unity.png

Der neue Desktop

Der alte und neue Desktop von Ubuntu

13.05.2011
,
Ubuntu setzt mit dieser Version zum ersten Mal auf die Eigenentwicklung Unity als Standard-Desktop. Dieser Artikel stellt die grafische Oberfläche vor und zeigt, wie Sie sich vom klassischen Gnome unterscheidet.

Unity sieht nicht nur gut aus, sondern nutzt auch den Platz auf dem Bildschirm besser aus und beschleunigt dank intelligenter Tastenkombinationen die tägliche Arbeit. Der neue Standard-Desktop kommt immer dann zum Einsatz, wenn Sie Ubuntu 11.04 neu installieren. Führen Sie ein Update der Version 10.10 oder 10.04 durch, dann bleibt der klassische Gnome-Desktop erhalten.

Sie können aber jederzeit auch zum klassischen Gnome wechseln, wie im Kasten "Zurück zur klassischen Version" beschrieben. Ubuntu prüft beim Start des Desktops, ob Ihr Rechner den 3D-Anforderungen genügt. Wenn nicht, erscheint ein Hinweis, dass Sie die Version Ubuntu Classic benutzen sollen, wie im Kasten beschrieben. Unity verhält sich in vielen Bereichen gleich oder ähnlich wie Gnome 3.0. Canonical hat aus diesem Grund für Ubuntu 11.04 auf den Gnome-3.0-Desktop verzichtet.

Zurück zur klassischen Version

Bei einer Neuinstallation von Ubuntu 11.04 kommt in der Standardeinstellung der neue Desktop "Unity" zum Einsatz. Der klassische Gnome-Desktop, wie Sie ihn eventuell von älteren Ubuntu-Versionen her kennen, wird aber auch installiert. Möchten Sie zum traditionellen Gnome (Version 2.32, nicht3.0) wechseln, dann müssen Sie sich dazu über das Ausschaltsymbol in der oberen rechten Ecke vom System abmelden. Im Login Dialog wählen Sie dann aus der Liste mit den verfügbaren Desktop-Versionen den Eintrag Ubuntu Classic. Beachten Sie, dass die Auswahlliste am unteren Rande erst erscheint, nachdem Sie auf Ihren Loginnamen geklickt haben.

Abbildung 1: Im Anmeldebildschirm wechseln Sie zwischen Unity und dem traditionellen Gnome-Desktop.

Das System merkt sich die jeweils letzte Sitzung. Fahren Sie also den Rechner aus einem klassischen Gnome-Desktop heraus herunter, dann begrüßt Sie beim nächsten Systemstart das traditionelle Gnome. Melden Sie sich von Unity heraus ab, dann startet beim nächsten Bootvorgang Unity.

Was ist Unity?

Da Unitys Bedienung von der des klassischen Gnome-Desktops abweicht, erklärt Ihnen dieser Artikel zunächst den Aufbau und die Bedienung des Desktops mit der Maus. Oben links sehen Sie den Home Button. Bewegen Sie den Mauszeiger dorthin, taucht auf der linken Seite der halbtransparente Starter auf (quasi das Panel). Hier legen Sie die Starticons für Ihre Lieblingsprogramme fest.

Klicken Sie auf das graue Ubuntu-Logo, erscheint das Dash (Abbildung 2). Dabei handelt es sich zugleich um eine Startrampe für die zahlreichen Programme und um eine Suchmaschine, die lokale Dateien aufspürt. Die unteren vier Icons lassen Sie blitzschnell im Internet browsen, Musik hören, Bilder ansehen und ihre E-Mails abholen. Etwas differenzierter suchen Sie über die Einträge Multimedia Anwendungen, Internet Anwendungen und Mehr Anwendungen nach Programmen aus einem bestimmten Bereich.

Abbildung 2: Über das Dash erreichen Sie blitzschnell Dateien und Anwendungen. Sie aktivieren es unter anderem über die Taste Super.

