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Mobiler Koala

UMTS-Sticks unter Ubuntu 9.10

14.02.2010
Mittlerweile unterstützt Ubuntu mobile Datenverbindungen immer besser. Das aktuelle Release 9.10 (Karmic Koala) kommt mit vielen gängigen UMTS-Sticks zurecht und soll sich kinderleicht einrichten lassen – so die Theorie. Ob die Praxis das bestätigt, zeigen wir in diesem Artikel.

Beinahe monatlich unterbieten sich die Netzbetreiber mit immer neuen Angeboten für mobiles Internet. Mussten Sie vor einigen Jahren noch für wenige MByte an transferierten Daten ein Vermögen bezahlen, gehen Sie heute schon für wenige Euro im Monat mobil online. Weit verbreitet sind dabei UMTS-Sticks, die Sie einfach an den USB-Port stöpseln.

Unser Testsystem bestand aus einem gewöhnlichen Notebook mit der aktuellen Version 9.10 von Ubuntu inklusive aller Updates und dem Kernel 2.6.31. Dort testeten wir den T-Mobile Web'n'walk Stick Fusion, den Vodafone Mobile Connect USB Stick K3765-HV sowie den O2 Surfstick Speed auf ihre Linux-Tauglichkeit. Primäre Zielgruppe der Anbieter ist – wie so oft – vor allem der gemeine Windows-Anwender – bestenfalls liefern die Anbieter noch brauchbare Treiber für Mac OS X mit. Doch Linux-Nutzer müssen nicht verzweifeln: Ubuntu und Co. bringen von Haus aus alles mit, was Sie brauchen, um online zu gehen. Mit ein wenig Handarbeit steht dem mobilen Surfvergnügen meist nichts im Weg.

Ein wenig Theorie…

Moderne UMTS-Geräte arbeiten in zwei Betriebsmodi. Nach dem Einstecken erscheint das Gerät gewöhnlich als ganz normaler Datenträger – genau wie bei einem herkömmlichen USB-Stick (Abbildung 1). Auf diesem Datenträger haben die Hersteller neben der Anleitung auch den eigentlichen Treiber und die Einwahlsoftware gespeichert: So haben Windows- und Mac OS X-Anwender die Installationsdateien immer zur Hand. Nach der Installation sorgt der Treiber dafür, dass das Betriebssystem den Stick beim nächsten Einstecken automatisch als Modem erkennt. Linux-Anwender schauen hier erst einmal in die Röhre, denn fertige Treiberpakete der Hersteller sind eine wahre Seltenheit.

Um den UMTS-Stick auch als Modem zu nutzen, muss er zunächst seinen Betriebsmodus wechseln, wozu ein spezieller Befehl an den USB-Bus geht. Zudem muss der Linux-Kernel das neue Modem erkennen und mit einem Schnittstellentreiber verknüpfen, dann erst gelingt die Einwahl. Nur bei einigen – insbesondere älteren – Geräten klappt das vollautomatisch. So etwa beim O2 Surfstick Speed: Ihn stecken Sie einfach ein, und er steht sofort als Modem zur Verfügung. Das Problem bei anderen Sticks besteht darin, dass der Befehl zum Umschalten keineswegs genormt ist, sondern jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht. Der Weg ändert sich zudem mitunter von Modell zu Modell. Kurz: Sie müssen stets die korrekte Befehlskette kennen.

Schneller Wechsel dank "usb_modeswitch"

An dieser Stelle kommt das praktische Tool usb_modeswitch ins Spiel, das Sie unter Ubuntu und seinen Derivaten einfach über den Paketmanager installieren. Jeden UMTS-Stick kennzeichnet eine so genannte Hardware-ID, an der usb_modeswitch erkennt, um welches Modell es sich handelt und welchen Befehl es für die Umschaltsequenz benötigt. Im einfachsten Fall steht Ihr Stick nach der Installation des Pakets schon automatisch als Modem zur Verfügung, ohne dass Sie weiter Hand anlegen müssen. Das klappte im Test aber weder bei dem Vodafone-Gerät noch beim Kandidaten von T-Mobile. Für diese Geräte müssen Sie die Konfigurationsdatei bearbeiten.

Die Software usb_modeswitch rufen Sie entweder manuell auf, wobei Sie zuerst die Datei /etc/usb_modeswitch.conf bearbeiten und dann sudo usb_modeswitch eingeben. Oder Sie verknüpfen sie mit einer Udev-Schnittstelle.

