Es war einmal...

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Wildfiregames stellt 0 A.D. unter die GPL

13.07.2009
Das von der Softwareschmiede Wildfiregames entwickelte Strategie- und Aufbauspiel 0 A.D. steht seit letzer Woche unter der GPL. Die LinuxCommunity hat sich den Quellcode geschnappt und ein paar Stunden verspielt.

Hochwertige 3D-Spiele besitzen unter Linux immer noch einen gewissen Seltenheitswert. Umso mehr freuten wir uns über die Ankündigung von Wildfiregames, das bisher nur als Freeware erhältliche Spiel 0 A.D. (lies Null A.D.) unter eine freie Lizenz zu stellen und das Spiel für die Entwicklung durch externe Programmierer zu öffnen. Der eigentliche Quellcode steht unter der GPLv2, die Artwork-Dateien unter der Creative-Commons-Lizenz CC-BY-SA.

Vorerst gibt es von der Linux-Variante allerdings erst den Quellcode, wer selbst in die Welt von 0 A.D. einsteigen möchte, kommt deshalb um etwas Kompilierarbeit nicht herum. Zudem möchten wir hier auch darauf hinweise, dass sich das Spiel noch im Pre-Alpha-Zustand befindet: als Lohn für die harte Arbeit winkt somit kein fertiges Spiel sondern der Einblick in die aktuelle Entwicklung.

Um das erste Haus herum wird fleißig gearbeitet, um weitere Gebäude zu erstellen.

Installation

Je nach CPU-Leistung des Rechners und bereits vorhandenen Entwicklerpaketen muss man für die Installation von 0 A.D. rund eine bis zwei Stunden einplanen. Den Quellcode des Spiels zieht man sich per Subversion aus dem Repository:

svn co http://svn.wildfiregames.com/public/ps/trunk/

Der SVN-Server ist zurzeit relativ ausgelastet, es kommt deshalb immer wieder zu 503-Fehlermeldungen. Hier einfach den SVN-Befehl wiederholen, bis das komplette Spiel heruntergeladen ist (ca. 700 MByte). Für das Kompilieren braucht man knapp 2 GByte freien Speicherplatz.

In einem zweiten Schritt muss man selbst eine Version der JavaScript-Engine SpiderMonkey installieren, die ohne Multithread-Support daherkommt. Die entsprechenden Schritte nach dem Download über

wget http://ftp.mozilla.org/pub/mozilla.org/js/js-1.60.tar.gz

listet das 0-A.D.-Wiki auf. Auf unserem Testsystem mit OpenSuse 11.1 mussten wir bei der Installation von SpiderMonkey im Make-Befehl den Pfad zur Mozilla-Runtime zu /usr/include/nspr4 ändern:

JS_THREADSAFE=1 INCLUDES=-I/usr/include/nspr4 OTHER_LIBS=-L/usr/lib make -f Makefile.ref

Zudem müssen die grundlegenden Entwicklungspakete und mozilla-nspr-devel installiert sein. Die Installation der speziellen SpiderMonkeyVersion erfolgt von Hand, indem man als Root die entsprechenden Dateien aus /home/Benutzer/dist/Linux_All_DBG.OBJ in die passenden Verzeichnisse nach /usr oder /usr/local/ kopiert. Wichtig: es darf nur die empfohlene und selbst kompilierte Version installiert sein, allfällige libjs1 und libjs-devel-Pakete müssen Sie vor der Installation löschen.

Nach der Installation von Spidermonkey kommen stehen die Abhängigkeiten von 0 A.D. auf der Todo-Liste. Hier sind die entsprechenden devel-Pakete folgender Programme notwendig (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • nasm
  • sdl
  • boost
  • zlib
  • libpng
  • libxml2
  • libjpeg
  • openal
  • libogg
  • libvorbis
  • wxWidgets
  • valgrind
  • enet

Zudem benötigt das Spiel die FCollada-Bibliothek. Wechseln Sie dazu ins Verzeichnis trunk/libraries/fcollada/src und rufen Sie hier den make-Befehl auf

cd trunk/libraries/fcollada/src
make

Sind die Abhängigkeiten installiert, wechselt man ins Verzeichnis trunk/build/premake/src und ruft hier make auf. Anschließend kopiert man das premake-Binary ins Verzeichnis trunk/build/premake

cd trunk/build/premake/src && make && cp bin/premake ..

