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Bootvorgang aufhübschen

25.10.2010 Neben Grub begleitet auch Plymouth seit Ubuntu 10.04 den Bootvorgang. Er soll das Booterlebnis grafisch aufwerten. Wie Sie den Bootprozesses visuell Ihren Wünschen anpassen, beschreibt dieser Artikel.

Der Bootvorgang eines Computers ist ein eigenartiger Prozess. Traditionell versuchen alle Hersteller – von Microsoft bis zu Canonical – den Vorgang so schnell und unsichtbar wie möglich zu gestalten. Zugleich investieren sie eine Menge Zeit und Arbeit, um die unnötige Wartezeit so hübsch und ansehnlich wie möglich zu gestalten.

Ubuntu setzt dazu seit der Version 10.04 (Lucid Lynx) Plymouth [1] ein, das für einen ansehnlichen Bootsplash sorgt. Ursprünglich von Red Hat für Fedora entwickelt, zeigt Plymouth nun auch in den neuen Versionen von Ubuntu eine dezente grafische Animation beim Booten an.

Ubuntu bringt eine ganze Reihe von Themes für Plymouth mit. Die meisten davon kommen für Kubuntu und Xubuntu zum Einsatz, doch ein paar Designs bewegen sich auch Abseits dieser Varianten. Suchen Sie einfach mal im Software-Center nach plymouth theme. Aber denken Sie dran: Experimente mit den Bootkomponenten machen Ihren Rechner unter Umständen unbrauchbar – sichern Sie die wichtigsten Daten.

Speziell das an Fedora angelehnte Solar-Theme (Abbildung 1), das im Paket plymouth-theme-solar steckt, zeigt Ihnen, was mit Plymouth alles möglich ist. Das blaue Theme passt gut, wenn Sie einen etwas kühleren Look für Ihr System suchen. An ihm lässt sich zudem die Installation alternativer Plymouth-Themes gut erklären. Grundsätzlich funktioniert das so: Sie installieren das Theme, wählen das neue Theme über das Programm update-alternatives aus und schreiben es über update-initramfs in das Initramfs-Archiv. Um ein Terminal kommen Sie also nicht herum, Listing 1 zeigt die drei Befehle an.

Abbildung 1: Ubuntu-Solar haben die Entwickler bei Fedora abgeschaut.

Listing 1

$ sudo apt-get install plymouth-theme-solar
$ sudo update-alternatives --config default.plymouth
$ sudo update-initramfs -u -k all

Nach der Installation in Zeile 1, bekommen Sie nach der Eingabe des zweiten Befehl (achten Sie auf die richtige Schreibung) drei alternative Bootlogos angeboten, die Sie über Zahleneingaben auswählen. Drücken Sie [1] für das Solar-Logo. In der dritten Zeile aktualisieren Sie das Initramfs, was eine neue initrd.img-Datei für den aktuellen Kernel erzeugt.

Starten Sie nun Ihr System neu, sollten Sie die von Fedora bekannte blaue Weltkugel (jedoch mit einem Ubuntu-Logo verziert) zu Gesicht bekommen. Um wieder auf das ursprüngliche Theme zurück zu wechseln, wiederholen Sie einfach die letzten zwei Befehle und wählen statt der [1] eine [0] (ubuntu-logo.plymouth).

Themes aus der Community

Wollen Sie den Bootvorgang etwas individueller gestalten, finden Sie auf Gnome-look.org [2] eine ganze Reihe weiterer Themes aus der Linux-Community. Öffnen Sie die Suchfunktion der Seite (Search Content), indem Sie links unterhalb der Leiste Artwork einen beliebigen Begriff eingeben. In der erweiterten Suchmaske wählen Sie dann als Type den Eintrag GNOME Splash Screen und geben in der Zeile darunter plymouth ein.

