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Das smarte Notebook

So installieren Sie Ubuntu auf dem Toshiba AC100

06.12.2010 Das AC100 von Toshiba basiert auf der Tegra-Plattform von Nvidia und kommt von Haus aus mit Android 2.1. Dieser Artikel zeigt, wie sie auf dem Netbook Ubuntu installieren.

Toshiba hat sich für sein smartes Netbook AC100 für Android als Betriebssystem entschieden. Eine Entscheidung, mit der ziemlich viele Nutzer nicht zufrieden sind, da es kaum Anwendungen gibt, die sich auf einem Netbook sinnvoll nutzen lassen. Da das Gerät auf der Tegra-Plattform von Nvidia und einem 1 GHz schnellen ARM-Prozessor basiert, gibt es für das AC100 neben Android nur Linux als Alternative. Im Netz gibt es denn auch zahlreiche Versuche, Linux-Distributionen auf dem rund 900 Gramm leichten AC100 zum Laufen zu bringen. Am meisten Erfolg hatten dabei die Entwickler, die es mit Ubuntu versuchten. Die Redaktion hat sich durch die Anleitungen im Netz gehangelt und zeigt, was funktioniert und was nicht.

Man nehme

Neben einem AC100 von Toshiba (mit oder ohne 3G ist egal) benötigt man für diese Anleitung einen zusätzlichen Rechner mit Ubuntu, ein Mini-USB-Kabel, eine mindestens 4 GByte große SD-Karte oder einen USB-Stick in der gleichen Größe (möglichst schnell) und rund 2-3 Stunden Zeit. Um die Nerven zu schonen, lohnt es sich dabei, gute Musik zu hören, zum Beispiel das aktuelle Album von Leslie Hunt [1].

Erster Eindruck

Wer das AC100 [2] zum ersten Mal in der Hand hält, möchte das Gerät nicht wieder hergeben. Es wiegt knapp 900 Gramm und ist an der Front nur 1,5 cm dick. Das Gerät besteht zwar komplett aus Kunststoff, fühlt sich aber dennoch relativ hochwertig an. Der zweite Blick gilt den Schnittstellen: Hier verfügt das AC100 im Gegensatz zu den meisten Netbooks und Mini-Notebooks über einen Standard-USB- sowie einen USB-Mini-Anschluss, eine 3,5mm-Audiobuchse, einen SD-Kartenslot und einen HDMI-Ausgang.

Klappt man das Gerät auf, fallen zunächst die verhältnismäßig große Tastatur und die beiden Maustasten auf, die sich ganz vorne an der Front befinden. Auf den zweiten Blick findet man auf dem Keyboard Tasten, die zur Steuerung des Android-Systems notwendig sind, dazu gehört die Home-Taste sowie ein separate Taste für die Einstellungen (auch per Rechtsklick erreichbar). Dafür fehlen der Tastatur die Löschtaste sowie [Home] und [End]. Anstelle der Funktionstasten findet man jede Menge Sondertasten, darunter auch Android-spezifische, wie zum Beispiel die Settings-Taste oben rechts.

Abbildung 1

Abbildung 1: Die Tastatur des AC100 ist für ein Netbook recht groß, allerdings fehlen ein paar Tasten, darunter auch die Funktionstasten.

Point of no return

So viel vorweg als Warnung: Mit den aktuell verfügbaren Ubuntu-Versionen für das AC100 lassen sich zwar Arbeiten erledigen, die unter Android kaum oder nur sehr mühsam möglich sind (Office-Arbeiten, Bildbearbeitung mit Gimp, Programmieren im Editor etc.), es fehlt aber an vielen Stellen noch am Hardware-Setup. So lässt sich unter anderem die Hintergrundbeleuchtung nicht regeln, was dem Akkuverbrauch nicht gerade gut tut, auch das Powermanagement generell befindet sich noch in den Kinderschuhen. Die interne Soundkarte funktioniert nur mit zusätzlichen Kernelmodulen und man muss dazu eventuell den Kernel komplett neu bauen. Last but not least lässt sich die Maschine trotz hardwarebeschleunigter Grafik nicht zum Betrachten von Videofilmen benutzen, weil es entweder den benötigten Player nicht für die ARM-Plattform gibt oder – wie bei Totem – die entsprechenden Codecs fehlen.

