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Plasma, Baby!

Plasmoiden erstellen mit JavaScript

09.08.2010 Seit Version 4.4 bietet die KDE Software Compilation die Möglichkeit, Plasmoiden in JavaScript oder QtScript zu schreiben. Dadurch eröffnet sich die Welt der KDE-Widgets auch Nicht-Programmierern.

Als Nicht-Programmierer habe ich ein hohes Maß an Respekt für Programmierer. (Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich mit einer Programmiererin verheiratet bin :-)) Programmierer besitzen diese übermenschliche Fähigkeit, seltsame Sprachen zu verstehen und diese auf eine Art und Weise handzuhaben, dass daraus schließlich etwas entsteht, das ich entweder brauche oder gerne haben möchte. Programmierern und Hackern von freien und quelloffenen Programmen verdanken wir das faszinierende Linux-System, das ich auch jetzt fürs Schreiben dieses Artikels verwende. Also, meinen Dank an Euch alle!

Es gibt für Linux Zehntausende von Programmen und/oder Paketen frei verfügbar, von denen ich zugegeben nur relativ wenige aktiv benutze. Angesichts der Anzahl von Männern und Frauen, die da draußen an Programmen werkeln, könnte man mit hoher Sicherheit annehmen, dass es bereits alles als Programm gibt, was man sich so wünscht. Natürlich ist das nicht wahr, und gerade deshalb kommt immer wieder jemand mit einer tollen neuen Idee.

Größer bedeutet nicht immer automatisch gleich besser, und gerade darin liegt das große Geheimnis. Eine Anwendung muss nicht unbedingt riesig und komplex sein, um nützlich zu sein. So handelt es sich auch bei den KDE-Widgets oder Plasmoiden um mehr als einen bloßen Desktop-Augenschmaus. Die Plasmoiden gewähren uns einen Einblick in die sehr nahe Zukunft des "Computings". Eine Zukunft, an der auch Sie teilhaben können, auch wenn Sie vom Programmieren nur so viel wie ich verstehen.

Plasmoiden

Seit KDE 4.4 lassen sich Plasmoiden [1] auch in in JavaScript [2] oder in QtScript schreiben. Dadurch öffnet sich die Tür zu einer ganz neuen Klasse von Anwendungen und auch zu neuen Geräten. Bislang musste man zumindest etwas Erfahrung in C++ haben, wenn man ein KDE-Miniprogramm schreiben wollte.

Das Schöne an JavaScript ist, dass es leicht zu schreiben, sicher und überall auszuführen ist. Achten Sie dabei auf das Wort "überall". Das ist der springende Punkt in der Strategie von KDE, um ein breites Publikum zu finden und Anwendungen für das gesamte Spektrum von Geräten bereitzustellen: für Desktop-Computer, Notebooks und Netbooks, Tablets, E-Book-Readers, Smartphones, Fernseher… wirklich für alle möglichen Geräte!

Stellen Sie sich vor, Sie spazieren in eine Konferenz mit Ihrem Smartphone oder Tablet in der Hand hinein. Das Netzwerk stellt eine Reihe von QtScript-Plasmoiden bereit, die zur gemeinsame Nutzung frei verfügbar sind. Eines von diesen ist ein interaktives Programmheft, in dem Sie die für Sie interessanten Ereignisse auswählen, und vor dem Beginn rechtzeitig daran erinnert werden. Ihr Plasmagerät spielt die Anwendung ein, und stellt Ihnen alle nötigen Tools zur Verfügung. Das Beste von allem ist, dass es dem Anwendungsserver (der aus einer beliebigen Anzahl von Geräten bestehen kann) egal ist, was Sie überhaupt ausführen.

Gemeinsam nutzen

Bevor es nun gleich ans "Programmieren" geht, zeige ich Ihnen einen ziemlich coolen Desktop-Trick. Wählen Sie dazu ein Plasmoid auf Ihrer Arbeitsfläche aus. Per Rechtsklick auf das Plasmoid (alias Widget oder Miniprogramm) lassen sich die Einstellungen ändern. Was sich unter den Einstellungen verbringt und wie viele davon vorhanden sind, variiert je nach Plasmoid. Eine der Einstellungen ist aber in jedem Fall vorhanden: Freigeben (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mögen Sie dieses Widget, dann möchten Sie es auch mit anderen teilen?