Folgen Sie dem Link, stoßen Sie auf ein dreigeteiltes Fenster (Abbildung 3): Oben finden Sie die zuletzt genutzten Anwendungen – die am häufigsten aufgerufenen stehen ganz links. In der Mitte zeigt das Dash die installierten Programme an. Schön ist der unterste Bereich: Hier präsentiert das Dash Software zum gesuchten Thema, die noch im Paketmanager steckt. Geben Sie zum Beispiel media ein, erscheinen dort alternative Mediaplayer. Klicken Sie auf eines dieser Icons, landen Sie auf dem kurzen Dienstweg direkt im Softwarecenter, um die Anwendung zu installieren.

Abbildung 3: Apps kategorisiert das Dash automatisch. So gelangen Sie stets schnell zu den zuletzt verwendeten Programmen. Sehr hübsch ist der Bereich "Anwendungen zum Herunterladen".

Neben den Kategorien finden Sie im Dash auch eine Eingabezeile, über die Sie gezielt nach Anwendungen und Dokumenten suchen. Geben Sie bansh ein (Abbildung 4), taucht oben der Audioplayer Banshee auf, darunter finden Sie Dokumente, die irgendwie mit diesem Audioplayer zusammenhängen, dazu Bilder, Audio- und Videodateien, PDFs usw. Da die Ergebnisse sofort auftauchen, eignet sich die Zeile auch für die Suche nach Dokumenten und Anwendungen, deren Namen Sie nicht mehr hundertprozentig wissen. Ein Rechtsklick auf das Unity-Panel lässt das Dash verschwinden.

Abbildung 4: Geben Sie im Dash einen Begriff ein, findet die Software nicht nur die zugehörige Anwendung, sondern auch Dateien und Ordner, in denen dieser Name auftaucht.

Als Ubuntu-Neuling kommen Ihnen viele Anwendungsnamen sicher eigenartig vor. Aber nicht nur unbeschlagene Nutzer wissen oft nicht, welches Tool beim Bewältigen einer bestimmten Aufgabe hilft, etwa beim Rippen einer CD, beim Entwerfen einer Skizze oder beim Schneiden eines Videos. Hier helfen die Kategorien eines Starter-Icons. Ganz unten im Starter fällt ein graues Icon mit einem Pluszeichen ins Auge, über das Sie gezielt nach Anwendungen aus bestimmten Bereichen fahnden. Ein Rechtsklick auf das Icon ruft ein Menü mit Kategorien auf den Bildschirm, aus dem Sie die zu Ihrer Suche passende Kategorie wählen (Abbildung 5). Das Dash startet dann wieder in der Anwendungsübersicht, zeigt aber nur die zur Kategorie gehörigen Programme an.

Abbildung 5: Auch wenn das bekannte "Anwendungen"-Menü des klassischen Gnome fehlt, müssen Sie nicht auf eine Kategoriensuche verzichten.

Solche speziell angepassten Dash-Ansichten bezeichnen die Entwickler auch als Lenses (dt. Linsen). Sie fokussieren einen bestimmten Aspekt einer Suche, in Abbildung 5 etwa die Suche nach Anwendungen aus dem Bereich Bildung. Hinter dem Icon direkt darunter verbirgt sich auch eine Linse, über die Sie gezielt nach Dateien und Ordnern suchen. Linsen sind vergleichsweise einfach zu programmieren, von ihnen soll es zukünftig einige geben [2]. Sie erlauben es zum Beispiel, sich per Mausklick schnell mit einem SSH-Server zu verbinden [3]. Sie können die Linsen auch zum Verwalten von Webseiten, Büchern, Videos und für einen schnellen Zugang zu aktuellen Sportergebnissen verwenden.

Wo sind die Einstellungen?

Während man sich auf dem neuen Ubuntu-Desktop auch als Anfänger relativ schnell zurecht findet, bleibt ein Menüpunkt relativ gut verborgen: Die Systemeinstellungen. Ubuntu hat diese für 11.04 in das Logout-Menü oben rechts verfrachtet. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber spätestens beim Abmelden oder Herunterfahren des Rechners findet man den neuen Menüpunkt auch von alleine.

