liefert sogar eine OpenOffice-Version aus, die schon einige VBA-Makros versteht [3].

Abbildung 1 zeigt neben Writer und Calc das Präsentationsmodul Impress, das auch das Microsoftsche PowerPoint-Format liest und schreibt.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die wichtigsten Komponenten von OpenOffice sind die Textverarbeitung Writer, die Tabellenkalkulation Calc und das Präsentationsprogramm Impress.

Alternativen zu OpenOffice kommen vor allem dann ins Spiel, wenn der Linux-Rechner älterer Bauart ist und OpenOffice daher etwas zu gemütlich arbeitet. Im Bereich freier Software sind hier KWord und KSpread, die Textverarbeitung und Tabellenkalkulation des KDE-Projekts, interessant. Sie lesen und schreiben ebenfalls die Microsoft-Formate, allerdings sind die Import- und Exportfilter nicht so ausgereift wie die von OpenOffice – beim Erstellen neuer Dokumente spielt das aber keine Rolle. Auch an Funktionen sind die Programme etwas ärmer, so fehlt KWord beispielsweise der Überarbeitungsmodus, der für das gemeinsame Arbeiten mehrerer Anwender an einem Dokument hilfreich ist.

Office gegen Geld

Wer etwas Geld für seine Office-Programme ausgeben mag, hat unter Linux zwei Alternativen: Microsoft Office in Verbindung mit dem Emulationsprogramm CrossOver Office und TextMaker / PlanMaker.

CrossOver Office [4] haben wir in EasyLinux schon mehrfach vorgestellt, zuletzt in Ausgabe 05/2005 [5]. Der Hersteller Codeweavers hat den freien Windows-Emulator Wine an die Bedürfnisse ausgewählter Windows-Programme angepasst und bringt damit Anwendungen wie Microsofts Officepakete, Adobe Photoshop, den Internet Explorer, iTunes und Quicken unter Linux zum Laufen – ohne dass dafür der Kauf oder Besitz einer Windows-Lizenz nötig ist. Das schon etwas ältere Microsoft Office 2000 läuft in dieser Umgebung besonders gut, aber auch mit Office 2003 und XP lässt sich gut arbeiten, es fehlen nur einige Programm-Features.

TextMaker und PlanMaker sind zwei Office-Anwendungen des deutschen Herstellers SoftMaker [6], die gerade in überarbeiteten Versionen als Bundle unter dem Namen SoftMaker Office 2006 auf den Markt gekommen sind. Testberichte zu den alten Versionen sind in EasyLinux erschienen [7,8], in der letzten Ausgabe haben wir einen Blick auf die Betaversion geworfen [9] – in den Tests fielen unter anderem zwei Eigenschaften auf: Die SoftMaker-Anwendungen sind angenehm klein (sowohl beim Download als auch beim RAM-Verbrauch), und sie kamen recht gut mit den Microsoft-Dateiformaten klar. Die 2006er Ausgabe kann sogar ansatzweise mit OpenOffice-Dokumenten umgehen. Hilfreich ist auch, dass SoftMaker alle Anwendungen für diverse Plattformen entwickelt: Windows, Linux, FreeBSD, Apple Mac OS und sogar für PDAs.

Ebenfalls gegen Geld (80 Euro) gibt es StarOffice [10], die kommerzielle OpenOffice-Variante von Sun. Gleichaltrige Star- und OpenOffice-Versionen unterscheiden sich nur geringfügig, so liefert etwa Sun in seiner Version u. a. ein kommerzielles Rechtschreibmodul, einen Thesaurus sowie zusätzliche Import-/Exportfilter, Fonts und Templates mit.

Wie man in Abbildung 2 gut erkennt, verwenden alle Textprogramme grob die gleiche Menüstruktur, um es Umsteigern leicht zu machen.

Abbildung 2

Abbildung 2: Viermal Textverarbeitung unter Linux – oben: TextMaker und Word (mit CrossOver Office), unten: OpenOffice Writer und KWord.

DTP – Profi-Textsatz

Wer in älteren Linux-Zeitschriften nach dem Stichwort Textsatz sucht, findet fast ausschließlich Hinweise auf das Profi-Tool LaTeX. Das "Laa-tech" ausgesprochene Programm ist nicht jedermanns Sache, denn es setzt auf eine Auszeichnungssprache, die sehr grob an HTML oder XML erinnert: Dokumente erstellt man nicht in einer WYSIWYG-Umgebung (wie es bei Quark XPress und Adobe InDesign der Fall ist), sondern man schreibt den Text in einem einfachen ASCII-Texteditor und fügt so genannte LaTeX-Befehle zur Formatierung ein (Abbildung 3). Die ersten Schritte mit LaTeX sind dabei die schwierigsten, denn hier gilt es, die Syntax zu erlernen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Nicht jedermanns Sache – in LaTeX formatiert man Textteile durch spezielle Befehle.