Jetzt geht es ans Eingemachte. Über die Befehle

cd trunk/build/workspaces
./update-workspaces.sh
cd gcc
make

startet der Kompiliervorgang des Spiels. Treten dabei Fehlermeldungen auf, hängt das an nicht installierten devel-Paketen. Revision 6953 vom 13. Juli ließ sich auf unserem OpenSuse-11.1-System problemlos kompilieren, nachdem sämtliche Abhängigkeiten erfüllt waren. Der Kompiliervorgang dauerte auf einem 2,4 GHz schnellen AMD-Rechner rund 50 Minuten.

Über neue Häuser vergrößern Sie die Zivilisation.

Das Spiel

Nach erfolgreicher Kompilierung startet man das Spiel über den Befehl ./pyrogenesis_dbg aus dem Verzeichnis ~/trunk/binaries/system. Spätestens jetzt merkt man, dass das Spiel noch nicht fertig ist, da im Hauptmenü nur drei von sechs Menüpunkten aktiv sind.

Unter den ausgegrauten Menüpunkten finden sich auch die Optionen, wer 0 A.D. in einer höheren Auflösung oder im Vollbildmodus spielen möchte, muss deshalb in traditioneller Linux-Manier von Hand Konfigurationsdateien bearbeiten. Die passenden Schritte dazu erklärt das Wiki.

Nach einem Klick auf Single Player richten Sie die Landkarte und die Spieler ein. Eine angenehme Hintergrundmusik stimmt dabei heroisch. Möchten Sie sich zunächst lieber nur etwas umsehen, markieren Sie die Checkbox Screenshot Mode. Sie sehen dann von Anfang an die komplette Karte und es kommt nicht zu unschönen Gemetzeln.

Wählen Sie die Landkartengröße und den Modus.

Zu Beginn gilt es, das Gelände zu erkunden und Rohstoffe zu gewinnen. Männer und Frauen können dazu Bäume Fällen, ann Felsen Steine suchen oder Tiere schlachten. Die Reiter eigenen sich am Besten zur Erkundung des Geländes.

Ganz zu beginn beschränkt sich der sichtbare Teil der Karte auf ein kleines Gebiet.
Ein Arbeiter beim Pickeln eines Felsens, im Hintergrund eine Frau beim Holzfällen.

Um sich in der sehr schön gestalteten Landschaft etwas umzusehen, hilft die [Strg]- und die [Alt]-Taste in Kombination mit den Pfeiltasten, per Mausrad zoomen Sie ins Geschehen hinein und wieder weiter weg.

Die Steuerung erfolgt weitgehend über die Maus. Mit der linken Maustaste wählen Sie eine Figur aus und per Klick mit der rechten Maustaste teilen sie ihr mit, wohin sie sich bewegen soll oder welche Arbeiten sie auszuführen hat. Wenn Sie einen Mann und eine Frau zur Arbeit schicken, sollten Sie darauf achten, dass sich der Mann nicht zu weit von der Frau entfernt. Die Arbeiterinnen besitzen eine Aura (angezeigt durch den blauen Kreis): befindet sich der Arbeiter innerhalb der Aura geht die Arbeit besser vonstatten.

Reiter haben zwei wichtige Aufgaben: Sie erkunden das Land und sorgen für Nahrung. So lassen sich einige Tiere auf der Karte schlachten. Das Symbol über dem Tier ändert sich dann zu einem Schwert und Sie können es schlachten.

Mit speziellen Gebäuden direkt am Meer lassen sich auch Schiffe bauen.

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