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Die wichtigsten Änderungen von Ubuntu 9.10 alias Karmic Koala im Überblick

Die wichtigsten Änderungen von Ubuntu 9.10 alias Karmic Koala im Überblick

28.10.2009
Morgen will Canonical die neue Ubuntu-Version "Karmic Koala" zum Download freigeben. Die LinuxCommunity hat sich den Release-Kandidaten angeschaut und zeigt, was alles neu ist.

Wie jedes neue Release bringt auch Ubuntu 9.10 von praktisch jedem Programm eine neue Versionsnummer mit, egal ob Kernel, Browser, grafische Oberfläche oder Editor. Dieser Artikel beschreibt deshalb nicht jede Detailänderung sondern nur die wichtigsten Komponenten. Er beschränkt sich dabei auf die Gnome-Version, bei Kubuntu, Edubuntu, Xubuntu, Mythbuntu und den weiteren Ubuntu-Derivaten gibt es naturgemäß auch zahlreiche Neuerungen.

Auf dem Desktop

Wer Ubuntu bereits seit längerem nutzt, dem fällt gleich beim ersten Start das neue Theme mit der dunkelbraunen Fensterdekoration und den orangefarbenen Symbolen auf. Das Theme weckt Erinnerungen an die erste Ubuntu-Version 4.10, die vor 5 Jahren das Licht der Welt erblickte. Durch das aktuelle Gnome (in Version 2.28.1) und weitere neue Systemkomponenten sowie Anpassungen von Canonical haben sich jedoch auch weitere Dinge verändert.

So gibt sich der Systemabschnitt des Panels in der linken oberen Bildschirmecke ganz in Grau und die Benachrichtigungen haben optisch einen zusätzlichen Feinschliff erhalten. Bei beiden Elementen sind deutliche Ähnlichkeiten mit Mac OS X zu sehen.

Der Systemabschnitt und die Benachrichtigungen im neuen Look & Feel.

Optisch überarbeitet haben die Ubuntu-Entwickler den Netzwerkmanager, komplett neu gibt sich die Lautstärkeregelung. Wer hier nach Reglern für Master, PCM und so weiter sucht, wird nicht fündig. Stattdessen zeigt das Frontend zu Pulseaudio lediglich eine Eingabelautstärke und eine Ausgabelautstärke an.

Die zusätzlichen Regler hängen von den benutzten Anwendungen ab, die normalerweise über eine eigenen Lautstärkeregelung verfügen. Auf dem Reiter Klangeffekte lassen sich zudem Töne für das Öffnen und Schließen von Fenstern sowie Fehlermeldungen festlegen.

Die Audio-Einstellungen bringen kein Mischpult mehr mit, dafür zusätzliche Klangeffekte.

Rechner mit Bluetooth-Adapter profitieren von einem stark überarbeiteten Gnome-Bluetooth-Framework. Damit lassen sich Dateien problemlos auf ein Handy übertragen oder von einem Mobiltelefon aus empfangen. Komplett neu im Systemabschnitt ist das Brief-Symbol. Es zeigt nicht etwa die neuen Mails an, sondern bietet den Start des Instant Messengers Empathy und der Mailprogramms Evolution zur Auswahl an. Empathy löst in dieser Ubuntu-Version das Programm Pidgin als Standard-IM-Client ab.

Für Nutzer, die öfter Screenshots machen, bringt Ubuntu 9.10 nun endlich ein eigenes Tool mit. Sie finden es unter Zubehör | Bildschirmfoto aufnehmen. Es schließt sich aber nach jedem Bildschirmfoto automatisch, sodass es als Ersatz für Ksnapshot oder Gimp noch nicht in Frage kommt.

Neues Software-Center

Neben dem weiterhin standardmäßig vorinstallierten Paketmanager Synaptic bringt Ubuntu 9.10 eine Art App-Store mit, das so genannte Software-Center. Es erleichtert vor allem Neueinsteigern die Programminstallation, da es in der Trefferliste nur Programme anzeigt, keine Bibliotheken oder devel-Pakete. Aktuell bringt das Software-Center nur gratis verfügbare Programme mit, in Zukunft möchte Canonical auch eine echte Shop-Funktion einbauen.

Das neue Software-Center fasst die Programme in 12 Gruppen zusammen und erleichtert dem Nutzer die Auswahl.

Wo sind die Icons?

Durch eine Änderung in Gnome 2.28 zeigen sehr viele Menüeinträge und Buttons keine Symbole mehr an. Laut Gnome-Projekt macht diese Änderung den Desktop übersichtlicher. Gehören Sie zu den Nutzern, die um die Symbole auf den Knöpfen und in den Menüeinträgen froh waren, dann können Sie das Verhalten von früheren Gnome-Versionen wieder herstellen. Über System | Einstellungen | Erscheinungsbild öffnen Sie den zugehörigen Dialog, ein Klick in die Checkbox Symbole in den Menüs anzeigen auf dem Reiter Oberfläche bringt die Symbole wieder zum Vorschein.

Damit auch die diversen Schaltflächen wieder zu ihren Icons kommen, müssen Sie den Gnome-Konfigurationseditor starten. Drücken Sie dazu [Alt]+[F2] und geben Sie den Befehl gconf-editor ein. Windows-Nutzern dürfte der neue Dialog bekannt vorkommen, der mit der Windows-Registry einige Gemeinsamkeiten aufweist. Wählen Sie hier Bearbeiten | Suchen und markieren Sie im Suchdialog die Checkbox Auch Schlüsselnamen durchsuchen. Geben Sie als Suchbegriff buttons ein und klicken Sie auf Suchen. Die Trefferliste sollte nun zu oberst den Eintrag

../buttos_have_icons

anzeigen. Markieren Sie die Checkbox hinter dem Eintrag und im Nu zeigen auch die Schaltflächen wieder Symbole an.

