Ist es ein Bug oder ein Feature?, mag sich der eine oder andere schon gefragt haben, nachdem er in der Plasma-Ecke auf das Lupensymbol geklickt hat. Der KDE-4-Desktop verkleinert sich auf einen Viertel des Bildschirms und das war's dann eigentlich auch schon. War das wirklich schon alles?
Wer etwas genauer hinschaut, findet per Rechtsklick oder in der oberen linken Ecke ein Menü mit dem Eintrag Aktivität hinzufügen. Wählt man ihn aus, erscheint neben dem verkleinerten Desktop ein weiterer, eine neue Aktivität. Bei den Aktivitäten handelt es sich um eines der am meisten umstrittenen Features von KDE 4: Zu kompliziert und verwirrend entschieden zum Beispiel die Kubuntu-Entwickler und haben die Aktivitäten kurzerhand per Patch entfernt. Mit KDE 4.3 wird sich in dieser Hinsicht allerdings wieder einiges ändern.
Für jede Aktivität lassen sich einzelne Miniprogramme einrichten, ein separates Hintergrundbild einstellen und auch ein eigener Name vergeben. KDE 4.3 zeigt den Namen der jeweiligen Aktivität auf dem Plasma-Symbol an, wenn sich dieses nicht in der Ecke sondern rechts oder links davon befindet. Die Aktivitäten ersetzen die virtuellen Desktops nicht, sondern ergänzen diese. Bei zwei Aktivitäten mit je vier virtuellen Desktops stehen somit 8 virtuelle Desktops zur Verfügung.
KDE wäre nicht KDE, wenn es für das Wechseln zwischen den einzelnen Aktivitäten keinen Shortcut gäbe. Leider sind die meisten praktischen Tastenkombinationen schon belegt und die oft referenzierte Kombination [Strg+Alt+N] funktioniert in den wenigsten Fällen. Das Plasma-Team hat sich deshalb für KDE 4.3 neue Kombinationen ausgedacht. Über [Alt+D] schaltet man den Desktop ein, ein anschließender Druck auf die Cursortaste nach rechts wechselt zur nächsten Aktivität, mit [Alt+D], PfeilLinks kehrt man wieder zur ersten Aktivität zurück.
Ebenfalls bequem gestaltet sich der Aktivitätswechsel über das zugehörige Plasma-Applet: Rechtsklick auf den Desktop, Miniprogramme hinzufügen und ein Doppelklick auf Aktivitätsleiste schaltet das Applet ein. Allerdings muss man das Applet auf jeder Aktivität separat einschalten, sonst macht die Nutzung keinen Spaß. Als Workaround empfiehlt sich eine zusätzliche Kontrollleiste. Im Gegensatz zu den Miniprogrammen erscheint diese auf allen Aktivitäten.
Ein oft kritisierter Punkt an KDE 4 lautet, dass man für die virtuellen Desktops keine separaten Hintergrundbilder einstellen kann und sich auch die Miniprogramme auf allen virtuellen Desktops breit machen. Mit KDE 4.3 wird sich auch hier einiges ändern. In der aktuellen Beta2-Version lässt sich über den Einstellungsdialog in der Aktivitätenansicht bereits einstellen, ob die Aktivitäten die virtuellen Desktops ablösen sollen. Dann erhält man voneinander unabhängig konfigurierbare virtuelle Desktops mit einer individuellen Auswahl an Miniprogrammen und jeweils separatem Hintergrundbild.
KDE 4 bietet darüber hinaus noch ein paar Funktionen, die kaum dokumentiert sind, zum Beispiel den automatischen Ordnerbrowser in der Desktop-Ansicht, der sich noch im Entstehen befindliche Multimedia-Dateimanager oder das Browser-Miniprogramm. Details dazu demnächst hier auf der LinuxCommunity.