Welche Grafikkarte?

Dazu sollten Sie zunächst wissen, welche Grafikkarte Sie verwenden. Sie drücken [Alt]+[F2] und geben unter Kubuntu konsole, unter Ubuntu gnome-terminal und unter Xubuntu xterm ein, um ein Terminal aufzurufen. Die beiden Befehle lspci | grep VGA (Abbildung 3) und glxinfo | grep render (Abbildung 4) verraten den Namen Ihrer Grafikkarte. Letzterer offenbart zudem, ob die 3D-Beschleunigung funktioniert. Steht dort direct rendering: Yes, ist sie bereits aktiv, weil Sie eine Intel-Karte verwenden oder es eine 3D-Unterstützung über die freien Treiber gibt. Wie zuverlässig dieser 3D-Support arbeitet, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Kennen Sie Ihre Grafikkarte, forschen Sie im Netz, welchen Treiber Sie einsetzen können. Nutzen Sie eine Nvidia-Karte, schauen Sie etwa unter [6] nach, welche Version des proprietären Treibers Sie benötigen. Auch zur Unterstützung für Nouveau (im Paket xserver-xorg-video-nouveau) finden Sie unter [7] Informationen im Internet.

Beim Einsatz einer ATI-Karte, sehen Sie unter [8] nach, ob der proprietäre Catalyst-Treiber sie unterstützt. Alternativ hilft Ihnen vielleicht der freie Radeon-Treiber [9] (der in der Tabelle unter ATI firmiert und im Paket xserver-xorg-video-ati wartet) weiter. Um ihn einzusetzen, müssen Sie aber einen zuvor installierten proprietären Treiber komplett entfernen, der Befehl lautet: sudo apt-get remove --purge xorg-driver-fglrx.

Nutzen Sie eine ATI-Karte der 500er bis 700er Chipsatz-Serie, bringt Sie eventuell auch der Open-Source-Treiber radeonhd (Paket xserver-xorg-video-radeonhd) weiter. Als Notfalllösung bleibt immer noch der Vesa-Treiber: Er unterstützt auch den GMA500-Chip von Intel mit dem Namen "Poulsbo". Dessen Quellcode gehört einer anderen Firma, daher verweigert Intel jeglichen Support.

Treibertanz

Installiert Jockey den falschen Grafikkarten-Treiber oder wollen Sie für Ihre Karte eine alternative Lösung probieren, müssen Sie auf die Kommandozeile. Startet etwa nach der Installation des proprietären Nvidia-Treibers die grafische Oberfläche nicht mehr, setzen Sie auf diesem Weg wieder den alten Nv-Treiber ein oder – nach der Installation des Nouveau-Pakets – den Nouveau-Treiber. Alle dazu nötigen Informationen stehen in der Datei /etc/X11/xorg.conf, die Sie nun bearbeiten.

Dazu beenden Sie zunächst den Sitzungsmanager von Xubuntu und Ubuntu und verlassen so die grafische Oberfläche – wenn die nicht ohnehin schon weg ist:

sudo /etc/init.d/gdm stop

Den Befehl geben Sie in ein Terminal ein. Unter Kubuntu ersetzen Sie gdm durch kdm – so heißt Kubuntus Sitzungsmanager. Sie landen als Folge auf der Kommandozeile und wechseln über [Alt]+[Strg]+[F1] auf eine virtuelle Konsole. Dort wartet bereits ein Login-Prompt auf Sie: Geben Sie Ihren Benutzernamen und das Passwort ein, und melden Sie sich an.

Im ersten Schritt sichern Sie nun die Datei xorg.conf. So können Sie – wenn nichts mehr geht – die alte Datei wieder an den Ursprungsort zurück kopieren. Sie machen einfach eine Kopie der Datei, die als Sicherung dient:

sudo cp /etc/X11/xorg.conf /etc/X11/xorg.conf.BACKUP

Wollen Sie später die Originaldatei zurück, geben Sie der Datei xorg.conf.BACKUP den ursprünglichen Namen wieder:

sudo cp /etc/X11/xorg.conf.BACKUP /etc/X11/xorg.conf

Im nächsten Schritt öffnen Sie die Datei xorg.conf mit administrativen Rechten in einem Editor. Da Ihnen kein grafischer Editor mehr zur Verfügung steht, wählen Sie zum Beispiel nano. Über den Befehl:

sudo nano /etc/X11/xorg.conf

öffnen Sie die Datei im Bearbeitungsmodus. Sie tippen Ihre Änderungen ein und drücken [Strg]+[O] und dann [Eingabe], um die Datei zu speichern. Über [Strg]+[X] verlassen Sie den Editor wieder.

