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Herzlichen Glückwunsch, Microsoft!

[Update]: Kommentar zur Kooperation von Nokia und Microsoft

11.02.2011 Seit heute ist es also offiziell: Microsoft steigt massiv bei Nokia ins Geschäft ein und lässt sich von den Finnen Smartphones und andere Handys mit Windows Phone bauen.

Wer sich den Offenen Brief der beiden Firmenchefs von Microsoft und Nokia durchliest, merkt schnell: Der Gewinner dieser Kooperation ist Microsoft, nicht Nokia. Nokia bekommt zwar von Microsoft ein relativ aktuelles und gut aussehendes mobiles Betriebssystem für seine Hardware, liefert dazu aber im Gegenzug an Microsoft sehr viel. Dazu gehört der von vielen Nokia-Nutzern sehr geschätzte Kartendienst Ovi Maps und quasi die halbe Firma. Kurz gesagt:

"Nokia hat sich an Microsoft verkauft."

Nein, das ist nicht einfach eine strategische Partnerschaft, um sich gegen die Konkurrenz von Apple und Google zu schützen, das ist ein kompletter Kurswechsel, den Nokia jetzt unter dem ehemaligen Microsoft-Manager Stephen Elop vollzieht. Wir erinnern uns:

  • Nokia ist die Firma, die Symbian gekauft und später den Quellcode offengelegt hat
  • Nokia gehörte zu den ersten Firmen im Handysektor, die die Entwicklung mit Open-Source-Tools und Skriptsprachen wie Perl oder Python ermöglichte
  • Nokia hat sich sehr früh an der Entwicklung von Webkit beteiligt
  • Nokia hat mit Maemo selbst ein freies mobiles Betriebssystem entwickelt
  • Nokia hat Trolltech gekauft
  • Nokia ist sehr aktiv in der Open-Source-Szene
  • Nokia entwickelt zusammen mit Intel MeeGo

All diese Punkte lassen sich nur schwer mit dem aktuellen Deal vereinbaren, es sei denn, die Aufspaltung von Nokia in zwei Firmenteile erfolgt nach dem Prinzip: Open Source vs. geschlossener Quellcode.

Wo liegen die Probleme?

Wer aktuell für Nokia entwickelt, nutzt dazu in der Regel den Qt Designer bzw. andere Tools von Nokia, die in der Regel für Windows, Mac und Linux zur Verfügung stehen. Wer bisher für Symbian entwickelt hat, soll nun auf Silverlight und Visual Studio migrieren. Doch was wird aus den Qt-Entwicklern und Qt? Die Chancen, dass Microsoft ein Framework für Qt-Apps auf Windows Phone 7/8 bereitstellen wird, sind eher gering, heißt es doch im aktuellen offenen Brief:

"Microsoft development tools will be used to create applications to run on Nokia Windows Phones, allowing developers to easily leverage the ecosystem’s global reach."

Nokia hatte bislang mit Ovi das komplette Ökosystem von Symbian und den Nokia-Smartphones in eigener Hand. Durch die Verbindung mit Microsoft wird Microsoft das Ökosystem bestimmen, Nokia bleibt schlichter Hardware-Lieferant

Auch wenn bereits bislang relativ klar war, dass sich Nokia von Symbian verabschiedet hat, ist Symbian mit dem Umstieg auf Windows Phone 7 nun definitiv weg vom Fenster. Nokia muss sich aber noch über ein paar Jahre mit Symbian beschäftigen (Maintenance).

Angeblich soll in diesem Jahr ein (1) Smartphone mit MeeGo auf den Markt kommen. Das klingt wenig glaubhaft und dürfte kaum reichen, um Entwickler für MeeGo begeistern zu können.

Auch die Zukunft von Qt steht jetzt auf wankeligen Beinen: Falls Microsoft und Nokia keine Qt-Apps für Windows Phone bringen, dann benötigt Nokia das mit Trolltech gekaufte Toolkit eigentlich nicht mehr, entsprechend werden hier wohl auch die zur Verfügung stehenden Gelder gekürzt.

