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OpenSuse optimieren

Software-Management mit YaST erklärt

15.07.2010
OpenSuse bringt auf der DVD schon sehr viele Anwendungen mit. Um allerdings das Bestmögliche aus der Distribution herauszuholen, benötigen Sie ein paar Programme aus dem Internet. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie das funktioniert und stellt dabei das Software-Management vor.

OpenSuse ist eine freie Distribution und darf beliebig weiterverbreitet werden. Aus diesem Grund muss das OpenSuse-Projekt auf ein paar Zusätze verzichten, die es aber im Internet gratis zum Download gibt. Dazu gehören unter anderem Codecs für nicht freie Medienformate, proprietäre Grafikkartentreiber und der Flash-Player. Unter Windows würden Sie nun vermutlich über Google nach der entsprechenden Software suchen. Linux geht einen anderen Weg – hier installiert man Programme aus so genannten Repositories. Das sind Software-Quellen, die vom OpenSuse-Projekt oder der Community bereitgestellt werden und optimal zum System passen.

Das macht Spaß

OpenSuse hat bereits während der Installation ein paar solche Software-Quellen eingerichtet, dazu gehören unter anderem die Sicherheitsupdates und das Repository non-oss. Es enthält nicht freie Programme. Einige der Pakete aus non-oss spielt OpenSuse beim ersten Update automatisch ein. Dazu gehören der Flash-Player, die MS-Corefonts (Times New Roman, Arial usw.) und der MP3-Support für GStreamer.

Internet-Repositories

Name Inhalt Adresse
OSS Sämtliche offiziell von Novell bereitgestellte Programme http://download.opensuse.org/distribution/11.3/repo/oss/
NON-OSS Offizielle, nicht freie Programme http://download.opensuse.org/distribution/11.3/repo/non-oss/
Updates Sicherheitsaktualisierungen http://download.opensuse.org/update/11.3/
Packman Multimedia und Systemprogramme http://packman.iu-bremen.de/suse/11.3
Contrib Nicht offizielle, aber qualitativ geprüfte Pakete http://download.opensuse.org/repositories/openSUSE:/11.3:/Contrib/standard/

Erfahrene OpenSuse-Nutzer fügen dieser Liste gleich nach der Installation die Repositories von Packman und Contrib hinzu (siehe Tabelle "Internet-Repositories"). Darin befinden sich zahlreiche Multimedia-Komponenten und zusätzliche Anwendungen. Dazu gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Starten Sie YaST aus dem Hauptmenü. Sie finden das Programm unter Rechner (Abbildung 1). Alternativ lässt sich YaST auch per [Alt]+[F2] und Eingabe des Befehls kdesu yast2 aufrufen. Zum Start von YaST müssen Sie das Administrator-Kennwort eingeben.

    Abbildung 1: Mit YaST installieren Sie Programme und richten das System ein. Sie finden das Tool im Menü Rechner.
  2. Navigieren Sie in YaST zum Modul Software / Software-Repositories. Es zeigt Ihnen nach dem Start eine Liste der eingerichteten Quellen an (Abbildung 2), die in der Regel bereits Online-Quellen aus dem Internet enthält. Auch die Installations-DVD ist ein Repository..

    Abbildung 2: Diese Übersicht zeigt Ihnen, welche Softwarequellen aktiv sind.
  3. Um die Liste um weitere Quellen zu erweitern, wählen Sie Hinzufügen. YaST bietet eine sehr umfangreiche Liste zur Auswahl an, darunter lokale Dateien, Verzeichnisse und Datenträger (Abbildung 3). Für die wichtigsten Repos benötigen Sie jedoch einen Internetzugang. Markieren Sie deshalb die Checkbox Community/Gemeinschafts-Repositories und klicken Sie auf Weiter. YaST lädt nun die Liste der verfügbaren Software-Quellen herunter. Sie müssen somit an dieser Stelle über eine Internetverbindung verfügen.
  4. Aus der Liste mit Online-Repositories kreuzen Sie nun die Einträge Packman Repository und Main Repository (Contrib) an. Ein Klick auf OK übernimmt die Einstellungen, wobei Sie für das Packman-Repository noch den Schlüssel akzeptieren und importieren müssen. Das Contrib-Repository wird vom OpenSuse-Projekt bereitgestellt und ist deshalb bereits mit dem Standard-Schlüssel des Projekts signiert.

Theoretisch können Sie auch die übrigen Einträge markieren. Doch erfahrungsgemäß ist bei der Software-Auswahl weniger mehr, zudem dauert die Installation je länger, je mehr Quellen Sie aktiviert haben, da YaST bei der Installation stets die aktualisierten Software-Listen aus dem Internet herunterlädt: haben Sie nur wenige Quellen markiert, dauert dieser Vorgang nur ein paar Sekunden, bei mehr als 10 Quellen, kann es deutlich länger dauern.

Abbildung 3: Die Liste der möglichen Software-Quellen ist sehr umfangreich. Am einfachsten wählen Sie den Eintrag Community/Gemeinschafts-Repositories aus.