Starthilfe

Startet ein Programm, ändert das zugehörige Icon auf dem Starter seine Farbe. Laufende Anwendungen identifizieren Sie anhand des kleinen Dreiecks links neben dem Icon (Abbildung 5). Rechts erscheint ein zweites Dreieck, wenn die Anwendung gerade den Fokus hat. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf ein vorhandenes Icon, erscheint in der Regel dessen Name und darunter die Option Im Starter behalten. Entfernen Sie das Häkchen, fliegt das Icon aus dem Starter. Alternativ schieben Sie es mit gedrückter Maustaste nach rechts aus dem Starter heraus und lassen es in den Mülleimer fallen.

Neue Icons platzieren Sie hier, indem Sie zunächst die zugehörige Anwendung aufrufen. Dann klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das temporäre Icon im Starter und wählen Im Starter behalten. Bei einigen Anwendungen finden Sie dort noch zusätzliche Einträge. So bietet das Screenshot-Werkzeug als Option an, ein Bild des Desktops oder des aktuellen Fensters aufzunehmen. Laufende Anwendung lassen sich über das Menü zudem Beenden. Klicken Sie mit der mittleren Maustaste auf eines der Starticons (etwa auf das von Firefox), öffnet Unity eine weitere Instanz des Programms in einem neuen Fenster. Läuft die Anwendung noch nicht, wird sie so gestartet.

Die Reihenfolge der Icons bestimmen Sie ganz einfach selbst. Alle Icons verschieben Sie per Drag & Drop an andere Positionen auf dem Starter. Sie ziehen sie einfach seitlich aus dem Starter und lassen Sie woanders fallen. Lediglich die drei untersten Icons sind fixiert.

Um den Starter zu verkleinern, müssen Sie den CompizConfig Einstellungs-Manager installieren, der einige Einstellungen für Unity ändert. Suchen Sie im Softwarecenter nach ccsm und installieren Sie die Anwendung Einstellungen für erweiterte Arbeitsoberfläche (ccsm). Anschließend rufen Sie die Software über das Dash und die Eingabe von ccsm auf (Abbildung 6). Hintergrund: Über die Software ändern Sie sämtliche Einstellungen für Unitys Fenstermanager Compiz, der im Hintergrund läuft und unter anderem für die zahlreichen 3-D-Effekte sorgt. Wählen Sie links den Eintrag Arbeitsfläche, dann rechts Ubuntu Unity Plugin, öffnet sich ein Konfigurationsfenster mit den Reitern Behaviour (Verhalten) und Experimental.

Abbildung 6: Einige Unity-Einstellungen für den Starter und die Exposé-Ansicht ändern Sie über den Einstellungsmanager für Compiz.

Über Hide Launcher legen Sie fest, wie sich der Starter versteckt – automatisch (Autohide), gar nicht (Never) oder nur dann, wenn ihn ein aktives Fenster berührt (Dodge Active Window). In der Standardeinstellung (Dodge Window) macht er sich rar, sobald ihn irgendein Fenster berührt. Sie ändern hier auch die Tastenbelegungen der wichtigsten Unity-Kürzel – dazu später mehr. Im Reiter Experimental legen Sie über den Schieberegler Launcher Icon Size die Größe der Icons fest. Über die Aufklappmenüs beeinflussen Sie, wie die grafische Animation der Icons aussieht, wenn Sie zum Beispiel eine Anwendung starten oder wenn eine laufende Anwendung um Aufmerksamkeit bittet. Auch die so genannte Exposé-Ansicht verändern Sie hier. Die erhalten Sie, wenn Sie [Super]+[W] drücken. Sie zeigt alle offenen Fenster in einer praktischen Übersicht an (Abbildung 7). Über den Eintrag Arbeitsfläche | Expo modifizieren Sie die Compiz-Einstellungen für das Exposé.

Abbildung 7: Über "Super+W" gelangen Sie in die Exposé-Ansicht, die sämtliche offenen Fenster eines Desktops präsentiert. Über einen Mausklick landen Sie im Fenster Ihrer Wahl.

