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Leben einhauchen

Animationen mit Synfig erstellen

Bewegung!

In den "alten Zeiten", als die Animationen noch auf Transparentfolien gezeichnet wurden, musste der Animator noch jedes einzelne Frame separat zu zeichnen – oder mindestens die bewegten Elemente in jedem Frame neu zu zeichnen. Synfig macht Schluss mit dieser mühsamen Arbeit – der Künstler braucht nur noch die entscheidenden Frames (die Start- und Endpunkte eines Bewegungsablaufes) zu zeichnen. Diese Bilder nennt man Keyframes oder Schlüsselbilder.

Wenn Sie im Zeichenfenster im Zeichnen-Modus arbeiten, sehen Sie rechts neben der Zeitachse vier Symbole. Mit einem Klick auf die Schaltfläche rechts des Vorhängeschlosses wechseln Sie in den Animation-Modus. Hier bearbeiten Sie bestimmte Schlüsselbilder auf der Zeichenfläche in Verbindung mit der Zeitlinie editieren. Das Bild erhält nun einen roten Rahmen, um Sie daran zu erinnern, dass sie sich im Animation-Modus befinden. Um eine Animationssequenz zu definieren, beginnen Sie zuerst mit der Erstellung Ihrer ersten Szene im Zeichnen-Modus, schalten Sie dann in den Animation-Modus über, und richten Sie die Elemente zu den gewünschten Positionen in den entscheidenden Frames neu aus.

Die einfachste Form der Animation ist, wenn Sie die Position eines Objekts von einem Punkt zu einem anderen verschieben. Diese Ausschnitt-Animation (cutout animation) ist eine leistungsfähige Technik, die Sie von der TV-Serie South Park bis zu den surrealen Bildfolgen in Monty Python von Terry Gilliam antreffen. Um eine Szene mit dieser Technik zu animieren, klicken Sie auf den Reiter Keyframes (Schlüssel-Symbol) im wagrechten Palettenfenster. Bei einer neuen Animation enthält das Fenster keine Einträge und die Schaltflächen sind grau. Aktivieren Sie nun den Animation-Modus, dann wird die Taste Neues Schlüsselbild hinzufügen aktiv.

Jeder Klick auf dieser Schaltfläche fügt ein neues Schlüsselbild hinzu. Damit daraus eine Animation entsteht, müssen Sie lediglich zunächst die Zeichnung auf der Zeitachse markieren, danach auf Neues Schlüsselbild hinzufügen klicken. Der erste Keyframe landet normalerweise bei 0 Sekunden, 0 Frames – überprüfen Sie das jedoch sicherheitshalber, bevor Sie ein neues Schlüsselbild hinzufügen. Haben Sie versehentlich eine andere Stelle auf der Zeitlinie angeklickt, dann landet das Schlüsselbild eventuell an der falschen Stelle. Ziehen Sie als nächstes den Marker an das Ende der Zeitlinie und fügen Sie ein zweites Schlüsselbild hinzu: schon ist die Animation fertig.

Abbildung 4: Synfig im Animation-Modus mit den einzelnen Schlüsselbildern.

Sprunglinks (SPR) sind Verknüpfungen, mit denen Sie schnell zwischen den Frames navigieren (Abbildung 4). Klicken Sie auf den SPR-Link neben dem letzten Frame, und alle Änderungen, die Sie an den Objekten in der Zeichenfläche vornehmen, werden auf dieses Schlüsselbild übertragen. Noch einfacher navigieren Sie in der neuesten Version über die blauen Pfeile rechts der Zeitlinie von Synfig.

Um einen Keyframe zu verschieben, packen Sie ihn mit der Maus auf der Zeitleiste (Reiter mit dem roten T-Symbol), und ziehen Sie ihn an die neue Position. Um sich die Vorschau Ihrer neuen Kreation in niedriger Auflösung anzuschauen, wählen Sie DateiVorschau im Zeichenfenster oder klicken auf das Symbol mit dem grünen Play-Button.

Die Zeitleiste gleicht der Zeitlinie vom Zeichenfenster, zeigt aber deutlich mehr Details an. Die Schlüsselbilder sind hier durch eine vertikale Linie am entsprechenden Zeitpunkt gekennzeichnet. Wählen Sie auf der Zeitleiste ein Objekt aus, dann sehen Sie in den Objekteigenschaften (blaues Buchsymbol mit einem Fragezeichen) genau, welche seiner Attribute sich während der Animation wie geändert haben.

