Beim Stichwort Palm denken noch heute die meisten Leute an einen PDA. Der einstige PDA-Markt wurde jedoch von den Smartphones praktisch über Nacht überflüssig gemacht, sodass die Firma aus Sunnyvale (Kalifornien) in den letzten Jahren mit massiven Problemen zu kämpfen hatte.
Mit dem Palm Pre [1] und einem rundum erneuerten Betriebssystem versuchte Palm noch 2009 den Neueinstieg, heute gehört die Firma Hewlett Packard. Das hat einen guten Grund: HP hat sich Palm in erster Linie wegen des Betriebssystems WebOS gekauft und will dieses schon bald auf eigenen Smartphones und Tablets einsetzen. Erste Geräte gibt es eventuell bereits zu Weihnachten.
WebOS ist eine komplette Eigenentwicklung von Palm. Das Handy-OS beruht auf einem Linux-Kernel 2.6.24 und zahlreichen weiteren OpenSource-Komponenten (GStreamer, Webkit-Browser und viele mehr) [2], steht aber als komplettes System nicht unter einer freien Lizenz.
Aktuell steht mit WebOS 2.0 bereits der Nachfolger für die aktuelle Version 1.4.5 in den Startlöchern. Bis Palm aber den entsprechenden Quellcode veröffentlicht, dürften noch ein paar Monate vergehen.
Touchscreen und Slider
Beim Palm Pre Plus handelt es sich um ein Touchscreen-Handy, das über eine ausschiebbare Tastatur verfügt. Auf den ersten Blick unterscheidet es sich kaum vom Vorgängemodell Palm Pre: einzig der helle Button unterhalb des Touchscreens ist beim neuen Pre Plus verschwunden. An seine Stelle tritt ein Sensor, der sich nicht von der Oberfläche abhebt und bei Berührung leuchtet.
Auch bei der WebOS-Oberfläche und somit der kompletten Bedienung unterscheiden sich die beiden Topmodelle von Palm nicht (das Betriebssystem ist auf beiden Handys aktuell in Version 1.4.5, sämtliche Pre-Modelle sollen aber ein Update auf WebOS 2.0 bekommen (Stand: Oktober 2010).
Das Pre Plus bringt auch deutlich mehr Speicher mit: 16 GByte anstelle der bisherigen acht, beim Hauptspeicher sind es 512 MByte anstelle der bisherigen 256 MByte. Das neue Pre Plus eignet sich somit nicht nur für alle, die auf der Suche nach einem Smartphone mit Hardware-Tastatur sind, sondern auch für Nutzer des Palm Pre, die gerne etwas mehr Hauptspeicher und Platz für die Daten hätten. Die Internetpreise liegen inzwischen bei rund 300 Euro für ein simlockfreies Gerät. Das Original Palm Pre gibt es bereits für rund 200 Euro.Mit dem Erscheinen des Palm Pre 2 Ende Jahr dürften die Preise noch einmal fallen.
Erster Eindruck
Von einem modernen Smartphone erwartet man, dass es nach dem Auspacken und Aufladen des Akkus sogleich funktioniert. Das ist beim Palm Pre Plus leicht anders. Zwar lässt sich das WebOS auch sehr intuitiv bedienen, aber vom Einschalten bis zur ersten Nutzung vergehen beim Pre Plus mehr als nur ein paar Minuten. So verweigert das Gerät in den Tests ohne SIM-Karte den Zugriff auf WebOS. Dieses Problem kennt man eigentlich nur noch von relativ alten Handys, die meisten aktuellen Geräte erlauben den Zugriff auf Kalender oder Kontakte auch ohne SIM-Karte.
Das zweite Problem stellte sich bei der Aktivierung des Palm-Accounts. Während man die meisten Android-Handys auch ohne einen Google-Account nutzen kann, startet beim ersten Hochfahren des Palm Pre Plus automatisch ein Konto-Setup-Assistent, den man auch nicht überspringen oder ausschalten kann. Sie müssen somit gezwungenermaßen ein Palm-Konto einrichten. Das Konto hält Ihr Handy stets synchron mit den Palm-Servern. Sollte Ihr Pre Plus einmal verloren oder kaputt gehen, lassen sich somit sämtliche Daten über das Palm-Konto auf ein neues Gerät übertragen. Das hat neben offensichtlichen Vorteilen auch Nachteile: Sie wissen nicht, was Palm/HP mit Ihren Daten anstellt.
Auch bei diesem Vorgang kam es in den Tests zu Problemen, die Palm bereits bekannt sind. So befindet sich in der Schachtel ein Faltblatt, das unter anderem auf Probleme beim Account-Setup verweist und hier darum bittet, Akku und SIM-Karte zu entfernen und auf die exakte Reihenfolge beim Wiedereinsetzen zu achten. Hält man diese ein, gibt es keinerlei Probleme.
Ist eine SIM-Karte eingelegt und der benötigte Account vorhanden, dann startet endlich WebOS. Ein sehr gut gemachtes Startprogramm leitet in die Bedienung ein und führt Sie Schritt für Schritt an das Konzept von WebOS heran. Wie sich bei den ersten Arbeiten danach zeigte, war vor allem das Startprogramm eine gute Idee, da WebOS doch in einigen Punkten zum Beispiel von Android oder iOS stark abweicht.



