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© Aiyaz Kidwai, sxc.hu

Leben einhauchen

Animationen mit Synfig erstellen

11.08.2010 3D-Filme sind stark in Mode. Um selbst einen Film in der dritten Dimension zu erstellen, benötigen Sie keine riesige Renderfarm sondern bloß die freie Software Synfig.

3D ist zurzeit der Renner für Kino und Heimkino. Viele Linux-Benutzer sind mit dem professionellen 3D-Animation-Tool Blender vertraut. Blender ist ein sehr mächtiges und vielseitiges Werkzeug für die Erstellung von 3D-Animationen, aber viele Trickfilmzeichner benötigen die Komplexität von drei Dimensionen überhaupt nicht. In Wirklichkeit beruhen die meisten animierten Inhalte im Fernsehen und im Internet immer noch auf 2D-Animationen – das 3D-Framework von Blender ist hingegen nicht für den Support von Arbeitsabläufen in 2D-Animationen ausgelegt. Die Datenmodelle, Erstellungswerkzeuge und Rendering-Pipelines sind völlig verschieden. Was soll also der Animator tun?

Das Synfig-Studio

Für robuste 2D-Animationen ist das quelloffene Synfig Animation Studio [1] die Antwort. Synfig war ursprünglich ein proprietäres Programm, entwickelt von Robert Quattlebaum für den internen Gebrauch seiner eigenen Animationsfirma namens Voria Studios. Synfig wurde im Jahre 2005 zu einem quelloffenen Projekt, und entwickelte sich seitdem zu einer erstklassigen, erweiterbaren, kreativen Anwendung mit einer treuen Benutzergemeinschaft. Mit Synfig erstellen Zeichner naturnahe 2D-Animationen so einfach wie es nur möglich ist.

Tipp

Bei Synfig kann sich der Künstler auf das Zeichnen der Keyframes konzentrieren. Die Übergänge zwischen den einzelnen Keyframes übernimmt dann die Rendering-Engine von Synfig.

Synfig ermöglicht dem Künstler, sich auf das Zeichnen von Schlüsselbildern zu konzentrieren, die an den relevanten Punkten der Zeitleiste erscheinen. Die Schlüsselbilder (Keyframes) positionieren die Elemente auf der Zeichenfläche, als würde man die Bildfolge für ein Storyboard zusammenstellen. In der Renderingphase werden dann die dazwischenliegenden Bilder (Frames) generiert, glatt interpolierend zwischen den Schlüsselbildern auf der Zeitleiste. Die Bearbeitungswerkzeugen von Synfig arbeiten vorwiegend mit Vektorgrafiken, sehr ähnlich wie Inkscape, sK1, oder Karbon14, aber Sie können auch Rastergrafiken importieren, sowohl für stehende Hintergründe, als auch für animierte Elemente. Raffinierte Layer-Effekte sind auch möglich, wie Mischen (Blending), Verwischen (Blurring) und Maskierung (Masking).

Synfig ist eine Gtk+ Anwendung mit keinen außergewöhnlichen Paket-Abhängigkeiten. Die Website des Projekts stellt Installationspakete für 32-bit und 64-bit Systeme in Debian- und RPM-Format bereit, neben den Versionen für Windows und Mac OS X. Viele der populären Linux-Distributionen stellen die Synfig-Pakete über ihre Paketverwaltungssysteme bereit, OpenSuse-Nutzer finden Synfig bei Packman.

Um Synfig auf Ihrem Rechner zu installieren, wählen Sie die Pakete synfig und synfigstudio aus. synfigstudio ist die grafische Anwendung und synfig das Kommandozeilentool, das die Animationen im Hintergrund rendert. Die neueste Version von Synfig ist Synfig 0.62.01, das im Mai 2010 veröffentlicht wurde.

Zeichentricks

Die Benutzeroberfläche von Synfig Studio besteht aus vier Hauptfenstern (Abbildung 1). In der Werkzeugleiste befinden sich die Zeichenwerkzeuge, die Datei- und Hilfe-Menüs und die Farbauswahl. In der Hauptansicht enthalten sind noch zwei Palettenfenster. In der Grundeinstellung sind im senkrechten Palettenfenster die Registerkarten für den Navigator, die Farben, die Optionen und die Ebenen angeordnet. Das waagrechte Fenster enthält die Zeitleiste und Register für Kurven und die Metainformationen.

Abbildung 1

Abbildung 1: Synfig Studio mit allen verfügbaren Werkzeugen und Paletten.

Das mittlere Fenster ist die Zeichenfläche, wo Sie die Bilder zeichnen und bearbeiten, die in der Animation erscheinen. Die Zeichenfläche hat Lineale und Zoom-Tools, genauso wie die Zeichenfläche in Gimp oder anderer Bildbearbeitungsprogramme. Bei Synfig gibt es aber auch eine kleinere Zeitlinie entlang der Unterseite. In dieser Zeitlinie zeigt ein orangenfarbener Marker genau auf die Position des aktuellen Frames. So wissen Sie immer, wo Sie gerade in der animierten Sequenz Änderungen vornehmen. Erstellen Sie eine neue Animation, platziert Synfig hier eine Zeitlinie von fünf Sekunden Länge in der Grundeinstellung; Sie ändern diese Einstellung über das Rechtsklickmenü per Bearbeiten | Eigenschaften.

