Friss die Pfeife

Das Spiel zum Wochenende (und zur EM): Eat the whistle

Eat the whistle orientiert sich sichtlich wie spielerisch an alten Klassikern wie Kick Off [4] oder Sensible Soccer [7]. Genau wie diese Vorbilder ist das kleine Fußballspiel auf schnelle, actionreiche Partien ausgelegt. Auf dem Bildschirm sieht man stets eine ganze Platzhälfte aus einer leicht isometrischen Perspektive, über den gezeichnete, knuddelige Figuren wetzen.

Sogar verschiedene Tag- und Nachtzeiten unterscheidet das Spiel, wobei Nachts das Flutlicht pro Spieler vier Schatten wirft.

Sogar verschiedene Tag- und Nachtzeiten unterscheidet das Spiel, wobei Nachts das Flutlicht pro Spieler vier Schatten wirft.

Standardmäßig steuert der Spieler immer den am nächsten zum Ball stehenden Mann aus seiner Mannschaft. Alternativ kann man sich auch auf einen einzigen der Spieler festlegen. In jedem Fall scheucht man seinen Alter Ego mit der Tastatur, einem Gamepad oder einen Joystick über das Spielfeld. Berücksichtigen muss man dabei unterschiedliche Bodenbeläge und Wetterbedingungen, die Eat the whistle nach dem Zufallsprinzip auswählt. So finden Partien mal auf gefrorenem Boden und mal bei strömendem Regen statt. Vor jeder Partie legt man die Aufstellung fest, an die sich alle gerade vom Computer gesteuerten Mannschaftskollegen halten. Geniale Spielzüge darf man speichern und sich später in einer Art Videothek erneut anschauen.

Vor jeder Partie legt man die Aufstellung und Spieltaktik fest.

Vor jeder Partie legt man die Aufstellung und Spieltaktik fest.

Berti Vongols und Andi Moelmer

Neben einzelnen Partien kann man auch eine komplette Weltmeisterschaft bestreiten, sich in einer fiktiven Liga an die Tabellenspitze spielen oder in einem Pokal-Turnier antreten. Welche Mannschaften an den Wettbewerben teilnehmen, legt man zu Beginn selbst fest. Dabei stehen allerdings ausschließlich diverse Nationalmannschaften zur Auswahl. Das führt zu der kuriosen Situation, dass sogar in einer Liga beispielsweise Deutschland gegen England antritt – und zwar in ihren Besetzungen von 1998. Aus rechtlichen Gründen verwendet Eat the whistle leicht abgewandelte Spielernamen, die aber durchweg ihre realen Paten wiedererkennen lassen. Als nette Dreingabe bietet das Spiel noch einen ziemlich durchgeknallten Arcade-Modus, in dem zufällig Bonusobjekte auf dem Spielfeld erscheinen und auf Wunsch sogar Comic-Figuren über den Platz laufen.

Der Arcademodus erinnert an den Klassiker Speedball II. In ihm tauchen unter anderem Bonusgegenstände auf den Platz auf, hier links oben etwa der Wirbelsturm.

Der Arcademodus erinnert an den Klassiker Speedball II. In ihm tauchen unter anderem Bonusgegenstände auf den Platz auf, hier links oben etwa der Wirbelsturm.

Antreten kann man entweder gegen den Computer oder einen realen Spieler. In letztem Fall sitzen beide Kontrahenten vor einem Bildschirm. Ein Netzwerkmodus ist zwar geplant, der sogar schon vorhandene Menüpunkt funktioniert jedoch nicht. Gleiches gilt übrigens auch für den Karrieremodus, dessen Auswahl immerhin eine entsprechende Meldung auf den Schirm bringt.

Geschichtsstunde

Die erste Fassung von Eat the whistle erschien bereits 1998 anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Frankreich – und zwar als kommerzielles Spiel für den damals schon nicht mehr populären Computer Commodore Amiga. 2002 gab der Entwickler Hurricane Studios sein Spiel unter der GNU GPLv2 frei. Gabriele Greco griff den Quellcode auf und portierte ihn unter anderem auf Linux. Seine letzte Version 3.6 stammt zwar aus dem Jahr 2008, läuft aber immer noch tadellos auf modernen Rechnern. Einige Linux-Distributionen, wie etwa Ubuntu, haben das Spiel sogar in ihre Repositories aufgenommen.