Vor- und Nachteile gegenüber Gnome

Die Einführung von Unity hat schon lange vor der Veröffentlichung ziemlichen Staub aufgewirbelt. Einige der Vorwürfe sind sicher berechtigt, andere lassen sich anfechten. So etwa die Frage nach den Hardware-Anforderungen. So benötigt Unity z. B. eine funktionierende 3-D-Beschleunigung. Es kooperiert dabei mit allen Grafikchips der letzten sechs Jahre, was durchaus vertretbar ist.

Während Neueinsteiger aber meist schnell akzeptieren, was sie vorfinden, warten die meisten Probleme im Umgang mit Unity vermutlich auf Profis und fortgeschrittene Nutzer. Sie haben den klassischen Gnome-Desktop unter zeitlichem Aufwand an ihre Bedürfnisse angepasst. Nun funktionieren plötzlich bestimmte Tastaturkürzel nicht mehr und fehlen einzelne Elemente und Features während sich andere nicht ändern lassen. So sahen es jedenfalls viele Early Adopter, die Unity bereits im Vorfeld ausprobiert und sehr schnell abgelehnt haben. Kein Wunder: Der Desktop fiel anfangs durch permanente Abstürze und langsame Reaktionszeiten auf. Beliebte Tastenkombinationen wie [Alt]+[F2] funktionierten nicht, einige Dateien und Programme ließen sich über das Dash nicht aufrufen und eine wie auch immer geartete Kategorisierung fehlte auch.

Mittlerweile haben die Entwickler auf fast alle Kritikpunkte reagiert, ein paar Verhaltensauffälligkeiten des Desktops gibt es aber noch immer. Diese Liste ist sicherlich subjektiv gefärbt, dennoch dürften die folgenden Details im Alltagsbetrieb für Verwirrung sorgen.

  • Es fehlen die Gnome-Applets. Dabei handelt es sich um die nützlichen Hilfsanwendungen für das Panel. Wer also über einen Systemmonitor die CPU- und Netzwerkauslastung im Auge behält, muss sich nach einer neuen Lösung umschauen (etwa Gkrellm oder Conky). Auch Zeichenpaletten und Wörterbücher ließen sich zuvor wunderbar in das Panel integrieren. Die Applets kommen vermutlich auch nicht nachträglich zurück, weil das globale Menü nun ihren Platz besetzt – Kollisionen wären die Folge.
  • Das globale Menü. Sie arbeiten unter Unity quasi stets im Vollbildmodus, was gut ist, weil Sie den Bildschirmplatz besser nutzen. Die Menüs der meisten Anwendungen tauchen dabei ganz oben im Panel auf. Das bleibt unglücklicherweise auch so, wenn Sie die Fenster verkleinern. Um die Menüpunkte aufzurufen, müssen Sie die Maus auf das Panel bewegen, was anfangs verwirrt. Wollen Sie zum Beispiel die Einstellungen eines Programms aufrufen, schauen Sie zuerst in dem verkleinerten Fenster nach dem Menü und ziehen vielleicht sogar die Maus dorthin. Dann fällt Ihnen ein, dass das Menü sich ja im Panel befindet – dort ist es aber (noch) nicht zu sehen. Erst wenn Sie den Mauszeiger über das Panel schubsen, erscheinen die Menüpunkte. Apple-Nutzer kennen das nicht anders, eingefleischte Linux- und Windows-Nutzer müssen sich wohl erst daran gewöhnen.
  • Der Systembereich : Nur noch wenige Anwendungen (etwa Skype, Java-Anwendungen, Mumble) landen dort. Das lässt sich jedoch ändern, indem Sie eine Whitelist ergänzen (siehe Kasten "Whitelist"). Beim Unity-Starter – dem Panel auf der linken Seite – ist das schon schwieriger. Über den CompizConfig Einstellungs-Manager verkleinern Sie die Icons des Starters und so die komplette Leiste. Der Starter lässt sich allerdings nicht auf eine andere Seite verpflanzen, weil Mark Shuttleworth ihn nahe beim Ubuntu-Logo links oben halten will [1]. Vermutlich gibt es bald einen Hack für Fans anderer Lösungen. Shuttleworth hat nichts dagegen, will aber keine Entwickler darauf ansetzen.

