Möchten Sie die Fotos mit Digikam herunterladen, die Musik mit Amarok verwalten oder doch lieber den Dateimanager Dolphin starten? Wie wär's mit einfach einhängen?

Solche und ähnliche Fragen stellt Ihnen Ihr Linux-System täglich, wenn Sie mit externen Speichermedien, wie USB-Sticks, CDs/DVDs oder externen Festplatten arbeiten. Unter KDE kümmert sich der Gerätemanager um diese Aufgabe. Er wertet Informationen aus, die ihm der Hardware Abstraction Layer Hal, das desktopübergreifende DeviceKit-Framework und der KDE-eigene Hardware-Dienst Solid zur Verfügung stellen.

Auf einem Standard-KDE-Desktop finden Sie die Geräteüberwachung im Systemabschnitt der Kontrollleiste. Das Symbol zeigt einen Bildschirm mit einem USB-Symbol und einer CD an.

Abbildung 1: Per Klick auf das Gerätemanager-Symbol zeigt KDE an, welche Wechseldatenträger an den Rechner angeschlossen sind.

Bewegen Sie den Mauszeiger über das Festplatten beziehungsweise CD/DVD-Symbol, blendet der Gerätemanager eine zusätzliche Informationsliste ein, die anzeigt, wie viele Aktionen für das Gerät vordefiniert sind (mehr dazu weiter unten). Per Klick auf das Steckersymbol ganz rechts, hängen Sie den Datenträger ein, ohne dass irgendwelche Aktionen ausgeführt werden. Dieses Zweiklick-Manöver dauert keine Sekunde, erspart somit doch etwas Zeit gegenüber einem Mount-Aufruf auf der Konsole.

Abbildung 2: Per Mouse-Over und einen Klick auf das Symbol ganz rechts hängen Sie den Datenträger ein.

Wissen Sie bereits, was Sie mit dem Wechseldatenträger tun möchten (zum Beispiel Fotos importieren, Musikstücke abspielen, eine CD einlesen usw.), dann klicken Sie auf den Eintrag, um sich die einzelnen Aktionen anzuzeigen. Im Unterschied zu früheren KDE-Versionen erscheint dazu kein separater Dialog mehr, sondern das komplette Handling spielt sich innerhalb des kleinen Applets und mit wenigen Mausklicks ab, was die Handhabung deutlich beschleunigt.

Abbildung 3: In KDE 4.4 ist der Auswahldialog für die einzelnen Aktionen direkt im Gerätemanager integriert.

Bei Bereits eingehängten Geräten sehen Sie zudem per Mouse-Over, wieviel freier Speicherplatz auf dem Datenträger noch vorhanden ist. Diese Information findet sich wenn auch ohne konkrete Angabe auch im Dateimanager Dolphin.

Einstellungen

Obwohl KDE 4.4 bereits in der Grundeinstellung ein paar durchaus brauchbare Einträge in der Aktionsliste führt, wäre KDE nicht KDE, wenn sich dieses Verhalten nicht personalisieren und automatisieren ließe. Per Rechtsklick auf das Gerätemanager-Symbol und der Auswahl des Eintrags Einstellungen für Geräteüberwachung öffnen Sie die Einstellungen.

In der aktuellen Beta-1-Version befinden sich einige der geplanten Features noch in einem relativ instabilen Zustand, beachten Sie diesen Hinweis, falls Sie an einem Produktivsystem sitzen und diese Anleitung nachspielen möchten. Zudem sind einige Punkte noch nicht komplett übersetzt.

Unter dem Eintrag General legen Sie fest, ob sich KDE nur um Wechseldatenträger kümmern soll oder per Klick auch die internen Festplatten und Partitionen anzeigen soll. In der Grundeinstellung verschont Sie die Geräteüberwachung mit Details zu internen Laufwerken. Zudem erhalten Sie darauf je nach HAL- und Udev-Einstellungen keinen Zugriff als Nutzer.

Über Removable Devices können Sie einzelne Vorgänge automatisieren lassen, dieses Feature funktionierte in der Version 4.3.80 unter OpenSuse 11.2 allerdings noch nicht. Theoretisch lässt sich für jeden externen Datenträger individuell festlegen, ob dieser automatisch eingebunden werden soll. Hier finden Sie auch eine Art "History" welche Geräte überhaupt jemals an Ihren Rechner angeschlossen wurden.

Abbildung 4: Ganz schön was los hier: Im Zweifelsfall sollten Sie auf ein automatisches Einhängen besser verzichten.

