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Keine Kompromisse

Kurztest: Motorola Atrix mit Android und Webtop-Linux

05.03.2011
Mit dem Atrix bringt Motorola voraussichtlich im Sommer ein neues Android-Smartphone auf dem Markt, das neben dem Android-System auch noch ein komplettes Desktop-Linux an Bord hat.

Auf den ersten Blick ist das Atrix ein ganz gewöhnliches Android-Smartphone. Es ist nicht besonders groß oder klein, sieht auch nicht besonders aus, aber die Hardware hat es in sich. Im Atrix arbeitet eine Dualcore-ARM-CPU die von Nvidias Tegra 2 unterstützt wird. Dank dieses Zweikernprozessors ist das Atrix in der Lage, gleichzeitig zwei Betriebssysteme zu starten.

Android und Linux

Dualboot-Systeme mit einem abgespeckten Linux haben bereits sehr viele Hersteller im Angebot. Doch die Dualboot-Lösungen sind nicht wirklich benutzerfreundlich, da man sich entscheiden muss, welches der vorhandenen Systeme man nutzen möchte. Durch Virtualisierung und eine entsprechende CPU hat Motorola nun beim Atrix für eine echte Zweisystemlösung gesorgt. Android läuft parallel zum ebenfalls vorhandenen Webtop-Linux-System. Dabei handelt es sich um eine Eigenentwicklung von Motorola, die mit ziemlicher Sicherheit auf der ARM-Version von Ubuntu beruht. Zumindest lässt dies das Infofenster von Firefox vermuten, das eine Build-Version 3.6.16 von Canonical anzeigt.

Abbildung 1: Das Notebook-Dock selbst enthält weder eine Batterie noch eine CPU. Die Rechenpower stammt komplett aus dem Android-Smartphone, das links hinter dem Display zu sehen ist.

Benutzt man das Handy alleine, ist vom zweiten Linux-System nichts zu sehen und nichts zu spüren. Die Dualcore-CPU arbeitet dann voll für Android. Sobald man das Atrix aber an die HDMI-Dockingstation oder das Notebook-Dock anschließt, erscheint auf dem Display ein Auswahldialog für weitere Systeme. Hier befindet sich ein Eintrag für Webtop. Wählt man diesen aus, dann startet das Handy parallel das zweite Linux-System. Android arbeitet dabei weiter, die Last der zwei Systeme teilen sich die Kerne dynamisch, sodass das Webtop-System zu mehr als genügend Rechenpower kommt und Sie gleichzeitig Anrufe entgegennehmen können.

Webtop selbst bietet neben Firefox und dem Dateimanager (vermutlich Thunar, der Infodialog ist nicht zu sehen) keine weiteren traditionellen Linux-Programme. Auch den Zugriff auf eine Shell versuchten wir über die üblichen Tastenkombinationen und bekannten Linux-Shortcuts vergebens. Es lässt sich aber um Starter für Webanwendungen erweitern. Über den Dateimanager kann man auf sämtliche Daten des Android-Handys zugreifen, Android selbst zeigt sich unter Webtop in einem Fenster, sodass man das Handy mit Tastatur und Maus bedienen kann. Einzelne Apps auf Android hat Motorola sogar so erweitert, dass Sie bei einem Klick nachfragen, ob sie im Android-Fenster oder auf dem Webtop-Desktop starten sollen. Dabei handelt es sich aber in erster Linie um browserbasierte Apps.

Abbildung 2: Der Webtop-Desktop von Motorola basiert auf dem ARM-Port von Ubuntu und einem abgespeckten XFCE.

Dritter im Bunde

Neben dem Standard-Webtopsystem, das auf den ersten Blick wie ein leicht angepasster XFCE-Desktop aussieht, bringt das Atrix auch ein sehr hübsch gestaltetes Mediacenter Frontend mit. Darüber lassen sich Fotos und Filme betrachten (allerdings nur bis maximal 720p), und Sie können natürlich Musik abspielen und im Web surfen. Der Zugriff auf Webtop und das Mediacenter ist per HDMI-Schnittstelle auch ohne Dockingstation oder das Notebook-Dock möglich. Möchten Sie den Abend ungestört mit einem Film über das Motorola Atrix genießen, dann lässt sich die Handyfunktion auch abschalten, um keine Anrufe zu bekommen.

Schwachstellen

Neben so viel Lob für das neue Motorola-Flaggschiff gibt es auch ein paar Kritikpunkte. Wie erwähnt unterstützt das Smartphone bei der Video-Wiedergabe maximal 720p. Wer auf einem Full-HD-Display also genau hinschaut, wird einige Unschärfen bemerken. Ohne Dockingstation lässt sich zudem nur eine Bluetooth-Tastatur oder eine Bluetooth-Maus mit dem Atrix koppeln. Möchten Sie zwei Bluetooth-Geräte nutzen oder eine USB-Tastatur, dann benötigen Sie das Dock, das rund 60 Euro kosten soll. Ebenfalls nicht ganz perfekt empfanden wir das Downscaling des Bildbetrachters. Sehen Sie größere Bilder auf Bildschirmfüllend an, dann sind diese nicht ganz scharf, erst bei der 100-Prozent-Ansicht kommt die volle Qualität zur Geltung. Aber auch dieses Detail fällt nur auf, wenn man bei einem Full-HD-Display genau hinschaut.

Fazit

Das Motorola Atrix machte im ersten Kurztest einen sehr guten Eindruck. Auch wenn das Webtop-System keinen vollen Linux-Desktop mit sämtlichen Vorteilen (Kommandozeile, Installation weiterer Programme, etc) bringt, lässt sich mit dem Atrix dennoch sehr gut arbeiten. Das Mediacenter ist sehr schön gemacht und generell reagieren alle drei Systeme (Android, Webtop und Webtop-Mediacenter) sehr flott. Stimmen die Angaben von acht bis zehn Stunden Laufzeit auch im Notebook-Dock dann erhalten Sie mit dem Atrix inklusive Notebook-Dock auch eine All-in-One-Lösung für den ganzen Tag.

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Kommentare
Laptop-Dock
TeaAge (unangemeldet), Montag, 07. März 2011 11:09:01
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Eine Frage zur Bildunterschrift des Laptop-Docks:
Da steht "weder eine Batterie noch eine CPU" aber meines Wissens nach ist in dem Laptop-Dock eben eine Batterie und das Atrix wird geladen während es angeschlossen ist. Zumindest meine ich das an anderer Stelle gelesen haben.

Bin ich da nun falsch informiert?

Gruß,
TeaAge


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Re: Laptop-Dock
Marcel Hilzinger, Montag, 07. März 2011 12:59:09
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Laut einem Xoutube-Video soll das Dock eine Batterie haben. Laut meinen Infos läuft das System aber komplett über das Handy. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass das Dock eine Stromversorgung gehabt hätte. USB-Port ja, aber an ein Netzteil kann ich mich nicht erinnern..


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Mit Batterie
Marcel Hilzinger, Montag, 28. März 2011 23:20:48
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Ich habe auf der Droidcon noch einmal nachgefragt bzw. nachgeschaut. Das Dock enthält eine Batterie und auch einen Anschluss für ein externes Netzteil. Die Batterie lädt das Atrix, stimmt.


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