Nach einem Torschuss zeigt das Spiel eine Wiederholung.

Nach einem Torschuss zeigt das Spiel eine Wiederholung.

Findet man Eat the whistle nicht im Paketmanager, angelt man sich von der Download-Seite [2] die Datei ETW-3.6-linux-x86.package und speichert sie im eigenen Heimatverzeichnis. Auf der Festplatte angekommen, öffnet man ein Terminalfenster und setzt dort folgende Befehle ab:

chmod +x  ETW-3.6-linux-x86.package
sudo ./ ETW-3.6-linux-x86.package

Es startet jetzt ein Installationsprogramm, in dem man die erste Frage einfach mit [n] und die zweite dann mit [y] beantwortet. Die eigentliche Installation läuft dann automatisch ab. Der Befehl etw startet schließlich das Spiel.

Aufstellung

Im Hauptmenü wechselt man als Erstes in die Voreinstellungen, dort weiter zum System und betritt die Keyboard Config. Hier ändert man jetzt die standardmäßig ziemlich wirre Tastaturbelegung. Dazu klickt man eine der Spieleraktionen an und drückt dann die gewünschte neue Taste. Später im Spiel erhält einer der beiden Mitspieler die roten Tasten, der andere steuert seine Elf über die blauen. Die vorgenommenen Änderungen muss man am unteren Rand getrennt für die beide Tastenblöcke speichern.

Am Ende einer Partie rechnet Eat the whistle mit beiden Mannschaften ab.

Am Ende einer Partie rechnet Eat the whistle mit beiden Mannschaften ab.

Wieder zurück im Hauptmenü kann man dann über Spielstart eine neue Partie in Angriff nehmen. Eine Mannschaft wählt man mit einem oder mehreren Mausklicks aus. Ist ein Eintrag blau oder rot hinterlegt, steuert man die Spieler über die entsprechenden Tasten. Bei einem hellgrauen Hintergrund übernimmt der Computer und bei einem dunkelgrauen Hintergrund ist die Mannschaft aus dem Spiel. Weitere Informationen liefert die Anleitung für die erste Amiga-Version [3]. Sie gilt auch weitgehend für das aktuelle Eat the whistle.

Im Arcademodus kann man mit diesen lustigen Comic-Helden antreten. Auch sie sind leichte Abwandlung von bekannten Vorbildern.

Im Arcademodus kann man mit diesen lustigen Comic-Helden antreten. Auch sie sind leichte Abwandlung von bekannten Vorbildern.

Fazit

Das Alter des Spiels und seine Herkunft erklären die ziemlich karge Knuddelgrafik. Die Grafiker waren dennoch recht detailverliebt, was man beispielsweise in den weichen Animationen oder den stilechten Werbebannern sieht. Als angenehmer Nebeneffekt läuft Eat the whistle auf eigentlich jedem Computer. Gabriele Greco gibt als Mindestanforderung einen Pentium 200 an, wie er Ende der 90er Jahre aktuell war. An die Bedienung mit zehn Tasten muss man sich allerdings erst etwas gewöhnen. Besonders viel Spaß machen die Spiele mit beziehungsweise gegen reale Personen. Der Arcade-Modus wirkt etwas aufgesetzt, bietet aber nichtsdestotrotz etwas Abwechslung. Wem Eat the whistle nach eine paar Probepartien nicht zusagt, der sollte einen Blick auf Yoda Soccer [5] oder Bolzplatz 2006 werfen [6].

Eat the Whistle

Bezugsquelle: http://www.ggsoft.org/etw/
Entwickler: Hurricane Studios / Gabriele Greco
Lizenz: GPLv2
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.ggsoft.org/etw/

[2] Download:
http://sourceforge.net/projects/etw/files/etw-binary/3.6/

[3] Anleitung:
http://www.ggsoft.org/etw/EatTheWhistle.txt

[4] Kick Off:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kick_Off_(Computerspiel)

[5] Balla-Balla, Das Spiel zum Wochenende: Yoda Soccer, Tim Schürmann, LinuxCommunity, 19.06.2010:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Yoda-Soccer

[6] Elf Freunde, Das Spiel zum Wochenende: Bolzplatz 2006, Tim Schürmann, LinuxCommunity, 25.06.2011:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Bolzplatz-2006

[7] Sensible Soccer:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sensible_Soccer

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