Der neue Desktop
Der alte und neue Desktop von Ubuntu
Vor- und Nachteile gegenüber Gnome
Die Einführung von Unity hat schon lange vor der Veröffentlichung ziemlichen Staub aufgewirbelt. Einige der Vorwürfe sind sicher berechtigt, andere lassen sich anfechten. So etwa die Frage nach den Hardware-Anforderungen. So benötigt Unity z. B. eine funktionierende 3-D-Beschleunigung. Es kooperiert dabei mit allen Grafikchips der letzten sechs Jahre, was durchaus vertretbar ist.
Während Neueinsteiger aber meist schnell akzeptieren, was sie vorfinden, warten die meisten Probleme im Umgang mit Unity vermutlich auf Profis und fortgeschrittene Nutzer. Sie haben den klassischen Gnome-Desktop unter zeitlichem Aufwand an ihre Bedürfnisse angepasst. Nun funktionieren plötzlich bestimmte Tastaturkürzel nicht mehr und fehlen einzelne Elemente und Features während sich andere nicht ändern lassen. So sahen es jedenfalls viele Early Adopter, die Unity bereits im Vorfeld ausprobiert und sehr schnell abgelehnt haben. Kein Wunder: Der Desktop fiel anfangs durch permanente Abstürze und langsame Reaktionszeiten auf. Beliebte Tastenkombinationen wie [Alt]+[F2] funktionierten nicht, einige Dateien und Programme ließen sich über das Dash nicht aufrufen und eine wie auch immer geartete Kategorisierung fehlte auch.
Mittlerweile haben die Entwickler auf fast alle Kritikpunkte reagiert, ein paar Verhaltensauffälligkeiten des Desktops gibt es aber noch immer. Diese Liste ist sicherlich subjektiv gefärbt, dennoch dürften die folgenden Details im Alltagsbetrieb für Verwirrung sorgen.
- Es fehlen die Gnome-Applets. Dabei handelt es sich um die nützlichen Hilfsanwendungen für das Panel. Wer also über einen Systemmonitor die CPU- und Netzwerkauslastung im Auge behält, muss sich nach einer neuen Lösung umschauen (etwa Gkrellm oder Conky). Auch Zeichenpaletten und Wörterbücher ließen sich zuvor wunderbar in das Panel integrieren. Die Applets kommen vermutlich auch nicht nachträglich zurück, weil das globale Menü nun ihren Platz besetzt – Kollisionen wären die Folge.
- Das globale Menü. Sie arbeiten unter Unity quasi stets im Vollbildmodus, was gut ist, weil Sie den Bildschirmplatz besser nutzen. Die Menüs der meisten Anwendungen tauchen dabei ganz oben im Panel auf. Das bleibt unglücklicherweise auch so, wenn Sie die Fenster verkleinern. Um die Menüpunkte aufzurufen, müssen Sie die Maus auf das Panel bewegen, was anfangs verwirrt. Wollen Sie zum Beispiel die Einstellungen eines Programms aufrufen, schauen Sie zuerst in dem verkleinerten Fenster nach dem Menü und ziehen vielleicht sogar die Maus dorthin. Dann fällt Ihnen ein, dass das Menü sich ja im Panel befindet – dort ist es aber (noch) nicht zu sehen. Erst wenn Sie den Mauszeiger über das Panel schubsen, erscheinen die Menüpunkte. Apple-Nutzer kennen das nicht anders, eingefleischte Linux- und Windows-Nutzer müssen sich wohl erst daran gewöhnen.
- Der Systembereich : Nur noch wenige Anwendungen (etwa Skype, Java-Anwendungen, Mumble) landen dort. Das lässt sich jedoch ändern, indem Sie eine Whitelist ergänzen (siehe Kasten "Whitelist"). Beim Unity-Starter – dem Panel auf der linken Seite – ist das schon schwieriger. Über den CompizConfig Einstellungs-Manager verkleinern Sie die Icons des Starters und so die komplette Leiste. Der Starter lässt sich allerdings nicht auf eine andere Seite verpflanzen, weil Mark Shuttleworth ihn nahe beim Ubuntu-Logo links oben halten will [1]. Vermutlich gibt es bald einen Hack für Fans anderer Lösungen. Shuttleworth hat nichts dagegen, will aber keine Entwickler darauf ansetzen.
Whitelist
Über den Befehl gsettings set com.canonical.Unity.Panel systray-whitelist "['JavaEmbeddedFrame', 'Wine','Skype','Dropbox']", den Sie in ein Terminal eintippen ([Strg]+[Alt]+[T]), schalten Sie den Systembereich für einzelne Anwendungen frei. Ergänzen Sie die eckigen Klammern zum Beispiel um ,'Opera'.
Neben seinen Schwächen bringt der Desktop aber auch zahlreiche handfeste Vorteile mit. Nicht nur haben die Entwickler in den letzten Wochen und Tagen noch viele Fehler ausgebügelt und Features eingeführt ([Alt]+[F2] funktioniert wieder, der Starter verschwindet automatisch usw.). Sie haben es auch geschafft, den Gesamteindruck und das Zusammenspiel der Komponenten spürbar zu verbessern. Vor allem die Tastaturkürzel funktionieren mittlerweile eindrucksvoll. Wer sie erlernt, kann den eigenen Arbeitsprozess im Vergleich mit dem klassischen Gnome deutlich beschleunigen.



