Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
Die Maus hat viel dazu beigetragen dem heimischen Rechner – dem PC – zum Durchbruch zu verhelfen. Auf einen bestimmten Ort am Bildschirm zu klicken, ist einfacher und macht mehr Spaß, als per [Tab]-Taste durch einen Dialog zu springen. Das wichtigste Eingabegerät bleibt jedoch nach wie vor die Tastatur. Kein anderes Gerät ist so flexibel und lässt sich so schnell bedienen, wie das Keyboard. Das werden Sie spätestens dann bemerken, wenn Sie zum ersten Mal auf einem Rechner ohne Tastatur arbeiten: so lange Sie nur etwas surfen oder spielen möchten, macht das Tippen auf dem Touchscreen Freude, doch sobald es ans Arbeiten geht und Sie zum Beispiel eine E-Mail schreiben oder chatten möchten, dann wird Ihnen die Tastatur fehlen.
Alles so dunkel
So wie sich die Maus zur Tastatur verhält, gestaltet sich in etwa auch das Verhältnis von grafischer Oberfläche zu einem Terminalfenster. Ich kann mich noch gut an meine ersten Computerversuche unter Mac OS vor mehr als 15 Jahren erinnern. Da gab es ein Symbol mit einer Muschel auf dem Desktop. Als ich einen Freund von mir, der Informatik studierte, danach fragte, wozu dieses Programm gut sei, hat er mir geantwortet: "Damit kann man sehr viele interessante Dinge machen".
Meine erste Tätigkeit in der Shell bestand im Mail-Programm Pine. Sooo interessant fand ich das nun auch wieder nicht. Vor allem, weil das Fenster so dunkel und die Schrift so klein war. Nachdem ich an der Uni mit viel Mühe herausgefunden hatte, wie man Pine bedient und wie man sein Adressbuch nutzt, sah ich mit Horde zum ersten Mal ein Mail-Programm im Browser und war froh, nicht mehr mit Pine arbeiten zu müssen. Das Arbeiten im Terminal blieb bis zu diesem Zeitpunkt auf Pine beschränkt und ich hatte keine Ahnung, welche Möglichkeiten die Shell mir hätte bieten können.
Es werde Licht
Nachdem ich mich während der ersten Jahre an der Uni in den PC-Räumen mit Mac OS und Word für Mac IT-technisch so durchkämpfte und das Mailprogramm Pine zu vergessen versuchte, hörte und las ich zum ersten Mal von Linux. Schon bald wurde mir klar: ich will einen eigenen Rechner und Linux. Die Installation im Textmodus (noch mit YaST 1) und vor allem das Tool fdisk machten mir zum ersten Mal klar, was eine Kommandozeile ist und dass man damit ja tatsächlich sehr viele interessante Dinge tun kann. Während ich bis anhin nur Programme genutzt hatte, kam ich auf den Geschmack der Befehle, und xterm wurde schnell meine Lieblingsanwendung. Anstatt mich durch ein Menü zu angeln und irgendein Programm zu suchen, das Musik abspielt, tippte ich einfach xmms in mein XTerm ein und des funktionierte. Wenn etwas hingegen nicht klappte, dann gab das geliebte XTerm eine Fehlermeldung aus, kommunizierte quasi mit mir. Die Zeit am Rechner wurde so zu einer Art Dialog, Eingabe und Ausgabe zu einem Gespräch, während ich als Mausschubser immer das Gefühl hatte, den Rechner einfach passiv zu konsumieren. Ich entdeckte die wunderbare Welt der Shell!
Den Einstieg in diese Welt und viele weiterführende Artikel bietet Ihnen diese Spezial-Ausgabe von LinuxUser. Möchten Sie mehr über Ihr Linux-System erfahren oder jetzt mit Linux zusammen in die Tiefen der Kommandozeile eintauchen, dann ist dieses Heft genau das Richtige für Sie. Die fünf Linux-Varianten auf der Live-DVD machen die ersten Schritte in der Shell besonders einfach: Sämtliche Artikel im Heft lassen sich so auch ohne Installation nachvollziehen. Neben dem beiliegenden Poster mit den 50 wichtigsten Linux-Befehlen birgt das Heft noch zahlreiche weitere Perlen: Es liegt an Ihnen, die Muschel zu öffnen anstatt an ihr vorbeizuschwimmen.
Marcel Hilzinger



