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Runde Sache

3D-Treiber für ATI und Nvidia unter OpenSuse 11.2 einrichten

04.12.2009
Benutzer von aktuellen Grafikkarten haben es unter OpenSuse nicht leicht, wenn es um die Einrichtung der 3D-Unterstützung geht. Dieser Artikel zeigt Ihnen Schritt für Schritt den Weg zum Erfolg.

Besitzen Sie einen integrierten Grafikchip von Intel, wie er in sehr vielen Notebooks und auf zahlreichen Mainboards zum Einsatz kommt, dann sind Sie aus dem Schneider. Linux bringt dafür passende 2D- und 3D-Treiber mit, so dass Sie die diversen Desktop-Effekte und Spezialitäten von Linux (Abbildung 1) ohne zusätzliche Einstellungen oder Treiberinstallation genießen können. Problematischer wird es im 3D-Bereich, wenn Sie eine Grafikkarte von ATI/AMD oder von Nvidia nutzen. Hier benötigen Sie je nach Karte spezielle 3D-Treiber, die Linux nicht von Haus aus mitbringt.

Abbildung 1: Spielereien, wie die Videowiedergabe über's Eck sind nur mit aktivierter 3D-Beschleunigung möglich.

Besitzen Sie eine Nvidia-Karte, ist die Sachlage ebenfalls klar: Es gibt zwar mit dem Nouveau-Treiber ein Projekt [1], welches an einer freien 3D-Lösung arbeitet, diese funktioniert aber erst ansatzweise. Möchten Sie somit in den Genuss von wabbelnden Fenstern und 3D-Grafiken kommen, benötigen Sie den proprietären Treiber [2]. Die Installation beschreibt der Artikel weiter unten.

Am unübersichtlichsten sieht das Bild bei ATI-/AMD-Karten aus. Hier gibt es für sehr viele Modelle den alten ATI-Treiber ati, der in ersten Linie mit älteren Radeon-Modellen (9800 und älter) zusammenarbeitet und 2D- und 3D-Beschleunigung bietet. Seit rund zwei Jahren arbeiten einigen Entwickler von Novell zudem intensiv an einem freien Treiber für die 3D-Beschleunigung, der sich Radeonhd nennt. Er unterstützt bei den meisten aktuellen Karten den 2D-Modus problemlos, bei wenigen Modellen funktioniert auch die 3D-Beschleunigung. OpenSuse 11.2 installiert in der Grundeinstellung diesen radeonhd-Treiber. Bei Problemen müssen Sie das System wie unten beschrieben im Runlevel 3 hochfahren und dann über den Befehl sax2 -m 0=ati zum älteren ATI-Treiber wechseln. Neben den zwei freien Lösungen radeonhd und ati gibt es den proprietären Treiber von ATI/AMD selbst [3]. Er funktioniert für alle aktuellen ATI-Karten und einige ältere Modelle und besteht aus dem Kernelmodul fglrx und einigen weiteren Komponenten.

Der Artikel beschreibt im folgenden die Installation der proprietären Treiber von ATI und Nvidia, bei den freien Treibern müssen Sie in der Regel nichts einstellen.

Nvidia mit YaST

In der Grundeinstellung installiert OpenSuse auf Systemen mit einer Grafikkarte von Nvidia den freien Treiber nv. Haben Sie damit keine Probleme beziehungsweise nutzen Sie keine 3D-Beschleunigung, dann sollten Sie an den Einstellungen nichts ändern. Möchten Sie hingegen den 3D-Treiber nutzen, hilft Ihnen dieser Artikel. Ob Ihr System den 3D-Treiber benutzt, überprüfen Sie anhand folgender drei Punkte:

  • Ist der Treiber aktiv, zeigt Ihnen ein Klick auf das Arbeitsplatz-Symbol unter dem Eintrag Grafikkarte dies an. Abbildung 2 zeigt dies am Beispiel eine ATI-Karte, bei Nvidia-Karten sieht der Eintrag ähnlich aus und zeigt unter Treiber nvidia an.
  • Bei aktiviertem Treiber sehen Sie beim Start der grafischen Oberfläche für rund zwei Sekunden das Nvidia-Logo.
  • Die Ausgabe des Befehls glxinfo | grep rendering (den senkrechten Strich erzeugen Sie über die Größer/Kleiner-Taste zusammen mit [AltGr]) zeigt Ihnen als Ausgabe direct rendering: Yes an.
Abbildung 2: Über die Adresse sysinfo:/ zeigt Ihnen Konqueror an, ob die 3D-Unterstützung funktioniert, hier am Beispiel eine ATI-Karte mit dem Treiber fglrx.