Die Ergebnisse der Arbeit mit LaTeX sind zwar von ausgezeichneter Qualität, trotzdem konnte sich das Programm wegen der sehr hohen Einstiegshürden nur in wenigen Nischen durchsetzen, z. B. an den Hochschulen, wo viele Studenten und Wissenschaftler ihre Diplom-, Doktor- und sonstigen Arbeiten damit erstellen.

Massentauglich sind hingegen die Programme Scribus [11] und LyX [12]. Während LyX, das schon in der Schreibweise an LaTeX erinnert, auch tatsächlich auf LaTeX aufbaut, diesen Zusammenhang aber unter einer Oberfläche versteckt, die stark an normale Textverarbeitungen erinnert (Abbildung 4), ist Scribus ein komplett eigenständiges Produkt, das langfristig ein Konkurrenzprogramm zu den "Großen", also zu XPress und InDesign, werden will (Abbildung 5).

Abbildung 4

Abbildung 4: LyX basiert auch auf LaTeX, erspart den Anwendern aber das Einarbeiten in die komplexe Beschreibungssprache.

Abbildung 5

Abbildung 5: Scribus funktioniert so, wie man es von anderen DTP-Programmen kennt.

CDs und DVDs brennen

Nero ist ein beliebtes CD-/DVD-Brennprogramm aus der Windows-Welt, und darum war die Freude bei vielen Anwendern groß, als der Hersteller eine Linux-Portierung anbot [13]. Der NeroLinux genannte Brenner arbeitet zwar zuverlässig, bietet aber weniger Features als das kostenlose KDE-Brennprogramm K3b, das die EasyLinux-Redaktion als Standard-Brennprogramm empfiehlt.

Beim CD-Brennen kommt K3b (Abbildung 6) gleichermaßen gut mit Daten- und Musik-CDs zurecht; Teile der MP3-Sammlung wandelt das Programm schnell ins CD-Audio-Format zurück. Dazu muss allerdings eine K3b-Version mit MP3-Support installiert sein, die viele Distributoren aus Lizenzgründen nicht mehr ausliefern. Diese Lizenzproblematik zieht sich durch den ganzen Multimediabereich, weswegen man oft hört, Linux könne nicht mit MP3-Dateien und Video-DVDs umgehen.

Ein K3b-Workshop ist zuletzt in EasyLinux 07/2005 erschienen [14]. Die bekannteste Alternative zu K3b ist das schon in die Jahre geratene Brennprogramm X-CD-Roast [15].

Abbildung 6

Abbildung 6: In K3b sind neue CD- und DVD-Projekte mit wenigen Mausklicks erstellt.

Wer auf die Schnelle eine Daten-CD oder -DVD brennen will und mit dem Gnome-Desktop arbeitet, hat dort ähnlich wie unter Windows die Möglichkeit, seine CD direkt im Dateimanager zusammenzustellen und zu brennen. Über Orte / CD-/DVD-Ersteller wechselt Nautilus in einen virtuellen Ordner, in dem man die zu brennenden Dateien sammelt.

Auch für das eigene Mastern von Video-DVDs (die sich später im DVD-Player abspielen lassen) gibt es Linux-Programme, zum Beispiel ManDVD; um das Videomaterial vorab noch zu schneiden, eignet sich Kino [17].

Video-Player

Beim Thema Videowiedergabe sieht sich Linux oft der Kritik ausgesetzt, dass es nur wenige Videoformate unterstützt. Tatsache ist, dass die Video-Player in den Programmversionen, welche die Distributoren ausliefern, viele aktuelle Video-Codecs nicht erkennen. Das liegt an den Lizenzen, unter denen die Codecs stehen, denn teilweise erlauben sie keine Verbreitung als Teil anderer Programme. Das Problem ist aber schnell gelöst: Nach einem Download der nötigen Zusatzdateien spielen die Video-Player fast sämtliches Videomaterial.

MPlayer [18] und Xine [19] sind die beiden wichtigsten Video-Player für Linux. Wie Sie für MPlayer die nötigen Zusatz-Codecs nachinstallieren, haben wir in einer älteren Ausgabe [20] beschrieben. Wichtig ist, dass die Codec-Dateien im richtigen Verzeichnis (/usr/lib/codecs) liegen (Abbildung 7).