Der Linux-Dienst Udev überwacht unter anderem Aktivitäten auf dem USB-Bus: Beim Einstecken und Entfernen von USB-Geräten führt er dann bestimmte Befehle aus. Über eine entsprechende Udev-Regel sorgen Sie dafür, dass Ubuntu den Umschaltvorgang beim Einstecken eines UMTS-Sticks automatisch einleitet – genauso wie bei den Nutzern von Mac OS X oder Windows. Da der Udev-Weg wesentlich komfortabler ist, beschreiben wir ihn im folgenden.

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Kommentare
UMTS-Stick
Michael M. (unangemeldet), Dienstag, 16. Februar 2010 11:37:05
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Vielen dank für den ausführlichen Bericht.
In der Tat kommt Ubuntu 9.10 z. Zt. noch am besten mit vielen UMTS-Sticks zurecht.
Zwei Anmerkungen meinerseits:
Ich persönlich halte den SD Slot für überflüssig, weil ich meine mobilen Daten generell auf einem verschlüsselten USB-Stick abspeichere.
Ich habe mir vor Weihnachten den Bildmobil Speedstick gekauft, weil der Tarif im Vodafone Netz sehr günstig ist. Auch die Geschwindigkeit von bis zu 7 Mbits/s ist nicht zu verachten.
Ich habe den Stick unter Ubuntu bzw. Debian Lenny nicht zum laufen gebracht. Meine Versuche mit usb_modeswitch und diversen Einstellungen sind alle gescheitert.
Ich hab mich dann für die "rabiate" Methode entschieden. Mit dem Programm mwcon und dem AT-Befehl habe ich das Flashlaufwerk deaktiviert, d.h. der Stick funktioniert nur noch als Modem und ich kann ihn auf meinen Distris problemlos einsetzen.
Das gleiche habe ich mit dem Vodafone 3565 Z gemacht. Dieser wird unter Ubuntu zunächst als Laufwerk erkannt, man kann dies allerdings auswerfen und hat dann das ZTE-Modem.
Ob dieses Auswerfen unter anderen Distris funktioniert habe ich nicht getestet.
Deshalb habe ich auch bei diesem Stift das Flashlaufwerk mittels AT-Befehl deaktiviert, nur hier habe ich das Programm minicom zur Hilfe genommen, das in jeder Distri vorhanden ist.
Alles in allem würde ich sagen, mit ein bißchen Handarbeit bekommt man auch die etwas störigen Sticks zum Laufen.



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Automatische Einwahl
Nils Magnus (unangemeldet), Montag, 15. Februar 2010 11:56:21
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Eine gute Übersicht, die ich ich teile. Wenn der Stick einmal eingerichtet ist, klappt der weitere Betrieb meist problemlos. Zwei Aspekte fallen mir noch ein: Ich finde es sehr praktisch, wenn sich der Netzzugang dadurch aufbaut, dass ich den Stick einstecke. Jedesmal einen Button zu klicken oder gar ein Skript aufzurufen ist mir etwas zu mühsam. Insofern freue ich mich, dass ich es nach diversen Anlaufschwierigkeiten mit dem KDE-Networkmanager-Plasmoid wie im Artikel beschrieben hinbekommen habe. Seither übersteht die Netzverbindung meines Notebook sogar jeden Reboot oder das Schlafenlegen über Stunden (nicht selbstverständlich bei der GSM-Wiedereinwahl).

Das alles soll jedoch nicht über die traurige Situation des KDE-Plasmoid hinwegtäuschen, die sich letztlich nur mit einigem Hintergrundwissen, diversen Google-Suchen (Was ist ein APN? Welchen muss ich verwenden? Wozu soll ich einen Benutzernamen und ein Passwort eingeben, denn sowas hat mein Stick gar nicht usw. usf.) machbar. Für Anwender ohne Erfahrung ist das nichts.

