Blaugrünes Chamäleon

Die wichtigsten neuen Features von OpenSuse 11.3

12.07.2010 Das OpenSuse-Team hat die Master-Daten für Version 11.3 ins Presswerk geschickt und bereitet sich auf das Release am 15. Juli vor. Zeit, sich die neuen Features von OpenSuse 11.3 anzuschauen.

README

OpenSuse 11.3 setzt auf den Kernel 2.6.34 mit KMS-Support, KDE 4.4.4, OpenOffice 3.2.1 und zahlreiche weitere aktuelle Tools. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Neuerungen vor.

Die neue OpenSuse-Version trägt den Codenamen "Teal" und bringt wie üblich von sehr vielen Programmen und Bibliotheken eine aktualisierte Version mit. Dieser Artikel stellt Ihnen die Neuerungen der Distribution vor, sodass Sie sich entscheiden können, ob sich das Update oder eine Neuinstallation lohnt. Einen Überblick über die Kernkomponenten verschafft die Tabelle "Versionsnummern".

Versionsnummern

Komponente

Version

Hauptkomponenten

Kernel 2.6.34.1
KDE 4.4.4
Gnome 2.30.1
XFCE 4.7.1
LXDE 0.5.0
X.org 7.5

Anwendungen

Amarok 2.3
Banshee 1.6.1
Digikam 1.2.0
Evolution 2.30.1
Firefox 3.6.6
GCC 4.5.0
Gimp 2.6.8
Grub 0.97
Java 1.6
K3b 1.92
Kaffeine 1.0
KOffice 2.1.2
Kontact 4.4.4
KTorrent 3.3.4
OpenOffice 3.2.1
Samba 3.5.4
Thunderbird 3.0.4

Zypper löscht mit

Eines der am meisten gewünschten Features für den Kommandozeilen-Paketmanager Zypper haben die Entwickler nun für Version 11.3 implementiert: das automatische Löschen nicht mehr benötigter Pakete. Über den Befehl zypper remove --clean-deps mplayer entfernt Zypper nicht nur den MPlayer vom System, sondern auch sämtliche Bibliotheken, die nur von MPlayer benötigt wurden. Auch YaST kann dieses Feature von Zypper nutzen, wenn Sie im Paketmanagermodul die Checkbox Optionen | Cleanup when deleting packages ankreuzen.

Im Optionen-Menü von YaST findet sich ein weiterer nicht übersetzter englischer Eintrag: Allow vendor change. Ist diese Checkbox markiert, dann installiert YaST aktuelle Versionen von Programmen automatisch auch aus "fremden" Repositories. Zypper wendet dieses Feature automatisch an. So lässt sich per Hinzufügen des Packman-Repositories und einem

zypper refresh
zypper dup

automatisch die komplette Distribution auf den aktuellen "Multimedia-Stand" bringen.

Abbildung 1: Zypper zeigt an, wenn es Pakete aus einem anderen Repository installiert.

Ein neuer Desktop

OpenSuse bleibt sich treu und liefert auf der DVD weiterhin mehrere Desktops aus. Dazu gehört mit Version 11.3 neben KDE, Gnome und XFCE nun auch zum ersten Mal der sehr schlanke Desktop LXDE. Wer ein System mit weniger als 512 MByte Hauptspeicher betreibt, sollte das Lightweight X11 Desktop Environment unbedingt ausprobieren. "Der Neue" sieht nicht nur gut aus sondern arbeitet auch unheimlich schnell. Um LXDE anstelle von KDE oder Gnome zu benutzen, müssen Sie während der Installation im Dialog zur Desktop-Auswahl auf Andere klicken. Aus einem bereits installierten System heraus können Sie LXDE bequem per YaST oder über den Befehl

sudo zypper install -t pattern lxde

einrichten. Der Download beträgt lediglich 30 MByte.

Abbildung 2: Der superschlanke und sehr schnelle LXDE-Desktop ist neu in OpenSuse 11.3.

