Karaoke-Maschine

Singen wie die Profis

UltraStar Deluxe [1] (kurz: UltraStar DX) ist ein Klon des beliebten Karaoke-Spiels SingStar für die PlayStation 2. Wie bei SingStar dürfen die Spieler miteinander bzw. gegeneinander singen, wobei das Spiel die getroffenen Töne im Lied mit Punkten bewertet (Abbildung 1). Die Bewertung erfolgt direkt beim Singen, so dass die Sänger erkennen, ob sie gerade richtig oder total daneben liegen. Die SingStar-Lieder enthalten – im Gegensatz zum "richtigen" Karaoke – immer die komplette Tonspur und nicht nur die Hintergrundmusik inklusive Background-Chor.

Abbildung 1

Abbildung 1: Beim SingStar-Klon UltraStar Deluxe geht es darum, beim Singen die richtigen Töne zu treffen.

UltraStar Deluxe steht unter der GPL und verfügt über eine aktive Entwickler-Community. Bislang steckt es nicht in den offiziellen Quellen von Ubuntu, aber aus einem PPA [2] lässt es sich bequem unter Ubuntu Lucid 10.04 und Maverick 10.10 installieren.

$ sudo add-apt-repository ppa:tobydox/ultrastardx
$ sudo apt-get update
$ sudo apt-get install ultrastar-deluxe

Für Ubuntu Natty 11.04 wurde die Quelle noch nicht aktualisiert, weshalb es zu Fehlermeldungen bei der Installation des Spiels kommt. In die Communtu-Edition auf der Heft-DVD ist UltraStar DX bereits integriert. Da die Maverick-Pakete jedoch auch unter Natty Narwhal funktionieren, laden Sie diese alternativ aus dem PPA herunter oder Sie ändern die Quelle nach dem add-apt-repository-Aufruf, damit Natty die Pakete aus dem Maverick-Zweig installiert. Öffnen Sie dazu nach der Eingabe des ersten Befehls die Konfigurationsdatei der Paketquelle in einem Editor:

$ gksudo gedit /etc/apt/sources.list.d/tobydox-ultrastardx-natty.list

und tauschen Sie natty gegen maverick. Sie speichern die Liste und fahren über sudo apt-get update fort, um die Paketquellen neu einzulesen und UltraStar DX zu installieren. Da die Paketquelle nur UltraStar-Pakete enthält, ist dieser "Mischbetrieb" unproblematisch. Dennoch sollten Sie die Quelle wieder auf natty umstellen, sobald das PPA diese Option anbietet.

Lieder für den Karaoke-Abend

Nach der Installation starten Sie UltraStar über das Anwendungsmenü. Doch bevor Sie mit dem Singen loslegen, müssen Sie ein paar grundlegende Aufgaben bewältigen. Zunächst bestücken Sie das Spiel mit Liedern zum Mitsingen. Aufgrund des Urheberrechts dürfen die UltraStar-Betreiber nicht einfach eine Quelle mit Songs ins Internet stellen, Sie müssen sich leider selbst um die Musik kümmern.

Neben einigen freien Songs, die Sie auf der Webseite des Projekts finden, genügt es im Prinzip, die eigene Musiksammlung zu digitalisieren und sie UltraStar DX vorzusetzen. Dazu müssen Sie die Songs mit speziellen Textdateien UltraStar-tauglich machen: Sie sollen neben dem Songtext auch die Notierung enthalten, damit UltraStar DX zum Lied auch den Text und die "Partitur" anzeigt und – wenn vorhanden – im Hintergrund ein passendes Video abspielt.

Es gibt zwar einen im Spiel integrierten Songeditor und komfortablere externe Tools wie den Composer [3], über die Sie selber Songspuren erstellen (Abbildung 2). Doch das bedeutet Arbeit und macht nur Sinn, wenn es das gewünschte Lied nirgendwo gibt.

Abbildung 2

Abbildung 2: Über den Composer verwandeln Sie beliebige Songs in Material für UltraStar Deluxe.

Bequemer ist es daher, originale SingStar-DVDs der Playstation 2 für UltraStar Deluxe aufzubereiten. Dafür gibt es Tools wie SS2USConv [4], das leider nur unter Windows läuft und das im Batch-Betrieb komplette DVDs komfortabel umwandelt. Achten Sie darauf, dass Sie nur Medien für die PS2 verwenden, da die PS3 die SingStar-Titel verschlüsselt abspeichert, was das Auslesen verhindert. Um ein Lied inklusive Text und Video für UltraStar zu konvertieren, braucht ein System mit Intel Core i3 und 3 GHz Taktfrequenz rund fünf Minuten. Leider fanden wir keinen Weg, das Programm unter Linux zu betreiben.

