Jagd auf E.T.

Das Spiel zum Wochenende: UFO: Alien Invasion

Das Spiel zum Wochenende: UFO: Alien Invasion

24.10.2009
Liebhaber des alten Strategiespielklassikers X-COM dürfen sich freuen, denn mit UFO: Alien Invasion steht schon seit längerer Zeit ein viel versprechender Open-Source-Klon als Alternative bereit.

UFO: Alien Invation ist ein komplexes Strategiespiel, das rundenbasiert abläuft – für die heutige Zeit ein eher seltenes und ungewöhnliches Spielprinzip. Ähnlich wie beim Schach zieht man auf einem taktisch anspruchsvollen Schlachtfeld seine Figuren. Jede von ihnen kann pro Runde nur eine bestimmte Anzahl an Aktionen ausführen. Hat der Spieler alle Züge vorgenommen, ist der Gegner an der Reihe.

Gutes von Gestern

Die Hintergrundgeschichte von UFO: Alien Invasion ist schnell erzählt: Außerirdische wollen wieder einmal die Welt erobern, was der Spieler selbstverständlich zu verhindern versucht. Bevor es jedoch soweit ist, gilt es zunächst auf einer Weltkarte den Standort des neuen Hauptquartiers festzulegen. Anschließend rekrutiert man Söldner, kauft ihnen möglichst passendes Schießgerät und gibt den Bau von Flugzeugen in Auftrag. Letztere sind für das Spiel essentiell, da man nur mit ihnen die verschiedenen Einsatzorte auf der Welt erreicht.

Die erste Heimatbasis wurde in Europa gebaut, anschließend die Zeit über die Leiste am oberen Rand beschleunigt, bis der erste Angriff der Außerirdischen (das rote Kreuz) gemeldet wurde.

Dummerweise passen in solch ein Luftschiff nur eine begrenzte Anzahl Rekruten, die auch noch unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Man muss daher zwangsweise abwägen, welche Personen man mit an Bord und somit in den nächsten Einsatz nimmt. Die Heimatbasis bleibt jedoch nicht verwaist zurück: Dort tüfteln Forscher an besseren Waffensystemen und anderem netten Spielzeug, in der Krankenstation kurieren sich verwundete Soldaten aus. Dabei gilt es, die stets zu knappen Finanzmittel im Auge zu behalten.

Jeder Soldat verfügt über seine eigenen Fähigkeiten, die man bei der Umsetzung seiner Strategie entsprechend berücksichtigen muss.

Individuelle Textwüsten

Trotz des eigentlich recht simplen Spielprinzips erweist sich UFO: Alien Invasion als äußerst komplex. Jeder angeworbene Soldat hat seine individuellen Eigenheiten und Fähigkeiten, gleiches gilt für die ebenso vielfältigen Ausrüstungsgegenstände. Die getroffenen Entscheidungen wirken sich dabei auf die spätere Angriffsstrategie und den Erfolg auf die Mission aus: Einem Nahkämpfer sollte man beispielsweise tunlichst kein Scharfschützengewehr in die Hand drücken.

Die Heimatbasis darf man im weiteren Spielverlauf weiter ausbauen und beispielsweise um eine Krankenstation erweitern.

Die Entscheidungen erleichtern zahlreiche Informationsbildschirme. Bis man sich in die kredenzten Tabellen, Ziffern und Daten eingearbeitet hat, vergeht allerdings so manche Stunde. Einsteiger dürfen zwar im umfangreichen, ziemlich technischen und etwas unübersichtlichen Wiki auf der Homepage wühlen, auf ein Tutorial, das langsam in die Bedienung einführt, muss man jedoch verzichten.

Dafür gibt es eine zusammenhängende Kampagne und keine lieblos hingeworfenen Level. Wer die dahinter stehende, gut erzählte Geschichte verfolgen möchte, muss sich allerdings durch zahlreiche und teilweise recht lange Textmengen wühlen, Zwischensequenzen gibt es nicht.

Missbrauchte Dampfmaschine

Technisch basiert UFO: Alien Invasion auf der mittlerweile veralteten Quake II-Engine, die ursprünglich für Ego-Shooter entwickelt wurde. Die von ihr produzierten 3D-Grafiken sind zwar durchweg nett anzusehen, aber Detailarm und kantig. Dafür gefällt die stimmige Musikuntermalung. Neben der auf Einzelspieler zugeschnittenen Kampagne darf man auch im Netzwerk oder über das Internet mit bis zu sechs Freunden die Waffen zücken. Dabei hat man die Wahl entweder gegeneinander oder gemeinsam auf einer Seite zu kämpfen.