Abbildung 7

Abbildung 7: So ist es richtig: Das Verzeichnis "/usr/lib/codecs/" enthält auch zahlreiche Windows-Codec-Bibliotheken – damit spielt MPlayer fast jedes Video ab.

Abbildung 8

Abbildung 8: Xine spielt nicht nur Video-Dateien, sondern auch DVDs ab.

Da MPlayer und Xine (Abbildung 8) keine KDE-Programme sind, fügen Sie sich optisch nicht besonders gut in den KDE-Desktop ein. Es gibt jedoch mit Kaffeine und KMPlayer zwei KDE-Anwendungen, die den Anwendungen eine Desktop-konforme Oberfläche überstülpen.

Etwas komplizierter ist die thematisch verwandte DVD-Wiedergabe: Ein großer Teil der käuflich erhältlichen Video-DVDs ist mit einem Abspielschutz namens CSS versehen, der die Wiedergabe auf solche DVD-Player beschränkt, die vom DVD-Konsortium eine Lizenz erhalten haben. Bei den Standard-DVD-Playern der meisten Linux-Distributionen ist das nicht der Fall, so dass ein Wiedergabeversuch scheitert. Es gibt zwar eine Bibliothek namens DeCSS, welche die technischen Probleme löst – allerdings ist ihr rechtlicher Status umstritten. Hinweise zur Rechtslage bietet der Wikipedia-Eintrag zu DeCSS [21].

Mplayer und Xine spielen nahezu jedes Videoformat ab, das es gibt, ein Spezialist für diese Aufgabe ist jedoch Ogle, der nur den Umgang mit DVDs beherrscht und einer der ersten Player unter Linux war, der auch die DVD-Menüs anzeigen konnte. Um mit ihm CSS-verschlüsselte DVDs anzusehen, benötigt man wie bei Mplayer und Xine die DeCSS-Bibliothek, die den Abspielschutz umgeht.

Alternativ gibt es auch einen kommerziellen DVD-Player mit gültiger Lizenz des Konsortiums: LinDVD [22] von InterVideo (Hersteller des ähnlich benannten Windows-Players WinDVD) gibt es zwar schon seit 2000, aber erst vor kurzem kam das Produkt auf den Markt. Boxversionen von Mandriva Linux enthalten LinDVD; im Internet finden sich auch einige Anbieter, die das Programm separat verkaufen.

MP3-Player

Sofern die eigene Linux-Distribution mit MP3-Unterstützung ausgeliefert wird, herrscht an Playern für das populäre Format kein Mangel. Unter Suse Linux kümmert sich der Realplayer um die Wiedergabe von MP3-Dateien, bei Mandriva Linux unterstützen alle mitgelieferten Audio-Player dieses Format. Welche Pakete man unter Suse Linux benötigt, um auch dort die freie Auswahl zu haben, steht unter anderem in den Multimedia-Artikeln der Starter Kits.

Wer unter Windows mit Begeisterung Winamp als virtuelle Jukebox genutzt hat, fühlt sich bei XMMS (Abbildung 9) sofort zu Hause. Das Programm gleicht Winamp nicht nur äußerlich, sondern hat auch fast identische Menüs, kann die Playlists des Windows-Pendants lesen und dessen Skins nutzen. EasyLinux hat den Player zuletzt im August 2005 besprochen [23].

Abbildung 9

Abbildung 9: Mit dem Programmfenster, dem Equalizer und der Playlist erinnert XMMS optisch an Winamp.

Beim Betrieb unter KDE macht das Programm allerdings öfters Ärger: XMMS versucht, direkt auf die Soundkarte zuzugreifen, doch unter KDE verwaltet diese der Sound-Server arts. Um trotzdem XMMS zu verwenden, nutzt man entweder dessen arts-Ausgabe-Plug-in oder startet das Programm alternativ mit dem Befehl artsdsp xmms aus einem Schnellstartfenster oder von der Shell.

Eine wesentlich besser in KDE integrierte und noch dazu funktionsreichere Alternative ist Amarok. Das Audio-Talent spielt die lokale Musiksammlung ebenso ab wie Streams aus dem Internet und bietet clevere Sortier- und Verwaltungsfunktionen. Amarok kann die Titel nicht nur nach Interpret, Album und Erscheinungsjahr anordnen, sondern versucht, den Geschmach der Hörer kennenzulernen. Lieder, die man besonders häufig abspielt, erhalten Plus-, selten und gar nicht gespielte Lieder und Titel, die man mitten im Stück abbricht, erhalten Minuspunkte. Darauf basierend stellt Amarok Playlists mit den Lieblingsliedern des Benutzers zusammen. Besteht eine Internet-Verbindung, lädt der Player auf Wunsch Cover und Text der Titel herunter oder zeigt den Wikipedia-Eintrag zum Interpreten an.