Zu einem funktionierenden Treiber kommen Sie am einfachsten über YaST. Er sucht sich das passende Paket (je nach alter der Karte) aus den offiziellen Downloadquellen von Nvidia und sorgt auch bei einem Update des Kernels dafür, dass Ihr System stets funktioniert. Nach dem Hinzufügen des Nvidia-Paketdepots installiert YaST den 3D-Treiber automatisch, sobald Sie irgendeine Funktion am Paketmanager vornehmen. Um die Paketquelle einzurichten, gehen Sie folgendermaßen vor:

  • Starten Sie YaST über [Alt]+[F2] und den Befehl kdesu yast2 und öffnen Sie das Modul Software | Software Repositories.
  • Klicken Sie auf Hinzufügen | Community/Gemeinschaftsrepositories und markieren Sie den Eintrag NVIDIA Repository (Abbildung 3).

Nach einem Klick auf OK und dem Import des zugehörigen Paketschlüssels ist das Repository aktiv und Sie können den Treiber einfach über YaST installieren.

Alternativ nehmen Sie den Vorgang von Hand über Zypper vor. Der passende Befehl lautet zypper ar http://download.nvidia.com/opensuse/11.2 Nvidia. Danach spielt ein zypper refresh und zypper dup den 3D-Treiber (und weitere vorhandene Aktualisierungen) ein.

Nach der Installation des 3D-Treibers müssen Sie sich von KDE/Gnome abmelden, sodass der X-Server neu startet. In einigen Fällen müssen Sie den Rechner komplett neu starten. Bei Problemen mit dem Treiber bietet es sich stets an, mit Administratorrechten über den Befehl switch2nv wieder zum 2D-Treiber zu wechseln. Dieser macht in der Regel keine Probleme. Um erneut zum Nvidia-Treiber zu wechseln, genügt der Befehl switch2nvidia.

Abbildung 3: Am einfachsten installieren Sie den Nvidia-Treiber über das zugehörige Repository.

Nvidia von Hand

Klappt die Installation über YaST nicht oder möchten Sie den Nvidia-Treiber aus anderen Gründen von Hand Installieren, dann laden Sie sich von der Homepage den neuesten Treiber herunter. Speichern Sie die Datei NVIDIA-Linux-Architektur-Versionsnummer.run an einem Ort, an dem Sie den Treiber leicht wieder finden, um im Falle eines Kernel-Updates und Treiberproblemen, das Binary wieder zur Hand zu haben. Da der NVIDIA-Installer ein passendes Kernel-Modul erstellt, benötigen Sie auch die Kernelquellen von OpenSuse. Starten Sie dazu YaST und installieren Sie die Pakete kernel-source, kernel-syms, linux-kernel-headers und gcc. Zur Installation des Treibers müssen Sie in den Textmodus wechseln. Wählen Sie Abmelden | Aktuelle Sitzung beenden. Sie sehen danach den Anmeldebildschirm von OpenSuse. Wählen Sie System | Text-Konsolen-Modus oder drücken Sie [Strg]+[Alt]+[F1], um auf die erste virtuelle Konsole zu wechseln. Die weitere Installation erfolgt im Textmodus.

  • Tippen Sie hinter dem Login-Prompt linux-wtbz login: den Benutzernamen root ein und drücken Sie die Eingabetaste.
  • Geben Sie das Root-Passwort ein und bestätigen Sie es mit der Eingabetaste. Der Login-Prompt wechseln nun zu linux-wtbz:~#.
  • Wechseln Sie mit dem Befehl init 3 zum dritten Runlevel. Dieser Befehl schaltet sämtliche grafischen Programme aus. Sie sehen nun einige Systemmeldungen am Bildschirm. Drücken Sie danach [Eingabe], damit der Prompt wieder erscheint.
  • Geben Sie den Befehl cd /home/Benutzer ein, um in Ihr Home-Verzeichnis zu wechseln. Benutzer müssen Sie dabei durch Ihren Benutzernamen ersetzen, zum Beispiel cd /home/otto.
  • Tippen Sie sh NVIDIA ein und drücken Sie [Tab]. Das Terminal ergänzt nun den Befehl automatisch auf sh NVIDIA-Linux-x86-190.42-pkg1.run (für den 32-Bit-Treiber, bei einem 64-Bit-System müssen Sie die Datei NVIDIA-Linux-x86_64-190.42-pkg1.run aufrufen).

Das System packt nun den Treiber aus und startet die Installation. Im ersten Dialog müssen Sie die Lizenzbedingungen des Treibers akzeptieren. Drücken Sie dazu [Tab] und [Eingabe]. Im zweiten Dialog fragt der Installer, ob Sie ein Kernel-Modul aus dem Internet herunterladen möchten. Wählen Sie hier No und bestätigen Sie zweimal mit [Eingabe]. Anschließend installiert das Programm das Kernel-Modul nvidia und aktualisiert die Datenbank der Systembibliotheken. In einem letzten Dialog fragt der Installer, ob er die Konfigurationsdatei /etc/X11/xorg.conf anpassen soll. Wählen Sie Yes und Bestätigen Sie den Vorgang mit [Eingabe]. Der Treiber ist nun installiert und Sie sehen den Linux-Prompt wieder.

Damit das System vom neuen Treiber Gebrauch macht, geben Sie den Befehl

switch2nvidia

ein und starten dann die grafische Oberfläche mit dem Befehl init 5 neu.

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