LXDE zeigt zudem, wie die Zusammenarbeit in der OpenSuse-Community funktioniert. Das OpenSuse-Community-Mitglied Andrea Florio hat die nötigen Arbeiten für eine erfolgreiche Einbindung geleistet und nebenbei auch noch ein paar weitere Bugs in OpenSuse 11.3 gefixt.

Ein (fast) neues Dateisystem

Btrfs an und für sich ist nicht neu, konnten mutige User damit doch schon in OpenSuse 11.2 experimentieren. Mit Version 11.3 lässt sich jetzt Btrfs auch für das Wurzelverzeichnis benutzen. Dazu muss man jedoch weiterhin eine separate /boot-Partition einrichten, damit Grub nicht patzt. YaST zeigt weiterhin einen Warnhinweis an, dass Btrfs nicht stabil ist. Da mittlerweile hingegen auch das Meego-Projekt auf Btrfs als Hauptdateisystem setzt, kann man diesen Hinweis relativ gelassen wegklicken. Für eine Serverinstallation sollte man hingegen bei Ext* oder XFS bleiben.

Abbildung 3: Das von Chris Mason entwickelte Dateisystem Btrfs lässt sich auch als Root-Dateisystem nutzen. Die Abbildung zeigt den XFCE-Desktop von OpenSuse 11.3.

Fit für mobile Geräte

Zu den offiziellen Highlights der aktuellen Version [1] gehört der Netbook-Support, der Zugriff auf iPhone und iPod sowie die Synchronisation mit der Cloud durch SpiderOak. Bei letzterem handelt es sich um einen kommerziellen Dienst, der zwar weitgehend aber nicht komplett mit freier Software arbeitet und in etwa die Dienste von Dropbox oder Ubuntu One bietet. Wer sich einen SpiderOak-Account anlegt, erhält 2 GByte freien Online-Speicher, das nächstgrößere Paket kostet 10 USD pro Monat und umfasst bereits 100 GByte. Bei Ubuntu One erhält der Benutzer für den gleichen Betrag lediglich 50 GByte Speicher.

Abbildung 4: Vorhandenes integrieren, statt neues schaffen: SpiderOak-Pakete sollen das Cloud-Erlebnis für OpenSuse-Nutzer verbessern.

Beim Netbook-Support setzt OpenSuse auf keine separate Distributionsvariante sondern empfiehlt, über die Arbeitsflächeneinstellungen von KDE die genutzte Aktivität auf den Typ Tageszeitung-Aktivität zu ändern. Hier hätten die KDE-Leute jedoch etwas Vorarbeit leisten können, da diese Aktivität nach einer Standardinstallation ziemlich leer aussieht. Den gleichen Weg will übrigens auch das Kubuntu-Projekt für Version 10.10 beschreiten. Es wird dann keine separate Netbook-Edition mehr geben, sondern der Wechsel zwischen Plasma Desktop und Plasma Netbook soll on-the-fly erfolgen.

Der als drittes Hauptfeature angepriesene iPhone- und iPod-Support entstand nicht in den OpenSuse-Labs sondern Upstream bei den Libgpod-Entwicklern. Die Integration in den OpenSuse-Desktop ist jedoch gut gelungen.

Unter der Haube

Durch den neuen Kernel 2.6.34 unterstützt OpenSuse 11.3 mehr Hardware denn je. Er ist zudem fit für einige kommende Prozessoren und Chipsätze von Intel. Einzig Nutzer eines Broadcom-WLAN-Chipsatzes müssen sich je nach Hardware auf einen Kernelbug in just dieser Kernelversion bereit machen. Das System kann dadurch bereits bei der Installation oder während des Bootvorgangs zum Stehen kommen. Abhilfe soll der Bootparameter

brokenmodules=ssb

schaffen. Wer vom Problem betroffen ist, sollte anstelle des freien Broadcom-Treibers, der in der Distribution enthalten ist, die Version bei Packman nehmen (broadcom-wl).