Die Datei enthält wenig Text und unterteilt sich gewöhnlich in verschiedene Abschnitte, die mit Section beginnen. Listing 1 zeigt als Beispiel, wie ein korrekter Eintrag für eine Nvidia-Karte aussehen kann, die den proprietären Treiber nvidia verwendet. Existiert die Section "Device" bereits, ändern Sie nur den Eintrag hinter Driver, andernfalls ergänzen Sie den gesamten Text aus dem Kasten.

Hinter Driver tragen Sie nun den passenden Treibernamen aus der Tabelle ein, etwa nv, vesa oder nouveau. Als ATI-User gelangen Sie mit der Eingabe von fglrx (für den Catalyst-Treiber), ati (für den freien ATI-Treiber) oder radeonhd ans Ziel. Aber Vorsicht: Das X-Server-System ist sehr sensibel was die korrekte Schreibung der Befehle in der Datei xorg.conf angeht.

Listing 1
Section "Device"
        Identifier      "Configured Video Device"
        Driver          "nvidia"
EndSection

Sie speichern die Datei wie eben beschrieben, verlassen den Editor und starten die grafische Oberfläche über

sudo /etc/init.d/gdm start

bzw. kdm, neu. Nun drücken Sie die Daumen, dass das System den neuen Treiber akzeptiert. Bleibt der Bildschirm schwarz, werfen Sie erneut einen Blick in die Datei /etc/X11/xorg.conf und wählen einen anderen Treiber.

Ähnliche Artikel

  • Änderungen beim proprietären Nvidia-Treiber
    Der proprietäre Treiber von Nvidia soll mit der kommenden Version 343 nur noch aktuelle Grafikkarten ab der GeForce-Serie 400 unterstützen. Besitzer von älteren Karten werden zukünftig zum Legacy-Treiber greifen müssen.
  • Beschleunigte Grafikkartentreiber für Nvidia und ATI
    Um aus Ihrer Grafikkarte die maximale Leistung herauszuholen, empfiehlt es sich, die Treiber des Herstellers einzusetzen. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Treiber für Nvidia- und ATI-Grafikkarten unter OpenSuse und Ubuntu installieren und das System für ihre Nutzung konfigurieren.
  • Wie Grafikkartentreiber ein System-Update überleben
    Die proprietären Grafiktreiber von ATI und Nvidia sind oft zu schlecht in ein laufendes System integriert, um ein System-Upgrade zu überleben. EasyLinux zeigt, wie es geht und was hilft, wenn doch mal etwas schiefläuft.
  • Nvidia-Probleme in der Beta von Maverick Meerkat
    Ubuntu 10.10 könnte eine Reihe älterer Nvidia-Karten nicht unterstützen. Schuld ist ein neuer Xserver.
  • Runde Sache
    Benutzer von aktuellen Grafikkarten haben es unter OpenSuse nicht leicht, wenn es um die Einrichtung der 3D-Unterstützung geht. Dieser Artikel zeigt Ihnen Schritt für Schritt den Weg zum Erfolg.
Kommentare

Infos zur Publikation

Ubuntu User ist bis Ausgabe 02/2013 vierteljährlich erschienen, aktuelle Artikel zu Ubuntu finden sich ab Ausgabe 04/2013 im LinuxUser.

Der Tipp der Woche

Schon gewußt?

14.11.2015

Auch unter Ubuntu 15.10 kann man wieder mit dem Startmedienersteller (alias Startup Disk Creator) ein Live-System auf einem USB-Stick einrichten. ...

Fehler des Startmedienerstellers von Ubuntu 15.10 umgehen

Aktuelle Fragen

Tails Update
Val Lerie, 11.01.2016 10:51, 0 Antworten
Hallo zusammen, updaten > update Speichern unter > Persistent nicht möglich, mit der Meldung;...
Recoll
Jürgen Heck, 20.12.2015 18:13, 4 Antworten
Wie kann man mit Recoll nach bestimmten Zeichen/Satzzeichen bzw. Zeichenkombinationen suchen, z....
Wings Platinum 4 auf Linux?
Bodo Steguweit, 18.12.2015 11:37, 4 Antworten
Hallo in die Runde ich nutze für meine Diashows Wings Platinum 4 als Diareferent. Arbeite jetzt...
Bandbreite regulieren
Georg Armani, 25.11.2015 16:50, 1 Antworten
Hallo, ich bin ein Neuling in Sachen Linux und hoffe auf Hilfe. Ich habe zwei Windows Rechner...
Windows 10 verhindert LINUX
Hans Wendel, 17.11.2015 17:47, 8 Antworten
Hallo alle, mit einem W10-Laptop (vorher war Win7) wollte ich LINUX ausprobieren. Alles, was ni...