Die Installation der Designs ist nicht sonderlich aufwändig, aber auch nicht automatisiert. Sie müssen im Terminal arbeiten, um die Themes zu installieren. Meistens befinden sich jedoch in den heruntergeladenen Archiven Hinweise zur Installation – lesen Sie den Beipackzettel daher genau durch. Am Beispiel eines inoffiziellen Bootsplash (Abbildung 2) zu Ubuntu 10.10 [3], der den Namen Ubuntu Sunrise trägt, erklären wir die Installation. Inzwischen steht für dieses Theme sogar ein Debian-Archiv zur Verfügung [4]. Um aber die prinzipielle Vorgehensweise besser zu beschreiben, wählen wir hier exemplarisch das TAR.GZ-Archiv und erklären die Schritte in Listing 2.

Abbildung 2: Ubuntu Sunrise liegt unter anderem als TAR.GZ-Archiv vor. Die Installation des Bootsplash beschreibt die Webseite.

Laden Sie im ersten Schritt das Archiv herunter und entpacken Sie es in einen beliebigen Ordner (Zeile 1). Alle Befehle aus Listing 2 geben Sie dann ausgehend von diesem Ordner ein. Zunächst kopieren Sie die extrahierten Dateien nach /lib/plymouth/themes/ (Zeile 2). Danach richten Sie für das Programm update-alternatives einen Link ein, der vom dem neuen auf das alte Plymouth-Theme zeigt (Zeile 3) – mehr zu diesem Verfahren erklärt der Befehl man update-alternatives. Der Eintrag 200 gibt der neu installierten Alternative eine höhere Priorität, so dass Plymouth sie nun bevorzugt. Der Config-Befehl in Zeile 4 stellt Sie dann wieder vor die Auswahl verschiedener Bootanimationen, der Befehl in Zeile 5 aktualisiert abschließend das Initramfs.

Listing 2

tar -xzf *ubuntu-sunrise.tar.gz
sudo cp -R ubuntu-sunrise/ /lib/plymouth/themes/
sudo update-alternatives --install /lib/plymouth/themes/default.plymouth default.plymouth /lib/plymouth/themes/ubuntu-sunrise/ubuntu-sunrise.plymouth 200
sudo update-alternatives --config default.plymouth
sudo update-initramfs -u

Diese Befehle unterscheiden sich von Theme zu Theme. Meist geben die Autoren jedoch auf der Webseite an, was Sie genau eingeben müssen.

Um einen manuell installierten Bootsplash wieder zu entfernen, rollen Sie den Prozess von hinten auf. Entfernen Sie den Link, löschen Sie das Theme und generieren Sie das Initramfs-Archiv wieder neu, wie es Listing 3 zeigt.

Listing 3

sudo update-alternatives --remove default.plymouth /lib/plymouth/themes/ubuntu-sunrise/ubuntu-sunrise.plymouth
sudo rm -rf /lib/plymouth/themes/ubuntu-sunrise/
sudo update-alternatives --config default.plymouth
sudo update-initramfs -u

Plymouth und proprietäre Grafiktreiber

Probleme ergeben sich im Zusammenspiel von Plymouth mit proprietären Videotreibern. Der Grund dafür liegt in den Kernel Mode Settings (kurz KMS), die für die Darstellung der Animation notwendig sind. Früher konnte – vom Framebuffer abgesehen – erst der Xserver grafische Elemente ausgeben, weshalb der Bootvorgang bis zu dessen Start nur Text anzeigte.

Dank KMS kann der Kernel die Grafikkarte bereits in den Grafikmodus versetzen, die dann die Animation zeichnet. Da KMS beim proprietären Nvidia-Grafiktreiber noch sehr unausgereift ist, haben die Entwickler von Ubuntu Plymouth für diesen Treiber deaktiviert. Anstelle der ansprechenden Animation sehen Sie daher oft nur einen simplen Text (Abbildung 3). Einen etwas komplizierteren Umweg, der das Dilemma auch für die proprietären Nvidia-Treiber löst, finden Sie in meinem Blog [5].

