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© Sinisa Botas, 123RF

Daten für die Ewigkeit?

Bilder richtig taggen

26.10.2011 Können Sie die Metainformationen Ihrer Fotos auch noch in 20 Jahren lesen? Erst allmählich gibt es (Open-Source)-Lösungen, welche die verschiedenen Standards harmonisieren.

Angeregt durch die Frage eines Lesers beschäftigen wir uns diesmal mit Metadaten von Bildern (siehe Kasten Metadaten). Das Problem besteht nicht nur theoretisch: Auch für Ubuntu-Anwender lautet die schlichte Frage: Mit welchem Bildbetrachter soll ich meine Fotos verwalten, damit auch die in die Bilder eingebauten Informationen die nächsten 20 Jahre überstehen?

Metadaten

Versteckt in den Daten von Bildern finden Sie meist auch ergänzende Informationen zu diesen – die Metadaten. Sie geben beispielsweise an, wo Sie ein Bild aufgenommen haben und mit welcher Blende. Sie enthalten aber auch Informationen, die Sie selbst eingeben – etwa den Titel.

Leider fehlt bisher ein einheitliches Metadaten-System für digitale Bilder, einige Bildtypen bringen gar eigene Varianten mit. So nutzen Bilder im PNG-Format neben XMP ein eigenes Metadaten-System [1], bei dem so genannte Chunks zum Einsatz kommen ("iTXt, tEXt, and zTXt chunks"). RAW-Fotos greifen für ihre Metadaten wahlweise zu den Standards XMP, Exif und IPTC (DNG von Adobe) oder Exif, Makernote (CR2 von Canon) und viele mehr. Fast jeder Kamerahersteller bringt ein eigenes RAW-Format mit. Die Formate sind dabei unterschiedlich gut darin, Metadaten aufzunehmen. Im Artikel konzentrieren wir uns jedoch im wesentlichen auf den Umgang mit JPG- und TIFF-Dateien, die XMP, Exif und IPTC verstehen.

Ein Wendepunkt in der Metadaten-Diskussion war sicherlich der 24. September 2008. Auf der Photokina in Köln kündigte die Metadata Working Group eine erste Richtlinie zur Kompatibilität von Metadaten an. Die wurde notwendig, weil verschiedene Metaformate für digitale Bilder nebeneinander existierten und bis heute existieren. Eine der Folgen: Die verschiedenen Bildbetrachter interpretieren die Metadaten jeweils anders und zerstören sie zum Teil.

Weil die Lage ernst ist, hat das International Press Telecommunications Council (IPTC) – ein in London angesiedelter Zusammenschluss von Nachrichtenagenturen – im Mai diesen Jahres ein Manifest zum Thema verfasst. Die Organisation beschreibt darin in fünf Punkten, wie sie sich den optimalen und richtigen Umgang mit Bild-Metadaten vorstellt [2].

Von IIM zu XMP

Aber zurück zu den Anfängen. Da existierte nur IIM, das Information Interchange Model. Dieses wurde vom eben erwähnten IPTC 1991 entwickelt. Es brachte bestimmte Tags mit, die es erlaubten, im damals noch sehr teuren Bereich der professionellen Digitalfotografie auch Informationen zu den Fotos (Titel, Aufnahmeort usw.) zu übermitteln.

Doch dann schaffte Adobe 1994 Fakten: Der bedeutendste Softwareanbieter im Bereich der digitalen Bildverarbeitung schnappte sich die Definitionen der IPTC-Metadaten (ohne aber die Struktur zu übernehmen) und bezeichnete sein Metadatenmodell als IPTC-Header. Dank Photoshop und Co. verbreitete sich diese Form der Metadaten und wurde zum Standard. Die Informationen zu den Fotos steckten in den Bildern selbst und erschienen nur, wenn der Bildbetrachter sie aus den Fotos lesen und interpretieren konnte. Dieses Modell überwiegt bis heute.

2001 schwenkte Adobe dann zum XML-basierten XMP-Standard (Extensible Metdata Platform) um, der sich – anders als IPTC – vom Anwender beliebig erweitern ließ. Im Gegensatz zur Dublin Core Metadata Initiative [3] bettete Adobe die XMP-Daten auch hier direkt in die Bilder ein und schrieb sie nicht in eine separate XML-Datei. Mit XMP-Daten ließen und lassen sich Bilder im PNG- und GIF-Format, aber auch HTML- und WAV-Dateien versehen.

Das IPTC reagierte auf XMP und entwarf ein XML-Schema mit dem Namen IPTC Core Schema, das die IPTC-Metadaten und XMP miteinander verband, also einen kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen den Formaten schaffte.

Weitere Metadaten kamen allerdings von einer ganz anderen Seite – den Hardware-Herstellern. Insbesondere die japanischen Kamerahersteller beeinflussten die Entstehung von Exif. Im Exchangeable Image File Format schreiben Kameras automatisch Metadaten in die Header der von ihnen produzierten Fotos. Das bietet sich an, weil die Kameras ihre Bilder meist ohnehin gleich in das JPG-Format konvertieren. Zu den gesammelten Informationen gehören unter anderem das Datum, die Uhrzeit, die Blende und die Auflösung des Fotos, aber auch der geografische Standort.

Es kam in der Folge zu einem ziemlichen Chaos: Verbreitete Bildbetrachter interpretierten die Metadaten ganz unterschiedlich, weshalb diese falsch ausgelesen, überschrieben oder schlicht ignoriert wurden. Das ändert sich nun langsam.

Metadata Working Group (MWG)

Die erwähnte Metadata Working Group wurde wohl auch aus diesem Grund ins Leben gerufen: Um Ordnung ins Chaos der verschiedenen Standards zu bringen. Zu dem Konsortium, das Microsoft 2006 ins Leben rief, gehören unter anderem Apple, Adobe, Canon, Nokia und Sony. Es versuchte nicht, einen weiteren Standard zu erfinden, sondern gab Richtlinien vor, die regeln, was passiert, wenn eine Software in einem Foto auf mehrere Metadaten-Systeme trifft. Abbildung 1 zeigt recht schön, was beim Lesen geschieht: Sind zugleich Exif- und XMP-Daten vorhanden, bevorzugt die Software zum Beispiel die Exif-Daten.

Abbildung 1: Ein Wikipedia-Nutzer hat skizziert, wie die Richtlinien der MWG sich auf den Umgang mit Metadaten auswirken (Losch/Wikipedia).

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Infos zum Autor

Kristian Kißling

Kristian Kißling

Wenn Kristian Kißling nicht gerade für die LinuxCommunity schreibt, arbeitet er als Redakteur bei der Zeitschrift EasyLinux und als Chefredakteur für den Ubuntu User. Am liebsten beschäftigt er sich mit Multimedia- und Unterhaltungssoftware im weiteren Sinne und mit neuer Open-Source-Software, die überraschende Fähigkeiten zeigt.

Zum Blog von Kristian Kißling →


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