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"Mailclient ist die halbe Miete"

"Mailclient ist die halbe Miete"

Interview mit Kurt Bader vom AIO Solothurn

25.05.2009 Der Kanton Solothurn gehört zu den Pionieren der Linux-Migration. Seit rund 5 Jahren zahlt er nur noch in Einzelfällen Windows-Lizenzkosten.

2001 fiel im Kanton Solothurn die Entscheidung, zunächst die Server und später auch die Desktop-Rechner der öffentlichen Verwaltung auf eine Open-Source-Lösung zu migrieren. Während die Serverumstellung relativ reibungslos und ohne großes Medieninteresse über die Bühne ging, liest man über die Umstellung der rund 2200 Desktop-Rechner umso mehr. Die LinuxCommunity hat die Gelegenheit genutzt, Kurt Bader, dem für die Mirgation verantwortlichen Leiter des Amts für Informatik und Organisation (AIO) ein paar Fragen zu stellen.

LinuxCommunity: Wie viele Clients werden umgestellt, wie viele sind bereits umgestellt?
Kurt Bader: Gesamthaft werden rund 2200 Clients umgestellt. Sämtlich Benutzer verfügen bereits über den Linux-Desktop und sind daran auch an einer eintägigen Schulung ausgebildet werden. Zur Zeit arbeiten concurrent täglich zwischen 500 und 600 User auf dem Linux-Desktop. Gesamthaft arbeiten concurrent täglich rund 1300 User, d.h. ca. 40 Prozent der aktiven User arbeiten auch auf dem Linux-Desktop.

Bei uns haben alle Benutzer die Möglichkeit, auf beiden Umgebungen parallel arbeiten zu können, d.h. aus dem Linux-Desktop kann in einem separaten Fenster die alte Windows-Terminalserverumgebung geöffnet werden. Die gesamte Infrastruktur ist bei uns zentralisiert. Wir haben praktisch eine reine Thinclient-Infrastruktur (gegen 80% sind Linux-Thinclients).

LinuxCommunity:Wie viele Windows-Lizenzen zahlt die Verwaltung noch? Wie viele wurden bereits ersetzt?
Kurt Bader: Seit mehreren Jahren (ca 5 Jahre) zahlen wir keine Wartungskosten für Windows Arbeitsplätze mehr. Wenn die Notwendigkeit gegeben ist, werden Einzellizenzen für ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Fachanwendung beschafft. Diese Fachanwendungen sind über den Linux-Desktop zugänglich und sind in sich abgeschlossene Einheiten auf virtuellen Published-Servern. Mit diesem Vorgehen kann sichergestellt werden, dass nicht schlagartig alle Fachanwendungen ersetzt werden müssen. Ein Ersatz dieser Fachanwendungen erfolgt erst, wenn diese ihr Lebensalter von 5-8 Jahren (oder mehr) erreicht haben.

LinuxCommunity:Welches sind die größten Probleme bei der Umstellung: technische oder personelle?
Kurt Bader: Glücklicherweise hatten wir bis anhin keine größeren technischen Probleme. Die neue Umgebung läuft sehr stabil und performant. Zur Zeit haben wir einzig mit unserem WebMail-Client ein Performance- und Funktionalitätsproblem. Die Funktionalität des WebMail-Clients ist noch nicht so hoch wie beim Outlook 98, das wir auf der alten Umgebung noch einsetzen. So fehlt zur Zeit noch der Aufgabenbereich und die Integration in den Desktop (direkter Mailversand ab einer Desktop-Anwendung). Im Verlaufe des Projekts hat sich herausgestellt, dass der Mailclient und dessen Funktionalität eine sehr wichtige Anwendung ist (wenn dieser gut funktioniert, ist bereits die halbe Miete bezahlt).

LinuxCommunity: In letzter Zeit gab es auch einige Kritik an der Migration. Hat das AIO eventuell die Angestellten zu wenig auf die Umstellung vorbereitet?
Kurt Bader: Projekte, bei denen viele Benutzer betroffen sind und für alle Beteiligten alles neu ist, sind nicht einfach umzusetzen. Aus den gemachten Erfahrungen (positive und negative) lernt die Projektorganisation. Wichtig ist, dass daraus Verbesserungen im weiteren Projektablauf resultieren. Solche Projekte können nur gemeinsam (Benutzer, Leistungserbringer, Projektleitung) erfolgreich umgesetzt werden.

LinuxCommunity:Die Finanzkontrolle will sich die Kosten der Umstellung anschauen. Sehen Sie dem gelassen entgegen?
Kurt Bader: Im Kanton ist es seit jeher üblich, dass die Finanzkontrolle alle größeren Informatikprojekte begleitet und auch revidiert. Dies ist ein normaler und von Informatik-Seite gewünschter Vorgang. Sämtliche Informatikkosten bis auf Stufe Mitarbeiter und Dienststelle sind bei uns seit Jahren im Intranet transparent für alle einsehbar. Somit können sich alle ein Bild über Informatik-Aufwände im Projektbereich wie auch im Bereich des Betriebs machen.

LinuxCommunity:Es heisst, dass Open Source Arbeitsplätze in der Umgebung schafft. In welchem Umfang profitieren lokale Firmen von der Umstellung, wurden neue Arbeitsplätze geschaffen?
Kurt Bader: Wir arbeiten viel mit Schweizer OSS-Unternehmen zusammen, die uns in diesem Bereich unterstützen. Bei neuen Software-Projekten werden auch Firmen, die bis anhin Closed-Source-Software erstellten, dazu verpflichtet, die neue Software unter OSS zu entwickeln und im Internet zu publizieren. In welchem Umfang Arbeitsplätze geschaffen werden konnten, entzieht sich bis anhin unserer Kenntnis.

LinuxCommunity:Würden Sie den Umstieg zum heutigen Zeitpunkt ebenfalls machen?
Kurt Bader: Ja. Wir sind überzeugt, dass die Richtung und der Entscheid richtig sind.

LinuxCommunity:Was würden Sie dabei anders machen?
Kurt Bader: Aus den bisherigen Aktivitäten haben wir gelernt, dass wir dem Benutzer noch mehr Aufmerksamkeit bei der Vorbereitung zur Umstellung schenken müssen. Diesbezüglich haben wir Umstellungschecklisten erstellt, wo alle notwendigen Tätigkeiten aufgelistet sind und auch die Verantwortlichkeiten klar definiert sind. Zusätzlich muss bei der Umstellung darauf geachtet werden, dass der Mailbereich gut funktionieren muss, da hier eine große Gefahr von Akzeptanzproblemen liegt. Diese Erkenntnisse gelten unabhängig davon, auf welche Desktop-Umgebung migriert wird.

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Kommentare
Was mich mal noch interessieren würde:
Andreas M., Montag, 25. Mai 2009 19:39:39
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Welches Desktopsystem und welcher Mailclient wird eingesetzt?

Ansonsten guter Artikel.

Gruß
Andreas


Bewertung: 164 Punkte bei 24 Stimmen.
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Re: Was mich mal noch interessieren würde:
Marcel Hilzinger, Montag, 25. Mai 2009 20:53:59
Ein/Ausklappen

Als Desktop nutzt Solothurn ein Debian-System mit KDE. Als Mailprogramm kommt der Webmailer von OpenXchange(?) zum Einsatz, wenn ich mich richtig erinnere.


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