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© Mathias Mazzetti

Achtung, Action!

Filme anschauen mit Totem

28.10.2010 Neben bekannten Videoplayern wie VLC und MPlayer fristet Totem ein eher tristes Dasein. Zu Unrecht, meint Ubuntu und setzt schon seit mehreren Versionen auf das Gnome-Programm als Standardplayer.

Der offizielle Videoplayer für den Gnome-Desktop heißt Totem [1]. Da überrascht es nicht, dass ihn auch Ubuntu als Standardplayer für Videodateien und DVDs einsetzt. Sie finden das Programm unter Anwendungen | Multimedia | Video-Player.

Totem verlässt sich für die Medienwiedergabe komplett auf das GStreamer-Framework. Gelingt die Wiedergabe eines Filmes oder einer Audiodatei nicht auf Anhieb, dann müssen Sie sich also nicht unbedingt nach einem alternativen Player umsehen, sondern benötigen schlicht noch die passende Gstreamer-Komponente. Dazu gehören unter anderem die Pakete gstreamer-plugins-ugly und gstreamer-plugins-ffmpeg oder am besten gleich ubuntu-restricted-extras, das zahlreiche nicht freie oder in einigen Ländern patentgeschützte Softwarekomponenten installiert.

In den meisten Fällen nimmt Ihnen Totem die Suche nach dem passenden Paket ab und schlägt bei einer entsprechenden Datei automatisch den zugehörigen Audio- oder Videocodec zur Installation vor.

Von Hause aus spielt der Player unverschlüsselte DVDs und Videodateien in offenen und rechtlich unbedenklichen Formaten (wie etwa Ogg, Theora oder MPEG-4) ab, hier auch ohne Installation zusätzlicher Pakete.

Der erste Start

Totems Benutzerinterface (Abbildung 1) strebt Einfachheit und schnelle Bedienbarkeit an. Ein einzelnes Fenster zeigt die Menüleiste oben, den Bildbereich, die Steuerungselemente und eine Seitenleiste, deren Inhalt sich den Aufgaben anpasst.

Abbildung 1

Abbildung 1: Im Hauptfenster zeigt Totem Filme an, rechts sehen Sie die Wiedergabeliste.

Der Menüpunkt Film bietet die Punkte Öffnen und Ort öffnen an, um die Wiedergabeliste mit neuen Videos zu füttern. Wählen Sie über die beiden Menüpunkt einen Film aus, beginnt Totem augenblicklich mit der Wiedergabe. Der Unterschied: Dem Menüpunkt Ort öffnen übergeben Sie eine URL, sei es im Internet oder im lokalen Netzwerk, mit Öffnen erscheint der gewöhnliche Dateibrowser.

Alternativ starten Sie Videos über die Wiedergabeliste, indem Sie auf das Symbol mit dem grünen Pluszeichen klicken; ein Doppelklick auf einen Listeneintrag hat denselben Effekt. Die zuletzt abgespielten Filme zählt das Film-Menü ebenfalls auf.

Zu guter Letzt können Sie Filme auch per Drag & Drop direkt von Nautilus in das Totem-Fenster ziehen. Je mehr Videos Sie dort ablegen, desto länger wird die rechts angezeigte Wiedergabeliste, die Sie mit einem Klick auf das Festplatten-Symbol mit dem grünen Pfeil als PLS-Datei oder in einem alternativen Format speichert.

Im Menü Bearbeiten können Sie nicht nur ein Bildschirmfoto aufnehmen, sondern sogar eine Bildschirmfoto-Galerie erstellen (Abbildung 2).

Abbildung 2

Abbildung 2: Totem bietet die Möglichkeit an, mehrere Standbilder aus einem lokal abgelegten Film zu ziehen und daraus eine Montage zu erstellen.

Daneben legen Sie hier auch die Art der Wiedergabe (Endlosschleife oder Zufallsmodus) fest. Rufen Sie Plugins auf, um eine Liste der mit Totem ausgelieferten Erweiterungen zu erhalten. Standardmäßig aktiviert ist unter Ubuntu nur der Youtube-Browser. Damit suchen Sie Filme auf der Videoplattform Youtube und spielen diese in Totem ab. Details zu den Plugins listet der Kasten "Totem erweitern".