Abbildung 3: Der Bootvorgang mit und ohne Plymouth. Der proprietäre Grafiktreiber von Nvidia beherrscht noch kein Kernel Mode Setting.

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Kommentare
...wenn wir schon mal dabei sind,
JB-CTU2001 (unangemeldet), Dienstag, 26. Oktober 2010 08:35:17
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gibt es eigentlich schon was brauchbares um den neuen gdm etwas zu modden. also der gdm der seit, ich glaube gnome 2.26 oder so eingeführt wurde sieht nicht sonderlich ansprechend aus.

die vorgängerversion konnte man doch auch mit themes anpassen.

das mit dem hintergrund kenne ich schon, also hier die gconf-geschichte und so. aber ehrlich gesagt ist das auch nur gefrickle.

wäre schön, wenn jemand mal seine erkentnisse mitteilen könnte.

in diesem sinne, free your mind..... the matrix has you :-)))


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Eure Vorschläge betreffend doch grub1, und nicht grub2, gell?
böerzel (unangemeldet), Dienstag, 26. Oktober 2010 01:10:51
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Hi,

danke für Tips, aber wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann klappt das mit Euren Vorschlägen nur bei grub1, und Ubuntu setzt seit der 9.10 doch grub2 ein. Opensuse wiederum nach wie vor grub1.

Oder liege ich falsch?

Grüsse vom börzel


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Tja
Frankie (unangemeldet), Montag, 25. Oktober 2010 19:45:52
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Wenn das ganze auch mal auf diverser Hardware laufen würde, ohne zu frickeln, wäre das ja eine schöne Sache.
Ich bin solcher "Verbesserungen" echt überdrüssig.


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Anstelle von Bildern lieber Systemmeldungen beim Booten
boerzel (unangemeldet), Montag, 25. Oktober 2010 18:22:54
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Hallo

mir persönlich wäre es ja lieber, wenn man anstelle der Bilder die Systemmeldungen von Ubuntu 10.10 bei Booten und Herunterfahren mitverfolgen könnte.

Bei Opensuse geht das schon immer, und auch in einer vernünftigen Auflösung (z.B. 1280x1024 auf einem 4:3 Bildschirm).

Leider hab ich persönlich das Wissen nicht, wie man das bei Ubuntu analog zu Opensuse ans Laufen bekommen könnte.

Gibts dafür schon einen Workaround oder andere Lösung?

Grüße vom börzel


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Re: Anstelle von Bildern lieber Systemmeldungen beim Booten
Heinz-Stefan Neumeyer, Montag, 25. Oktober 2010 20:47:02
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Hallo "Börzerl"

ist sogar recht einfach:

Du editierst mit root-Rechten die Datei

/etc/default/grub

Und zwar kommentierst Du die Zeilen

GRUB_HIDDEN_TIMEOUT=0

und

GRUB_CMDLINE_LINUX_DEFAULT="quiet splash"

aus, in dem Du jeweils eine Raute ( # ) an den Beginn der Zeile stellst.
Speichern und danach ebenfalls mit root-Rechten den Befehl

update-grub

ausführen.
Ab dem nächsten booten hast Du eine einfach GRUB-Auswahl und der Rechner fährt ohne bunte Bildchen hoch!

Gruß Stefan


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Re: Anstelle von Bildern lieber Systemmeldungen beim Booten
Ichso (unangemeldet), Dienstag, 26. Oktober 2010 01:06:36
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Du kannst auch Escape während des Bootvorgangs drücken. Das ist nichts permanentes, aber wenn es nötig sein sollte, siehst du so deine statusmeldungen.


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Infos zum Autor

Christoph Langner

Ich bin Blogger und freier Autor für die Linux User bzw. Ubuntu User. Ihr könnt mein Blog unter http://linuxundich.de besuchen oder mir über @ChrisZwitschert auf Twitter bzw. @Chrissss auf identi.ca folgen.


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