Hands on WeTab

WeTab: Meego-Tablet aus Deutschland

WeTab: Meego-Tablet aus Deutschland

17.09.2010
Viel wurde schon geschrieben über das WeTab, ein Linux-basiertes Tablet aus deutschen Landen mit schicker Oberfläche. Nun hatten wir endlich mal Gelegenheit, das Gerät mit eigenen Händen auszuprobieren.

Im persönlichen Gespräch mit den Pressevertretern erfahren wir einige interessante Hintergrundinformationen zum Produkt und den beteiligten Firmen. Die Neofonie GmbH, die primär für die WeMagazine Publishing-Infrastruktur verantwortlich zeichnet, hat mit der Münchner 4tiitoo AG, welche sich um die Software kümmert, die WeTab GmbH gegründet. Gefertigt wird das Gerät in Fernost, Support und Logistik hierzulande übernimmt der von ALDI bekannte Hersteller Medion.

Hardware

Die Spezifikation hat sich seit der auf dem Linuxtag angekündigten etwas geändert: Das nun 1 kg schwere finale Gerät (auf dem Linuxtag 2010 war noch von 800 Gramm die Rede) hat einen Singlecore Atom N450 der Pinetrail-Generation mit integriertem GMA 3150-Grafikkern, keinen Dualcore. Zwei USB 2.0-Ports erlauben den Anschluss von Peripherie, außerdem gibt es einen HDMI-C Mini-Port sowie Audio-Klinke in/out für Headsets und Kopfhörer. Ein SDHC-Port in voller Größe und ein Anschluss für eine Dockingstation komplettieren die Anschlüsse. Intern finden sich WLAN nach N-Draft, Beschleunigungs- und Umgebungslichtsensor, 1 GByte RAM, eine zum Anwender zeigende 1,3 Mpixel-Webcam mit integriertem Mikrofon für Videochat, Stereolautsprecher sowie Bluetooth 2.1 EDR. Die kleine Version des 294 ×194 ×14mm großen Tablets wird angeblich schon ab nächsten Dienstag mit 16 GByte NAND-Speicher für 450 Euro im Handel (bei Amazon oder Mediamarkt) erhältlich sein. Die große Version für 570 Euro hat 32 GByte sowie zusätzlich ein Huawei-3G-Modem (welches auch GPS integriert) inklusive SIM-Slot für mobiles Internet und einen Broadcom-HD-Beschleunigerchip für Videowiedergabe. Das WeTab hat einen kapazitiven 11,6-Zoll-Multitouch-Bildschirm mit HD-ready-Auflösung (1366x768, 16:9 Seitenverhältnis) und einen Akku, der für 5-6 Stunden Internetsurfen oder 3 Stunden HD-Videowiedergabe ausreichen soll. Oben links über dem Display ist ein (bei den Vorführgeräten noch disfunktionaler) Knopf, um Fullscreenanwendungen zu beenden -- neben dem rückwärtigen Einschaltknopf der einzige Knopf am ganzen Gerät. Als optionales Zubehör gibt es ab Oktober ein Dock (69 Euro) und eine passende Bluetooth-Tastatur.

Die Anschlüsse des WeTab: SIM-Slot, SDHC-Slot, zweimal USB, mini-HDMI und Audioklinke in/out

Software

Die Entwicklung des WeTab begann schon im November 2006 - also lange vor iPhone und iPad. Zuerst diente Debian als Basis, später schwenkte man auf Ubuntu um, als dieses populär wurde, bis man sich dann schlussendlich für Meego entschied. Das WeTab nutzt übrigens schon länger Meego als Basis, aus Rücksicht auf den WeTab-Partner Intel wollte man jedoch einen größeren Event abwarten, um dies öffentlich bekanntzugeben; Die IFA 2010.

Über der Meego-Basis sitzt das von 4tiitoo entwickelte Userinterface, was durchaus zu gefallen weiss. In der Mitte findet sich der vom Hersteller Pinnwand getaufte Bereich mit allen installierten Programmen, deren Widgets in einer sechs spalten breiten Zellen-Matrix angeordnet sind und die je nach Programm unterschiedlich viele Zellen groß sein können. Dank dynamischem Inhalt kann der Anwender so beispielsweise direkt im Anwendungs Widget des Desktops die RSS-Schlagzeilen lesen oder eine Kleinansicht von Google Maps sehen. Die Bedienung wurde auf die Daumen links und rechts optimiert. Die linke Bedienleiste ist Anwendungsspezifisch z.B. mit Buttons für gängige Funktionen oder einem Scrollbereich, damit man nicht mit dem Finger auf dem Screen scrollen muss -- was man auf Wunsch jedoch auch kann. Rechts ist die anwendungsübergreifende Bedienleiste, hier scrollt man durch die mehrere Bildschirme hohe Pinnwand und hat systemübergreifende Buttons, beispielsweise zum Einblenden eines Infofensters, das auch Schieberegler für Lautstärke und Display-Helligkeit beinhaltet oder zum Wechsel zwischen Anwendungen, denn das WeTab ist voll multitaskingfähig. Bei Druck auf letzteren Button blendet das WeTab eine gezoomte Ansicht aller offenen Fenster ein, in der man einfach zwischen diesen wechselt -- oder sie auf Wunsch auch schließt. Im Test konnte sich das Vorserienmodell jedoch gelegentlich nicht entscheiden, ob es einen einfachen oder einen Doppelklick erwartet, auch beim Scrollen beobachteten wir fehlerhaftes Verhalten -- hier handelte es sich wohl um ein Touchscreen-Treiberproblem, das der Hersteller in der Produktionsversion behoben haben will. Das Gerät ist aus dem Schlafmodus aufgeweckt nach zwei Sekunden betriebsbereit, ein Kaltstart des Systems dauert etwa eine halbe Minute.