Totem erweitern

Interessant an Totem ist, dass Sie den Player mit Hilfe von Plugins aufrüsten können. Neben den bereits erwähnten und aktivierten Erweiterungen gibt es die Möglichkeit, eine Infrarot-Fernbedienung zu nutzen oder automatisch nach Untertiteln für den aktuellen Film zu suchen (per Untertitel-Downloader). Auch Fernsehen über DVB ist mit dem passenden Plugin möglich.

Weitere Plugins stellen die Pakete totem-plugin-arte und totem-plugins-extra bereit. Sie finden diese im Software-Center, wenn Sie nach Totem-Plugin suchen und danach am unteren Rand des Software-Center-Fensters auf den Eintrag Show 4 technical items klicken. Nach der Installation zusätzlicher Plugins müssen Sie Totem neu starten. Über das Arte-Plugin können Sie zahlreiche Sendungen von Arte auch über Totem betrachten (Abbildung 3). Das Programmangebot hängt davon ab, in welchem Land Sie sich befinden. Das gilt auch für das BBC-Plugin.

Abbildung 3

Abbildung 3: Über das Paket totem-plugin-arte können Sie zahlreiche Sendungen von Arte nachträglich in Totem betrachten.

Über das Menü Bearbeiten gelangen Sie auch zu Totems Einstellungen. Dort beeinflussen Sie unter anderem die Audioausgabe, indem Sie im Reiter Audio als Audio-Ausgabetyp mehrere Kanäle wählen, sofern Sie über das entsprechende Lautsprecher-Setup verfügen.

Über den Menüpunkt Ansicht | Vollbild, einen Doppelklick auf den laufenden Film oder [F11] gelangen Sie in den Vollbildmodus, den Sie per [Esc] wieder verlassen.

Je nach Display lohnt es sich über Ansicht | Ansichtsverhältnis das Seitenverhältnis des dargestellten Films zu skalieren. Ebenfalls im Menü Ansicht finden Sie das Setup für die Untertitel-Spur und legen (bei DVD-Filmen) den Blickwinkel der Kamera fest.

Das Gehe zu-Menü listet die Einsprungmarken für DVDs auf, über die Sie direkt zu Audio-, Titel-, Kamera- und Kapitelmenüs springen. Im spärlich bevölkerten Audio-Menü ändern Sie lediglich die Lautstärke und die Sprache des Films.

Wiedergabelisten

Um an die Schätze von Totem zu gelangen, klicken Sie im rechten Seitenpanel auf den Eintrag Wiedergabeliste. Hier finden Sie nun die installierten Plugins und ein paar weitere Möglichkeiten zur Auswahl. Die Seitenleiste schalten Sie über [F9] ein und aus.

Über Eigenschaften erhalten Sie Informationen zur Auflösung und den verwendeten Codecs eines Films . Über YouTube, BBC iPlayer und Arte+7 greifen Sie auf die Online-Angebote der entsprechenden Anbieter zurück, wofür Sie eine Internet-Anbindung brauchen. Während Sie bei Arte und BBC eine Liste der verfügbaren Programme erhalten, müssen Sie beim Youtube-Plugin zunächst einen Suchbegriff eingeben.

Über die drei Steuerknöpfe unterhalb des Filmes, spielen Sie diesen ab oder spulen ihn vor und zurück. Letzteres geht über [Pfeil]+[Rechts] und [Pfeil]+[links] noch schneller. Unterhalb der Leinwand zeigt Totem Statusinformationen zum Film an, darunter die vergangene Zeit und die Gesamtspielzeit eines Videos. Rechts daneben finden Sie einen Lautstärkeregler sowie einen weiteren Ein-/Ausschalter für die Seitenleiste.

Da Totem als Standard-Videoplayer von Ubuntu dient, können Sie auch im Dateimanager Nautilus auf eine beliebige Videodatei klicken, um sie mit der Software abzuspielen. Dank eines Browser-Plugins (totem-mozilla) spielt zudem der Webbrowser Firefox gefundene Filme und Streams über Totem als Backend ab. Totem ist eine schlichte, aber gut bedienbare Software, die – in Grenzen – den Ansprüchen eines durchschnittlichen Zuschauers genügt.

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