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Die HiFi-Anlage für KDE

Musiksammlung mit dem KDE-Programm Amarok verwalten

10.03.2011
,
OpenSuse 11.4 bringt neben zahlreichen Updates auch eine neue Version des KDE-Musikplayers Amarok mit. Dieser Artikel stellt die KDE-Jukebox vor und zeigt, was sie von Rhythmbox und Banshee abhebt.

Wer Musik über die gute alte Stereoanlage hört, legt eine Platte auf oder eine CD ein und macht es sich gemütlich. Wenn Sie jedoch zu den Leuten gehören, die Ihre Musik gerne über den Computer abspielen und verwalten, dann ist Amarok genau das Richtige für Sie: Sei es das Laden von Liedtexten aus dem Internet, die Wikipedia-Integration zum Anzeigen von Informationen zum Künstler oder die Online-Angebote von Magnatune und Jamendo: Amarok bietet eine fast schon unüberschaubare Vielfalt an Funktionen (siehe Kasten "Features").

Features

  • Cover-Verwaltung inklusive Download
  • Skriptgesteuerter Download von Liedtexten
  • Wikipedia-Integration zum Abrufen von Informationen zu einem Künstler
  • Integration von Internet-Diensten wie Magnatune, Last.fm, Jamendo
  • Kontextbrowser mit Anzeige des Covers, der beliebtesten Stücke und ähnlicher Interpreten via Last.fm
  • Bearbeiten von Metadaten auch für mehrere Stücke gleichzeitig
  • MusicBrainz-Integration zum Ermitteln von Metadaten anhand der Musik selbst
  • Dynamische Endlos-Abspiellisten, die zufällig oder via Last.fm neue Stücke anfügen
  • Intelligente Abspiellisten mit Filter-Funktion
  • Podcasts, OPML-Export für Podcasts
  • Radiostreams mit Shoutcast-Integration
  • On Screen Display (OSD)
  • Effekte via Libvisual und Moodbar
  • Optionales kleines Player-Fenster wie bei XMMS
  • K3b-Integration zum Brennen von Stücken auf CD
  • Unterstützung mehrerer Engines wie Xine und Gstreamer
  • Speichern der Sammlung in einer SQLite-, MySQL- oder PostgreSQL-Datenbank
  • Statistik über Hörgewohnheiten
  • Support für viele gängige MP3-Player
  • Unterstützung des iPod Touch 3G
  • Transcoding: Dateiformate beim Kopieren in die lokale Sammlung umwandeln
  • Unterstützung für UPnP-Sammlungen im lokalen Netzwerk

Das KDE-Programm ist nach dem gleichnamigen Album von Mike Oldfield benannt, das Programm-Symbol ist der Bedeutung des Inuit-Wortes entsprechend ein Wolf. Amarok verwaltet nicht nur Musikdateien, sondern bietet auch die Integration von alternativen Online-Musikdiensten wie Magnatune, Last.fm, Jamendo, sowie von vielen Radiostreams. Mit intelligenten Wiedergabelisten verhilft der Player zudem längst verschollenen Kleinoden aus der Sammlung zu neuem Leben.

Während Amarok unter KDE praktisch konkurrenzlos dasteht, gibt es für Gnome-Nutzer gleich einen Haufen Alternativen, darunter Banshee, Rhythmbox und Exaile. Von allen drei Programmen bietet OpenSuse entsprechende RPM-Pakete an, sodass Sie die Programme bequem per YaST installieren können.

Erster Start

Amarok 2.4 gehört zur Standardinstallation von OpenSuse 11.4. Sie finden das Programm unter den Favoriten als Audio-Wiedergabe, beziehungsweise starten es über [Alt]+[F2] und Eingabe des Befehls amarok. Falls sich daraufhin nichts tut, haben Sie Amarok vermutlich schon mindestens einmal gestartet und dabei minimiert. Sie finden dann das Amarok-Symbol im Systemabschnitt der KDE-Kontrollleiste.

Bevor Sie Amarok starten, ist es ratsam, das Sprachpaket amarok-lang zu installieren. Starten Sie dazu eine Konsole über [Alt]+[F2] und geben Sie hier folgende zwei Befehle ein:

sudo zypper refresh
sudo zypper install amarok-lang

So haben Sie gleich beim ersten Start deutsche Menüs und Überschriften im Programm. Gleich nach dem ersten Start testet Amarok, ob es in Ihrem Home-Verzeichnis einen Ordner Musik gibt. Falls ja, durchsucht die KDE-Jukebox diesen automatisch auf Musikstücke und zeigt die vorhandenen Titel an. Falls nicht, bringen Sie Amarok von Hand zu Ihrer Sammlung. Öffnen Sie dazu das Menü Einstellungen / Amarok einrichten und markieren Sie dann unter dem Menüpunkt Sammlung sämtliche Verzeichnisse, in denen Amarok nach Songs Ausschau halten soll (Abbildung 1).

