Im Kreuzfeuer stand vor allem die neue Optik. Schon in früheren Ubuntu-Versionen sollten die alten Brauntöne weichen, mit Lucid Lynx wurde das Vorhaben jetzt endlich in die Tat umgesetzt. Das neue Desktop-Theme präsentiert sich dunklen Lila-Tönen, die Menüleisten leicht plastisch und in edlem grau-braun.
In den Titelleisten der Fenster wanderten die Schaltflächen auf die linke Seite. Damit liegt aber dummerweise der Knopf zum Schließen des Fensters in vielen Anwendungen direkt über dem Bearbeiten-Menü – ein falscher Klick und man radiert das Programm versehentlich vom Desktop. Bereits kurz nach der Vorstellung des neuen Desktops kursierten Anleitungen und kleine Skripte, mit denen man die Knöpfe wieder an ihren alten Platz verschieben konnte [2]. Die Neuplatzierung wurde sogar als Bug gemeldet, der in einer langen Debatte mündete [3]. Ein Machtwort sprach schließlich Canonical Gründer Mark Shuttleworth: die derzeitige Optik bleibt.
Geld her!
Ebenfalls die Gemüter erregte die zunehmende Kommerzialisierung. Nach einer Vereinbarung mit Yahoo! wird der Browser Firefox in Ubuntu 10.04 standardmäßig die Suchmaschine des Google-Konkurrenten anzeigen und verwenden. Für jeden Suchvorgang erhält Canonical etwas Geld, das wiederum in die Weiterentwicklung von Ubuntu fließen soll. Wer eine andere Suchmaschine nutzen möchte, wechselt sie schnell über das Suchfeld rechts oben im Fenster. Sofern man sich für Yahoo! oder Google entscheidet, verwendet Firefox die den entsprechenden Dienst auch auf seiner Startseite.
Hast du Töne
Der Musikplayer Rhythmbox erhielt eine Anbindung an den nigelnagelneuen Ubuntu One Music Store, kurz U1MS [4]. Über ihn verkauft Canonical ab sofort Musikstücke im MP3-Format. Im kompletten Angebot stöbern dürfen allerdings vorerst nur Nutzer aus Deutschland, England und Amerika. Das restliche europäische Ausland beglücken immerhin noch zwei große Plattenfirmen, alle anderen Länder müssen sich mit dem Angebot unabhängiger Labels begnügen [5]. Canonical betreibt den Musikshop nicht selbst, sondern nutzt die Plattform von 7digital. Die erworbenen Musikstücke kommen DRM-frei als MP3-Datei mit mindestens 256 kbit/s. Sie landen jedoch nicht auf der lokalen Festplatte, sondern zunächst in Ubuntu One, der Internetfestplatte von Canonical. Wer Musik kaufen möchte, benötigt folglich dort ein Konto. In zukünftigen Ubuntu-Versionen soll der U1MS in weiteren Musikplayern Einzug halten.
Ubuntu One wurde besser in die Linux-Distribution integriert. So darf man jetzt jeden beliebigen Ordner aus dem Heimatverzeichnis auf der virtuellen Festplatte spiegeln beziehungsweise mit ihr synchronisieren. Das Fenster mit den Einstellungen zu Ubuntu One erhielt ein Facelifting und wurde um zusätzliche Einstellungen bereichert.