Umtsmon ist funktional ein gutes Programm, wenn man den Stick nur gelegentlich nutzt. Gerade im Ausland gefällt, dass Anwender das Netz auswählen dürfen oder sogar direkt SMS verschicken können. Blöderweise ist das Werkzeug vergleichweise aufwändig zu bedienen: Start auf der Kommandozeile (oder als Shortcut), einen Dialog über einen nicht-existierenden Fehler wegclicken, das Werkzeug auswählen auf "Connect" klciken oder "c" als Shortcut und dann warten und beten, dass der Verbindungsaufbau samt Progress-Bar klappt. Gut ist, dass Anwender etwas mehr Kontrolle darüber haben, ob oder was nicht funktioniert, aber auch die Diagnosefunktionen könnten besser sein.


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Re: Unser liebes LINUX und die Automatische Einwahl
Sphinx (unangemeldet), Samstag, 16. Oktober 2010 12:50:22
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Danke sehr für diese hervorragende Übersicht,
ebenso für die Zusatzinfos der Kommentare.

Wir haben den Stolz, es wieder einmal zu schaffen.

Wir müssen mit unserm Intelligenzfleiss = qualifizierte Arbeitszeit kompensieren, dass die Dienstleister den Markt verbarrikadieren,
um aus den damit möglichen höheren Gewinnspannen ein Marketing zu finanzieren, dass zur Absurdität entartet ist

mit Sternchen-Anmerkungen in Hülle und Fülle,
mit "Super-Schnäppchen" zum doppelten Preis,
mit "letzte Chance bis zum" -Paranoia-Erzeugung,
usw.usw.usw..
(Zur Vermeidung des Vorwurfes von Schmähkritik habe ich dies, wie Sie sehen, nicht als "Verblödungs-Marketing" bezeichnet.)


Da generell die meisten Hersteller die LINUX-Qualitäts-Informatik boykottieren, wäre einmal zu erwägen, dass die Linux-Nutzer ein Weissbuch aller linux-philen Hersteller gestalten,

woraus sich faktisch ein nicht-deklarierter Gegen-Boykott gegenüber allen Linux-boykottierenden Hersteller ergäbe. Da würden die Linux-Boykottierer unter den Herstellern sehr schnell ihr sündiges Leben beenden und auch Linux vermerken.

Das meiste Zubehör im Handel funktioniert sowieso auf Linux besser als auf anderen Systemen. Wenn die Zubehör-Hersteller und Dienstleister merken, dass sie das Weglassen von LINUX in der Beschreibung 10++ Prozent des Umsatzes kostet, werden sie sehr rasch machen, was oft sogar ihre legale Pflicht wäre.
Denn wettbewerbsbeschränkende Handlungsweisen sind je nach Rahmenumständen unzulässig - und das gilt auch für Unterlassungen.


Zur konkreten Sache selbst sei noch hingewiesen
-------------------------------------------------------------------
auf die eventuelle Nützlichkeit bei entsprechenden LINUX-Distributionen - z.B. Fedora Core - , auszuführen:

yum install usb_modeswitch





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Re: Unser liebes LINUX und die Automatische Einwahl
Sphinx (unangemeldet), Samstag, 16. Oktober 2010 14:45:28
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In diesen Stunden wurden nach Erörterung erste Bereitschaften geregelt, das Problem des impliziten LINUX-Boykotts seitens der meisten Hersteller gezielt anzugehen.

1. Weissliste: geplant für volxweb.com (kostenfreier Selbsteintrag von linux-philen Anbietern).

2. Rechtspflicht von Händlern und Dienstleistern, bereits vorhandene LINUX-Kompatibilität ebenfalls auszuweisen: Musterschreiben zum Eigenversand - geplant für aha7.com (Webseite für Zugang zu kostenlosen Mustertexten / Rechtsinfos).

3. Rechtspflicht, bei marktstarker Anbieter-Stellung auch LINUX in zumutbarer Weise zu bedienen: ähnlich wie 2.

============

Ob diese Planung Realität wird, liegt nicht bei mir. Ist geplant für Dezember 2010, English, Französisch, Deutsch. Nicht immer werden versprochene Dienste auch Realität.

Falls bereits ausreichend Gleichartiges vorhanden, am besten die Fundstellen übermitteln. (Jeweils aktuelle Kontaktadresse sind auf aha7.com / Seitenende.)

Soweit etwas zu 1) 2) 3) bereits ausreichend vorhanden, könnte ja vorgeschlagen werden, nichts Neues zu machen, sondern einfach auf Bestehendes zu verweisen.

Für UMTS und mehr ist vor allem oben 3) wichtig.





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Infos zur Publikation

Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

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