Abbildung 1: Falls Sie Ihre Sammlung nicht im Ordner Musik aufbewahren, wählen Sie die zu katalogisierenden Verzeichnisse manuell aus.

Haben Sie bereits unter Amarok (ab Version 1.4) oder mit iTunes eine Sammlung zusammengestellt, dann können Sie diese per Klick auf den Button Import in Amarok 2.4 übernehmen.

In der Grundeinstellung durchsucht Amarok das angegebene Verzeichnis rekursiv (also mit allen Unterverzeichnissen) und automatisch. Möchten Sie dieses Verhalten ändern, entfernen Sie die Markierung vor der jeweiligen Checkbox.

Richtig geordnet

Die Standard-Oberfläche von Amarok besteht aus drei Bereichen: Links sehen Sie die Medienquellen und die darunter vorhandenen Titel und Alben. In der Mitte zeigt der Player je nach Einstellungen und Internetverbindung Informationen zum soeben abgespielten Stück dar. Rechts sehen Sie die aktuelle Wiedergabeliste (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Hauptfenster von Amarok mit der Songliste (links), Informationen zum aktuellen Stück in der Mitte und der Wiedergabeliste auf der rechten Seite.

Im linken Fensterbereich wählen Sie zwischen verschiedenen Ansichten: Lokale Sammlung zeigt sämtliche lokalen Stücke an, Internet-Dienste bietet zahlreiche Dienste darunter zahlreiche Online-Radiosender, die Online-Shops Jamendo und Magnatune (siehe Kasten "Magnatune") sowie Last.fm. Über Wiedergabelisten stellen Sie dynamische Playlisten zusammen, ein Klick auf Dateien öffnet ein gewöhnliches Dateimanager-Fenster. Ganz oben befinden sich die üblichen Steuerelemente für Abspielen, Pause, nächstes Stück und so weiter. Unten rechts informiert eine Statusleiste zum Beispiel über das aktuelle Stück und laufende Hintergrundprozesse.

Metadaten und Albumbilder

Um die Angaben zu einem Song zu editieren, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Song und wählen Sie Metadaten bearbeiten aus. Unter dem Reiter Zusammenfassung sehen Sie die Infos, die bereits zur Verfügung stehen. Das Coverbild laden Sie mit einem Rechtsklick auf das Symbol und nach Auswahl von Cover abrufen herunter. Bequemer geht es bei vielen Stücken unter dem Menüpunkt Extras / Coververwaltung mit einem Klick auf Fehlende Cover abrufen. Falls im Songordner bereits ein passendes Cover liegt, nimmt Amarok automatisch dieses. Alternativ wählen Sie aus dem Kontextmenü Cover abrufen oder Eigenes Cover hinzufügen. Für einen optimalen Cover-Download bietet es sich an, zunächst Amarok mit der Grundeinstellung Last.fm sämtliche Covers automatisch holen zu lassen, danach in die Ansicht Alben ohne Cover zu wechseln und hier die fehlenden Bilder per Rechtsklick hinzuzufügen.

Magnatune

Nicht nur iTunes, auch Amarok integriert einen Online-Musik-Anbieter. Das Angebot unterscheidet sich vom Musik-Shop von Apple. Klicken Sie auf Internet-Dienste / Magnatune.com, um die Liste mit den aktuell verfügbaren Alben zu laden. Statt bekannten Künstlern, die ihre Musik an große Labels lizenzieren, finden Sie etwa 1000 ausgewählte Alben von Künstlern, denen Magnatune eine Plattform für ihre Musik bietet. Ziehen Sie ein Album oder einen Song in die Wiedergabeliste. Sie dürfen die Songs in voller Länge kostenlos probehören (Abbildung 3). Eine kurze Ansage über die Mitgliedschaft bei Magnatune.com hören Sie am Ende jedes Songs. Wenn Ihnen ein Album gefällt, melden Sie sich bei Magnatune.com an und laden Sie das Album im gewünschten Format herunter.

Abbildung 3: Probehören bei Magnatune.com.