Das Sound-System haben die Entwickler auf Alsa 1.0.23 aktualisiert, Probleme mit Pulseaudio sollte es eigentlich keine mehr geben. Bei Grub hat sich das Team gegen ein Update auf Grub 2 entschlossen, entsprechende Pakete befinden sich aber in den Repositories, falls jemand die aktuelle Grub-Version benötigen sollte. Ebenfalls eine Absage haben die Entwickler dem von Ubuntu initiierten Boot-System Upstart erteilt und planen für die Zukunft mit dem neuen Init-System Systemd von Lennart Poettering. Wer Upstart trotz allem ausprobieren möchte, findet ebenfalls ein fertiges Paket dazu in den OpenSuse-Repos.

Neben Ubuntu, Fedora und Mandriva setzt nun auch OpenSuse 11.3 auf KMS-Support (Kernel Mode Setting) bei Grafikkarten von ATI und Nvidia und setzt dazu die aktuellen Treiber radeon und nouveau ein. Währen die meisten Nvidia-Nutzer für eine taugliche 3D-Beschleunigung weiterhin auf den proprietären Treiber von Nvidia angewiesen sind, funktioniert bei den ATI-Karten der 3D-Support bei erstaunlich vielen Geräten out-of-the-box. Leichte Verbesserungen sind dank X.org 7.5 auch bei den Desktop-Effekten unter KDE und Gnome zu verzeichnen.

Kleinigkeiten

Neben dem Update von KDE, Gnome, OpenOffice und Firefox haben auch weitere Programme wichtige Aktualisierungen erfahren. So unterstützen zum Beispiel die Torrent-Clients KTorrent und Transmission verteilte Hash-Tabellen (DHT), zudem klappt in Rhythmbox dank neuer Bibliotheken der Zugriff aufs iPhone und den iPod Touch. Für Gnome hat das OpenSuse-Team zudem HAL komplett aus der Distribution entfernt, lediglich bei der KDE-Installation werkelt der Hardware Abstraction Layer noch im Hintergrund, da einige KDE-Programme, darunter das Brennprogramm K3b, noch nicht ohne HAL auskommen.

OpenSuse-eigene Änderungen sind Tracker anstelle von Beagle. Novell hat hier seine eigene Desktopsuchmaschine zu Gunsten der Upstream-Version über Bord geworfen. Weiterhin Standard bleibt unter Gnome hingegen das Mono-Flaggschiff Banshee, auch Tomboy kann seinen Platz gegenüber GNotes behaupten. An beiden Programmen haben die Entwickler massiv gefeilt. so startet Tomboy deutlich schneller und Banshee beherrscht nun die fortlaufende Wiedergabe (gapless playback). Durch das neue GTK-Theme oxygen-molecule wirken Gnome-Anwendungen unter KDE keineswegs als Fremdkörper.

Abbildung 5: Gnome-Anwendungen (hier Banshee) integrieren sich perfekt in den KDE-Desktop entweder mit dem traditionellen Qt-Curve-Theme…

Abbildung 6: …oder mit dem neuen Gtk-Stil Oxygen-Molecule.

Wie bei den meisten Distributionen üblich, bringt auch OpenSuse 11.3 eine Vorschau auf Gnome 3.0 und die Gnome-Shell mit. So richtig zu begeistern weiß diese aber nicht.

Auf der KDE-Seite haben die OpenSuse-Entwickler mit KSuseInstall ein Framework auf die Beine gestellt, das die Installation von Codecs und weiterer zusätzlicher Komponenten vereinfachen soll. So schlägt Dolphin beim Klick auf einen Dateitypen eine Anwendung zur Installation vor, wenn mit dem Dateityp bislang keine Anwendung verknüpft war. Auch Amarok zeigt beim Start einen Hinweis auf fehlende Codecs an. Allerdings bringt KSuseInstall hier nicht wirklich eine Erleichterung, da der Nutzer für die Installation der Codecs zusätzlich noch Packman als Paketquelle einrichten muss. Anfänger sind spätestens hier überfordert. Mehr Hilfe zu bieten (automatisches Repository-Setup) liegt laut Novells Anwälten nicht drin.