Also selbst wenn Sie diese Anleitung Schritt-für-Schritt befolgen und Ubuntu auf Ihrem AC100 fehlerfrei startet, ist das Resultat keinesfalls optimal.

Bootloader aktualisieren

Wer jetzt immer noch mitliest und trotz all diesen Einschränkungen Lust auf Ubuntu auf dem AC100 hat, der hält sich am besten an die Anleitung von Til Koteletter [3], die auch diesem Artikel als Grundlage diente. Im ersten Schritt muss man den Bootloader des AC100 ersetzen, damit dieser bei einem Recovery-Start auch auf SD-Speicherkarten und USB-Sticks nach bootbaren Systemen sucht. Erst so ist es möglich, ein anderes System als Android zu booten.

Dazu lädt man sich zunächst von der Nvidia-Homepage das passende Linux-For-Tegra-Paket herunter [4], wir benutzten Version 10.9.3. Die Datei startet man anschließend mit dem Befehl sh linux_for_tegra_os_pack_rel_10.9.3.run und erhält so das Verzeichnis linux4tegra. Darin befindet sich das Tool nvflash, das man für das Backup der aktuellen Bootloader-Partition und die Installation des neuen Bootloaders benötigt.

Neben Linux-For-Tegra ist wie erwähnt der neue Bootloader tegra-2.6.29-arm2-ac100-boot.img nötig. Das Abbild findet man unter [5] und speichert es an einem Ort, an dem man es leicht wieder findet. Nun schließt man das Toshiba AC100 über ein USB-Kabel (Mini-USB auf USB) am Ubuntu-Rechner an und schaltet das AC100 mit gedrückter [Esc]- und [Ctrl]-Taste ein. Haben Sie alles gut gemacht, dann bleibt der Bildschirm des smarten Netbooks dabei dunkel – das bedeutet, dass sich das Toshiba-System im Flash-Modus befindet.

Nun wechseln Sie auf dem Ubuntu-System ins Verzeichnis linux4tegra/nvflash und erstellen zunächst ein Backup der aktuellen Bootloader-Partition (Partition 5):

sudo LD_LIBRARY_PATH=. ./nvflash --bl ../prebuilt/fastboot.stock.bin --read 5 tegra_partition_5.bin --go

Als Resultat erhalten Sie in wenigen Sekunden die Datei tegra_partition_5.bin, die auf unserem Testsystem 242880 Bytes groß wurde.

Abbildung 2

Abbildung 2: Vor der Installation der neuen Recovery-Partition müssen Sie zunächst ein Backup der alten erstellen.

Lauf der Originalanleitung von Til kann man nun gleich die neue Bootpartition schreiben, das hat bei uns allerdings erst nach einem Neustart des AC100 geklappt und auch einige Forenteilnehmer berichteten davon. Schalten Sie also das AC100 über den Power-Off-Button aus (10 Sekunden gedrückt halten) und anschließend wieder mit gedrückter [Esc]- und [Ctrl]-Taste ein. Nun schreiben Sie das heruntergeladene Abbilddatei tegra-2.6.29-arm2-ac100-boot.img auf die fünfte Partition zurück:

sudo LD_LIBRARY_PATH=. ./nvflash --bl ../prebuilt/fastboot.stock.bin --download 5 /pfad/zum/abbild

Pfad zu Abbild ersetzen Sie dabei durch den absoluten Pfad zur Abbilddatei, zum Beispiel

/home/marcel/Downloads/tegra-2.6.29-arm2-ac100-boot.img

Auch das Zurückschreiben sollte nicht länger als ein paar Sekunden dauern. Sehen Sie den Prompt wieder, können Sie den AC100-Rechner erst mal ausschalten.

