Wer noch mit Windows arbeitet, kennt die Vorteile von Windows XP gegenüber den Nachfolgern Vista und Windows 7. Etwas ähnlich verhält es sich auch mit den großen Desktop-Oberflächen von Linux: KDE und Gnome. Vor allem KDE-Nutzer vermissen zum Teil die Schlichtheit des alten KDE-3-Desktops und würden gerne auf Effekte und andere Spielereien verzichten. Gehören Sie zu diesen Nutzern, dann ist LXDE [1] genau das Richtige für Sie.
Am besten richten Sie LXDE bereits während der Installation von OpenSuse als Standard ein. Die meisten KDE- und Gnome-Pakete kommen so gar nicht erst auf Ihren Rechner. Benötigen Sie doch einmal ein KDE- oder Gnome-Programm können Sie es immer noch nachinstallieren. Um LXDE als Hauptdesktop einzurichten, markieren Sie während der Installation beim Dialog Arbeitsumgebung auswählen den Punkt Andere (Abbildung 1) und wählen den Eintrag LXDE. Neben LXDE steht hier auch XFCE zur Auswahl. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen relativ schlanken Desktop. Einen Artikel zu XFCE finden Sie online auf der LinuxCommunity [2]. Der Rest der Installation läuft wie im Installationsartikel auf Seite 6 beschrieben ab.
Haben Sie die Installation von OpenSuse bereits hinter sich und möchten nun nachträglich LXDE einrichten, dann rufen Sie dazu in einem Terminal den Befehl sudo zypper install -t pattern lxde auf oder starten in YaST das Modul Software | Software installieren oder löschen, klicken oben links auf Anzeigen | Patterns und markieren dann den Eintrag Lightweight X11 Desktop Environment zur Installation (Abbildung 2). Anschließend melden Sie sich vom aktuellen Desktop ab und wählen danach im Login-Bildschirm im Sitzungsmenü den Eintrag LXDE aus.
Der LXDE-Desktop zeigt nach dem Start das Panel am unteren Bildschirmrand an. Je nachdem, ob Sie ein frisches System installiert haben oder LXDE nachträglich eingerichtet, befinden sich auf dem Desktop zudem die gewohnten Startsymbole von OpenSuse für Firefox, OpenOffice und die Online-Hilfe. Einen Klick auf Arbeitsplatz sollten Sie an dieser Stelle unterlassen, da sonst Konqueror starten möchte, was ziemlich lange dauert und am Schluss doch nur mit einem leeren Konqueror-Fenster ändert.
Um im Dateisystem zu navigieren, starten Sie besser den LXDE-eigenen Dateimanager Pcmanfm. Er erhielt seinen Namen vom taiwanesischen Programmierer Hong Jen Yee mit dem Spitznamen PCMan. Hong Jen Yee hat neben Pcmanfm auch weite Teile von LXDE selbst programmiert. Den Dateimanager starten Sie entweder über das dunkle Symbol gleich neben dem Suse-Menü oder per [Alt]+[F2] und die Eingabe des Befehls pcmanfm. Pcmanfm lässt sich wie praktisch jeder Dateimanager bedienen, seine Besonderheit ist in erster Linie die Geschwindigkeit, zudem finden Sie über den Eintrag Anwendungen in der Seitenleiste auch sämtliche Programme aus dem Startmenü.
Eine besonders nützliche Funktion finden Sie im Menü Werkzeuge: Hier können Sie über den gleichnamigen Menüpunkt den aktuellen Ordner mit Administratorrechten öffnen. Tragen Sie von Hand die Adresse network:// ein, können Sie zudem nach Windows-Rechnern im lokalen Netz browsen. Pcmanfm unterstützt dabei sämtliche Protokolle des virtuellen Gnome-Dateisystems gvfs, probieren Sie einfach mal ftp://, ssh:// oder webdav:// aus.
Wie bei den meisten Arbeitsumgebungen üblich, richten Sie auch unter LXDE per Rechtsklick und der Auswahl des Menüpunktes Einstellungen der Arbeitsfläche ein neues Hintergrundbild ein. Sind Sie es sich gewohnt, über das Rechtsklickmenü Programme zu starten oder den Rechner herunterzufahren, dann wechseln Sie in den Desktopeinstellungen auf den Reiter Erweitert und markieren die Checkbox Beim Klicken auf den Desktop die Menüs des Fenstermanagers anzeigen. So erhalten in Zukunft per Rechtsklick das OpenBox-Menü (Abbildung 3). Haben Sie das Konfigurationsfenster bereits geschlossen und finden nun nicht mehr zum alten Menü zurück, dann finden Sie die Einstellungen im (neuen) Rechtsklickmenü unter Desktop Settings.
Die weiteren Einstellungen von LXDE nehmen Sie in der LXDE-Schaltzentrale vor, die Sie über den Menüpunkt System | LXDE Control Center oder den Befehl lxcc öffnen (Abbildung 4).
Im Kontrollzentrum richten Sie unter anderem den Bildschirmschoner ein, starten den Dateimanager Pcmanfm komplett als Root oder passen den Monitor, die Maus und das Keyboard an. Sind Sie Gnome oder KDE-Fan, dann finden Sie unter dem Menüpunkt Appearance sämtliche Einstellungsmöglichkeiten, um die Programme und Fenster so wie bei KDE (Fensterthema Oxygen-Molecule und Symbolthema Oxygen) oder wie unter Gnome aussehen zu lassen. Als Standardeinstellung nutzt LXDE unter OpenSuse 11.3 das Fensterthema Glider und das Symbolset nouveXT 2.2.
Als Gtk-basierender Desktop weist LXDE sehr viele Parallelen zu Gnome auf, allerdings startet LXDE deutlich weniger Dienste. Fehlt Ihnen ein besonderes Feature von Gnome, dann lohnt sich ein Blick auf die Einstellungen unter Session Settings. Hier können Sie unter anderem den Pulseaudio-Support einschalten, den Suchdienst Tracker starten oder den Schnellstarter von LDXE durch das optisch ansprechendere Gnome-Do ersetzen. Je nach Rechner lassen sich zudem auch Dienste ausschalten, zum Beispiel der Bluetooth-Support oder das Applet für die Druckaufträge. Schauen Sie sich einfach mal die Liste Automatisch gestartete Anwendungen durch.
Unbedingt markieren sollten Sie hier das Online-Aktualisierungs-Miniprogramm. Es informiert Sie, wenn Updates für Ihr OpenSuse-System zum Download bereit sind.
Dieser kurze Überblicksartikel konnte noch weit nicht alle Möglichkeiten von LXDE aufzählen. So beherrscht der Dateimanager Pcmanfm auch Tabs oder Sie können zusätzliche Panels mit Anwendungsstartern oder Systemmonitoren anlegen. Um die LXDE-Sitzung zu beenden, klicken Sie auf das rote Symbol am rechten Rand des Panels. Im neuen Dialog erscheinen dann sämtliche Möglichkeiten, vom Herunterfahren über den Neustart bis zum Ruhezustand oder Tiefschlaf.
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://lxde.org/
[2] Artikel zu XFCE: http://www.linux-community.de/artikel/18468