Haben Sie zum Beispiel einen Kreis gezeichnet, dann zeigt der Reiter Objekteigenschaften neun Parameter auf: Z Tiefe, Menge, Blend Methode, Ursprung, Farbe, Radius, Schleier, Umkehren und Sinken. Haben Sie den Kreis zwischen Schlüsselbildern bewegt, ändert sich der Typ hinter dem Eintrag Ursprung zu Animiert. In der Zeitleiste erscheinen diese Bällchen in der gleichen Zeile, wie die entsprechenden Parameter. Die Verschiebung eines Kreises in eine neue Position beeinflusst lediglich seinen Mittelpunkt (Origin), haben Sie aber seine Farbe, den Radius, oder andere Parameter auch geändert, sehen Sie diese Veränderungen ebenfalls in der Zeitleiste gekennzeichnet (Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Zeitleiste zeigt Schlüsselbilder als vertikale Linien, und Wegpunkte als Bällchen.

Die Bällchen nennen sich Wegpunkte. Um die Feineinstellung für jede beliebige Änderung in der Animation vorzunehmen, lassen sich die Punkte justieren. Ziehen Sie ihn nach links oder rechts, bestimmen Sie genauer, wann die Animation eingeleitet wird. Für noch mehr Kontrolle, fügen Sie per Rechtsklick zusätzliche Wegpunkte zwischen den Schlüsselbildern ein; dadurch werden detailliertere Änderungen an wichtigen Parametern ermöglicht, ohne dass Sie dazu neue Schlüsselbilder für die gesamte Zeichnung erstellen müssen.

Echte Bewegung

Auch wenn die Ausschnitt-Animation von Synfig schon richtig Spaß macht, ist sie nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Deutlich interessanter sind Animationen, die sich fließend bewegen und durch Wandlung der Größen und Formen echt realistisch wirken. Synfig bietet dazu mehrere fortgeschrittene Werkzeuge und Techniken.

Für die meisten komplex animierten Zeichnungen benutzt man in der Regel anstelle geometrischer Primitiven eine Handvoll Freiformkurven (spline objects). In Synfig lassen sich Freiformkurven für die einfachere Bearbeitung gruppieren und miteinander verknüpfen: wenn sich also die eine Kurve bewegt, dann bewegt sich die andere auch gleich mit. Die Einstellungsmöglichkeiten in Synfig sind darauf ausgelegt, möglichst natürlich wirkende Animationseffekte zu erzeugen. Wer in erster Linie mit Vektorgrafiken gearbeitet hat, mag hier etwas verwirrt sein. So bestimmt zum Beispiel der Parameter Menge die Alpha-Transparenz eines Objekts.

Das gleiche gilt für Unschärfe und Verzerrung, die in Synfig als separate Ebenen implementiert sind, nicht als Effekte. Da ein Effekt eine eigene Ebene für sich hat, lassen sich seine Parameter in der Zeitleiste von anderen Objekten unabhängig ändern, wodurch Sie zum Beispiel eine Unschärfe einblenden können, um eine sich verändernde Tiefenschärfe zu simulieren. In Synfig kann die Zeichenfläche auch in einer "Zwiebelschalen-Ansicht" dargestellt werden, in der die Schlüsselbilder der Animation halbtransparent gerendert werden, um komplexe Bewegungsabläufe einfacher auszurichten.

Manchmal führt das unmittelbare Morphing zwischen dem Start- und Endpunkt einer Bewegung nicht zu einem natürlich wirkenden Bewegungsablauf. In Synfig ordnen Sie dann eine Freiformkurve der Ebene der Bewegung zu, wodurch Sie diese dann in beliebige Richtungen bewegen können. Außerdem lassen sich Bewegungen über beliebige mathematische Ausdrücken definieren – die Parameter der Ebenen lassen sich dazu als Variablen exportieren und wieder einlesen. Ein gutes Beispiel für diese Technik entnehmen Sie dem Tutorial "Parabolic Shot Animation" im Synfig Wiki [2].

Der Arbeitsablauf in Synfig dreht sich um die Leinwand, die mehr oder weniger einer einzelnen Szene in einem längeren animierten Film entspricht. Synfig kann mehrere solcher Szene in einer Verbunddatei zusammenfügen, auf Wunsch auch mit Überblendungen. Es leistet also auch die Arbeit eines uralt Video-Editors.

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