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© sundstrom, sxc.hu

Das Multitalent

Die vielen Gesichter von Ubuntu

10.11.2009
Es muss nicht immer Gnome sein. Mit Kubuntu, Xubuntu und den Netbook-Varianten stehen gleich mehrere Alternativen bereit, die sich genauso gut für die tägliche Arbeit und das Vergnügen eignen.

Wer von Ubuntu spricht, denkt in erster Linie an den orangefarbenen und braunen Gnome-Desktop. Doch während Ubuntu die mit Abstand beliebteste Variante der Canonical-Distribution ist, gibt es seit Version 5.04 mit Kubuntu auch einen offizielle KDE-Version, zu der sich in den letzten Jahren weitere Derivate wie Xubuntu, Edubuntu und Mythbuntu gesellt haben. Denn im Unterschied zu OpenSuse, Mandriva und einigen weiteren Distributionen gibt es bei Ubuntu während der Installation keine Desktop-Auswahl: wer einen anderen Desktop möchte, muss somit quasi eine andere Distribution (beziehungsweise ein Derivat) wählen. Dabei lassen sich drei Gruppen unterscheiden:

  • Ubuntu-Versionen, die sich auf einen bestimmten Desktop konzentrieren
  • Ubuntu-Versionen, die sich auf ein bestimmtes Thema konzentrieren
  • Ubuntu-Versionen, die sich auf eine bestimmte Hardware konzentrieren

Die Klassiker Kubuntu (Ubuntu mit KDE) und Xubuntu (Ubuntu mit XFCE) fallen in die erste Gruppe, Edubuntu (Ubuntu mit sehr vielen Bildungsprogrammen), Ubuntu Studio (auf Soundanwendungen spezialisiert) und Mythbuntu (auf das Mediacenter Mythtv spezialisiertes Ubuntu) in die zweite. Ubuntu-Versionen, die sich auf eine bestimmte Hardware spezialisiert haben sind zum Beispiel die Netbook-Versionen von Kubuntu und Ubuntu, sowie spezielle Builds für ARM-Prozessoren, die Ubuntu Enterprise Cloud für die EC2-Cloud von Amazon und noch einige mehr.

Bei den aufgezählten Distributionen handelt es sich alles um von Canonical offiziell unterstützte Ubuntu-Derivate. Das bedeutet, dass die Firma dafür Sicherheitsupdates bereitstellt und Fehler in Programmen behebt. Daneben gibt es noch mehr als ein Dutzend inoffizielle Derivate, darunter sehr bekannte wie Linux Mint und EasyPeasy aber auch weniger verbreitete wie Fluxbuntu oder der Ubuntu Privacy Remix.

KDE + Ubuntu = Kubuntu

Die nach Ubuntu am häufigsten benutzte Ubuntu-Version heißt Kubuntu [1] und setzt den KDE-Desktop ein (Abbildung 1). Wie Ubuntu selbst gibt es auch Kubuntu als CD- oder DVD-Version in der Live-Variante oder als Alternate-CD nur zur Installation. Für die aktuelle Version haben die Entwickler das Installationsprogramm optisch überarbeitet, so dass es jetzt wie eine echte KDE-4-Anwendung aussieht (Abbildung 2).

Abbildung 1: Der KDE-Desktop von Ubuntu mit der Desktop-Ansicht für die Installation und einem Miniprogramm zum bloggen.
Abbildung 2: Das Installationsprogramm passt sich nun optisch perfekt an KDE 4 an.

Neben diesen optischen Kleinigkeiten wartet die neue Kubuntu-Version auch mit zusätzlichen Features auf. So zeigt das Brief-Symbol im Systemabschnitt eingehende Nachrichten an, egal ob diese von einem Mail- oder Chatprogramm stammen. In Zusammenarbeit mit dem Gnome-Team haben die Kubuntu-Entwickler zudem ein einheitliches Benachrichtigungssystem geschaffen, so dass die Benachrichtigungen von Gnome-Programmen auch unter KDE optisch ansprechend aussehen und umgekehrt. OpenOffice-Fans dürfen sich im neuen Kubuntu über eine sehr gute KDE-Integration freuen, die nicht nur das Icon Theme betrifft, sondern auch den Speichern/Öffnen-Dialog umfasst (Abbildung 3). Mit Kpackagekit kommen zudem auch die KDE-Nutzer zu einem neuen Paketmanager, der zwar nicht die Übersichtlichkeit des neuen Software-Centers herankommt, dafür aber ein ebenbürtiger Ersatz von Synaptic darstellt.