Nach der Landung im Einsatzgebiet gilt es, die Soldaten taktisch klug einzusetzen.

Installation

Die Inbetriebnahme von UFO: Alien Invation gleicht einem kleinen Hürdenlauf, der irgendwie nicht enden will. Da die Entwickler noch nicht einmal ein Quellcode-Archiv bereitstellen, muss man sich zunächst die aktuelle Version aus dem SVN-Repository saugen:

svn co https://ufoai.svn.sourceforge.net/svnroot/ufoai/ufoai/branches/ufoai_2.2 ufoai_2.2

Wer mutig ist, darf sich auch alternativ die aktuelle Entwicklerversion schnappen:

svn co https://ufoai.svn.sourceforge.net/svnroot/ufoai/ufoai/trunk ufoai

Als nächstes installiert man die Bibliotheken SDL, SDL_ttf, SDL_mixer, zlib, libcurl, libpng, libjpeg6 und libvorbis, jeweils einschließlich ihrer Entwicklerpakete. Hinzu gesellen sich noch die Werkzeuge make und g++. Damit stößt man im UFO-Verzeichnis die Übersetzung an:

./configure
make

Ein nachgeschobenes

make lang

bringt dem Spiel Deutsch bei. Abschließend muss man noch die Karten generieren lassen:

make maps

Dieser letzte Schritt dauert selbst auf flotten Rechnern bis zu einem Tag, mindestens jedoch mehrere Stunden (Sie lesen richtig: bis zu einem ganzen Tag). Es bietet sich daher an, diese Aktion im Hintergrund vor sich hin laufen zu lassen.

Anschließend startet man UFO: Alien Invasion via

./ufo

Ein make install ist nicht notwendig.

Fazit

UFO: Alien Invasion ist etwas für Tüftler und Taktiker, die auch vor vielen Textbildschirmen und Tabellen nicht zurückschrecken. Hat man sich einmal mit dem Spielprinzip vertraut gemacht, verbringt man schnell Stunden im Kampf gegen die Außerirdischen. Wer „Incubation“ oder die X-COM-Reihe mochte, muss UFO: Alien Invasion ausprobieren.

Bezugsquelle: http://ufoai.sourceforge.net
Lizenz: GPL v2
Preis: kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Beschleunigung, viel Zeit

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Kommentare
Tolles Spiel
xX--Xx (unangemeldet), Dienstag, 10. November 2009 12:20:02
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Geniales Spiel nur leider habe ich bis heute noch nicht verstanden wie man die Flugzeuge ausrüsten kann
:-(


Bewertung: 150 Punkte bei 12 Stimmen.
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Binaries für Debian & Ubuntu ?
Anonymous (unangemeldet), Sonntag, 25. Oktober 2009 12:29:56
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Ich hab's nicht ausprobiert, aber angeblich gibt's bereits fertig gebaute binaries für debian und ubuntu. Allerdings aus inoffiziellen Paketquellen.

http://wiki.spielen-unter-l.../index.php/UFO:_Alien_Invasion

Hat die jemand versucht ?



Bewertung: 124 Punkte bei 16 Stimmen.
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Maps compilieren
Martin Gerhardy (unangemeldet), Sonntag, 25. Oktober 2009 09:31:09
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Ach.. und bevor ich das vergesse. Es gibt bei sf.net auch nen Maparchiv für die Version 2.2.1. Für die trunk-Version (die ich empfehle zu benutzen) gibt es ein python Script in contrib/scripts namens map-get - das erspart euch die Warterei. Außerdem ein "make maps -j 4" baut die Maps in weniger als 30 Minuten auf meinem Rechner.

Last but not least: Vielen Dank für das Review an den Autor ;)


Bewertung: 139 Punkte bei 17 Stimmen.
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Re: Maps compilieren
Tim Schürmann, Sonntag, 25. Oktober 2009 11:03:13
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Danke für die Hinweise und das Lob.

Das "make maps -j 4" setzt allerdings einen Mehrkernrechner voraus. Vielleicht mal zum Vergleich: Auf meinem (zugegebenermaßen schon etwas älteren) Core 2 Duo mit zwei (echten) Kernen hat das Erstellen der Maps tatsächlich einen ganzen Tag gedauert. :)


Bewertung: 114 Punkte bei 22 Stimmen.
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Kein Quellcode Archiv?
Martin Gerhardy (unangemeldet), Sonntag, 25. Oktober 2009 09:27:03
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Hier ist das Archiv:

https://sourceforge.net/pro...-2.2.1-source.tar.bz2/download


Bewertung: 170 Punkte bei 17 Stimmen.
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