Die Werkzeuge bieten alle Funktionalitäten, die Sie von einem Vektorgrafik-Editor erwarten: Kreis, Rechteck, Polygon als Zeichnungsprimitiven, Freiformkurve, Feder- und Bleistiftzeichnung, Farbverlauf, Füllen, und schließlich Text. Es gibt außerdem noch Anpassungswerkzeuge für die Objekte, wie Skalieren, Spiegeln und Drehen. Da Synfig ein vektorgrafisches Programm ist, sehen Sie jedes Mal, wenn Sie ein neues Objekt hinzufügen, nicht nur die Form des Gegenstandes wie auf der Zeichenfläche gezeichnet, sondern auch die Fixpunkte (Ducks, wie diese in Synfig genannt werden), durch die das entsprechende Objekt genau definiert wird. Zum Beispiel wird ein Kreis durch zwei Punkte exakt definiert: der eine ist sein Mittelpunkt, der andere ist irgendwo auf seinem Umkreis. Wenn Sie eines der Ducks mit der Maus fassen und bewegen, ändert sich das zuvor hinzugefügte Objekt.

Wenn Sie ein Objekt auswählen, werden seine Umrisse auf der Zeichenfläche hervorgehoben, und seine Parameter im Dialogfenster Parameter aufgelistet. Außer seinen Koordinaten umfassen diese Parameter auch die Linienstärke, Füllfarbe und Blending-Methode. Wenn Sie zur Animation wechseln, kann Synfig all diese Parameter über Schlüsselbilder hindurch ändern. Die Animation verwaltet also nicht nur die Bewegung der Objekte, sondern auch die Farbenverschiebung (Shifting), das Einblenden (Fade-in) und Ausblenden (Fade-out), das Mischen (Blending) und andere Effekte (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Im Dialogfenster Parameter überprüfen Sie die Einstellungen und ändern Objekte mit einem hohen Maß an Präzision.

Synfig unterscheidet sich sehr in einigen seiner Editiermethoden von statischen Vektorgrafik-Editoren, wie Inkscape. Sind Sie neu bei diesem Programm, wird Ihnen gleich auffallen, dass jedes Objekt, das Sie gerade auf der Zeichenfläche zeichnen, seine eigene Schicht oder Ebene (Layer) zugewiesen bekommt. Im Register Layers können Sie diese Ebenen dann bearbeiten und ihre Reihenfolge ändern. Außer den Objekt-Ebenen gibt es auch noch Effekt-Ebenen, die Sie hinzufügen, und dadurch die darunter liegenden Ebenen ändern können – diese sind: Unschärfe (Blur) und Verzerrung (Distortion), Änderung der Farbe und der Deckkraft (Opacity), und nahezu alle anderen Bildmanipulationen. Während der Animation ändern Sie diese Ebenen in der Zeitleiste. In Synfig können Sie auch mehrere Ebenen miteinander verknüpfen, um Effekte wirksam zu machen, ohne dabei jede Ebene im Bild einzeln zu bearbeiten. Durch das Einbetten von Ebenen stellen Sie auch sicher, dass diese nicht versehentlich verschoben werden.

In den meisten Vektorzeichenprogrammen verfügt ein aus Freiformkurven oder aus Linien bestehendes Objekt sowohl über einen Umriss als auch über einen ausgefüllten Innenbereich. Nicht so bei Synfig. Damit die Parameter der Animationsfunktionen von Synfig sich voneinander unabhängig einstellen lassen, erstellt das Werkzeug Bline (das auf Freiformkurven beruhende Objekte erstellt) für Umrisse und für interne Objekte jeweils zwei separate Ebenen. Die Werkzeugoptionen ermöglichen, diese Ebenen voneinander unabhängig ein- oder auszuschalten, für den Fall, dass Sie nur das Eine oder das Andere benötigen.

Haben Sie die Zeichenwerkzeuge näher kennengelernt, ist es Zeit, mit der Animation zu beginnen. Im Allgemeinen sind die Vektor-Editierfunktionen von Synfig nicht so vielfältig wie die von Inkscape oder von einem anderen Editor mit vollem Funktionsumfang, aber sie sind ziemlich mächtig. Das Haupthindernis ist, dass komplexe Zeichnungen in Synfig zu lange und möglicherweise verwirrende Listen an Ebenen generieren. Am besten fangen Sie deshalb mit dem Benennen der Ebenen mit sinnvollen Namen an, dann gruppieren und verlinken Sie diese für einen besseren Überblick (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Jedes einzelne Element auf der Zeichenfläche ist eine Ebene für sich, die Gruppierung und Umbenennung der Ebenen hilft Ihnen, eine komplizierte Szene in Griff zu bekommen.

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