Schicker Schießsport

Warsow ist ein klassischer Ego-Shooter, der komplett auf Mehrspielerpartien ausgelegt ist. Die Optik orientiert sich deutlich am kommerziellen Konkurrenten Unreal Tournament, die Spielergrafiken wirken Dank Cell-Shading-Technik wie aus einem Comic.

Bei einem Angriff sollte einem besser nicht wie hier nicht die Munition ausgehen.

Die üblichen Verdächtigen

Zu Beginn einer neuen Partie sucht man sich eine Arena und einen Spielmodus aus. Die angebotenen Modi dürften Actionspielern überwiegend bekannt vorkommen: So muss man etwa im obligatorischen Deathmatch innerhalb einer vorgegebenen Zeit so viele Gegner wie möglich eliminieren, in Capture The Flag dem gegnerischen Team eine Flagge stibitzen oder bei Team Domination mehrere Kontrollpunkte eine vorgegebene Zeit lang unter seiner Kontrolle halten. Wer den Nervenkitzel liebt, kann den Instagib-Modus wählen. In ihm besitzt jeder Spieler nur eine einzige Waffe, mit der jeder Treffer tödlich endet.

Mit der Flagge des roten Teams auf dem Rücken sollte man sich besser nicht in Gefechte verwickeln lassen.

Neben diesen klassischen Spielmodi führt Warsow auch ein paar neue ein. So muss man im Race möglichst schnell einen Parcours durchlaufen beziehungsweise durchspringen. Bei Bomb & Defuse bringt zunächst ein Team in der Arena eine Bombe an, die dann wiederum das andere Team zu entschärfen versucht. Headhunt ähnelt schließlich dem klassischen Fangen: Der erste tödlich getroffene Spieler wird zum Gejagten, den dann wiederum alle anderen Spieler zu treffen versuchen.

Beim spaßigen Bomb & Defuse muss ein Auserwählter des ersten Teams eine Bombe platzieren, ...

Sportgeräte

In Warsow kann jeder Spieler mehrere verschiedene Spezialsprünge ausführen. Dazu zählen beispielsweise Mehrfachsprünge oder Sprünge gegen Wände (Wall Dodge). Sie helfen vor allem höhere Plattformen zu erreichen oder einen weiten Abgrund zu überwinden. Durch den geschickten Einsatz der eigenen Waffe kann man sich besonders hoch katapultieren – oder einen Großteil seiner Gesundheitspunkte einbüßen.

... die dann das zweite Team rechtzeitig entschärfen muss.

Der Angriff erfolgt mit den im Genre üblichen Schießeisen: Maschinenpistole, Plasma-Gun und ein Granatwerfer sind ebenso im Programm wie ein Lasergewehr. Neben passender Munition liegen in den Arenen ansonsten nur noch Gegenstände, die entweder die eigene Rüstung verbessern oder im Kampf eingebüßte Gesundheitspunkte wieder auffüllen. Lediglich zwei Bonusobjekte spendieren die Entwickler: Eine eingesammelte Warshock-Kiste verstärkt den durch die eigene Waffe angerichteten Schaden, während mit der Warshell ein paar Sekunden lang gegnerische Treffer weniger Gesundheitspunkte kosten.

Die Arenen sind mit ihren vielen Plattformen an die Spezialsprünge angepasst.

Freundliche Feinde

Warsow spielt man normalerweise gegen reale Mitspieler über das Internet oder im lokalen Netzwerk. Bereits nach dem Start erscheint eine Liste mit allen derzeit im Internet angebotenen Partien. Einzelspieler dürfen immerhin mit Computergegnern (den Bots) trainieren.

Die Warsow-Entwickler denken zudem stark an ihre Spielergemeinde, die Community. Wer sich auf der Homepage registriert, kann seine Erfolge mit denen von anderen Spielern vergleichen. Partien beziehungsweise E-Sport-Veranstaltungen lassen sich als Video aufzeichnen oder mit einer Warsow TV genannten Technik als Live-Stream über das Netzwerk beobachten.

Im Race-Modus gilt es diesen Parcour möglichst schnell zu absolvieren.

