UFO: Alien Invation ist ein komplexes Strategiespiel, das rundenbasiert abläuft – für die heutige Zeit ein eher seltenes und ungewöhnliches Spielprinzip. Ähnlich wie beim Schach zieht man auf einem taktisch anspruchsvollen Schlachtfeld seine Figuren. Jede von ihnen kann pro Runde nur eine bestimmte Anzahl an Aktionen ausführen. Hat der Spieler alle Züge vorgenommen, ist der Gegner an der Reihe.
Die Hintergrundgeschichte von UFO: Alien Invasion ist schnell erzählt: Außerirdische wollen wieder einmal die Welt erobern, was der Spieler selbstverständlich zu verhindern versucht. Bevor es jedoch soweit ist, gilt es zunächst auf einer Weltkarte den Standort des neuen Hauptquartiers festzulegen. Anschließend rekrutiert man Söldner, kauft ihnen möglichst passendes Schießgerät und gibt den Bau von Flugzeugen in Auftrag. Letztere sind für das Spiel essentiell, da man nur mit ihnen die verschiedenen Einsatzorte auf der Welt erreicht.
Dummerweise passen in solch ein Luftschiff nur eine begrenzte Anzahl Rekruten, die auch noch unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Man muss daher zwangsweise abwägen, welche Personen man mit an Bord und somit in den nächsten Einsatz nimmt. Die Heimatbasis bleibt jedoch nicht verwaist zurück: Dort tüfteln Forscher an besseren Waffensystemen und anderem netten Spielzeug, in der Krankenstation kurieren sich verwundete Soldaten aus. Dabei gilt es, die stets zu knappen Finanzmittel im Auge zu behalten.
Trotz des eigentlich recht simplen Spielprinzips erweist sich UFO: Alien Invasion als äußerst komplex. Jeder angeworbene Soldat hat seine individuellen Eigenheiten und Fähigkeiten, gleiches gilt für die ebenso vielfältigen Ausrüstungsgegenstände. Die getroffenen Entscheidungen wirken sich dabei auf die spätere Angriffsstrategie und den Erfolg auf die Mission aus: Einem Nahkämpfer sollte man beispielsweise tunlichst kein Scharfschützengewehr in die Hand drücken.
Die Entscheidungen erleichtern zahlreiche Informationsbildschirme. Bis man sich in die kredenzten Tabellen, Ziffern und Daten eingearbeitet hat, vergeht allerdings so manche Stunde. Einsteiger dürfen zwar im umfangreichen, ziemlich technischen und etwas unübersichtlichen Wiki auf der Homepage wühlen, auf ein Tutorial, das langsam in die Bedienung einführt, muss man jedoch verzichten.
Dafür gibt es eine zusammenhängende Kampagne und keine lieblos hingeworfenen Level. Wer die dahinter stehende, gut erzählte Geschichte verfolgen möchte, muss sich allerdings durch zahlreiche und teilweise recht lange Textmengen wühlen, Zwischensequenzen gibt es nicht.
Technisch basiert UFO: Alien Invasion auf der mittlerweile veralteten Quake II-Engine, die ursprünglich für Ego-Shooter entwickelt wurde. Die von ihr produzierten 3D-Grafiken sind zwar durchweg nett anzusehen, aber Detailarm und kantig. Dafür gefällt die stimmige Musikuntermalung. Neben der auf Einzelspieler zugeschnittenen Kampagne darf man auch im Netzwerk oder über das Internet mit bis zu sechs Freunden die Waffen zücken. Dabei hat man die Wahl entweder gegeneinander oder gemeinsam auf einer Seite zu kämpfen.
Die Inbetriebnahme von UFO: Alien Invation gleicht einem kleinen Hürdenlauf, der irgendwie nicht enden will. Da die Entwickler noch nicht einmal ein Quellcode-Archiv bereitstellen, muss man sich zunächst die aktuelle Version aus dem SVN-Repository saugen:
svn co https://ufoai.svn.sourceforge.net/svnroot/ufoai/ufoai/branches/ufoai_2.2 ufoai_2.2
Wer mutig ist, darf sich auch alternativ die aktuelle Entwicklerversion schnappen:
svn co https://ufoai.svn.sourceforge.net/svnroot/ufoai/ufoai/trunk ufoai
Als nächstes installiert man die Bibliotheken SDL, SDL_ttf, SDL_mixer, zlib, libcurl, libpng, libjpeg6 und libvorbis, jeweils einschließlich ihrer Entwicklerpakete. Hinzu gesellen sich noch die Werkzeuge make und g++. Damit stößt man im UFO-Verzeichnis die Übersetzung an:
./configure make
Ein nachgeschobenes
make lang
bringt dem Spiel Deutsch bei. Abschließend muss man noch die Karten generieren lassen:
make maps
Dieser letzte Schritt dauert selbst auf flotten Rechnern bis zu einem Tag, mindestens jedoch mehrere Stunden (Sie lesen richtig: bis zu einem ganzen Tag). Es bietet sich daher an, diese Aktion im Hintergrund vor sich hin laufen zu lassen.
Anschließend startet man UFO: Alien Invasion via
./ufo
Ein make install ist nicht notwendig.
UFO: Alien Invasion ist etwas für Tüftler und Taktiker, die auch vor vielen Textbildschirmen und Tabellen nicht zurückschrecken. Hat man sich einmal mit dem Spielprinzip vertraut gemacht, verbringt man schnell Stunden im Kampf gegen die Außerirdischen. Wer „Incubation“ oder die X-COM-Reihe mochte, muss UFO: Alien Invasion ausprobieren.
Bezugsquelle: http://ufoai.sourceforge.net
Lizenz: GPL v2
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Beschleunigung, viel Zeit