Auf die klassische Weise hören Sie mit Amarok Musik, in dem Sie sich selbst eine Wiedergabeliste zusammenstellen. Klicken Sie dazu im linken Fensterbereich oben links auf das blaue Verzeichnis-Symbol und wählen Sie die Musikquelle aus. Ziehen Sie die Musikstücke Ihrer Wahl in die Wiedergabeliste rechts hinüber. Unter Dateien sind Ihre Ordner auf den Datenträgern zu erreichen, zum Beispiel Musikdateien, die Sie auf einem USB-Stick oder auf einer externen Festplatte aufbewahren. Durch einen Doppelklick auf die entsprechende Datei fügt Amarok diese zum Ende der Wiedergabeliste hinzu. Kann Amarok den Titel doch nicht abspielen, haben Sie vermutlich mit Codec-Problemen zu kämpfen. Der Artikel beschreibt im Folgenden, wie Sie den MP3-Support nachrüsten.

MP3-Support

Aus rechtlichen Gründen bringt die Grundinstallation von OpenSuse keinen vollständigen Support für Mediendateien mit. Um unter OpenSuse MP3-Dateien abzuspielen, installieren Sie einige Programme aus anderen Softwarequellen nach.

Xine und Gstreamer sind Medienwiedergabeprogramme, die Ihre Arbeit im Hintergrund verrichten. Für beide gibt es Support für diverse Audio- und Videocodecs im Packman-Repository. Um dieses zu den Paketquellen hinzuzufügen, starten Sie YaST und wählen Sie Software / Software-Repositories. Hier klicken Sie auf Hinzufügen, wählen Community/Gemeinschafts-Repositories und markieren nach einem Klick auf Weiter den Packman-Eintrag.

Starten Sie eine Konsole über [Alt]+[F2] und geben Sie hier folgende zwei Befehle ein:

sudo zypper refresh
sudo zypper dup

Beim ersten Sudo-Befehl müssen Sie dazu das Root-Passwort eingeben. Der Befehl zypper dup frischt alle Paket auf, von denen es eine neue Version gibt. Nach diesem Update spielt Amarok über Xine auch MP3-Dateien ab.

Für GStreamer installieren Sie in YaST das Paket gstreamer-0_10-fluendo-mp3 und eventuell noch verschiedene gstreamer-0_10-plugins-* Pakete. Das Audio-Ausgabesystem und das Gstreamer-Backend stellen Sie unter Einstellungen / Amarok einrichten / Wiedergabe und unter Phonon Einrichten ein. Steht unter Backend Gstreamer an erster Stelle, nutzt Amarok Gstreamer für die Wiedergabe, das wiederum durch das Fluendo-Plugin auch MP3-Dateien abspielt.

Kontextbrowser

Der Kontextbrowser im mittleren Amarok-Fenster stellt Informationen rund um das derzeit abgespielte Stück bereit. Er zeigt das Cover, statistische Informationen, errechnete Punktezahlen, benutzerdefinierte Labels, zusätzliche Alben und sogar die Konzerte des Künstlers.

Über die Schaltflächen Aktuelles Stück, Liedtext und Wikipedia schalten Sie zwischen den drei Grundfunktionen des Kontextbrowsers um, die Sie aber um weitere ergänzen können.

Abbildung 4: Das Miniprogramm Liedtext zeigt den Text zum aktuellen Song automatisch an.

Um weitere Miniprogramme zu nutzen, klicken Sie im Kontextbrowser unten rechts auf das Schraubenschlüssel-Symbol und anschließend auf das grüne Pluszeichen. Aus der Liste wählen Sie nun per Mausklick die die gewünschte Informationsquellen, zum Beispiel Anstehende Ereignisse aus (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das Miniprogramm Anstehende Ereignisse zeigt die Konzerte der Künstler an.

Last.fm

Mit Hilfe des Online-Dienstes Last.fm kann Amarok ähnliche Interpreten und empfohlene Stücke anzeigen. Die Daten dafür werden zwar von Last.fm bereitgestellt, Sie brauchen aber beim Last.fm-Dienst nicht angemeldet sein.

Möchten Sie aber die eigentliche Grundfunktion von Last.fm aktiv nutzen, dann wählen Sie Einstellungen / Amarok einrichten / Internet-Dienste / Last.fm und geben hier per Klick auf das Schraubenschlüssel-Symbol Ihre Logindaten an. Alternativ zeigt Amarok ein Login-Fenster an, sobald Sie auf den Dienst zugreifen möchten.

