Antiker Straßenbau

Spiel zum Wochenende: Widelands

Spiel zum Wochenende: Widelands

26.09.2009
Mit „Die Siedler“ schuf der deutsche Entwickler Blue Byte eine der bekanntesten Strategiespiel-Reihen. Als Höhepunkt handeln viele Fans nach wie vor den über 10 Jahre alten zweite Teil. Von ihm ließen sich auch die Macher des freien Klons Widelands inspirieren.

Als Herrscher über ein kleines Volk gilt es im Echtzeitstrategiespiel Widelands einen möglichst florierenden Wirtschaftskreislauf aufzubauen, Armeen auszubilden und natürlich Land zu erobern. Spielprinzip und Grafik lehnen sich sichtlich an „Die Siedler II“ an. Das gilt auch für den Detailgrad: Überall wuseln emsig arbeitende Siedler umher. Fans des Strategieklassikers dürften sich folglich sofort heimisch fühlen.

Ich hab' Kreislauf

Ähnlich wie im kommerziellen Vorbild darf man in Widelands derzeit zwischen drei verschiedenen Völkern oder Rassen wählen. Jedes von ihnen verfügt nicht nur über seine eigenen Grafiken, sondern unterscheidet sich auch leicht in seinen Fähigkeiten und Wirtschaftskreisläufen.

Das Tutorial führt mit einer gut erzählten Geschichte in die Warenkreisläufe ein.

In jedem Fall beginnt der Spieler zunächst mit einem Hauptquartier, das gleichzeitig als Warenlager dient. Von diesem ausgehend errichtet er weitere Arbeitsstätten, in der Regel beginnt man mit einem Holzfäller um Baustoffe für weitere Arbeitsstätten zu erhalten. Um nicht nach kurzer Zeit ohne Wald dazustehen, muss ein Förster her, ein Steinbruch liefert Steine, was wiederum größere Gebäude, wie etwa eine Festung ermöglicht.

Langer Marsch

Um einen möglichst schnellen Transport der Waren zu gewährleisten, verbindet man alle Produktionsstätten über Straßen. Zwischen den mit Fähnchen ausgewiesenen Knotenpunkten postieren sich automatisch Träger, die die Waren an ihren Bestimmungsort – wie etwa eine neue Baustelle – weiterreichen.

Hier baut das „Imperium“ eine kleine Oase aus.

Im Gegensatz zu vielen anderen Strategiespielen ist man bei Widelands für den Straßenbau selbst verantwortlich. Weite Wege und ein verschachteltes Straßensystem rächen sich in langen Lieferzeiten, was im schlimmsten Fall zu Produktionsausfällen führt. Effiziente Straßenplanung bildet somit zwangsweise eine wesentliche, strategische Komponente.

Bedienung!

Den Einstieg in das komplexe Wirtschaftssystem und die nicht ganz intuitive Bedienung erleichtert ein kleines, liebevoll gestaltetes Tutorial. Eine deutsche Kurzanleitung versteckt sich in der Liesmich-Datei, während die offizielle, englische Dokumentation auf der Homepage eher Referenzcharakter besitzt.

Die kleinen, roten Häuser markieren Bauplätze, die gelben Fahnen mögliche Wegpunkte.

Bevor man eine neue Arbeitsstätte in Auftrag gibt, lässt man sich mit einem Druck auf die Leertaste mögliche Bauplätze ausweisen. Ein Klick mit der linken Maustaste bringt dann ein Fenster mit allen Aktionen hervor, Mausbewegungen bei gedrückte rechter Taste verschieben den Bildausschnitt. Um herauszufinden, welche Mineralien die Böden der Umgebung enthalten, schickt man den Geologen los. Das Einzugsgebiet erweitert man über militärische Stützpunkte.

Faltplan

Die zahlreichen mitgelieferten Einzelkarten laden zum stundenlangen siedeln ein. Wer nicht alleine gegen den Computer spielen möchte, darf im Netzwerk oder über das Internet auch gegen menschliche Kontrahenten antreten. Ein eingebauter Editor sorgt schließlich für fast unbegrenzten Kartennachschub. Als Bonus darf man sogar Kartenmaterial aus „Die Siedler II“ importieren.

Da die weißen Eisflächen nicht bebaut werden können, muss das kleine Dort auf dem schmalen Grünstreifen wachsen.

Installation

Widelands steckt in den Repositories jeder guten Distribution. Um es zu installieren, genügt somit der Griff zum Paketmanager. In einigen Fällen erhält man so jedoch eine veraltete Version (aktuell ist Build14RC). Ubuntu ist zudem dafür bekannt, ein falsch konfiguriertes Widelands auf die Festplatte zu bannen, wodurch beispielsweise die deutsche Übersetzung fehlt.

Um diesen Problemen zu entgehen, lädt man sich von der Widelands-Homepage das aktuelle Archiv herunter und entpackt es auf seiner Festplatte. Unter Ubuntu löst man anschließend noch in einem Terminalfenster die Abhängigkeiten mit folgendem Befehl auf:

sudo apt-get install libsdl-image1.2-dev libsdl-ttf2.0-dev libsdl-net1.2-dev libsdl-gfx1.2-dev libsdl-mixer1.2-dev libboost1.35-dev

Besitzer anderer Distributionen achten darauf, dass die Pakete zu SDL_Image, SDL_ttf 2.0, SDL_Net, SDL_Gfx, SDL_Mixer und boost installiert sind. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, startet man das im Widelands-Archiv enthaltene Programm widelands.

Fazit

Widelands steckt noch in einer frühen Entwicklungsphase, was man insbesondere an einer schwankenden Qualität spürt: Während die mit Liebe gezeichneten Bäume im Wind schwanken, wirken die stacksenden Arbeiter wie kindlich-naive Malerei. Ähnliches gilt für die Musik: Einige Stücke nerven schon nach kurzer Zeit mit monotonem Gequäke, andere hört man immer wieder gerne. Darüber hinaus muss man immer wieder mit Macken und fehlenden Elementen rechnen, beispielsweise steht das Militärsystem noch nicht komplett. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die Besiedlung einer Karte schon jetzt extrem viel Spaß bereitet.

Bezugsquelle: http://wl.widelands.org
Lizenz: GPL v2
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution

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Einzelne Ausgabe
 

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Kommentare
Inzwischen schon Build 14
max. (unangemeldet), Donnerstag, 01. Oktober 2009 20:00:24
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Am 27. September gabs Build 14:
Some of the highlights of Build14 are:

* a user interface to set up target quantities for all wares, to allow a better regulation of your tribe's economy.
* basic internet gaming with lobby and chat (!!alpha state!!).
* improved userinterface (now supporting nearly all resolutions).
* full tree cycle (trees are now seeding, growing and dieing themselves).
* improved game setup (different start types and the possibility to switch start positions)..
* a basic autogeneration tool for random maps.
* a basic message system (currently only showing new warehouses and resources).
* an improved computer player (still not good enough to be called "AI" face-wink.png ).
* some new sounds.
* some new songs.
* some new maps including a completely new scenario mission.
* many new graphics and animations.



Bewertung: 128 Punkte bei 9 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
Die Siedler 2.5 - Return to the Roots
Maximilian Teichmann, Samstag, 26. September 2009 11:33:45
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Wer solche Spiele mag, dürfte vielleicht auch an einem anderen Open-Source-Projekt interessiert sein: Siedler 2.5 RttR benutzt die Grafik- und Sounddateien des Orginalspiels. Man kann damit schon im Netzwerk sowie im Internet spielen und die KI macht auch schon was. ;)
Leider benötigt man das orginal Siedler 2, um RttR zu spielen. Wer es jedoch besitzt, sollte RttR auf jeden Fall mal ausprobieren!

http://www.siedler25.org

Gruß
Max


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