Ubuntu-System aufsetzen

Im zweiten Schritt benötigen Sie nun die mindestens vier GByte große SD-Karte oder einen entsprechenden USB-Stick. Laden Sie sich von [6] das aktuell 576 MByte große Ubuntu-Abbild herunter und entpacken Sie es mit folgendem Befehl auf die SD-Karte/den USB-Stick:

sudo tar xzvf tegra-rootfs.tgz --numeric-owner -C /mnt

Den USB-Stick/die SD-Karte muss dazu mit dem Dateisystem Ext3 formatiert und auf /mnt eingehängt sein, also nicht die Automount-Funktion von Ubuntu benutzen, sondern selbst Hand anlegen. Je nach Geschwindigkeit der SD-Karte/des USB-Sticks dauert dieser Vorgang einige Minuten. Im nächsten Schritt schließen Sie den Stick/die SD-Karte ans AC100 an und starten den Rechner mit gedrückter Home-Taste. Sie sehen nun den Auswahldialog für das Android-Recovery. Hier drücken Sie die Taste 1, um Ubuntu von der SD-Karte/vom USB-Stick zu starten. Fertig.

Abbildung 3

Abbildung 3: Lassen Sie sich vom Text nicht abschrecken: Über 1 starten Sie das Ubuntu-System auf der SD-Karte.

Ubuntu einrichten

Der langwierigste Teil des Setup haben Sie nun bereits hinter sich, doch es gilt noch einige Klippen zu umschiffen. So funktionierte in den Tests das Touchpad nicht. Sie müssen also den OEM-Setup-Dialog von Ubuntu über das Keyboard bewältigen. Anschließend gilt es ein paar Konfigurationsdateien zu bearbeiten. Dies gelingt hingegen nicht mit vi, da die [Esc]-Taste nicht die erwartete Funktion einnimmt. Merken Sie sich deshalb die Tastenkombination [Alt]+[Play/Pause], um den Gnome-Schnellstarter zu öffnen, hier starten Sie über gksudo gedit den Gnome-Editor mit Root-Rechten oder das gnome-terminal.

Funktioniert wie bei unserem Testgerät das Touchpad nicht, dann lautet die passende Gerätedatei vermutlich /dev/input/event2. Öffnen Sie zunächst ein Terminal und lesen Sie über cat /dev/input/event2 an der Schnittstelle mit. Erscheinen bei Bewegungen auf dem Touchpad allerlei seltsame Zeichen im Terminal, dann haben Sie die richtige Schnittstelle gefunden. Ändern Sie nun den bestehenden Eintrag in Zeile 9 der Datei /etc/X11/xorg.conf von event1 zu event2. Im zweiten Schritt sollten Sie die [Esc]-Taste fixen. Legen Sie dazu in Gedit folgende .xmodmap-Datei an (Punkt am Anfang des Dateinamens beim Speichern nicht vergessen):

keycode 234 = Escape

Diese Änderungen bleiben auch bei einem Neustart erhalten. Obwohl in den zahlreichen Anleitungen im Internet kaum von Problemen mit dem WLAN zu lesen ist, hat auf unserem Testsystem auch die WLAN-Karte nicht auf Anhieb funktioniert. Abhilfe schafft hier folgender Workaround:

  • Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Netzwerkmanager-Applet und wählen Sie Enable Wireless um das Drahtlosnetz auszuschalten.
  • Öffnen Sie ein Terminal und geben Sie folgenden Befehl ein:
echo 1 > /proc/test_programm/wifi3g
  • Klicken Sie mit der rechten Maustaste erneut auf das Netzwerkmanager-Applet und schalten Sie das WLAN wieder ein.
Abbildung 4

Abbildung 4: Die Netbook-Oberfläche von Ubuntu 10.10 auf dem Toshiba AC100.

