Normalerweise kämpfen in Echtzeitstrategiespielen Orks gegen Menschen oder es feuern stählerne Panzer auf die Geschütztürme des Gegners. Die Macher von Kernel Panic gehen einen anderen Weg und verlagern das Schlachtfeld in den Computer. Hier kämpft das System gegen Hacker und anstelle von Panzern greifen mobile Bytes langsam kriechende Würmer an.
Das klingt im ersten Augenblick äußerst gewöhnungsbedürftig. Tatsächlich steckt hinter Kernel Panic weiterhin ein ganz normales Strategiespiel mit lediglich umbenannten Einheiten. Die aus Konkurrenzprodukten bekannten Soldaten heißen hier Bits und haben die Form einer kleinen, hellblauen Kugel. Sie ist auf dem Schlachtfeld zwar schnell und wendig, dafür aber auch kaum gepanzert. Hinter dem rechteckigen Pointer verbirgt sich wiederum nichts anderes als ein Panzer, während die Scheibe namens Assembler sinnigerweise Produktionsgebäude errichtet und mit einem Radar die Umgebung nach Feinden absucht.
Insgesamt kämpfen in Kernel Panic drei verschiedene Fraktionen um die Vorherrschaft: Das System, die Hacker und das Netzwerk. Jede von ihnen verfügt über andere Einheiten mit teilweise unterschiedlichen Eigenschaften. So schleicht sich etwa der Wurm der Hacker unsichtbar an sein Ziel, während das Terminal auf Seiten des Systems eine Art Atombombe zünden darf. Mit dem Bug besitzen die Hacker wiederum ein Gegenstück zum Bit des Systems. Einen sehr guten Überblick über alle Einheiten, ihre Namen und Fähigkeiten gibt die Projekt-Homepage in ihrem unteren Teil [1].
Zu Spielbeginn besitzt man lediglich ein einsames Basisgebäude, auf Seiten des Systems Kernel genannt. Wird er zerstört, hat man das Spiel verloren. Umgekehrt gewinnt, wer die Basen aller Gegner in ihre Bestandteile zerlegt.
In der eigenen Basis produziert man zunächst einen Assembler, der dann wiederum weitere Gebäude errichtet. Diese Produktionsstätten darf man in Kernel Panic allerdings nicht einfach irgendwo in die Landschaft setzen, sondern muss sie auf geothermale Lüftungslöcher stopfen. Diese sind auf den Karten meist rar und somit heiß umkämpft. Im Gegenzug verzichtet Kernel Panic auf ein Ressourcenmanagement. Ein einmal errichtetes Gebäude spuckt unablässig immer weitere Einheiten aus. Dies führt wiederum zu einem schnellen, actionreichen Spiel, bei dem fast ausschließlich die Kämpfe im Vordergrund stehen.
Kernel Panic ist sichtlich auf Mehrspielerpartien ausgelegt. Die dazu mitgelieferten Karten lassen sich aber auch alleine gegen unterschiedlich intelligente Computer spielen. Darüber hinaus können Einzelspieler zwischen zehn abwechslungsreichen, wenn auch nicht zusammenhängenden Missionen wählen. Darin muss man etwa mit nur einem einzigen Bit eine ziemlich große Karte von unzähligen Gegnern befreien, ein anderes Mal den Gegner in einer Massenschlacht überrennen.
Kernel Panic ist kein eigenständiges Spiel, sondern baut auf der Spring-Umgebung auf [2]. Sie stellt einen Baukasten für Echtzeitstrategiespiele im Stile des Klassikers Total Annihilation. Um Kernel Panic spielen zu können, muss man folglich zunächst Spring installieren. In vielen großen Distributionen schlummert ein entsprechendes Paket in den Repositories, wer Glück hat, findet dort auch gleich noch ein Paket für Kernel Panic. Andernfalls stehen von Spring unter [3] aktuelle Pakete nebst einer Installationsanleitung für fast alle großen Distributionen bereit. Kernel Panic in der Version 4.1 setzt möglichst ein Spring 0.82.3 voraus. Unter älteren Spring-Versionen könnten Netzwerkpartien nicht oder nur holprig funktionieren.