Haben Sie jetzt Lust auf KDE bekommen, dann müssen Sie dazu nicht den kompletten Rechner neu installieren. Wie Sie von Ubuntu auf Kubuntu wechseln, beschreibt der Kasten "Fliegender Wechsel". Sämtliche KDE-Programme verrichten zudem auch unter Gnome ihren Dienst, auch wenn Sie ab und zu auf gewisse Bequemlichkeitsfunktionen verzichten müssen, die die Programme jeweils nur unter der eignen Arbeitsoberfläche bereitstellen.

Abbildung 3: Die Kubuntu-Entwickler haben OpenOffice komplett in den KDE-4-Desktop integriert.

Fliegender Wechsel

Egal ob Kubuntu, Ubuntu oder Xubuntu: für alle drei großen Desktopumgebungen gibt es ein passendes Metapaket, das quasi den kompletten Desktop auf einen Befehl installiert. Für KDE lautet das Paket kubuntu-desktop, für XFCE xubuntu-desktop. Möchten Sie somit unter Gnome den KDE-Desktop ausprobieren, geben Sie dazu den Befehl sudo apt-get install kubuntu-desktop ein, analog stellt der Befehl sudo apt-get install ubuntu-desktop ein Kubuntu-System auf Gnome um. Möchten Sie einen Blick auf XFCE werfen, dann müssen Sie das Paket xubuntu-desktop installieren. Beachten Sie, dass die Installation rund 200 bis 300 MByte an zusätzlichen Paketen aus dem Internet herunterladen muss, der fliegende Wechsel lohnt sich somit nur bei einer schnellen Internetanbindung (DSL). Der jeweilige Desktop bringt zudem auch sein eigenes Artwork mit, sodass je nach bei der Installation gewählter Einstellung nicht nur die grafische Oberfläche zum Kubuntu-Blau mutiert, sondern auch der grafische Bootbildschirm und der Login-Manager.

Auch ein Blick auf die Netbook-Version von Kubuntu lässt sich per Paketmanager problemlos wagen. Das Metapaket kubuntu-netbook spielt die benötigten Komponenten ein. Sie starten die grafische Oberfläche für Netbooks dann über den Befehl killall plasma-desktop && plasma-netbook. Sollten Sie beim Download die Netbook-Version gewählt haben und möchten jetzt doch den normalen KDE-4-Desktop nutzen, dann gehen Sie umgekehrt vor: zunächst beenden Sie die Netbook-Oberfläche über killall plasma-netbook, dann starten Sie den gewöhnlichen KDE-4-Desktop über den Befehl plasma-desktop. Gnome-Nutzer haben hier das Nachsehen: ein Wechsel vom Ubuntu-Netbook-Release (UNR) zum Standard-Gnome-Desktop ist nicht ohne weiteres möglich.

Für Netbooks

Kubuntu und Ubuntu bieten jeweils eine auf Netbooks spezialisierte Version der Distribution an. Während es die Gnome-Version bereits seit längerer Zeit gibt und für Gnome-Nutzer mit EasyPeasy [2] zudem eine auf die meisten Netbooks perfekt abgestimmte Ubuntu-Version vorliegt, feiert die Netbook-Version von KDE mit Karmic Koala ihre Premiere. Die Kubuntu-Homepage weist denn auch daraufhin, dass es sich bei der Kubuntu Netbook Edition um eine Technology Preview handelt.

Die auffälligste Änderung an der Netbook-Version stellt die Kontrollleiste dar. Sie befindet sich bei der Netbook-Version am oberen Bildschirmrand (Abbildung 4). Die Netbook-Oberfläche bietet zudem zwei Ansichtsmodi (KDE nennt diese Aktivitäten): Die Anwendungen (Applications) und die Zeitungsübersicht (Newspaper). Um zwischen dem Übersichtsmodus und dem Anwendungsstarter zu wechseln, klicken Sie einfach die jeweilige Überschrift an.

Abbildung 4: Die Anwendungsoberfläche mit der Installation als Favorit und einer Reihe von Programmgruppen darunter.