Als Erstes aktivieren Sie das Kontrollkästchen neben dem Menüpunkt Dieses Element im Netzwerk freigeben. Wenn Sie hier das zweite Kontrollkästchen (Beliebigen Benutzern den Zugriff auf dieses Miniprogramm erlauben) leer lassen und so auf OK drücken, dann wird Ihnen ein Passwortdialog erscheinen, gleich wenn jemand dieses Miniprogramm zum ersten Mal seiner eigenen Arbeitsfläche hinzuzufügen versucht (Abbildung 2). Geben Sie ein beliebiges Passwort ein. Der entfernte Benutzer muss dann das gleiche Passwort auch eingeben, und das Miniprogramm seiner Arbeitsfläche hinzuzufügen. Sie kennen das vielleicht vom Bluetooth-Pairing her.

Abbildung 2: Miniprogramme lassen sich frei oder passwortgeschützt im Netz verteilen.

Wie Sie sehen, hat dieser Dialog zwei Checkboxen. Durch die erste erlauben Sie diesem Benutzer den Zugang zu allen Miniprogrammen, die Sie verteilen. Die zweite speichert Ihre Wahl bis zum Ende der aktuellen Sitzung.

Entscheiden Sie sich, ein Plasmoid im Netzwerk bereitzustellen, erscheint daraufhin die Nachricht im Informationsbereich aller Rechner im Netz, dass ein neues Miniprogramm für den Gebrauch freigegeben wurde (Abbildung 3). Ist dieses mit einem Passwort geschützt, wird der Benutzer aufgefordert, sich zu identifizieren, wenn er das angebotene Miniprogramm in Anspruch nehmen will. Nach der Eingabe der nötigen Information erscheint das Plasmoid einfach auf der Arbeitsfläche. Was sich mit Plasmoiden übers Netz so alles anstellen lässt, erklärt der Kasten "Plasma Mobile".

Abbildung 3: Stellen Sie ein Plasmoid für gemeinsame Nutzung im Netzwerk bereit, erhalten andere Benutzer darüber eine Nachricht.

Plasma Mobile

Besonders cool an den JavaScript-Plasmoiden ist, dass sich diese auch auf anderen Geräten benutzen lassen, die mit einem Plasma-Desktop ausgestattet sind. Dazu gehören Netbooks, und so ziemlich alles, was die neue Plasma Mobile Shell anwendet, wie bestimmte Smartphones (aktuell das N900 von Nokia, weitere sind in Arbeit). Außerdem laufen Plasmoiden auf solchen Geräten als Full-Screen-Anwendungen mithilfe von Plasma Windowed App. Darüber hinaus soll das Plasma Media Center [3] (derzeit in Entwicklung) auch Support für lokale und entfernte Widgets bieten, was wiederum bedeutet, dass Sie diese zum Beispiel Ihrem Fernseher hinzufügen können. Es ist alles Teil der Infrastruktur. Geben Sie im Suchfeld von YouTube plasma und mobile ein, um ein Handvoll Videos zu sehen, die die Plasma Mobile Shell auf einigen Geräten demonstrieren.

Laut der aktuellen Plasma-Mobile-Roadmap können Sie schon demnächst Plasmoids über Telepathy-Tubes (verwandt mit HTML5 Storage) mit Ihren Chat-Kontakten teilen. Es gibt zudem einen Dialogmanager: wenn ein Plasmoid ein Dialogfenster öffnet (zum Beispiel für die Konfiguration), dann wird dieses Fenster je nach Gerätetyp anders gehandhabt. Auf Desktop-Rechnern erscheint nur das übliche einfache KDE-Fenster, aber auf Netbooks und mobilen Geräten integriert sich der Dialog in die Vollbild-Oberfläche.

Ein weiterer Punkt im aktuellen Fahrplan umfasst die Implementierung kryptographischer Web-of-Trust-Prüfungen (Vertrauensnetz-Prüfung) von Anwendungen, die über das Netzwerk geliefert werden. So können Sie dann überprüfen, ob das Widget von Ihrem Fernseher tatsächlich vom Großen TV-Hersteller stammt, oder ob es wirklich vom Desktop Ihrer Frau auf Ihr Smartphone gekommen ist. Nun verstehen Sie die Leistungsfähigkeit und das Potenzial dieser kleinen Anwendungen.

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