Whitelist

Über den Befehl gsettings set com.canonical.Unity.Panel systray-whitelist "['JavaEmbeddedFrame', 'Wine','Skype','Dropbox']", den Sie in ein Terminal eintippen ([Strg]+[Alt]+[T]), schalten Sie den Systembereich für einzelne Anwendungen frei. Ergänzen Sie die eckigen Klammern zum Beispiel um ,'Opera'.

Neben seinen Schwächen bringt der Desktop aber auch zahlreiche handfeste Vorteile mit. Nicht nur haben die Entwickler in den letzten Wochen und Tagen noch viele Fehler ausgebügelt und Features eingeführt ([Alt]+[F2] funktioniert wieder, der Starter verschwindet automatisch usw.). Sie haben es auch geschafft, den Gesamteindruck und das Zusammenspiel der Komponenten spürbar zu verbessern. Vor allem die Tastaturkürzel funktionieren mittlerweile eindrucksvoll. Wer sie erlernt, kann den eigenen Arbeitsprozess im Vergleich mit dem klassischen Gnome deutlich beschleunigen.

Tipps und Tricks

Zahlreiche Mausgesten kitzeln noch mehr aus Unity heraus. Um etwa ein Fenster in den Vollbildmodus zu versetzen, ziehen Sie es auf das vertikale Panel oben. Ein Doppelklick rechts neben dem globalen Menü verkleinert es wieder. Klicken Sie mit der mittleren Maustaste bzw. dem Mausrad auf denselben Ort, wechseln Sie zwischen den laufenden Anwendungen hin und her. Sehr praktisch: Ziehen Sie ein Fenster gegen den rechten oder linken Bildschirmrand, vergrößert es sich auf die Hälfte des Bildschirms. Auf diese Weise ordnen Sie schnell zwei Fenster nebeneinander an.

Das ist praktisch, aber die eingebauten Tastaturkürzel toppen die Mausbewegungen noch. Drücken Sie kurz auf [Super] – das ist die Taste mit dem Windows-Logo links von der linken Alt-Taste – erscheint das Dash mit dem Fokus auf der Eingabezeile. Geben Sie den Namen der gesuchten Anwendung ein (etwa ter für ein Terminal) und drücken Sie [Eingabe], öffnet Unity das erste links angezeigte Programm – ein Terminal. Schneller rufen Sie dieses aber über [Strg]+[Alt]+[T] auf.

Wollen Sie im Dash eines der anderen angezeigten Programme starten, navigieren Sie mit den Pfeiltasten zum Icon Ihrer Wahl. Ein weiterer Druck auf [Super] lässt das Dash verschwinden – probieren Sie es mal. Die Kombination [ALT]+[F1] bringt den Starter auf die Bildfläche und setzt den Fokus direkt auf das oberste Icon. Mit [Pfeil]+[runter] manövrieren Sie sicher durch die Einträge, [Eingabe] ruft eine Anwendung auf. Eine gute Nachricht: [Alt]+[F2] funktioniert noch immer und ruft eine Linse auf, die das Ausführen von Befehlen erlaubt. Die weiter oben genannten Linsen für Anwendungen und Dateien erreichen Sie auch über [Super]+[A] (für applications) bzw. [Super]+[F] (für files). [Super]+[T] öffnet den Mülleimer (Trash).

Halten Sie [Super] länger gedrückt, erscheint der Starter. Über jedem Icon sehen Sie eine kleine Zahl (Abbildung 8). Drücken Sie zusätzlich diese Zahl, ruft das die dahinterstehende Anwendung auf den Schirm. Über [Umstell]+[Super]+[Zahl] startet Unity eine neue Instanz bzw. ein neues Fenster des Programms. Angenommen, Sie rufen z. B. mehrere Fenster von Firefox auf. Steht über dem Browser die Nummer 1, drücken Sie also [Super]+[1], um den Browser aufzurufen. Drücken Sie erneut [1] – also [Super]+[1]+[1] – erhalten Sie eine Übersicht sämtlicher verfügbarer Firefox-Fenster. Fazit: Ordnen Sie Ihren Lieblingsanwendungen feste Nummern zu, erreichen Sie diese in Zukunft schneller.