To be done

Wie eingangs erwähnt müssen Sie bei den aktuellen Ubuntu-Abbildern noch ohne Sound auskommen, dafürt funktioniert inzwischen die Webcam des AC100 tadellos. Auch das Powermanagement lässt noch viel zu wünschen übrig: weder ein Aufwachen aus dem Suspend noch ein Neustart funktioniert wie gewünscht, zudem arbeitet das Display mangels Kontrollmöglichkeiten stets auf maximaler Helligkeit, was an der Akkuleistung zehrt. Unter Linux kommen Sie deshalb auf maximal vier bis fünf Stunden Laufzeit. Wer das Ubuntu-System behalten möchte und sich tiefer mit Ubuntu auf dem AC100 auseinandersetzen möchte, findet unter [7] und [8] weiterführende Hinweise.

Wer sich sogar überlegt, ein AC100 zu kaufen, tut gut daran, nach dem für den osteuropäischen Markt geplanten Modell AC100-10N zu suchen, da diese Version eine 32-GByte SSD enthält und normalerweise nicht viel mehr kostet als die 8- oder 16-GByte-Varianten.

Fazit

Wer das AC100 wirklich nur zum Surfen und/oder E-Mails schreiben benutzen möchte, wird an dem kleinen Rechner unter Ubuntu oder als Dualboot-System Gefallen finden. Planen Sie das Toshiba-Gerät hingegen als Netbook-Ersatz, dann sollten Sie sich besser nach einer Alternative umschauen.

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Kommentare
Tutorial veraltet
Philipp Blum (unangemeldet), Dienstag, 01. November 2011 00:30:55
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Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
Bernhard Nägele (unangemeldet), Montag, 28. März 2011 02:01:32
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
Mario (unangemeldet), Montag, 28. März 2011 21:54:15
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
Mario (unangemeldet), Montag, 28. März 2011 23:01:56
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
minimec (unangemeldet), Freitag, 01. April 2011 11:53:28
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
th.storck@gmx.de (unangemeldet), Donnerstag, 07. April 2011 14:04:02
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
M.Ayalp (unangemeldet), Mittwoch, 20. April 2011 15:56:37
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
fatrat (unangemeldet), Mittwoch, 11. Mai 2011 23:58:51
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Re: Linux 4 Tegra von der NVIDIA-Seite entfernt
fatrat (unangemeldet), Donnerstag, 12. Mai 2011 00:01:12
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Sound und Backlight funktionieren jetzt
Marcel Hilzinger, Donnerstag, 17. März 2011 11:37:00
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Neuer Bootloader bootet nicht von SD/USB
thomas (unangemeldet), Donnerstag, 10. März 2011 20:55:24
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Re: Neuer Bootloader bootet nicht von SD/USB
Bill (unangemeldet), Dienstag, 15. März 2011 08:48:31
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Re: Neuer Bootloader bootet nicht von SD/USB
Anonymous Coward (unangemeldet), Dienstag, 22. März 2011 00:21:45
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Re: Neuer Bootloader bootet nicht von SD/USB
Thomas J (unangemeldet), Freitag, 01. April 2011 19:38:38
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Re: Neuer Bootloader bootet nicht von SD/USB
Namensvetter (unangemeldet), Freitag, 01. April 2011 19:11:20
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Chromium auf dem Toshiba AC100
SMut (unangemeldet), Montag, 07. März 2011 19:54:25
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ARM-Alternativen
Marco Lohmann, Freitag, 04. Februar 2011 07:23:02
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AC 100
Andy (unangemeldet), Dienstag, 01. Februar 2011 19:16:28
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Wie SD Karte "von Hand" mounten?
Bills Sohn (unangemeldet), Sonntag, 16. Januar 2011 07:48:45
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Re: Wie SD Karte "von Hand" mounten?
Marcel Hilzinger, Freitag, 28. Januar 2011 16:51:40
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Re: Wie SD Karte "von Hand" mounten?
Thomas J. (unangemeldet), Freitag, 01. April 2011 19:24:39
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Hintergrundbeleuchtung
Wolfgang Völker, Dienstag, 07. Dezember 2010 17:59:07
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Re: Hintergrundbeleuchtung
Marcel Hilzinger, Dienstag, 07. Dezember 2010 19:42:27
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Re: Hintergrundbeleuchtung
Wolfgang Völker, Mittwoch, 08. Dezember 2010 21:01:32
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