Was macht Intel?

Die entscheidende Frage aus Open-Source-Sicht ist nicht die Zukunft von Nokia, sondern sind die Pläne von Intel. MeeGo wird bereits jetzt mehr von Intel angetrieben als von Nokia. Der Zusammenschluss, all die Probleme bei den zwei unterschiedlichen Architekturen (ARM vs. Intel) dürften jetzt der Vergangenheit angehören.

Intel muss jetzt zeigen, dass es es ernst meint mit MeeGo. Nur dann besteht eine Chance, dass das aktuelle Ökosystem um Qt und die MeeGo-Entwicklung erhalten bleibt und wachsen kann. Verpassen Intel und Nokia diese Chance, dann werden vermutlich zahlreiche Entwickler zu Android abwandern, auch HP drüfte sich freuen, Entwickler für WebOS gewinnen zu können.

Wie sieht Nokia in einem Jahr aus?

Mit Geld lassen sich viele Probleme lösen, jedoch nicht alle. Nokia hat in den letzten Jahren zwar gute Smartphones produziert, aber hatte dafür nur ein Betriebssystem zweiter Wahl. Mit dem Umstieg auf Windows Phone 7/8 wird sich dieser Weg fortsetzen. Denn obwohl WP7 auf den ersten Blick recht gut aussieht, bleibt es in vielen Punkten hinter Android und iOS zurück, ja selbst Bada von Samsung und WebOS von HP/Palm haben vermutlich mehr Potential als Windows Phone 7 im aktuellen Zustand.

Gehen die Pläne von Microsoft auf, dann bringt Nokia Innovation in Windows Phone und Windows Phone 8 wird das beste aus zwei Welten vereinigen. Doch damit es dazu kommt, muss Microsoft nicht nur Nokia kräftig finanziell unterstützen, sondern auch die Entwickler für Windows Phone begeistern können. Ob man da im Nokia-Umfeld auf viel positives Echo stößt, ist zu bezweifeln.

[Update:] Nokia Im Live-Stream hat Eloph klar zu erkennen gegeben, dass MeeGo in Zukunft keine Rolle mehr spielen wird und höchstens als Spielwiese dienen soll ("MeeGo is an opportunity to learning"). Zudem will sich Nokia vermehrt auf sein geistiges Eigentum konzentrieren. Nokia wird zahlreiche Stellen streichen, davon dürften auch viele kleinere Entwicklerstudios betroffen sein. So meint Eloph, dass Nokia viele Entwickler außer Haus angestellt habe. Die besten davon wolle man zu Nokia inhouse holen, um das geistige Eigentum zu schützen. Hier auch noch ein paar Diagramme aus der Präsentation.

Mobile Phones steht für Lowend-Geräte mit Series 30/40, Smart Devices für das neue Windows Phone.

Die Ausgaben für MeeGo sollen drastisch reduziert werden, während die Ausgaben für das neue Windows Phone 7 weit unter den Kosten für MeeGo und Symbian zusammen liegen sollen. Im Lowend-Bereich will Nokia in Series 30/40 investieren, um "die nächste Milliarde ans Internet zu bringen".

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Kommentare
Tschüß Nokia
Marc (unangemeldet), Samstag, 12. März 2011 11:09:37
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Mehr als die Überschrift kann ich zu der Sache eigentlich nicht sagen.

Was passiert mit KDE, wenn QT unter eine BSD Lizens fällt?
Ist die BSD- Lizens mit der GPL zusammen einsetzbar?
Habe lediglich Sorge um KDE.


Bewertung: 327 Punkte bei 31 Stimmen.
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Re: Tschüß Nokia
Wimpy *, Freitag, 18. März 2011 08:35:13
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Wertung: 327 Punkte (31 Stimmen)

Infos zum Autor

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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