Abbildung 8: Schneller starten: Drücken Sie "Super" etwas länger, erscheint der Starter. Mit Hilfe der angezeigten Nummern gelangen Sie fix zu den verschiedenen Programmen.

Eine Hilfe mit dem globalen Menü bietet [F10]. Es öffnet den ersten Menüpunkt ganz links von einer Anwendung. Mit Hilfe der Pfeiltasten navigieren Sie durch alle Menüpunkte und treffen Ihre Wahl über [Eingabe].

Ein Problem von Unity besteht in der fehlenden Anzeige für die laufenden Programme. Sicher gibt es die Dreiecke im Starter, aber praktischer ist [Super]+[W], das alle geöffneten Fenster übersichtlich in der Exposé-Ansicht präsentiert. [Super]+[S] zeigt gar alle Arbeitsplätze in der Draufsicht. Über [Super]+[D] lassen Sie alle Fenster verschwinden und erhalten so einen freien Blick auf den Desktop. Brauchen Sie mal eine Pause, sperren Sie über [Strg]+[Alt]+[L] den Bildschirm. Ach ja: Wie bisher auch erzeugen [Druck] und [Druck]+[Alt] Screenshots vom Desktop respektive von einem Fenster auf dem Desktop.

Tipp

Was tun bei Abstürzen? Hängt Unity sich auf, was im Test mitunter passierte, starten Sie die grafische Oberfläche von einem anderen Terminal aus neu. Drücken Sie [Strg]+[Alt]+[F1] oder [Strg]+[Alt]+[Fn]+[F1], melden Sie sich auf der Konsole an und geben Sie sudo service gdm stop und dann sudo service gdm start ein. Alternativ drücken Sie einfach [Alt]+[Druck]+[K].

Alternativen

Wer die zahlreichen Tastaturkürzel und Maustricks kennt, findet sich recht schnell in Unity ein und kann mit dem Desktop zügiger arbeiten als bisher. Wer das nicht will, schaut aber auch nicht in die Röhre. Melden Sie sich vom Unity-Desktop ab, können Sie beim Log-in-Manager unten rechts das klassische Gnome auswählen.

Nicht zuletzt gibt es das neue Gnome 3, das Sie einfach über ein PPA [4] installieren. Probieren Sie es aber erstmal in einer Live-Version aus. Auch Gnome 3 funktioniert mittlerweile anders als das klassische Gnome – unter Umständen geraten Sie vom Regen in die Traufe. Verfügen Sie jedoch über einen halbwegs aktuellen Rechner mit einer unterstützten Grafikkarte, sollte die tägliche Arbeit mit Unity gut von der Hand gehen.

Ähnliche Artikel

Kommentare
GlobalMenu
Marcus (unangemeldet), Freitag, 13. Mai 2011 21:18:03
Ein/Ausklappen

"Wollen Sie zum Beispiel die Einstellungen eines Programms aufrufen, schauen Sie zuerst in dem verkleinerten Fenster nach dem Menü und ziehen vielleicht sogar die Maus dorthin. Dann fällt Ihnen ein, dass das Menü sich ja im Panel befindet – dort ist es aber (noch) nicht zu sehen. Erst wenn Sie den Mauszeiger über das Panel schubsen, erscheinen die Menüpunkte."

Ich persönlich finde den Mouse Over Effekt extrem störend, da man vorher nicht sieht wohin man mit der Maus fahren muss, um einen bestimmten Menüpunkt zu öffnen. Das erhöht die Mauswege unnötig.

Zu diesem Thema habe ich schon vor einiger Zeit eine Frage im Launchpad gestellt, die leider bisher immer noch unbeantwortet ist:

https://answers.launchpad.net/unity/+question/151899

"Apple-Nutzer kennen das nicht anders, eingefleischte Linux- und Windows-Nutzer müssen sich wohl erst daran gewöhnen."

Bei Apple bleibt das Menü statisch und wird nicht erst durch ein Mouse Over sichtbar.

Viele Grüsse
Marcus


Bewertung: 199 Punkte bei 29 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht