Das Spiel zum Wochenende: The Pawn Remastered

Das Spiel zum Wochenende: The Pawn Remastered

Erschwerte Ausreise

08.07.2017
Bis Ende der 1980er Jahre stand der Entwickler Magnetic Scrolls für hochwertige Adventures mit bombastischer Grafik. Einer der Gründer reanimiert jetzt nach und nach die alten Klassiker. Den Anfang macht das erste und für viele Fans schönste Magnetic-Scrolls-Adventure.

Da möchte man einfach nur seinen wöchentlichen Supermarkteinkauf nach Hause bringen und schon wird man von einem älteren Herrn mit Brille und weißem Rauschebart niedergeschlagen. Als Nächstes wacht man an einem schönen, sonnigen Augustmorgen auf einem Feldweg auf. Am Handgelenk befindet sich ein merkwürdiges silbernes Armband, das sich weder öffnen noch abstreifen lässt. In der Ferne wartet ein kleines Gebirge, im Westen ein Wald und rechtsseitig eine weitläufige Graslandschaft. Und nun?

Wer mag, kann das Spiel auch weiterhin nur über Textkommandos steuern. Im Gegensatz zum Original erscheinen die Befehle allerdings nicht im Haupttext.

Zeitreise

Mit genau dieser Situation konfrontierte 1985 der legendäre Spieleentwickler Magnetic Scrolls seine Spieler im Adventure The Pawn. Wie es sich für die damalige Zeit gehörte, erzählte es seine Geschichte ausschließlich über eingeblendete Texte. Die jeweils gewünschte Aktion teilte der Spieler über die Eingabe von Textbefehlen mit. Via open door öffnete er etwa eine Tür. Auf diese Weise galt es zahlreiche knifflige Puzzle zu lösen und so wiederum aus der Fantasiewelt zu flüchten. Einige Szenen illustrierte das Spiel mit wunderschön gezeichneten Bildern.

Die Grafiken kann man wie in einer Schublade nach unten herausziehen. Es gibt allerdings nicht zu jedem Ort ein Bild.

Zu den Gründern von Magnetic Scrolls gehörte auch der Programmierer Hugh Steers. 32 Jahre später begann er, den Programmcode von The Pawn zu restaurieren und das Spiel wieder auf aktuellen Computern lauffähig zu machen. Eigens zu diesem Zweck gründete er das Unternehmen Strand Games. Die neu aufgelegte Fassung von The Pawn steht mittlerweile für knapp 2 Euro (1,45 Britische Pfund plus Mehrwertsteuer) auf Itch.io zum Kauf [2]. Die Bezahlung ist derzeit nur mit Kreditkarte möglich, Strand Games will zukünftig aber auch PayPal akzeptieren.

Das Spiel nimmt sich auch selbst nicht so ganz ernst. Beispielsweise ist hier das Ende des Spiels erreicht.

Aufgebohrt

Gegenüber der ursprünglichen Version hat Hugh Steers dem Spiel ein paar Eingabehilfen spendiert. Zunächst zeigt eine Leiste am linken Rand alle eingesammelten Objekte und die bereits getroffenen Personen an. Im Text hebt das Spiel zudem wichtige Schlüsselwörter ähnlich wie Internetlinks in blauer Farbe hervor. Mit der Maus muss man nur noch auf den passenden Link klicken, um eine Beschreibung zu erhalten. Zieht man zwei Begriffe per Drag-and-Drop aufeinander, führt man eine passende Aktion aus. Um etwa eine Tür aufzuschließen, zieht man einfach das Wort „Schlüssel“ aus dem Inventar auf das Wort „Tür“ im Text. Wer mag, darf aber auch weiterhin Textkommandos eintippen.

Nach dem ersten Start erklären diese Sprechblasen die Bedienung. Die blau hervorgehobenen Begriffe lassen sich anklicken beziehungsweise per Drag-and-Drop mit einem anderen Begriff kombinieren.

Die Reise durch die Landschaft erleichtert eine zuschaltbare Windrose: Auf ihr genügt ein Klick auf eine Himmelsrichtung, um zum entsprechenden Ort zu laufen. Um nicht die Orientierung zu verlieren, mussten Spieler 1985 noch mit Papier und Bleistift selbst eine Karte zeichnen. Die Neuauflage übernimmt diese Arbeit netterweise. Ein Klick auf einen Ort auf der virtuellen Karte transportiert den Spieler zudem direkt dorthin.

Das Spiel zeichnet automatisch eine Karte der einzelnen Orte – ein Komfort, auf den Spieler 1985 noch verzichten mussten.

Die Linux-Fassung liegt ausschließlich als AppImage vor. Auf den meisten aktuellen Linux-Distributionen lässt sie sich recht einfach in Betrieb nehmen: Man muss lediglich die heruntergeladene Datei mit der Endung .AppImage ausführbar machen und das so erhaltene Programm starten.

Die Windrose erleichtert die Navigation: Sobald man auf eine der Richtungen klickt, geht man dorthin.

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