Warsow ist zudem in weiten Bereichen leicht veränderbar und gut dokumentiert. Dies nutzen viele Fans und liefern unter anderem neue Spielmodi oder weitere Arenen. Was man zum eigenen Kartenbau benötigt, verrät das Warsow-Wiki, das auch eine ausführliche Anleitung für das Spiel bereithält [2]. Die besten von Fans erstellten Arenen stehen übrigens auf der Warsow-Homepage als Community map pack zum Download bereit.

Neuland

Die meisten größeren Distributionen halten Warsow in ihren Repositories vor, meist aber noch in älteren Versionen. Ein fertiges Paket von Warsow 1.0 gibt es derzeit nur für Ubuntu 12.04. Man kann es sich von der Warsow-Homepage angeln, indem man ein Terminal-Fenster öffnet und folgende Befehle eintippt:

wget -O warsow_1.0_unified.tar.gz http://www.warsow.net/download?dl=linux
tar zxvf warsow_1.0_unified.tar.gz
cd warsow_1.0
wget -O warsow_1.0_ubuntu12.04.tar.gz http://www.warsow.net/download?dl=precisebins
tar zxvf warsow_1.0_ubuntu12.04.tar.gz

Das Spiel startet jetzt per ./warsow. Der Weg über den Download-Bereich der Warsow-Homepage (wo man unter Download Warsow 1.0 for den Punkt Ubuntu 12.04 (.deb) einstellt) führt im Moment nur zu Paketen für ältere Warsow-Versionen.

Dieser gelbe Gegenstand frischt die Gesundheit wieder auf.

Für ein erstes schnelles Einzelspieler-Turnier aktiviert man im Hauptmenü auf dem Register Game den Punkt Local game, entscheidet sich unter Gametype für einen Spielmodus, stellt unter Number of bots die Anzahl der Computergegner ein, wählt eine Arena (Map) und klickt am unteren Rand der Liste auf Start. Welche Arena für welchen Spielmodus geeignet ist, verrät das vorangestellte Kürzel. wdm steht beispielsweise für Deathmatch. Die Steuerung erfolgt auf die klassische Weise via Maus und [w],[a],[s],[d]. Über die restliche Tastenbelegung klärt die entsprechende Wiki-Seite auf [3].

Warsow bietet viele skurile (Comic-)Figuren, wie etwa dieses Schwein.

Fazit

Vor allem durch die Spezialsprünge erreicht Warsow ein extrem hohes Spieltempo. Gleichzeitig dauert es aber auch eine Weile, bis man alle Bewegungen beherrscht und gewinnbringend einsetzen kann. Davon abgesehen ist Warsow ein solider Mehrspielershooter ohne Ecken und Kanten. Die Arenen sind allesamt ausgewogen, abwechslungsreich und durchdacht entworfen. Die gegenüber der Konkurrenz neuen Spielmodi sind pfiffig und machen Spaß.

Die Grafik ist für ein kostenloses Spiel auf einem sehr hohen Niveau, wenngleich sie mit kommerziellen Konkurrenztiteln nicht mithalten kann. Apropos Grafik: Warsow verzichtet im Gegensatz zu vielen anderen Shootern auf Pixelblut und herumfliegende Körperteile. Erstaunlicherweise bemerkt man das erst, wenn man explizit darauf achtet beziehungsweise sich über die umherfliegenden Tetris-Bauklötze wundert.

Segnet ein Gegner das Zeitliche, zerfällt er in viele lustige kleine Tetris-Bausteine.

Mit den vielen Community-Funktionen richtet sich Warsow deutlich an E-Sports- und Vielspieler – also Kenner des Genres. Das merkt man vor allem an vielen kleinen Details: So darf man etwa die Anzeigen (die Elemente des HUD) frei auf dem Bildschirm anordnen. Wer 3D-Multiplayer-Shooter mag und Warsow widererwartend noch nicht kennt, sollte das Spiel umgehend installieren.

Warsow

Bezugsquelle: http://www.warsow.net/
Entwickler: Chasseur De Bots
Lizenz: Programmcode: GPL, Grafiken und andere Medien: Warsow Content License
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.warsow.net

[2] Warsow-Wiki:
http://oldsite.warsow.net/wiki/

[3] Hinweise zur Steuerung im Warsow-Wiki:
http://oldsite.warsow.net/wiki/index.php?title=Movement

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