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Blick durchs Fenster

Ubuntu unter Windows installieren

13.08.2010
Wer Ubuntu unverbindlich testen möchte, ein Live-System aber doch zu flüchtig findet, sollte sich Wubi anschauen. Der Name ist Programm: Der Windows Ubuntu Installer spielt die Linux-Distribution als Anwendung unter Windows ein – ohne das vorhandene System zu gefährden.

Viele Wege führen zu einer eigenen Ubuntu-Installation: Eine Möglichkeit – und sicherlich die bequemste Methode – besteht darin, das System von der Desktop-CD im Live-Modus zu starten und von dort aus den grafischen Installer aufzurufen. Diese Vorgehensweise benötigt allerdings ausreichend Arbeitsspeicher (alles unter 512 MByte macht keinen Spaß) und ist nicht besonders flexibel, vor allem, was die Partitionierung betrifft – für Einsteiger aber völlig ausreichend. Die Alternative ist eine klassische, textbasierte Installation mit Hilfe der Alternate CD [1]. Diese Methode bietet zwar wesentlich mehr Entscheidungsmöglichkeiten, ist aber aufgrund dieser Vielfalt nicht ganz einfach und erfordert ein bisschen Hintergrundwissen bzw. Einarbeitungszeit.

Dank Wubi [2] gibt es seit einiger Zeit eine dritte Möglichkeit, Ubuntu auf die Platte zu bringen – aus einem laufenden Windows-System heraus. Bei dieser Vorgehensweise spielen Sie Ubuntu wie eine Anwendung unter Windows ein. Eine eigene Festplatte oder Partition brauchen Sie für das neue Linux-System nicht, und Basteleien am Bootmanager fallen ebenso weg.

Hinter den Kulissen

Der größte Unterschied zu einer "normalen" Ubuntu-Installation besteht darin, dass Wubi nicht partitioniert. Stattdessen erstellt die Anwendung einen Ordner auf dem Windows-Laufwerk Ihrer Wahl. Dieser enthält mehrere Dateien, die als virtuelle Festplatte für Linux fungieren. Ein mit Wubi installiertes Ubuntu-System greift also ständig auf die Dateien der Windows-Partition zu und ist folglich ein bisschen langsamer bei Lese- und Schreibzugriffen. Wubi eignet sich daher vor allem für Anwender, die hauptsächlich Windows benutzen, aber einen unverbindlichen Blick auf Ubuntu werfen möchten. Der Start des neuen Ubuntu-Systems erfolgt über den Bootmanager von Windows. Wählen Sie Ubuntu aus, tritt der Bootmanager GRUB 2 mit weiteren Startoptionen in Erscheinung.

Die Ubuntu-Macher empfehlen 5 GByte freien Festplattenplatz; außerdem sollten mindestens 384 MByte Arbeitsspeicher (besser 512 MByte) und eine 1-GHz-CPU vorhanden sein. Laut Projekthomepage arbeitet Wubi mit Windows 98, 2000, XP und Vista zusammen; im Test zeigte sich aber auch ein Samsung-Netbook (N130, Intel Atom N270 1,6 GHz, 1 GByte RAM) mit einer vorinstallierten Windows 7 Starter Edition kooperativ. Das zweite Testsystem war ebenfalls ein Laptop (Intel Core 2 DUO CPU, 2,4 GHz, 256 MByte RAM) mit einem Windows XP Professional – auch hier lief alles glatt.

Wubi ist seit Ubuntu 8.04 offizieller Bestandteil der Distribution und Teil der offiziellen Desktop-CD. Der nächste Abschnitt zeigt, wie Sie Wubi von einem solchen Medium verwenden. Wer eine schnelle Internetverbindung hat, sollte den Installer von der Wubi-Homepage oder unserer Heft-DVD benutzen, um Ubuntu direkt übers Internet einzuspielen (siehe Abschnitt "Installation übers Internet"). Im dritten und letzten Szenario ("ISO-Image auf dem Stick") lesen Sie, wie Sie Wubi von einem CD-Image auf einen USB-Stick spielen – ideal für Benutzer eines Netbooks ohne CD-Laufwerk.

Installation mit der Desktop-CD

Legen Sie die Desktop-CD unter Windows ins Laufwerk und klicken Sie doppelt auf die Datei wubi.exe, um mit der Installation zu beginnen. Der folgende Dialog bietet drei Optionen an: Demo und Vollinstallation startet den Rechner neu und bootet ins Ubuntu-Live-System. Die Option Innerhalb von Windows installieren ruft den Wubi-Installer auf, und Erfahren Sie mehr öffnet die Webseite http://www.ubuntu.com im Standardbrowser. Nach Auswahl der zweiten Option geht's los, und Sie sehen den Wubi-Einrichtungsdialog (Abbildung 1).

Abbildung 1: In diesem Dialogfenster legen Sie alles für die zukünftige Ubuntu-Installation fest.

Im Drop-down-Menü Installationslaufwerk suchen Sie das Windows-Laufwerk aus, auf dem sich das Linux-System einnisten darf. Hat der Windows-Rechner nur eine Partition, heißt das Laufwerk C:. Praktischerweise zeigt Wubi an, wie viel freien Platz es auf dem Laufwerk gibt. Direkt darunter legen Sie fest, wie viel Raum Ubuntu einnehmen darf. Interessant wird es im Menü Desktopumgebung: Starten Sie – wie in diesem Szenario – Wubi von einer Desktop-CD, können Sie hier lediglich das Ubuntu-Derivat des Installationsmediums aussuchen. Bei einer Ubuntu-CD ist das Ubuntu mit dem Gnome-Desktop, bei Kubuntu steht hier die KDE-Variante zur Verfügung und bei Xubuntu der Xfce-Desktop. Weiterhin richten Sie die Sprache ein (auf deutschen Windows-Systemen ist German die Voreinstellung) und legen für das Linux-System einen Benutzernamen und ein Passwort fest. Nach einem Klick auf Installation beginnt Wubi mit der Arbeit und richtet das Ubuntu-System ein.

Nach getaner Arbeit stellt Wubi Sie vor die Wahl, den Rechner jetzt oder zu einem späteren Zeitpunkt neu zu starten. Nach dem Reboot bietet der Windows-Bootloader einen zusätzlichen Eintrag für Ubuntu an (Abbildung 2). Blättern Sie mit der Pfeiltaste nach unten und benutzen Sie [Eingabe] zur Bestätigung. Optional rufen Sie danach das GRUB-Menü auf den Plan: Drücken Sie dazu einfach [Esc], während die Sekunden herunterzählen. Alternativ warten Sie kurz oder betätigen [Eingabe], um die Ubuntu-Installation abzuschließen.

Abbildung 2: Der Windows-Bootloader präsentiert einen neuen Eintrag namens Ubuntu.

Nach kurzer Bootzeit erscheint der Ubuntu-Installer, teilt den zugewiesenen Platz auf und spielt das Grundsystem ein. Währenddessen sehen Sie nicht nur einen Fortschrittsbalken, sondern auch zusätzliche Informationen zum neuen Betriebssystem und seinen Programmen. Hat der Ubuntu-Installer seine Arbeit beendet, bootet er den Rechner selbstständig neu.

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Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

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