Benutzer, die KDE auf einem Notebook einsetzen, dürften sich über das Touchpad-Setup-Tool Synaptiks freuen, das Suse-eigene Update-Applet unterstützt zudem auch das Distributionsupgrade. Nach einigem Hin und Her hat sich das KDE-Team zudem dazu entschlossen, die Suchmaschine Strigi und den semantischen Desktop Nepomuk in der Grundeinstellung auszuschalten, da das Paar unter KDE 4.4 immer noch durch einen ziemlich hohen Ressourcenverbrauch auffällt. Hier ist erst mit KDE 4.5 Besserung zu erwarten. Wer Nepomuk oder Strigi benutzen möchte, kann die Dienste aber problemlos über die KDE-Systemeinstellungen aktivieren.

Eine kleine aber feine Änderung haben die Entwickler auch bei Samba vorgenommen: Da Cifs inzwischen das veraltete Smbfs komplett abgelöst hat, heißt die zugehörige Konfigurationsdatei nun /etc/samba/cifstab anstelle /etc/samba/smbfstab. Dazu zughörige Mount-Sktipt mount.cifs arbeitet zudem aus Sicherheitsgründen nicht mehr per Suid-Bit, wodurch zum Beispiel smb4k unter OpenSuse 11.3 nicht mehr korrekt arbeitet.

Fazit

Trotz des kleinen Versionssprungs von 11.2 auf 11.3 bringt die neue OpenSuse-Version mehr als bloß eine Handvoll Änderungen mit. Wer aktuell ein gut funktionierendes Suse-11.2-System betreibt und hier bereits KDE 4.4.x nutzt, sollte sich deshalb das Update gut überlegen. Der neue KDE-Desktop bietet hier kaum Verbesserungen gegenüber dem aktuellen KDE unter OpenSuse 11.2 und im August steht ja schon KDE 4.5 an. Andererseits war ein Update noch nie so einfach wie von Version 11.2 auf 11.3: einfach in den Paketquellen die Versionsnummern ändern und danach per zypper refresh und zypper dup das Upgrade durchführen.

Für Nicht-KDE-Nutzer und alle, die OpenSuse einfach mal so ausprobieren möchten, lohnt sich ein Blick auf die Version 11.3 unbedingt.

Infos

[1] Portalseite für OpenSuse 11.3: http://wiki.opensuse.org/Portal:11.3

[2] Download: http://software.opensuse.org

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Kommentare
und was is mit WLAN..
hannes (unangemeldet), Freitag, 23. Juli 2010 11:23:45
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Bockmist
Kroko (unangemeldet), Freitag, 16. Juli 2010 20:32:08
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Re: Bockmist
max. (unangemeldet), Freitag, 16. Juli 2010 22:18:42
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Über zwei Fehler muss ich mal meckern
Carola (unangemeldet), Mittwoch, 14. Juli 2010 14:41:30
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sysinfo-Problem
Marcel Hilzinger, Mittwoch, 14. Juli 2010 20:56:56
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Re: sysinfo-Problem
Carola (unangemeldet), Donnerstag, 15. Juli 2010 13:08:38
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Namensfehler
m4z (unangemeldet), Mittwoch, 14. Juli 2010 13:02:57
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Re: Namensfehler
Marcel Hilzinger, Mittwoch, 14. Juli 2010 20:40:34
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sehr guter Artikel
matthiasd (unangemeldet), Montag, 12. Juli 2010 23:56:48
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Re: sehr guter Artikel
Marcel Hilzinger, Dienstag, 13. Juli 2010 12:17:58
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How to update?
Der Messer (unangemeldet), Montag, 12. Juli 2010 15:40:38
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Re: How to update?
Marcel Hilzinger, Montag, 12. Juli 2010 16:31:28
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Re: How to update?
kuede (unangemeldet), Dienstag, 13. Juli 2010 21:35:25
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Integration??
sebastian1111 (unangemeldet), Montag, 12. Juli 2010 13:57:19
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Re: Integration??
max. (unangemeldet), Montag, 12. Juli 2010 14:49:09
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Qtcurve vs. Moleküle
Marcel Hilzinger, Montag, 12. Juli 2010 15:04:46
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