Am Ende erhalten Sie perfekt aufbereitete Songs inklusive Videos. Doch die SingStar-Auswahl ist – trotz etwa 40 DVDs – nicht gerade berauschend. Suchen Sie weitere Titel, müssen Sie die Songs mit den genannten Editoren aufbereiten oder im Internet nach Quellen suchen – das deutschsprachige Ultrastar-Forum [5] hilft hier weiter. Aufbereitete Lieder kopieren Sie mitsamt Oberverzeichnis in den Ordner ~/.ultrastardx/songs in Ihrem Home. Dort sucht das Programm beim Starten nach Songs.

UltraStar Deluxe und PulseAudio

Neben der Beschaffung des Liedmaterials steht noch eine zweite Hürde vor dem Karaoke-Spaß mit Linux: Die Audioeinstellungen. Die besten Konfigurationsmöglichkeiten bietet hier der PulseAudio-Lautstärkeregler, den Sie über das Paket pavucontrol installieren.

Um zugleich Zugriff auf die Audio-Einstellungen von UltraStar DX und den PulseAudio-Lautstärkeregler zu erhalten, versetzen Sie UltraStar DX über Werkzeuge | Optionen | Grafik in den Fenstermodus. Bei der Gelegenheit stellen Sie es unter Spiel auch gleich auf Deutsch um und ändern dort auch die Zahl der Spieler. Ein Neustart aktiviert die Änderungen. Ein Nebeneffekt des Fenstermodus: Er scheint eine höhere Stabilität des Spiels zu bewirken. Auf unserem Testsystem mit Ubuntu Natty 11.04, Unity und einer Intel-Grafikkarte stürzte der X-Server beim Beenden des Spiels komplett ab – dieses Problem verschwand.

Öffnen Sie nun Werkzeuge | Optionen | Aufnahme und aktivieren Sie pulse als Soundkarte, so dass UltraStar DX nun seinen Sound über PulseAudio ausgibt. Im PulseAudio-Lautstärkeregler bestimmen Sie danach, welches Mikrofon UltraStar DX verwenden soll. Im abgebildeten Screenshot (Abbildung 3) wird ein herkömmliches, an die interne Soundkarte angeschlossenes, Mikrofon benutzt. Sollten Sie über die Original-SingStar-Mikros oder ein anderes USB-Mikrofon verfügen, müssen Sie das entsprechende USB-Gerät auswählen.

Abbildung 3

Abbildung 3: In den Registern "Sound" und "Aufnahme" konfigurieren Sie die Mikrofone für UltraStar. Alternativ greifen Sie zur PulseAudio-Lautstärkereglung.

Die SingStar-Mikrofone von Sony

Verwenden Sie ein herkömmliches Mikrofon, können Sie nur einem Spieler ein Mikro zuweisen. Setzen Sie die SingStar-Mikros ein, funktioniert der Modus für zwei oder mehr Spieler. Im Register Spiel erhöhen Sie die Zahl der Spieler noch weiter.

Die Original-SingStar-Mikrofone von Sony schließen Sie per Adapter an einen USB-Port Ihres Rechners an. Sowohl die günstige Variante der Mikrofone mit Kabel als auch die teure ohne Kabel sollten mit allen gängigen Linux-Distributionen funktionieren.

Da jedes Mikrofon einen der beiden Stereokanäle belegt, dürfen Sie im Duett singen und vergibt UltraStar an beide Sänger Punkte. So macht das Spiel am meisten Spaß. In den Einstellungen weisen Sie im Reiter Aufnahme Spieler 1 unter Kanal 1 den ersten Kanal zu (1), und Spieler 2 den zweiten (2). Wollen Sie auch die Stimmen der Karaoke-Sänger hören, stellen Sie das über über Mikrofon Wiedergabe in den Sound-Optionen ein. Die Mic-Anhebung erhöht indes die Laustärke der Mikros.

Los geht's!

Die weitere Bedienung sollte recht selbsterklärend sein: Während Sie über Singen direkt ein Lied zum Mitsingen auswählen, fassen Sie über Party mehrere Teilnehmer zu Teams zusammen. Die "müssen" dann einen Zufallssong singen, andernfalls droht Punktverlust. Verwenden Sie UltraStar Deluxe öfter, erweisen sich eine Funktastatur oder eine Fernbedienung als praktisch.

Infos

[1] Die Homepage von UltraStar Deluxe: http://ultrastardx.sourceforge.net/

[2] PPA-Paketquelle für UltraStar DX: https://launchpad.net/~tobydox/+archive/ultrastardx

[3] Songspuren mit dem Composer selber erstellen: http://sourceforge.net/projects/performous/files/editor/1.0/

[4] SingStar-DVDs mit SS2USConv aufbereiten: http://hawkear.de/ss2usconv/

[5] Deutschsprachige UltraStar-Community: http://www.ultra-star.de/

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