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Daten mit Bedeutung

Die neuen Features von KDE 4.4: Teil 5

17.02.2010 In KDE 4 hält der semantische Desktop Einzug. Über die Nepomukdienste kann der Benutzer nun flott durch seine Dateien suchen. Der semantische Desktop hat jedoch weit mehr zu bieten, als nur die Desktopsuche.

"I have a dream for the Web become capable of analyzing all the data on the Web – the content, links, and transactions between people and computers." Tim Berners-Lee, 1999

10 Jahre nachdem Tim Berners-Lee, Urvater des World Wide Web seine Vision von einer semantischen, das heißt auf Bedeutung basierenden Struktur des Web verkündete, ist davon bisher noch nicht sehr viel passiert, zumindest nicht im Web. Aber auch auf dem lokalen Computer beherrschen weiterhin traditionelle Dateisysteme die Oberfläche.

Das von der Europäischen Gemeinschaft initiierte Forschungsprojekt Nepomuk [1] setzte sich zum Ziel, die Daten des Benutzers zu vereinen. Dabei soll eine persönliche, auf für den Benutzer zugänglicheren Konzepten basierende Datenquelle dem Datenwirrwarr Struktur verleihen, und es ermöglichen, verschiedene Datenquellen, miteinander thematisch zu verlinken. Die Daten des Benutzers erhalten auf diese Weise eine zusätzliche Bedeutung (siehe Kasten "Metadaten").

Metadaten

Beim semantischen Desktop geht es um Metadaten, also Informationen, die der Datei angeheftet werden. Dies kann ein Kommentar sein, eine Bewertung oder ein Schlagwort. Metadaten beschränken sich allerdings nicht auf diese allgemeinen Attribute. Für ein digitales Photo finden Sie zum Beispiel typischerweise die Auflösung der Aufnahme, die Belichtungszeit, den Zeitpunkt der Aufnahme und vieles mehr.

Metadaten können dabei nicht nur Dateien angeheftet werden, sondern auch anderen Artefakten, wie zum Beispiel URLs, Projekte, Personen, usw. Welche Arten Ressourcen es gibt, ist dabei offen standardisiert in den auf Freedesktop.org entwickelten Ontologien [2]. In diesen Ontologien werden semantische Ressourcen definiert, und welche Metadaten für diese sinnvoll sind. Ontologien normalisieren also das Format verschiedener Ressourcen.

Ein interessanter Aspekt an Metadaten im Sinne des semantischen Desktops ist, dass man auch Ressourcen miteinander verbinden kann. So entsteht quasi ein semantisches Netz, was sich über ihre Informationen legt und den Zugriff darauf erlaubt.

Im Rahmen des Nepomuk-Forschungsprojekts wurde an einer ersten Implementation des semantischen Desktops innerhalb der KDE Software Compilation gearbeitet [3]. Schon das Release von KDE 4.0 enthielt die entsprechenden Grundlagen, für den Benutzer war allerdings noch nicht sehr viel zu holen: Die Neuerungen beschränkten sich zum größten Teil auf neue Funktionen in KDE's Entwickler-Kit.

Nepomuk in KDE 4.4

Die Achillesferse der KDE-Implementation von Nepomuk – und damit des semantischen Desktops in KDE – bildet die Performance. Nepomuk kümmert sich nicht selber um das Speichern der Daten, sondern überlässt dies einer speziell dafür entwickelten Datenbank. Mit KDE SC 4.4 liefert das Nepomuk-Team um Sebastian Trüg ein neues, auf der RDF-Datenbank Virtuoso basierendes Speicher-Backend mit. Virtuoso löst neben dem Performance-Problem auch Lizenz- und Paketierungsprobleme und ebnet den Weg, um die Technologien des semantischen Desktops weiter umzusetzen.

In den Systemeinstellungen finden Sie unter Erweitert die Einstellungen für die Desktopsuche. Hier können Sie die semantischen Funktionen einschalten. Schalten Sie den Strigi Datei-Indexer ein, dann werden auch Daten auf ihrer Festplatte indiziert. Im Reiter Datei-Indizierung finden Sie die genauen Pfade die indiziert werden.

Schaltet man die Festplattenindexierung ab, kann man weiterhin auf die Nepomuk Datenbank zugreifen, der Dateiindex steht in den den Resultaten der Desktopsuche dann allerdings nicht mehr als Datenquelle mit aktuellen Daten zur Verfügung.

Die Nepomukdienste lassen sich auch komplett abschalten. In den Applikationen, und selbstverständlich in der Plasma Arbeitsumgebung stehen dann allerdings Features wie Annotation, Bewertung und Tagging nicht mehr zur Verfügung. Da nicht alle Linux Distributionen den semantischen Desktop und damit die Suchfunktionen in der Voreinstellung einschalten, lohnt sich ein Blick in die Einstellungen.

Neu in 4.4 ist die Option, Daten auf Wechselmedien zu indizieren. So können Dokumente auf einem USB Stick automatisch gescannt werden, und stehen damit in der Desktopsuche als mögliche Resultate zur Verfügung. Diese Dateien werden dabei nur eingeblendet, wenn der entsprechende Datenträger auch verfügbar ist. Dies wird anhand eines Identifikationsstrings für das Medium bestimmt. Intern hilft hier KDEs Hardware-Framework Solid. Benutzen Sie Nepomuk für größere Datenmengen, empfiehlt es sich, in den Erweiterten Einstellungen Nepomuk etwas mehr Speicher zuzugestehen.

Das Indizieren geht recht flott, sodass es sich auch für größere Datenmengen eignet. Wie lange es genau dauert, hängt maßgeblich von der Zahl und Art der Dateien ab, die sie in den Suchindex aufnehmen wollen. Wenn der Indexer aktiv ist, finden Sie das Nepomuk-Icon im Systemabschnitt der Kontrollleiste. Es wird automatisch ausgeblendet, wenn der Indexer inaktiv ist. Über das Kontextmenü können sie den Indexer auch zeitweise deaktivieren, falls er ihnen doch mal in den Weg kommen sollte.

Abbildung 1: Einstellungen für die Desktopsuche.

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Kommentare
Netter Versuch aber das reicht nicht!
Martin Lüchem, Donnerstag, 05. August 2010 13:27:52
Ein/Ausklappen

Schön, dass hier mal etwas erklärt wird über die Desktop-Suche. Allerdings ist mir das zu ungenau!

- Warum heißt das "Desktop-Suche"? Schränkt sich das auf den Desktop ein, den es seit KDE 4 / Plasma als solches ja gar nicht mehr gibt?

- Was tun die verschiedenen beteiligten Module? Das muss man schon allein deshalb wissen, weil die Sache z.B. unter Debian Testing, KDE 4.4.5 nicht funktioniert und - was noch schlimmer ist - zu erheblichen Performance-Problemen führt. Bei mir "ideln" Nepomuk und Strigi vor sich hin, der Lüfter bläst unablässig, KMail ist langsam und instabil und ich kann keinerlei Fortschritt erkennen.

- Wie schaltet man die Module an oder ab? Es ist nur erwähnt aber weder gibt es in den Menüs die entsprechend benannten Module unter diesem Namen noch ist genaueres erklärt.

- Teilweise ist das auch fehlerhaft, was hier beschrieben wird. Ich finde z.B. keine Option "Volltextsuche". Wo ist die?

Schade! Martin


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