Über den Konfigurationseditor von Gnome schalten Sie die Symbole auf Buttons wieder ein.

Ab in die Cloud

Bei Ubuntu 9.10 standardmäßig mit an Bord ist der Synchronisationsdienst Ubuntu One (Abbildung ((5))). Er speichert Dateien, Adressen und Notizen automatisch zusätzlich auf einem Server von Canonical und gleicht die Daten mit dem eigenen Rechner oder mehreren ab. Das ist praktisch, wenn man zuhause mehrere Ubuntu-Systeme betreibt und zum Beispiel ein gemeinsames Adressbuch pflegen möchte. Canonical bietet für den Dienst 2 GByte Speicher gratis an, wer monatlich 10 US Dollar ausgeben möchte, erhält sogar 50 GByte freien Speicher. Neu in der aktuellen Version ist die Synchronisation von Tomboy-Notizen und des Adressbuchs.

Wer Dropbox kennt, wird sich bei Ubuntu One sogleich wie zu Hause fühlen.

An professionelle Anwender richten sich die speziellen ISO-Abbilddateien von Ubuntu 9.10 für die EC2-Cloud von Amazon beziehungsweise die Ubuntu Enterprise Cloud (UEC). Ein Teil dieser Produkte hielt schon mit Version 9.04 Einzug in die Distribution, Canonical hat den Dienst nun aber ausgebaut.

Unter der Haube

Bereits bei Version 9.04 ließ sich das neue Dateisystem Ext4 zur Installation auswählen. Damit konnte es aber unter gewissen Umständen zu Datenverlust kommen, sodass Ext3 das Standarddateisystem blieb. Mit 9.10 sind diese Fehler nun behoben und Ext4 ist das Standarddateisystem. Bei einem Update bleiben die Ext3-Partitionen erhalten, es gibt jedoch auch ein Migrationstool. Da die Migration eines bereits aktiv genutzten Dateisystems erfahrungsgemäß keine Performancevorteile bringen, empfehlen die Ubuntu-Entwickler, auf das Konvertieren des Dateisystems von Ext3 auf Ext4 zu verzichten und für Ext4 besser eine Neuinstallation vorzunehmen.

Ein größeres Update hat auch der Bootmanager Grub erfahren. Er kommt in der Version 2, die unter anderem auch Mac-OS-X-Systeme starten kann. Allerdings fehlen dem neuen Grub auch ein paar Features gegenüber der Vorgängerversion, darunter die Möglichkeit, den Bootloader per Passwort zu schützen. Bei einem Update bleibt deshalb der "alte" Grub bestehen.

Viele Nutzer hatten unter Ubuntu 9.04 mit Problemen bei Rechnern mit Intel-Grafik zu kämpfen. Diese Probleme hat Canonical mit der Umstellung des Grafikbeschleunigungsmodus "EXA" auf das aktuelle "UXA" behoben und dank Kernel 2.6.31 zugleich den Kernel-Mode-Settings-Support eingeführt. Nutzer von Rechnern mit Intel-Grafik kommen deshalb in den Genuss eines komplett flickerfreien Bootvorgangs.

Haben Sie bei der Installation den automatischen Login gewählt, dann werden Sie eine weitere Neuerung auf dem Desktop gar nicht groß bemerken: Canonical hat für diese Version den Login-Maganger gdm durch eine komplett neue Version ersetzt. GDM 2 unterstützt allerdings noch keine zusätzlichen Themes, sodass Freunde von speziellen grafischen Login-Bildschirmen mit Ubuntu 9.10 erst mal auf Themes-Unterstützung warten müssen.

Was zunächst nur nach einem neuen Theme aussieht, entpuppt sich als komplett neues Login-Programm.

Und vieles mehr

Neben diesen Änderungen hat die Distribution durch zahlreiche Versionssprünge sehr viele neue Features bekommen und fühlt sich nicht nur beim Booten sondern generell schneller an. Zudem besteht Ubuntu nicht nur aus Gnome sondern es gibt noch zahlreiche Schwesterprojekte wie Kubuntu, Xubuntu, Mythbuntu und Edubuntu, um nur die populärsten zu nennen. In jeder der genannten Versionen treffen Sie weitere interessante Neuerungen an.

P.S. Wer die neue Version mit etwas Süßem feiern möchte: für die besten Beiträge auf der LinuxCommunity gibt es weiterhin 6 Dosen Ubuntu Cola!

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Kommentare
Frage zur Benachrichtigung (Indicator Applet)
Py Coder, Mittwoch, 28. Oktober 2009 20:14:13
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Darum mag ich Gnome nicht
Ulf B., Mittwoch, 28. Oktober 2009 18:27:38
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Re: Darum mag ich Gnome nicht
stimmt so nicht (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 01:01:02
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Re: Darum mag ich Gnome nicht
Ulf B., Samstag, 31. Oktober 2009 19:29:20
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Re: Darum mag ich Gnome nicht
kaotixx (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 11:35:19
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Re: Darum mag ich Gnome nicht
fernando (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 19:35:06
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Re: Darum mag ich Gnome nicht
Kommander Keen (unangemeldet), Montag, 02. November 2009 11:01:31
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Re: Darum mag ich Gnome nicht
Ben (unangemeldet), Donnerstag, 29. Oktober 2009 11:52:50
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Wo sind die Icons?
Firestone (unangemeldet), Mittwoch, 28. Oktober 2009 17:18:33
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Hilft nur im Menü
max. (unangemeldet), Mittwoch, 28. Oktober 2009 19:44:48
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