Die Redaktion empfiehlt Ihnen deshalb, nur die beiden Haupt-Repositories OSS und NON-OSS, sowie Packman und Contrib permanent auszuwählen. Die Pakete aus dem openSUSE-Build-Service enthalten oft instabile Versionen. Eine Ausnahme bilden die Software-Quellen mit Treibern für Grafikkarten von ATI/AMD oder Nvidia. Besitzen Sie eine solche Grafikkarte und sind Sie mit der Leistung des freien Treibers nicht zufrieden, dann lohnt sich die Installation des jeweiligen proprietären Treibers. Zur Drucklegung dieses Hefts waren die Repositories von ATI und Nvidia für die proprietären 3D-Treiber allerdings noch nicht aktiv – finden Sie einen solchen Eintrag in der Liste und besitzen Sie eine aktuelle ATI- oder Nvidia-Karte, dann empfiehlt sich für den 3D-Support das passende Repository zu markieren.

Haben Sie die neuen Repositories hinzugefügt, dann öffnen Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl konsole ein Terminalfenster. Hier geben Sie nacheinander folgende zwei Befehle ein:

sudo zypper refresh
sudo zypper dup

Damit aktualisiert OpenSuse die Distribution aus den zusätzlichen Quellen und ersetzt dabei einige Komponenten mit den Programmen von Packman (Abbildung 4). Erst dadurch wird OpenSuse zu einer richtigen Multimedia-Distribution, die auch MP3-Stücke abspielt und Videos in diversen Formaten. Der Download umfasst rund 40 MByte (NON-OSS-Pakete und Multimedia-Komponenten).

Abbildung 4: Mit dem Befehl sudo zypper dup halten Sie Ihre Distribution stets auf dem neuesten Stand.

Was ist ein RPM?

Benutzen Sie Linux zum ersten Mal, fragen Sie sich vermutlich, wo denn all die Programme sind, und wie man diese installiert. OpenSuse stellt Programme in so genannten RPM-Paketen bereit. Ein RPM-Paket ist ein komprimiertes Archiv mit sämtlichen Programmdateien. Oft benötigt ein Programm jedoch zusätzliche Dateien, die sich in einem anderen RPM-Paket befinden. Diese zu finden und automatisch mitzuinstallieren, ist die Aufgabe des Paketmanagers. Dazu fragt er verschiedene Installationsquellen (Repositories) und eine Datenbank auf dem Rechner ab. Eine zentrale Installationsquelle stellt die Heft-DVD bereit. Weitere Repositories für OpenSuse finden Sie im Internet.

Software installieren

Die Installation von RPM-Paketen übernimmt unter OpenSuse der Paketmanager YaST. Sie starten das Programm über die Tastenkombination [Alt]+[F2] und die Eingabe von kdesu yast2. Im YaST-Kontrollzentrum wählen Sie dann das Modul Software / Software installieren oder löschen aus. Erfahrenen Linux-Benutzern steht auch das schlanke Kommandozeilentool zypper zur Verfügung: Damit installieren Sie Pakete sehr schnell auf der Kommandozeile und nehmen auch Updates vor. Eine Kurzanleitung finden Sie im Kasten "Schneller mit Zypper".

Schneller mit Zypper

Anstatt mit der grafischen Oberfläche von YaST zu arbeiten können Sie Programme auch über ein Terminalfenster installieren, auffrischen oder löschen. Dazu dient das Tool zypper. Öffnen Sie über [Alt]+[F2] und den Befehl konsole das KDE-Terminal und geben hier zum Beispiel den Befehl zypper search tux ein, dann zeigt Zypper eine Liste von Programmen mit "tux" im Namen an. Um eines dieser Programme zu installieren, geben Sie den Befehl sudo zypper install tuxguitar ein. Möchten Sie Tux-Guitar wieder löschen, rufen Sie dazu den Befehl sudo zypper remove tuxguitar auf. Die Liste der möglichen Updates erfahren Sie über zypper lu, um die Updates einzuspielen, geben Sie den Befehl zypper up ein. Mit Zypper lassen sich noch viele weitere Dinge tun, Sie können damit auch die komplette Distribution aktualisieren. Eine Kurzhilfe gibt der Befehl zypper --help, das komplette Handbuch rufen Sie über man zypper auf.

Beim Start des Paketmanager-Moduls liest YaST Informationen zu sämtlichen RPM-Paketen auf der DVD und eventuell in weiteren Repositories ein. Danach öffnet sich das Fenster Installationsüberblick. Hier sehen Sie, welche Änderungen YaST automatisch anwenden wird, wenn Sie das Programm mit Akzeptieren verlassen.

Ist Linux für Sie noch weitgehend Neuland, klicken Sie oben links auf Anzeigen und ändern den Eintrag zu Patterns (deutsch Schemata). So zeigt YaST die Programme nach Themenbereichen geordnet an (Abbildung 5).

Abbildung 5: Nach Schemata sortiert können Sie in der Programmauswahl etwas herumstöbern.

Der Reiter RPM-Gruppen zeigt die Programme nach Gruppe geordnet an. Dieser Filter hilft Ihnen dabei, zum Beispiel über die Gruppe Unterhaltung / Spiele sämtliche Spiele zu installieren. Da jedes RPM-Paket diese Information jedoch selbst mitliefert, sind die Einträge nicht immer korrekt.

Wählen Sie ein Paket zur Installation aus, dann zeigt Ihnen ein Klick auf den Reiter Installationsüberblick, welche weiteren RPM-Pakete YaST installieren oder eventuell löschen wird. Ein Klick auf Akzeptieren wendet die Einstellungen an.

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