Zuoberst auf dem Anwendungsstarter befindet sich die Favoritenliste. Hier sehen Sie bei der Live-CD zunächst nur das Symbol für die Installation. Darunter befinden sich Menüpunkte, die wiederum die einzelnen Programme enthalten. Ein Klick öffnet die Auswahl. Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Symbole darunter sehen Sie nicht nur einen angenehmen Slider-Effekt sondern bei jedem Programmsymbol erscheint auch ein gelber Stern. Klicken Sie auf diesen Stern, erscheint die Anwendungen unter den Favoriten (Abbildung 5).

Abbildung 5: Ein Klick auf den gelben Stern fügt das Adressbuch zu den Favoriten hinzu.

Die Newspaper-Oberfläche hält eine Auswahl von so genannten Plasmoids bereit (Abbildung 6). Dabei handelt es sich um KDE-4-Miniprogramme, die sich nach Belieben vergrößern, verkleinern, verschieben oder löschen lassen. Der Newsticker informiert Sie über aktuelles aus der KDE-Welt, die gelben Notizzettel braucht man kaum zu erklären. Oben links befindet sich in der Grundeinstellung ein leeres Fenster. Hierbei handelt es sich um einen Wetterbericht. Damit das Plasmoid Informationen anzeigt, müssen Sie es zunächst über einen Klick auf Configure einrichten. Die meisten größeren Städte sind in der Online-Datenbank verfügbar, allerdings müssen Sie dazu die englische Schreibweise wählen, also "Munich" anstatt "München" oder "Geneva" statt Genf.

Die Miniprogramme der Netbook-Version verdecken in der Grundeinstellung die Anwendungen, die Sie auf der Application-Oberfläche, per [Alt]+[Tab] schalten Sie aber bequem zwischen den Anwendungen und der praktischen Übersicht hin und her, ohne dazu immer mit der Maus auf den Menüeintrag klicken zu müssen.

Abbildung 6: Die Netbook-Version geht mit den Pixeln auf dem Desktop deutlich platzsparender um.

Leichteres Leben

Ubuntu und Kubuntu verrichten zwar auf den meisten Rechnern mit aktueller Hardware problemlos ihren Dienst, bei der als Minimalanforderung angegebenen Hauptspeichergröße von 512 MByte sieht aber keine der zwei Desktopoberflächen wirklich schnell aus. Hier kommt Xubuntu [3] ins Spiel. Der Desktop mit der Maus braucht deutlich weniger Ressourcen und kommt zur Not auch mit 265 MByte RAM zurecht. Dass Sie dabei trotzdem nicht auf optisch sehr ansprechende Effekte verzichten müssen, zeigt Ihnen bereits der Bootbildschirm (Abbildung 7).

Abbildung 7: Xubuntu verkürzt die eh schon schnelle Bootzeit durch eine hübsche Animation.

Auch auf dem XFCE-Desktop befindet sich das Panel am oberen Bildschirmrand. Die Menüeinträge für die Anwendungen und die Orte decken sich zudem weitgehend mit dem Original-Ubuntu. Lediglich ein separates Einstellungsmenü bringt Xubuntu nicht mit, Sie finden die Konfigurationsmöglichkeiten für den XFCE-Desktop im Menü Application | Einstellungen.

Abbildung 8: Xubuntu macht nicht nur optisch einen gelungenen Eindruck sondern arbeitet auch deutlich flotter als Ubuntu und Kubuntu.

Als Paketmanager setzt Xubuntu auf das sehr schnelle gnome-app-install, der Dateimanager heißt hier Thunar. Den größten Unterschied werden Nutzer von OpenOffice feststellen: Aus Platz- und Performancegründen hat das Xubuntu-Team die fette Office-Suite durch zwei kleinere Programme ersetzt: Abiword zur Textverarbeitung und Gnumeric für die Tabellenkalkulation. Auch der Audioplayer Rhythmbox musste weichen, stattdessen ist das Leichtgewicht Exaile an Bord. Die Handhabung von Xubuntu unterscheidet sich abgesehen von der Programmauswahl kaum von den meisten modernen Desktopsystemen, sodass Sie sich schnell zu Hause fühlen werden.

Glossar

Derivate

Besondere Versionen einer Linux-Distribution, die zwar auf den gleichen Wurzeln beruhen, sich aber in eine andere Richtung entwickelt oder auf einen bestimmten Bereich spezialisiert haben.

Infos

[1] Kubuntu: http://www.kubuntu.org

[2] EasyPeasy: http://www.geteasypeasy.com

[3] Xubuntu: http://www.xubuntu.org

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