Das Baukasten-Massaker

Niall Moody hat nicht nur ziemlich abgedrehte Ideen, sondern nimmt auch gerne an Programmierwettbewerben teil. Das Ergebnis einer über zwei Jahre alten TIG Source Assemblee Competition [2] ist das kleine aber feine Tile Massacre SHMUP. Es kombiniert zwei eigentlich eigenständige Spiele zu einem neuen. Das entstehende Spielprinzip selbst ist dennoch recht simpel: Zunächst bastelt man sich aus vorgefertigten Blöcken einen Level zusammen, in dem man dann anschließend möglichst schnell vor Skeletten flüchten muss.

Das abgeschossene Rechteck wandert an die gelb erleuchtete Position.

Gezielte Treffer

Ähnlich wie bei Tetris fallen im ersten Spielteil vom oberen Bildschirmrand Blöcke herab. Sobald der Spieler mit seinem kleinen Raumschiff einen Block abschießt, baut das Spiel diesen Block an der gerade gelb markierten Stelle des Spielfeldes ein. Auf diese Weise zimmert man nach und nach den kompletten Level zusammen. Für jeden abgeschossenen Block gibt es zudem Punkte. Wer exakt die im Hintergrund angedeutete Vorlage nachbaut, bekommt dafür einen kleinen Bonus.

Einige der Blöcke sind bereits fest vorgegeben. Wie die Totenköpfe auf ihnen andeuten, spucken sie später im zweiten Spielteil ohne Unterlass Skelette aus. Man kann also auch auf die Vorlage respektive den Bonus pfeifen und stattdessen die Totenkopffelder einmauern. Die Bastelarbeit ist allerdings nicht ganz ungefährlich: Jede Kollision des Raumschiffs mit einem Block kostet eines von insgesamt drei Leben. Sind die aufgebraucht, ist das Spiel zu Ende.

Im zusammengeschossenen Level muss dann der Rotschopf (hier links unten) nach oben an den Bildschirmrand um Pfeil.

100-Meter-Sprint

Sobald der Level komplett ist, betritt ein kleines rothaariges Männchen die Szene. Mit ihm muss der Spieler einfach nur so schnell wie möglich zu den Pfeilen am oberen Bildschirmrand laufen. Dummerweise versuchen das die angesprochenen Skelette zu verhindern. Jede Berührung mit ihnen kostet wieder ein Spielerleben. Glücklicherweise kann das namenlose Männchen mit gezielten Schüssen die Skelette ins Jenseits befördern – bei der langsam wachsenden Armee allerdings kein einfaches Unterfangen. Auch für den Abschuss eines Skeletts gibt es Punkte, bei besonders schwierigen Leveln sogar mehr als üblich.

Wer einfach nur stupide drauflosballert ...

Wie schwierig der Durchmarsch letztendlich ist, hängt maßgeblich davon ab, wie man zuvor im ersten Teil den Level zusammengebaut hat. Wer nicht aufpasst, kann das Männchen sogar am unteren Rand einmauern – damit ist dann das Spiel ebenfalls beendet. Erfreulicherweise stürzen die meisten Mauern bei Dauerbeschuss irgendwann ein. Im ersten Teil gelb umrandete Blöcke tragen sogar einen Bonusgegenstand in sich. Wer beispielsweise die Wand mit dem Kistensymbol einreißt und dann die zurückgelassene Kiste aufsammelt, darf sich kurzzeitig über stärkere Schüsse freuen.

Hat man das Männchen zum oberen Bildschirmrand bugsiert, beginnt alles wieder von vorne: Man schießt sich einen neuen Level zusammen und durchquert ihn. Ziel ist es letztendlich, dabei möglichst viele Punkte zu sammeln. Besonders gute Schützen dürften sich in einer Highscore-Liste verewigen.

... muss sich später durch einen chaotischen Level kämpfen.

Bauhaus

Tile Massacre SHMUP liegt nur im Quellcode vor, man muss folglich erst noch das Spiel erstellen. Das ist jedoch schnell erledigt: Zunächst installiert man über den Paketmanager den C++-Compiler und Libtool sowie die Entwicklerpakete zu den Bibliotheken SDL, SDL_image, PortAudio (v19), Vorbisfile und GLEW. Unter Ubuntu 12.04 erledigt das auf der Kommandozeile der Befehl:

sudo apt-get install libsdl1.2-dev libsdl-image1.2-dev portaudio19-dev libvorbis-dev libglew1.6-dev g++ libtool

Anschließend lädt man sich unter [1] das Linux-Archiv herunter, entpackt es, wechselt in einem Terminalfenster in das entstandene Verzeichnis und ruft dort:

./configure
make
sudo make install

auf.

Die gelb umrandeten Blöcke ...

Das Spiel startet man dann via TileMassacreSHMUP. Ein neues Spiel beginnt ein Druck auf [z]. Mit dieser Taste feuert man auch einen Schuss ab, während die Pfeiltasten das Raumschiff beziehungsweise das Männchen steuern. Per [Esc] gelangt man jederzeit wieder zum Startbildschirm zurück beziehungsweise verlässt von dort das Spiel.

... geben später unter anderem Bonusleben her, wenn man sie mit etwas Geduld wegschießt.

Fazit

Unglaublich, auf welche Ideen Niall Moody kommt. Seine Werke Caverns of Light, Neonlights und Die, you Stupid Hurdlers waren bereits Spiele zum Wochenende [3], [4], [5]. Ähnlich abgedreht ist auch Tile Massacre SHMUP. Die Grafik reißt zwar keinen vom Hocker und die Musik zerrt extrem an die Nerven, doch das Spiel macht einfach Spaß. Es motiviert ungemein, selbst einen perfekten Level zusammenzuschießen und in diesem dann den Skeletten eine lange Nase zu zeigen. Tile Massacre SHMUP ist somit der ideale Pausenfüller für alle Baller-, Bastel- und Tetrisfreunde.

Tile Massacre SHMUP

Bezugsquelle: http://www.niallmoody.com/games/tile-massacre-shmup
Entwickler: Niall Moody
Lizenz: GNU GPLv3
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://www.niallmoody.com/games/tile-massacre-shmup

[2] TIG Source Assemblee:
http://forums.tigsource.com/index.php?topic=9722.0

[3] Es werde Licht!, Das Spiel zum Wochenende: Caverns of Light, Tim Schürmann, LinuxCommunity:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Caverns-of-Light

[4] Bunte Fingerfolter, Das Spiel zum Wochenende: NeonLights, Tim Schürmann, LinuxCommunity:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-NeonLights

[5] Sterbt, ihr dummen Hürdenläufer!, Das Spiel zum Wochenende: Die, you Stupid Hurdlers!, Tim Schürmann, LinuxCommunity:
http://www.linux-community.de/Internal/Artikel/Online-Artikel/Das-Spiel-zum-Wochenende-Die-you-Stupid-Hurdlers

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