Unter Freigeben finden Sie einen Eintrag, der sich auf Plasma-Miniprogramme im Allgemeinen bezieht und bei dem es sich ebenfalls um eine Neuerung von KDE 4.4 handelt. Jedes Widget alias Plasmoid alias Miniprogramm lässt sich über das Netzwerk verteilen.

Aktionen

Der Menüpunk mit den interessantesten und zugleich kompliziertesten Einstellungsmöglichkeiten lautet Geräte-Aktionen. Hier legen Sie fest, welche Aktionen die Geräteüberwachung zur Auswahl anbietet. Dazu können Sie aus einem schier unüberschaubaren Regelwerk wählen, welches selbst routinierte Linux-Anwender zunächst ins Schwitzen bringt und den Anfänger beziehungsweise nur Anwender komplett überfordert. Das hängt teilweise mit den fehlenden Übersetzungen zusammen aber auch mit dem allgemeinen Aufbau. Den Dialog finden Sie auch in den KDE-Systemeinstellungen auf dem Reiter Erweitert.

Abbildung 5: Ignoriert muss gleich "false" sein. Logisch aber nicht sehr benutzerfreundlich.

KDE bringt von Haus aus ein gutes Dutzend solcher Aktionen mit. Diese lassen sich weder bearbeiten noch löschen und gehören zum KDE-Hardware-Framework Solid (kcm_solid_actions). Möchten Sie einen bereits vorhandenen Eintag dennoch ändern, müssen Sie zur Kommandozeile beziehungsweise zum Editor greifen. Sie finden die entsprechenden Dateien im Verzeichnis /usr/share/kde4/apps/solid/actions.

Möchten Sie eine von KDE nicht unterstützte Aktion hinzufügen, zum Beispiel für ein automatisches Backup oder zum Formatieren von Datenträgern, dann wählen Sie Hinzufügen und legen nun das gewünschte Regelwerk fest. Dabei können Sie die zwei in der Grundeinstellung vorhandenen Einträge über die Dropdown-Listen nach Belieben bearbeiten. Vergessen Sie nicht, danach auf Änderungen der Parameter speichern zu klicken.

Einfacher ist es allerdings, einen Eintrag aus dem Verzeichnis /usr/share/kde4/apps/solid/actions nach ~/.kde4/share/apps/solid/actions zu kopieren oder verschieben und dort per Editor entsprechend anzupassen. Ein Beispiel für einen Eintrag, der nur beim Gerät mit dem Label IAUDIO 9 zeigt Listing 1. Unter Exec= können Sie dann einen beliebigen Befehl hinterlegen oder ein Skript ausführen lassen.

[Desktop Action open]
Exec=mein-cooles-skript
Icon=akonadi
Name=LinuxCommunity
[Desktop Entry]
Actions=open;
Type=Service
X-KDE-Action-Custom=true
X-KDE-Solid-Predicate=[IS StorageVolume AND StorageVolume.label == 'IAUDIO 9']
X-SuSE-translate=true
Abbildung 6: Der Eintrag LinuxCommunity erscheint nur bei Geräten mit dem Label IAUDIO 9.

Für einige Einträge müssen Sie natürlich zunächst wissen, wie Solid diese benennt oder auswertet. Dazu rufen Sie in einem Terminal den Befehl solid-hardware list auf, notieren sich dabei die gewünschte UDI (Unique Device Identifier) und rufen solid-hardware anschließend mit der Option details und der passenden UDI auf:

solid-hardware details /org/freedesktop/Hal/devices/volume_label_IAUDIO_9

Hier sehen Sie nun Einträge, die sich für das Regelwerk nutzen lassen, zum Beispiel StorageVolume.fsType oder StorageVolume.size.

Abbildung 7: KDE besitzt eine solide Grundlage, die Sie über einzelne Hardware-Elemente informiert.

Fazit

Die neue Geräteüberwachung von KDE 4.4 lässt sich durch ein paar simple Änderungen deutlich schneller bedienen als noch unter KDE 4.3. Zudem ist es praktisch, dass sie jetzt auch eine gewöhnliche Mount-Option bietet, ohne dass man dazu zunächst eine Aktion auswählen muss. Aktionen einzurichten, die allen Nutzern gleich praktisch erscheinen, ist schwer. Umso eher müssten die Entwickler die Liste der vorgegebenen Aktionen eher noch reduzieren und dafür ein brauchbares grafisches Frontend anbieten, das sich auch ohne Studium von Solid- und HAL-Internas nutzen lässt.

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Kommentare
Danke
usbstick (unangemeldet), Donnerstag, 10. Dezember 2009 22:31:13
Ein/Ausklappen

Danke für den Artikel :-)


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