Bei Last.fm handelt es sich um ein Netzwerk, das Musikliebhabern auf Basis ihrer persönlichen Hörgewohnheiten neue Musik, Menschen mit ähnlichem Musikgeschmack und Konzerte in der Umgebung empfiehlt oder ein persönliches Internet-Radio erstellt. Last.fm versucht von Musikverlagen und Musikern, Lizenzen für das Abspielen von Musik und Musik-Videos zu bekommen, und stellt ihnen erhöhte CD-Verkäufe durch die Empfehlungen in Aussicht. Die Basisdienste von Last.fm sind kostenlos, für eine werbefreie Web-Oberfläche, schnelleren Zugriff und zusätzliche Funktionen ist je nach Land ein kostenpflichtiges Abonnement erforderlich.

Ein Last.fm-fähiger Player sendet auf Wunsch jeden abgespielten Titel an den Dienst. Last.fm nennt diesen Vorgang Scrobbeln. Es teilte sich früher die Audio-Datenbank mit Audioscrobbler und fusionierte dann mit dem ähnlich gelagerten Dienst (daher die Buchstaben as im Logo). Amarok war das erste Linux-Abspielprogramm mit umfassender Last.fm-Integration.

Befindet sich Amarok im Last.fm-Modus, dann sehen Sie neben den Knöpfen für die Wiedergabe drei kleinere Buttons. Über das Herzsymbol teilen Sie Last.fm mit, dass Sie dieses Stück mögen, per rotem X wird das Stück aus dem persönlichen Repertoire verbannt und mit dem Skip-Button können Sie ein Lied überspringen. Das gute an Last.fm ist zugleich auch die größte Schwachstelle: Sie können zwar sehr lang Musik hören, die ähnlich tönt, wie Ihre Lieblingsband, die Lieblingsband an sich, spielt der Dienst dann aber nicht ab.

Neben Last.fm finden Sie auf dem Reiter Internet noch weitere Online-Dienste, darunter auch die Hitparade der freien Musikstücke. Welche Schaltflächen Amarok hier anzeigt, legen Sie unter Einstellungen / Amarok einrichten / Internet-Dienste fest (Abbildung 6).

Abbildung 6: Über die Einstellungen richten Sie die verschiedenen Internetdienste ein.

Feedback erwünscht

Das Amarok-Team legt bei den kommenden Versionen auch besonderes Augenmerk auf die Rückmeldungen von Nutzern. Dazu bietet der Menüpunkt Hilfe / Einen Kommentar an die Entwickler senden die Möglichkeit, den Entwicklern sehr direkt Rückmeldung über Wünsche und Besonderheiten zu geben. Ist die Option Unterstützungs-Symbole anzeigen aktiv, dann erscheinen in den meisten Dialogen und im Hauptfenster vier bunte Symbole für positive und negative Erfahrungen, Bugreports und Feature-Wünsche. Die Rückmeldungen versenden Sie wahlweise anonym oder mit einer E-Mail-Adresse versehen. Neben einfachen Feedback-Meldungen mit den zwei Smileys können Sie auch Wünsche für zusätzliche Funktionen anmelden oder gleich einen Bug-Report schreiben.

Infos

[1] Homepage: http://amarok.kde.org/de

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Kommentare
Super Artikel - Ergänzung erwünscht
Ulf B., Donnerstag, 10. März 2011 23:21:22
Ein/Ausklappen

Super Artikel.

Mir fehlen nur noch ein paar Sachen, die ich bisher noch nicht ganz rund aufgesetzt bekommen habe.

Zum einen habe ich einen Server (auch openSUSE) auf dem die Musikdateien liegen. Da mehrere Benutzer darauf zu greifen, wäre es schön wenn dort auch die Datenbank (idealerweise PostgreeSQL oder notfalls auch MySQL) liegen würde. Das habe ich aber nur teilweise hin bekommen, da irgendwie immer die Rechte gefehlt haben, um über das Intranet auf die Datenbank zu zugreifen.

Als zweites habe ich noch nicht Geschafft, die vorhandenen OGG und FLAC Dateien incl. aller Informationen aus Amarok incl. Cover als MP3 auf einen USB-Stick zu ziehen.

Gruß
Ulf

PS: Interessant wäre auch die vorhanden gepflegten Daten von Amarok auf einen DLNA Server zu exportieren bzw. zu importieren


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Re: Super Artikel - Ergänzung erwünscht
Marcel Hilzinger, Montag, 14. März 2011 18:23:33
Ein/Ausklappen

Für ein zentrales Setup empfiehlt sich zum Beispiel ampache http://ampache.org/ Dafür gibt es ein Extra-Modul in Amarok, um auf die Ampache-Sammlung zuzugreifen. UPnP soll Amarok laut diversen Angaben auch beherrschen, allerdings hängt es vom Server-Setup ab, ob Amarok das Musik-Share anzeigt.

Amarok kann meines Wissens keine Cover in die MP3-Dateien speichern.


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