Internet: Browser

Jede Linux-Distribution, die KDE enthält, hat automatisch das Multifunktionswerkzeug Konqueror an Bord: Es ist der Dateimanager der Desktop-Umgebung, gleichzeitig aber ein leistungsfähiger Webbrowser, der den Apple-Softwareentwicklern so gut gefiel, dass sie ihn als Grundlage für den Apple-eigenen Browser Safari hergenommen haben.

Zusätzlich installieren die meisten Distributionen standardmäßig Firefox, der auch unter Windows immer beliebter wird. Wie nahezu alle Browser unter Linux unterstützt er Tabs, mit denen man mehrere Webseiten in einem Fenster öffnet. Besonders schätzen Firefox-Liebhaber die so genannten Extensions, mit denen sie das Programm um zusätzliche Funktionalität erweitern. So gibt es Tools, die Vorschaubilder der gefundenen Webseiten bei einer Google-Suche einblenden, Erweiterungen, die in der Statusleiste das Google-Ranking der aktuellen Seite anzeigen und noch viele mehr.

Ein weiterer Browser, den es sowohl für Linux als auch für Windows gibt, ist Opera [24]. Seit das Programm umsonst erhältlich ist und sich die kostenlose Version nicht mehr durch Werbeeinblendungen finanziert, beigeistert die Anwendung immer mehr Nutzer, da sie sich durch durchdachte Features von der Konkurrenz abhebt. So vergrößert Opera beim Skalieren einer Seite nicht nur die Schrift, sondern auch Grafikelemente; die Tab-Leiste lässt sich an der Seite des Fensters platzieren, so dass man die Beschriftung auch bei vielen geöffneten Reitern lesen kann und der Browser unterstützt Mausgesten, bei denen man durch vorher definierte Mausbewegungen Aktionen auslöst. Seit Version 9.0 lässt sich Opera durch Widgets genannte Miniprogramme ebenso leicht erweitern wie Firefox durch Extensions.

Internet: Mail

Auf dem Mail-Sektor bietet Linux etwas für jeden Geschmack: KDE bringt mit KMail einen leistungsfähigen Postverwalter mit, der POP- und IMAP-Konten unterstützt und mit einem integrierten Spamfilter dafür sorgt, dass man nicht den Überblick in der Mailbox verliert. Das Programm lässt sich auch als Komponente in den PIM Kontakt integrieren, womit man Terminverwaltung, Adressbuch, Aufgabenliste und Notizen ähnlich wie mit Outlook unter einer Oberfläche nutzen kann.

Der Standard-Mailer für den Gnome-Desktop heißt Evolution und erinnert noch stärker an Outlook, bietet allerdings weniger Features als KMail. Starke Konkurrenz für das KDE-Mailprogramm ist Thunderbird, die ehemalige Mail-Komponente von Mozilla. Thunderbird gibt es auch für Windows, und es ist möglich, von beiden Systemen aus auf denselben Datenbestand zuzugreifen [25]. Das Mailprogramm bringt einen lernfähigen Spamfilter mit, der unerwünschte Nachrichten automatisch aussortiert. Ein Nachteil gegenüber KMail ist, dass Thunderbird bei Ordnern mit mehreren Tausend Nachrichten sehr langsam wird, da er alle Mails eines Ordner im Mbox-Format speichert, bei dem alle Nachrichten in einer Datei liegen.

Trotz dieser drei Platzhirsche lohnt sich ein Blick auf alternative Anwendungen. Das Mailprogramm Sylpheed und dessen experimentelle Variante Sylpheed Claws (Abbildung 10) [25] schätzen viele Nutzer, da beide schlank und schnell sind und neben E-Mails auch Usenet-News verwaltet – ein Feature, das vor allem Umsteiger von Outlook Express unter Linux vermissen. Zusätzlich kann man aus Sylpheed heraus Skripte und externe Programme aufrufen, beispielsweise um zum markierten Text eine Google-Suche zu starten oder eine Anfrage an einen Übersetzungsdienst im Internet zu senden.

Abbildung 10

Abbildung 10: Der aus Japan stammende Mail- und News-Client Sylpheed Claws punktet besonders beim Verwalten prall gefüllter Mailordner.

War das alles?

