Auf zu neuen Ufern
Review der Box-Version von OpenSuse 11.4
Das System
Nach rund 40 Minuten erscheint zum ersten Mal der LXDE-Desktop auf meinem Bildschirm. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt und erstrahlt – OpenSuse-typisch – im eleganten Grün und Schwarz.
Zu den wichtigsten Programmen zählt der Dateimanager PCManFM. Obwohl LXDE den Fokus auf Ressourcenschonung legt, braucht sich PCManFM nicht vor den Pendants (Nautilus, Dolphin) der großen Desktop-Umgebungen verstecken. Dank der Gnome-Bibliotheken gvfs/gio werden standardmäßig auch Remote-Dateisysteme unterstützt, sodass auch auf Windows-Freigaben ohne Probleme zugegriffen werden kann.
Als Browser ist Firefox 4.0 in einer Beta-Version installiert. Dies hat den Vorteil, dass der Browser direkt nach dem Erscheinen der finalen Version auch in den offiziellen OpenSuse-Repositories aktualisiert wird. Hätte man sich für die Version 3.6 entschieden, so hätte man diese Version bis zum Ende der Support-Laufzeiten mit Updates versorgen müssen, da neue Major-Versionen in der Regel nicht automatisch zur Verfügung gestellt werden.
OpenSuse steht in Bezug auf diese Politik allerdings nicht alleine da, auch Ubuntu verfährt nach diesem Muster. Abhilfe schafft hier eine der interessantesten Neuerungen der aktuellen Version, das Tumbleweed-Repository. In diesem Repository werden neue Major-Versionen eingepflegt, die – im Gegensatz zum Factory Repository – auch von den Entwicklern eingehend geprüft wurden. Das bedeutet, dass Anwender, die dieses Repository hinzufügen, immer die neuesten stabilen Versionen von Firefox, Thunderbird und Co. nutzen können. Auch neuere Versionen des Linux-Kernels sollen so zur Verfügung gestellt werden.
Das Hinzufügen und eine anschließende Aktualisierung sind denkbar einfach:
- Konsole öffnen
- Folgende zwei Befehle eingeben
sudo zypper ar --refresh http://download.opensuse.org/repositories/openSUSE:/Tumbleweed/standard/ Tumbleweed sudo zypper dup --from Tumbleweed
Meiner Meinung nach stellt dieses Konzept einen willkommenen Kompromiss zwischen reinen Rolling Release Distributionen (zum Beispiel Arch Linux) und einem datumsgebundenen Release-Rhythmus dar.
Fazit
OpenSuse ist eine moderne Distribution, die sowohl Einsteigern als auch erfahrenen Anwendern empfohlen werden kann. Windows-Umsteigern und Neulingen wird vor allem YAST – in diesem Review nicht behandelt – gefallen, da man (fast) alle Einstellungen mittels grafischen Interaktionsmenüs vornehmen kann. Neueinsteiger werden vor allem von der Box Version und dem damit verbundenen Support profitieren. Der Tumbleweed-Ansatz ist eine interessante Neuerung. Es bleibt abzuwarten wie viele Anwendungen hier tatsächlich gepflegt werden und wie schnell die Updates die Anwender erreichen.