Auf der Pinnwand finden sich unterschiedlich große dynamische Widgets für die installierten Anwendungen

Das grundlegende Konzept des Userinterfaces ist überzeugend, effizient und intuitiv, der Anwender begreift es schon nach kürzester Zeit. Es reagiert dank Hardwarebeschleunigung sehr flott und scrollt flüssig, die meisten Anwendungen starten sehr schnell. Als wir nachfragen, ob es Pläne zur Lizensierung an andere Hersteller gibt schmunzeln Stefan Odoerfer von 4tiitoo und Christian Soult von WeTab vielsagend und verraten, dass man schon einige Anfragen bekam und in Gesprächen sei. Auch andere selbst produzierte Produktlinien wie etwa ein Mini-Tablet fasse man durchaus ins Auge.

Das WeTab soll eine Vielzahl von App-Stores integrieren: Im WeTab Store gibt es die offiziell von der WeTab GmbH freigegebenen und auf das WeTab angepassten Programme -- die übrigens dann auch auf einem normalen Meego lauffähig sein sollen, wovon beispielsweise N900-Anwender profitieren. Zusätzlich gibt es noch die Java Store, Intels AppUp Store und einen Android-Store (nicht Google Market). Denn das WeTab bietet per Virtual Box auch Android-Unterstützung, so dass der Anwender auch Android-Programme installieren können soll. Interessierte Entwickler, die ihre Anwendung aufs WeTab anpassen und dann im WeTab Store verfügbar sein wollen, sollen sich bei der WeTab GmbH melden. Normale Linux-Anwendungen laufen auch, diese sind nur meistens nicht auf den Touchscreen-Bedienung optimiert. Eine Root-Shell wird nicht mitgeliefert, ist aber im WeTab-Store kostenlos installierbar.

FBreader dient als eBook-Reader, zum Release will WeTab diesen noch auf die Darstellung von zwei Seiten nebeneinander anpassen. Für Navigations-Software soll später ein OpenStreetmap/Navtech basiertes Programm verfügbar sein, das ein Entwickler gerade ans WeTab anpasst. Als Mediaplayer werden Banshee und Totem mitgeliefert, gängige lizenzpflichtige Codecs wie H.264, AAC, WMV oder MP3 wurden lizensiert und sind schon integriert. Auch DivX, OGG, FLV, MP4 und WMA spielt das Gerät. Es beherrscht Java und Flash, auch in Adobe Air programmierte Flash-Anwendungen sollen laufen. Ein Filebrowser und ein Foto-Verwaltungsprogramm liegt bei, ebenso eine angepasste Version von OpenOffice -- die wir jedoch noch nicht bewundern konnten, auf den Demogeräten lief nur die mit Touchscreen kaum benutzbare Standardversion. Als Screen-Keyboard nutzt das WeTab das Matchbox-Keyboard. Webcam-Software ist das bekannte Cheese. Als Browser setzt der Hersteller auf eine Webkit-basierte und voll auf das WeTab angepasste Eigenentwicklung, aber auch Chrome ist optional verfügbar.

Der selbstentwickelte Webkit-Browser ist voll aufs WeTab angepasst

Ein Demo-Video, in dem Stephan Odoerfer das Gerät vorführt findet sich bei unserer Schwesterpublikation Linux Magazin Online.

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Kommentare
Dualboot möglich?
Mc Bain (unangemeldet), Samstag, 18. September 2010 15:32:42
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Re: Dualboot möglich?
Daniel Kottmair, Montag, 20. September 2010 00:26:55
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Das Smartbook von alwaysinnovating ist viel viel cooler!
foo (unangemeldet), Freitag, 17. September 2010 22:56:55
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Re: Das Smartbook von alwaysinnovating ist viel viel cooler!
Lucky (unangemeldet), Samstag, 18. September 2010 16:50:25
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Die unendliche Geschichte des WeTabs
Rudolf Gottfried (unangemeldet), Freitag, 17. September 2010 19:49:16
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Re: Die unendliche Geschichte des WeTabs
Ulf B., Freitag, 17. September 2010 22:30:54
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Re: Die unendliche Geschichte des WeTabs
Maximilian Gerhard, Samstag, 18. September 2010 00:30:22
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Re: Die unendliche Geschichte des WeTabs
ichunder (unangemeldet), Sonntag, 19. September 2010 15:22:07
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Re: Die unendliche Geschichte des WeTabs
ichunder (unangemeldet), Sonntag, 19. September 2010 15:44:32
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Re: Die unendliche Geschichte des WeTabs
der Mießmacher (unangemeldet), Sonntag, 19. September 2010 21:27:24
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Re: Die unendliche Geschichte des WeTabs
Knut Hansen (unangemeldet), Montag, 20. September 2010 11:15:29
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Ich will
Kolly (unangemeldet), Freitag, 17. September 2010 18:23:41
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Re: Ich will
Klatuu (unangemeldet), Freitag, 17. September 2010 22:42:32
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Re: Ich will
agence creme (unangemeldet), Samstag, 18. September 2010 14:19:14
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Re: Ich will
ichunder (unangemeldet), Sonntag, 19. September 2010 15:47:28
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Re: Ich will
Knut Hansen (unangemeldet), Montag, 20. September 2010 11:22:42
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