Selbst dieser ausführliche Überblick konnte nur einen Bruchteil der Programme vorstellen, die es unter Linux für nahezu jeden Einsatzzweck gibt. Darunter finden sich Softwareperlen genauso wie unausgereifte Anwendungen, die bessser nie den Rchner ihres Programmierers verlassen hätten.

Der fast schon platte und dennoch oft zu lesende Satz, man müsse selbst herausfinden, was einem gefällt, hat seine Berechtigung: Die riesige Software-Auswahl unter Linux lädt geradezu zum Experimentieren ein. Betrachten Sie diese Vielfalt als Chance und nicht als Pflicht: Wenn Sie mit den Standardtools Ihrer Distribution zufrieden sind, müssen Sie sich außer KMail kein anderes Mail-Programm und außer Firefox keinen anderen Browser ansehen – aber wenn nicht, gibt es genug Alternativen, und die meisten befinden sich schon auf den Installationsmedien der Distributionen. (amü/hge)

Standard-Programme im Überblick

Aufgabe Standard-Windows-Programm Linux-Programm Alternativen
Textverarbeitung Microsoft Word OpenOffice Writer KWord, SoftMaker Office, CrossOver Office + Word
Tabellenkalkulation Microsoft Excel OpenOffice Calc KSpread, SoftMaker Office, CrossOver Office + Excel
Textsatz Quark XPress, Adobe InDesign Scribus LyX, LaTeX
CD/DVD-Brenner Nero K3B NeroLinux, X-CD-Roast
Video-Player Windows Media Player MPlayer Xine, Ogle, Kaffeine
MP3-Player Windows Media Player Amarok XMMS
Browser Internet Explorer Firefox Konqueror, Opera
Mail-Client Outlook Express KMail Evolution, Thunderbird, Sylpheed

Glossar

PIM

Personal Information Manager; Anwendung, die Dienste wie Mail, Adressbuch und Terminkalender integriert.

Infos

[1] OpenOffice: http://www.openoffice.org

[2] VBA für OpenOffice: http://wiki.services.openoffice.org/wiki/VBA

[3] Suse Linux Enterprise Desktop: http://www.novell.com/products/desktop/features/productivity.html

[4] CrossOver Office: http://codeweavers.com/

[5] VMware- und CrossOver-Office-Artikel, Hans-Georg Eßer und Thomas Leichtenstern: "Nachgemachte Fenster", EasyLinux 05/2005, S. 29 ff.

[6] TextMaker und PlanMaker: http://www.softmaker.de/

[7] TextMaker-Artikel, Kalle Gerwien: "Der Macher", EasyLinux 03/2004, S. 26 ff., http://www.easylinux.de/2004/03/026-textmaker/

[8] PlanMaker- und TextMaker-Artikel, Hans-Georg Eßer: "SoftMaker Office 2004", EasyLinux 02/2005, S. 72 ff.

[9] SoftMaker Office 2006 Beta, Hans-Georg Eßer: "Text- und Tabellenmacher", EasyLinux 09/2006, S. 114 f.

[10] StarOffice: http://de.sun.com/products/software/star/staroffice/

[11] Scribus: http://www.scribus.net/

[12] LyX: http://www.lyx.org/

[13] NeroLinux-Artikel, Martin Loschwitz: "Kleiner Brandstifter", EasyLinux 01/2006, S. 28 f.

[14] K3B-Workshop, Martin Loschwitz: "Durchgebrannt", EasyLinux 07/2005, S. 42 ff., http://www.easylinux.de/2005/07/042-k3b/

[15] X-CD-Roast: http://www.xcdroast.org/

[16] ManDVD: http://www.kde-apps.org/content/show.php?content=38347

[17] Kino: http://kino.schirmacher.de/

[18] MPlayer: http://www.mplayerhq.hu/

[19] Xine: http://xinehq.de/

[20] MPlayer-Artikel, Marcel Hilzinger: "Filmvergnügen", EasyLinux 07/2005, S. 18 ff. http://www.easylinux.de/2005/07/018-mplayer/

[21] Wikipedia zu DeCSS: http://de.wikipedia.org/wiki/DeCSS

[22] LinDVD: http://www.intervideo.com/jsp/LinDVD.jsp

[23] XMMS-Artikel: Thomas Hümmler, "XMMS optimal nutzen", EasyLinux 08/2005, S. 39 ff.

[24] Opera: http://www.opera.com

[25] Thunderbird unter Windows und Linux nutzen: Thomas Leichtenstern, "Gemeinsame Sache", Easylinux 03/2006, S. 48 ff.

[26] Sylpheed Claws: http://www.claws-mail.org/

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