Beinahe monatlich unterbieten sich die Netzbetreiber mit immer neuen Angeboten für mobiles Internet. Mussten Sie vor einigen Jahren noch für wenige MByte an transferierten Daten ein Vermögen bezahlen, gehen Sie heute schon für wenige Euro im Monat mobil online. Weit verbreitet sind dabei UMTS-Sticks, die Sie einfach an den USB-Port stöpseln.
Unser Testsystem bestand aus einem gewöhnlichen Notebook mit der aktuellen Version 9.10 von Ubuntu inklusive aller Updates und dem Kernel 2.6.31. Dort testeten wir den T-Mobile Web'n'walk Stick Fusion, den Vodafone Mobile Connect USB Stick K3765-HV sowie den O2 Surfstick Speed auf ihre Linux-Tauglichkeit. Primäre Zielgruppe der Anbieter ist – wie so oft – vor allem der gemeine Windows-Anwender – bestenfalls liefern die Anbieter noch brauchbare Treiber für Mac OS X mit. Doch Linux-Nutzer müssen nicht verzweifeln: Ubuntu und Co. bringen von Haus aus alles mit, was Sie brauchen, um online zu gehen. Mit ein wenig Handarbeit steht dem mobilen Surfvergnügen meist nichts im Weg.
Ein wenig Theorie…
Moderne UMTS-Geräte arbeiten in zwei Betriebsmodi. Nach dem Einstecken erscheint das Gerät gewöhnlich als ganz normaler Datenträger – genau wie bei einem herkömmlichen USB-Stick (Abbildung 1). Auf diesem Datenträger haben die Hersteller neben der Anleitung auch den eigentlichen Treiber und die Einwahlsoftware gespeichert: So haben Windows- und Mac OS X-Anwender die Installationsdateien immer zur Hand. Nach der Installation sorgt der Treiber dafür, dass das Betriebssystem den Stick beim nächsten Einstecken automatisch als Modem erkennt. Linux-Anwender schauen hier erst einmal in die Röhre, denn fertige Treiberpakete der Hersteller sind eine wahre Seltenheit.
Um den UMTS-Stick auch als Modem zu nutzen, muss er zunächst seinen Betriebsmodus wechseln, wozu ein spezieller Befehl an den USB-Bus geht. Zudem muss der Linux-Kernel das neue Modem erkennen und mit einem Schnittstellentreiber verknüpfen, dann erst gelingt die Einwahl. Nur bei einigen – insbesondere älteren – Geräten klappt das vollautomatisch. So etwa beim O2 Surfstick Speed: Ihn stecken Sie einfach ein, und er steht sofort als Modem zur Verfügung. Das Problem bei anderen Sticks besteht darin, dass der Befehl zum Umschalten keineswegs genormt ist, sondern jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht. Der Weg ändert sich zudem mitunter von Modell zu Modell. Kurz: Sie müssen stets die korrekte Befehlskette kennen.
Schneller Wechsel dank "usb_modeswitch"
An dieser Stelle kommt das praktische Tool usb_modeswitch ins Spiel, das Sie unter Ubuntu und seinen Derivaten einfach über den Paketmanager installieren. Jeden UMTS-Stick kennzeichnet eine so genannte Hardware-ID, an der usb_modeswitch erkennt, um welches Modell es sich handelt und welchen Befehl es für die Umschaltsequenz benötigt. Im einfachsten Fall steht Ihr Stick nach der Installation des Pakets schon automatisch als Modem zur Verfügung, ohne dass Sie weiter Hand anlegen müssen. Das klappte im Test aber weder bei dem Vodafone-Gerät noch beim Kandidaten von T-Mobile. Für diese Geräte müssen Sie die Konfigurationsdatei bearbeiten.
Die Software usb_modeswitch rufen Sie entweder manuell auf, wobei Sie zuerst die Datei /etc/usb_modeswitch.conf bearbeiten und dann sudo usb_modeswitch eingeben. Oder Sie verknüpfen sie mit einer Udev-Schnittstelle.
Der Linux-Dienst Udev überwacht unter anderem Aktivitäten auf dem USB-Bus: Beim Einstecken und Entfernen von USB-Geräten führt er dann bestimmte Befehle aus. Über eine entsprechende Udev-Regel sorgen Sie dafür, dass Ubuntu den Umschaltvorgang beim Einstecken eines UMTS-Sticks automatisch einleitet – genauso wie bei den Nutzern von Mac OS X oder Windows. Da der Udev-Weg wesentlich komfortabler ist, beschreiben wir ihn im folgenden.



