Neuerungen in KDE 4.4
| Teil 1: Der Gerätemanager | http://www.linux-community.de/artikel/20300 |
| Teil 2: Der Desktop | http://www.linux-community.de/artikel/20389 |
| Teil 3: KAuth | http://www.linux-community.de/artikel/20468 |
| Teil 4: Neue Programme | http://www.linux-community.de/artikel/20470 |
| Teil 5: Die Desktopsuche | http://www.linux-community.de/artikel/20469 |
Mitte Februar veröffentlichen die KDE-Entwickler laut Plan die neue KDE-Version alias KDE Software Compilation 4.4. Dieser Artikel stellt anhand der Beta2-Version 4.3.85 die Neuerungen auf dem Desktop vor.
Vorsicht: Beta-Software!
Dieser Artikel beschreibt die Features einer Vorabversion von KDE 4.4. Wer kaum oder keine Erfahrung bei der manuellen Installation und beim Testen von Vorabversionen hat, sollte bis zum Erscheinen der finalen Version beim stabilen KDE-Zweig 4.3.4 bleiben.
Der Standard-Desktop von KDE besteht aus zwei Komponenten: dem Fenstermanager KWin und dem Plasma-Desktop. Während sich KWin für die Fensterdekoration und die Composite-Effekte verantwortlich zeigt, kümmert sich Plasma um den Desktop, die Miniprogramme, die virtuellen Arbeitsflächen und die Aktivitäten. In der Grundeinstellung startet KDE 4.4 mit dem Plasma-Desktop. Alternativ lässt sich auch die Netbook-Version von KDE 4.4 ausprobieren. Dazu starten Sie plasma-netbook anstelle von plasma-desktop.
Die meisten Programme lassen sich am schnellsten über [Alt]+[F2] und den Programmnamen starten. Beim Druck dieser Tastenkombination wird KRunner, die KDE-Schnellstartleiste aktiv. Für Version 4.4 haben die Entwickler den KDE-Schnellstarter an den oberen Rand des Bildschirms verschoben, beim Druck von [Alt]+[F2] fährt er wie der Terminalemulator Yakuake aus und klappt sich anschließend wieder ein.
Per Klick auf das Schraubenschlüssel-Symbol am linken Rand lässt sich diese Einstellung wieder zurücksetzen. Soll der KDE-Schnellstarter weiterhin in der Mitte des Bildschirms auf Befehle warten, dann markieren Sie auf dem Reiter Benutzerschnittstelle die Option Free floating window. An der gleichen Stelle aktivieren Sie auch den mit KDE 4.1 eingeführten aufgabenorientierten Ansichtsmodus, der die Liste der verfügbaren Programme nicht nach unten ausklappt, sondern nebeneinander als Symbol anzeigt und über eine Ausklappliste. Ein Klick auf Vorschau hilft bei der Auswahl des gewünschten Ansichts- und Funktionsmodus.
Ebenfalls über das Setup-Menü richten Sie die einzelnen Module des Schnellstarters ein. So verhindern Sie zum Beispiel, dass der KRunner kürzlich benutzte Dokumente anzeigt oder schalten die Suchfunktion aus. KRunner unterstützt inzwischen derart viele Funktionen, dass sich ein Blick auf die Liste lohnt, so starten Sie über [Alt]+[F2] und die Eingabe von Wiedergabe zum Beispiel den Medienplayer Amarok.
Eine der Besonderheiten des KDE-4-Desktops besteht in den Miniprogrammen (auch Widgets oder Plasmoids genannt). Miniprogramme lassen sich auf dem Desktop oder einer Kontrollleiste platzieren, über gesonderte Aktivitäten lässt sich auch ein Dashboard im Stil von Mac OS X realisieren.
Ebenfalls bei Mac OS X haben sich die KDE-Entwickler das neue Tool zum Hinzufügen oder Entfernen von Miniprogrammen. Klicken Sie per rechte Maustaste auf einen freien Bereich des Desktops und wählen Miniprogramme hinzufügen, dann erscheint bei KDE 4.4 kein Dialog mehr in der Mitte des KDE-Fensters sondern eine Leiste mit Miniprogrammen am unteren Fensterrand.
In der Grundeinstellung ist der Reiter All Widgets aktiv. Um sich die kleinen Helfer anzuzeigen, welche gerade aktiv sind, reicht ein Klick auf Running. Aktive Miniprogramme sind zudem mit einem blauen Haken gekennzeichnet. Hinter diesen zwei Punkten befindet sich eine Liste der verschiedenen Kategorien. Am schnellsten findet man ein Miniprogramm über das Suchfeld, falls der Name bekannt ist.
Zwischen dem Suchfeld und dem Eintrag All Widgets befindet sich ein ziemlich schlecht sichtbarer Button für das Hinzufügen weiterer Plasmoiden aus dem Internet oder einer lokalen Datei.
Neben diesen optischen Änderungen sind in der neuen KDE-4-Version sämtliche Applets netzwerkfähig. So kann man zum Beispiel die CPU-Anzeige von Rechner A auf die Plasma-Oberfläche von Rechner B exportieren oder in naher Zukunft auf portable Geräte wie das N800 von Nokia oder andere Smartphones.
Für KDE 4.4 haben die Designer die Fensterdekoration des Oxygen-Themes leicht überarbeitet. Sie wirkt etwas leichter, also bei den vorangegangenen KDE-Versionen, zudem sind die Knöpfe nicht versenkt, sondern heben sich leicht vom Rahmen ab. Der Fenstertitel wird in der Grundeinstellung in der Mitte der Titelleiste angezeigt.
Für mehr Abwechslung und Spaß mit den Fensterrahmen sorgt hingegen die Fensterdeko-Engine "Aurorae". Sie stammt ursprünglich aus der KDE-Community und wird mit KDE 4.4 offiziell in das Projekt Einzug halten. Sie schalten die Engine in den Systemeinstellungen unter Erscheinungsbild | Fenster ein, indem Sie aus der Ausklappliste auf dem Reiter Fensterdekoration den Eintrag Aurorae-Design-Treiber auswählen. Über Neue Designs herunterladen holt sich die Fensterdeko weitere Themes von http://kde-look.org.
Neben diesen rein optischen Neuerungen haben die Entwickler KDE 4.4 auch ein neues Feature verpasst: Fenster lassen sich nun beliebig gruppieren, wodurch ein Feeling wie bei Tabbed Browsing entsteht. Wer somit oft den Dateimanager zusammen mit einem Editor benutzt, fügt Dolphin einfach per Rechtsklick auf die Titelleiste und den Eintrag Move window to group einem anderen Fenster hinzu. Diese Neuerung funktioniert allerdings nur mit dem Standard-Theme Oxygen, nicht mit Aurorae.
Neben diesen größeren Änderungen haben die KDE-Entwickler zahlreiche Details auf dem Desktop verbessert. So erscheint zum Beispiel das On-Screen-Menü für die Lautstärkeregelung in einem neuen Look & Feel auch das Plasma-Menü in der oberen rechten Bildschirmecke wirkt großzügiger und aufgeräumter.
An vielen Stellen bietet KDE 4.4 eine verbesserte Bedienung, da einzelne Symbole überarbeitet und auf die Usability hin überprüft wurden. Der Desktop wirkt rundum einheitlicher und besser durchdacht, sodass das Arbeiten bereits mit der Beta-Version Freude bereitet.