Nette Gäste

Das Einfangen der Maus erweist sich im Dauerbetrieb als recht lästig. Abhilfe schaffen die so genannten Gasterweiterungen. Dahinter verbirgt sich ein Paket nützlicher Treiber, die das Betriebssystem in der virtuellen Maschine besser mit dem Gastgeber Ubuntu verbandeln. Um sie einzuspielen, starten Sie die virtuelle Maschine und wählen im Menü Geräte den Punkt Gasterweiterungen installieren. Erlauben Sie VirtualBox, im Internet nach den Erweiterungen zu suchen und klicken Sie anschließend auf Herunterladen. VirtualBox lädt jetzt ein CD-Image mit den Treibern herunter. Den Fortschritt verfolgen Sie links unten im Fensterrahmen. Abschließend lassen Sie die CD Einbinden. Unter Windows startet jetzt ein Installationsassistent, in dem Sie einfach immer auf Weiter klicken (Abbildung 5). Im letzten Schirm kreuzen Sie noch die Direct3D-Unterstützung an und klicken auf Installieren. Die Meldungen zum Windows-Logo-Test bestätigen Sie jeweils mit Installation fortsetzen und lassen Windows schließlich neu starten.

Abbildung 5: Die Gasterweiterungen integrieren das Gastbetriebssystem nahtloser in Ubuntu und vereinfachen so die Bedienung.

Nutzen Sie Linux als Gastbetriebssystem, spielen Sie zunächst alle Updates und dann die Entwicklerwerkzeuge ein. Unter OpenSuse lautet der Befehl sudo zypper in -t pattern devel_kernel und Ubuntu sudo apt-get install build-essential. Über den jeweiligen Dateimanager (Dolphin oder Nautilus) binden Sie die CD mit den Gasterweiterungen ein. Unter Ubuntu klicken Sie beispielsweise auf Orte und dann auf den Datenträger mit dem kryptischen Namen VBOXADDITIONS. Anschließend öffnen Sie ein Terminal, wechseln in das Verzeichnis mit der eingebundenen CD (die Sie meist im Ordner /media finden) und starten dort sudo sh autorun.sh. Haben Sie die Treiber installiert, müssen Sie die virtuelle Maschine einmal neu starten.

Anschließend ziehen Sie das Fenster der virtuellen Maschine per Maus einfach auf eine beliebige Größe (Abbildung 6) oder drücken [Strg-rechts]+[F] für den Vollbildmodus. Den Mauszeiger verwenden Sie nahtlos im Wirt und im Gast und kopieren auch Text zwischen den beiden Systemen. Zudem beherrscht die virtuelle Maschine jetzt auch eine beschleunigte 3D-Ausgabe. Dazu schalten Sie diese zunächst aus, klicken in den Einstellungen auf Anzeige, kreuzen die 3D-Beschleunigung an und stocken den Grafikspeicher etwas auf. Das ermöglicht unter Linux und Windows endlich auch die hübschen Desktop-Effekte. Die Probleme mit den speziellen Tastenkombinationen bleiben hingegen bestehen.

Abbildung 6: Dank der Gasterweiterungen integrieren Sie Ihr Gastbetriebssystem besser in Ihr Ubuntu 10.04.

Kernfrage

Wenn in Ihrer virtuellen Maschine eine Linux Distribution läuft, versagen nach einem Kernel-Update unter Umständen die Gasterweiterungen, weil die Spezialtreiber von VirtualBox nicht mehr mit dem neuen Betriebssystemkern zurecht kommen. Nutzen Sie Ubuntu als Gast, spielen Sie das Paket dkms ein, um dieses Problem zu umgehen. Hilft das nicht, installieren Sie die Gasterweiterungen nach dem Update erneut.

Abbildung 7: Das hinzugefügte Verzeichnis Musik…
Abbildung 8: …taucht später unter Windows XP als Netzwerkfreigabe auf.

Ich seh dich!

Schlussendlich vereinfachen die Gasterweiterungen auch den Datenaustausch, indem sie eines oder mehrere Ubuntu-Verzeichnisse in der virtuellen Maschine sichtbar machen. Dazu beenden Sie diese zunächst, aktivieren im Hauptfenster von VirtualBox den Menüpunkt MaschineÄndern und wählen in der linken Spalte Gemeinsame Ordner. Auf der rechten Seite klicken Sie auf das Symbol mit dem blauen Ordner und dem grünen Pluszeichen. Unter Ordner-Pfad tippen Sie jetzt das freizugebende Verzeichnis ein, das existieren muss (Abbildung 7). Direkt darunter vergeben Sie noch einen Namen, unter dem der Ordner später im Gastbetriebssystem auftaucht. Dank eines Häkchens vor Permanent erzeugen merkt sich VirtualBox diese Zuweisung dauerhaft. Starten Sie jetzt erneut die virtuelle Maschine. Unter Windows erscheint der Ordner nach einer Weile als Netzwerkfreigabe – öffnen Sie im Zweifel die Netzwerkumgebung und hangeln sich über Gesamtes Netzwerk weiter zu den VirtualBox Shared Folders (Abbildung 8). Nutzen Sie Linux als Gastbetriebssystem, hängen Sie das Verzeichnis hingegen mit administrativen Rechten manuell ein. Der Befehl dazu lautet allgemein:

sudo mount  -t vboxsf ordnername mountpunkt

gemäß Abbildung 7 also beispielsweise:

sudo mount -t vboxsf -o umask=007,gid=`id -g`,uid=`id -u` musik /mnt

Der Teil nach dem -o hängt den Ordner zugleich mit den passenden Nutzerrechten ein. Dazu ermittelt er die Benutzer- und Gruppen-ID des angemeldeten Benutzers.

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Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

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