Sobald Spring auf der Festplatte liegt und man Kernel Panic nicht im Paketmanager finden konnte, lädt man sich unter [4] das aktuelle Archiv herunter, entpackt es und verschiebt die heraus gepurzelten Ordner mods und maps in das (versteckte) Unterverzeichnis ~/.spring.
Als nächstes startet man spring in einem Terminal, woraufhin zunächst das Spring eigene Hauptmenü erscheint. In ihm klickt man auf select neben No mod selected und wählt den Punkt Kernel Panic 4.1. Anschließend stellt man hinter den anderen beiden select beliebige Werte ein. Test the game startet schließlich Kernel Panic. Dieses fragt beim allerersten Start, ob es die Spring settings selbst festlegen soll. Hier entscheidet man sich für ein Yes.
Im Hauptmenü von Kernel Panic sollten Einsteiger zunächst nacheinander die Missions durchspielen. Die zu erfüllende Aufgabe erfährt man im Spiel mit einem Klick auf den Missionsnamen unterhalb der Übersichtskarte am linken oberen Rand.
Wer sich bereits mit den Einheiten und der Bedienung auskennt, kann im Hauptmenü direkt Skirmish aufrufen und dort auf der linken Seite einen Spielmodus, auf der rechten einen Schwierigkeitsgrad auswählen. Mit Klicks auf You: sucht man sich eine Fraktion aus, Map: wechselt die Karten und Run startet schließlich die Partie.
Mehrere Einheiten wählt man aus, indem man bei gedrückter linker Maustaste einen Rahmen um sie aufzieht. Mit der rechten Maustaste schickt man sie dann zum angeklickten Punkt. Alternativ kann man mit einem Linksklick aus dem Menü am linken Bildrand einen speziellen Befehl auslösen. Mit dem Mausrad zoomt man in die Szene hinein und heraus, sobald man mit dem Zeiger an den Bildschirmrand stößt, verschiebt sich der Kartenausschnitt. Klickt man ein Bauwerk mit links an, erscheint rechts oben in der Bildschirmecke ein Baumenü. Die Zahlen geben an, in welchem Verhältnis das Gebäude die Einheiten produziert. Ein Linksklick erhöht den Zähler, ein Rechtsklick vermindert ihn.
Kernel Panic ist ein solides Echtzeitstrategiespiel in einem unverbrauchten, wenn auch für den ein oder anderen sicherlich gewöhnungsbedürftigen Szenario. Die Grafik erinnert stark an den Disney-Kultfilm Tron und verpasst dem Spiel einen ganz eigenen Charme. Ihn unterstreichen Pieps- und Explosionsgeräusche, wie sie Automatenspiele aus den 70er Jahren produzierten. Die Einheiten mit Informatikfachbegriffen zu belegen ist zwar eine nette Idee, dürfte für reine Linux-Anwender aber zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig sein. Wer diese Hürde und die etwas umständliche Installation einmal genommen hat, erhält jedoch ein interessantes, abwechslungsreiches Strategiespiel für lange Winterabende.
Kernel Panic
| Bezugsquelle | http://springrts.com/wiki/Kernel_Panic |
| Entwickler | Kernel Panic Team (Boirunner, KDR_11k, Noruas und andere) |
| Lizenz | Teilweise GPL, Public Domain und Creative Commons BY-NC-SA |
| Preis | kostenlos |
| Voraussetzungen | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik |
Infos
[1] Projekt-Homepage: http://springrts.com/wiki/Kernel_Panic
[2] Spring: http://springrts.com
[3] Fertige Spring-Pakete: http://springrts.com/wiki/SetupGuide
[4] Download der aktuellen Kernel Panic-Version: http://jobjol.nl/1684