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Bit.Trip Runner

Laufender Meter

Das Spiel zum Wochenende (und Pfingsten): Bit.Trip Runner

26.05.2012 In einem Geschicklichkeitsspiel von Gaijin muss man nur im richtigen Moment die richtige Taste drücken. Langweilig? Mitnichten!

Commander Video ist ein schwarzes Strichmännchen, das an einen Pong-Schläger mit Armen und Beinen erinnert. Im Spiel Bit.Trip Runner schlägt er mit viel Getöse auf einem fremden Planeten ein, rappelt sich auf und beginnt unaufhaltsam durch die futuristische Landschaft zu laufen. Vor einer Kollision mit Hindernissen kann ihn der Spieler durch einen rechtzeitigen Tastendruck bewahren. Abhängig von der gedrückten Taste springt Commander Video hoch, tritt zu oder schlittert gekonnt unter dem Hindernis hindurch.

Das Spielprinzip ist einfach: Schluchten und Hindernisse muss man überspringen, die Goldbarren aufsammeln. Die Grafik sieht in Bewegung übrigens weitaus besser aus, als die Standbilder hier vermitteln.

Kollidiert der Held mit einem Objekt oder fällt in eine Schlucht, fliegt er automatisch zurück zum Start und muss die ganze Strecke noch einmal laufen. Insgesamt hat das Strichmännchen über 50 Level zu durchqueren, die wiederum über drei Zonen verteilt sind. Jede Zone besitzt dabei ihre ganz eigene Optik und Musikuntermalung. Allen Leveln gemein ist die außergewöhnliche Pixelgrafik, die an alte Arcade-Spiele aus den 80er Jahren erinnert.

Kollidiert man wie hier mit einem Hindernis, heißt es zurück zum Start. Das ist besonders frustrierend, wenn man schon fast am Ziel war.

Goldrausch

In jedem Level liegen zahlreiche Goldbarren herum, die eingesammelt das Punktekonto des Spielers nach oben treiben. Den Wert eines Barrens erhöhen vier im Level verteilte Kreuze. Je mehr Kreuze man erwischt, desto mehr Punkte wandern für einen Goldklumpen auf das eigene Konto. Darüber hinaus bringt jedes Kreuz selbst noch einmal einen netten Batzen Bonus-Punkte ein.

Manche Hindernisse, wie diese lilafarbene Pflanze, muss man zertreten.

Konnte man sämtliche ausgelegten Barren auflesen, darf man einen Bonus-Level durchlaufen. Der erinnert grafisch an das Spiel Pitfall [2] und ist mit extrem vielen Goldbarren bestückt. Im jeweils letzten Level einer Zone wartet schließlich noch ein „Boss-Kampf“ auf Commander Video.

Die Bonus-Level erwecken den Eindruck eines uralten Arcadespiels und verlangen höchste Konzentration.

Für jeden Level führt das Spiel eine eigene Highscore-Liste. Um den dortigen Bestwert zu übertreffen, darf man einen einmal durchlaufenen Level jederzeit erneut in Angriff nehmen. Ziel ist es schließlich, in jeder Highscore-Liste mit den jeweils maximal möglichen Punkten zu stehen. Dazu braucht es aber gerade in den späteren Leveln eine perfekte Lauftechnik.

In den Leveln läuft man auch immer wieder an riesigen Monstern vorbei – oder schlittert wie in diesem Fall unter ihnen durch.

Bit.Trip Runner gewann 2011 auf dem Independent Games Festival (IGF) einen Preis für seine außergewöhnliche Grafik. Die Linux-Fassung war zunächst nur für kurze Zeit im Rahmen einer Humble-Bundle-Sonderaktion zu haben [3]. Mittlerweile kann man das Spiel für knapp 4 Dollar auf seiner Homepage [1] oder im Ubuntu Software-Center erwerben. Eine Testversion stellt der Entwickler leider nicht bereit, nur ein Video auf der Homepage vermittelt einen ersten Eindruck. Ersatzweise kann man einen Blick auf das kostenlose Browserspiel Canabalt werfen, das auf das exakt gleiche Spielprinzip setzt [4].

Fazit

Eigentlich sollte man die Finger von Bit.Trip Runner lassen: Das Spiel macht hochgradig süchtig und dürfte mittlerweile für den Tod zahlreicher Tastaturen verantwortlich sein.

Es ist schier unglaublich mit welch einfachen Mitteln Bit.Trip Runner an den Bildschirm fesselt. Das Spielprinzip ist schnell durchschaut, die Bedienung sofort erlernt. Über den Monitor huschen grandiose, abwechslungsreiche Landschaften in stimmungsvoller 3D-Retro-Optik. Einfach genial ist die Geräusch- und Musikuntermalung, die sich dynamisch den Aktionen des Spielers anpasst. So erklingt beispielsweise mit jedem aufgesammelten Kreuz eine noch motivierendere Hintergrundmelodie.

Mit jedem eingesammelten Kreuz zieht der Held einen immer imposanteren Schweif hinter sich her.

Der Schwierigkeitsgrad zieht in einem gerade noch erträglichen Maße an. Da Commander Video recht schnell rennt, bleibt durchweg nur wenig Zeit zu reagieren. Das gilt insbesondere dann, wenn mehrere Hindernisse dicht aufeinanderfolgen. Man kommt daher eigentlich nicht umhin, jede Rennstrecke auswendig zu lernen, im ersten Anlauf schafft man kaum eine von ihnen. Das führt wiederum teilweise zu Frust, den man häufig unbewusst an der Tastatur auslässt.

Viele Spieler hassen solche Treppenstufen wie die Pest.

Sein Geld ist Bit.Trip Runner dennoch mehr als wert. Wer Geschicklichkeitsspiele oder alte Arcadespiele liebt, sollte blind zugreifen, sich gleich auch noch das nächste Wochenende freinehmen und sicherheitshalber eine Ersatztastatur bereitlegen.

Bit.Trip Runner

Bezugsquelle: http://bittripgame.com/
Entwickler: Gaijin Games
Lizenz: Kommerziell
Preis: 3,99 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://bittripgame.com

[2] Wikipedia-Eintrag zu Pitfall:
http://en.wikipedia.org/wiki/Pitfall!

[3] Humble Bundle:
http://www.humblebundle.com

[4] Canabalt:
http://www.canabalt.com

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter http://www.tim-schuermann.de.


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