Das geht gar nicht

Damit ist der Funktionsumfang des Activity Journals allerdings schon vollständig erschöpft. Insbesondere fehlt eine intelligente Suche, die ursprünglich den Kern des Systems ausmachen sollte. Die eingangs erwähnten Dokumente von der Konferenz oder die Bilder aus dem Urlaub findet man nur, wenn man den genauen Zeitpunkt weiß und dorthin zurück blättert. Zeitgeist liegen noch nicht einmal entsprechende Kommandozeilenwerkzeuge bei, über die man zumindest in einem Terminal eine Abfrage stellen könnte. Die Entwicklung des Activity Journals schreitet allerdings in äußerst schnellen Schritten voran – möglicherweise haben die Entwickler mit dem Erscheinen dieser Ausgabe die vermisste Suchfunktion schon nachgerüstet. Einen Überblick über die geplanten beziehungsweise zu erwarteten Funktionen findet man in den Ankündigungen auf der Projektseite [1].

Nutzer müssen aber noch eine zweite Kröte schlucken: Zeitgeist protokolliert derzeit ausschließlich alle geöffneten, gespeicherten, sowie die zuletzt genutzten Dateien. Es stützt sich dabei auf die Daten des Dateimanagers Nautilus. Folglich zeigt das Activity Journal ein leeres Fenster, wenn man den Verlauf von Nautilus abgeschaltet hat. Die Browser-Lesezeichen bleiben genau so außen vor, wie die Chronik der besuchten Internetseiten. Ändern wird sich das erst, wenn weitere Anwendungen Zeitgeist unterstützen beziehungsweise Zeitgeist von Haus aus weitere Programme erkennt.

Sammelwut

Obwohl über das Activity Journal also relativ wenige Informationen bereitstehen, sammelt der Zeitgeist-Daemon im Hintergrund unablässig Daten – und zwar sehr viele. Der Daemon eignet sich somit nicht nur zum schnelleren Auffinden von Dokumenten, sondern auch hervorragend zur Überwachung. So demonstrierten ihre Erfinder auf einer Konferenz, wie sich das Surfverhalten von Kindern mit Zeitgeist überwachen und analysieren lässt [2]. Bei Arbeitnehmern entsteht wiederum ein exaktes Protokoll ihrer PC-Arbeit, so manch eine Führungsetage dürfte da glänzende Augen bekommen. Die Werbeindustrie leckt sich ebenfalls die Finger, liegt im Zeitgeist-Protokoll doch ein perfektes Nutzerprofil. Die Entwickler arbeiten zudem auch an der Integration von Geo-Lokalisierung.

Zeitgeist bekommt also sehr viele sensible Daten in die Finger, die es analysiert und dazu Metadaten erzeugt. Während diese Funktion zum Beispiel beim Fotobetrachter oder in einer Blog-Software nützlich sein kann, sollte Zeitgeist der Zugriff auf bestimmte Dateien (zum Beispiel der Buchhaltung) tabu bleiben, auch wenn sie sich als noch so nützlich erweisen.

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