Freie Treiber

Aufgrund der gezeigten Probleme arbeiten einige Entwickler schon länger an freien Treibern. Wie die Tabelle Grafikkarten-Treiber zeigt, gibt es verschiedene quelloffene Varianten für die Karten von Nvidia, AMD, Intel und Co. Sie kranken aber, mit Ausnahme der Intel-Treiber, bisher am eingeschränkten 3D-Support, auch wenn die Entwickler permanent daran arbeiten. Während die Radeon-Treiber für einige ATI-Karten eine ordentliche 3D-Unterstützung bieten, funktionieren die 3D-Funktionen des Nouveau-Treibers bisher nur begrenzt. Dennoch soll er in Ubuntu 10.04 den leicht angestaubten Nv-Treiber ablösen, da er mittlerweile Kernel Mode Setting und Dual View über Randr 1.2 beherrscht.

Auch wenn die Entwickler einem offenen Treiber 3D-Support bescheinigen, bekommen Sie unter Umständen nicht viel davon mit: In den Distributionen stecken nämlich oft nicht die aktuellsten Versionen der Treiber. Brandneue, instabile und wenig getestete X.org-Treiber bietet das Private Package Archive (PPA) der X.org-Edgers [3] an – die sollten Sie nur verwenden, wenn Sie Experte, extrem verzweifelt oder amtlich verrückt sind.

Wenn alle Stricke reißen und Sie keinen Treiber für Ihre Grafikkarte finden, springt Vesa ein. Dabei handelt es sich um eine BIOS-Erweiterung, die im Zusammenspiel mit dem so genannten Framebuffer grafische Elemente auf den Bildschirm zaubert. Nichts ausgefeiltes, aber Sie erhalten immerhin eine Auflösung von bis zu 1600x1200 Pixeln mit einer Farbtiefe von bis zu 24 Bit.

Grafikkarten-Treiber

Treiber Für Karten Quellcode Xorg-Eintrag 3D-Support Beschreibung
Nvidia Nvidia nein nvidia ja Proprietäre Treiber von Nvidia (Versionen: 190.53 / 173.14 / 96.43 / 71.86)
Nv Nvidia ja nv nein unterstützt die meisten Nvidia-Chipsätze bis zur GeForce GTX GT200 und erkennt Karten automatisch.
Nouveau Nvidia ja nouveau rudimentär Kein Support für alte Nvidia-Karten Diamond Edge 3D und Riva 128, ansonsten alle, beherrscht Kernel Mode Setting, Dual-Head-Support über Randr 1.2
Catalyst ATI nein fglrx ja Aktueller Treiber unterstützen keine älteren ATI-Karten, unterhalb der R600-Serie. Ältere Treiber lassen sich wg. Inkompatibilität zu X-Server nicht verwenden.
Ati ATI ja ati/radeon ja Wrapper, der die freien Treiber radeon, r128 oder mach64 lädt, unterstützt Radeon 7200 bis HD 4890 (R100 bis R700), 3D-Support für R100 bis R500-Chipsatz-Klasse (Radeon 7200 bis X1950)
radeonhd ATI ja radeonhd rudimentär Alternative Treiber für neuere ATI-Karten mit R500/600/700-Chipsätzen
Intel Intel ja intel ja Unterstützt alle Intel-Chips mit Ausnahme von GMA500 ("Poulsbo"). Kein Blu-Ray-Support bis GMA X3500.
Vesa alle ja vesa nein Die BIOS-Erweiterung beherrscht bis zu 24 Bit Farbtiefe und Auflösungen bis zu 1600x1200 Pixel, aber kein 3D. Funktioniert als Fallback-Lösung für nicht unterstützte Grafikkarten.

Treiber installieren

Nun stehen Sie also im Treiberwald und sind verwirrt. Keine Sorge: Im Normalfall brauchen Sie diese Informationen meist gar nicht. Eine Software namens Jockey hilft Ihnen nämlich unter Ubuntu, Xubuntu und Kubuntu, die proprietären Treiber einfach per Mausklick zu installieren. Den im Kapitel "Treibertanz" geschilderten Weg gehen Sie nur, wenn die automatische Installation des richtigen Grafikkarten-Treibers scheitert und Sie vor der Kommandozeile sitzen – er ist eine Notlösung.

Jockey meldet sich nach dem ersten Start des Betriebssystems meist automatisch nach ein paar Sekunden. Unter Kubuntu 9.10 erreichen Sie die Software alternativ über ProgrammeSystemHardware Drivers (Abbildung 2), unter Ubuntu führt der Weg über SystemSystemverwaltungHardware-Treiber. Xubuntu-User wählen ApplicationsSystemHardware-Treiber.

Es öffnet sich ein Fenster, das Ihre Grafikkarte anzeigt. Klicken Sie nun auf Aktivieren, lädt Jockey den Treiber herunter und installiert ihn. Praktisch: Nach einem Kernel-Update müssen Sie den Treiber nicht neu einspielen. Das Entfernen des Treibers über Jockey funktionierte im Test hingegen nicht.

Versagt dieser Installationsweg, versuchen Sie, die proprietären Treiber über den Paketmanager zu installieren, den Sie nach nvidia-glx bzw. driver-fglrx (für ATI-Karten) durchsuchen. Unter Umständen müssen Sie die Treibernamen nach der Installation manuell in die Datei xorg.conf eintragen, wie es der Abschnitt "Treibertanz" beschreibt. Über das Catalyst Control Center (im Paket fglrx-amdcccle) und die Nvidia-Settings (im Paket nvidia-settings) konfigurieren Sie die Grafikkarten nach einer erfolgreichen Installation bei Bedarf.

Scheitert die automatische Treiberinstallation, laden Sie die Treiber per Hand von den Webseiten von Nvidia und ATI herunter und installieren sie. Der Weg empfiehlt sich eher nicht, er wird für ATI-Karten hier [4] und für Nvidia-Karten hier [5] beschrieben. Gibt es für Ihre Karte keine proprietären Treiber oder funktionieren diese schlecht, kann es helfen, mit den freien Treibern zu experimentieren.

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