suspended1.png

Bewährungsstrafe

Das Spiel zum Wochenende: Suspended Sentence

26.02.2011 Ein Adventure über "Einkerkerung und Klebeband" hat als erste Anwendung den Ubuntu Application Review Process bestanden. Das in nur einer Woche programmierte Spiel bietet eine durchgeknallte Geschichte und eine viel zu kurze Spielzeit.

In Suspended Sentence erwacht der Spieler als Straftäter an Bord eines Gefangenentransporters, der sichtlich lädiert durch das Weltall treibt. Als Wecker entpuppt sich der Bordcomputer, der den Spieler auch sogleich dazu verdonnert, sich an der Reparatur des Raumschiffs zu beteiligen. Das ist allerdings einfacher gesagt, als getan. So scheint die komplette Besatzung schon vor längerer Zeit ins Jenseits übergetreten zu sein und auch der riesige Brokkoli in der Messe macht alles andere als einen vertrauenerweckenden Eindruck.

Abbildung 1

Abbildung 1: Im Safe versteckt sich ein zentrales Element des Spiels.

Um dem Geheimnis des havarierten Schiffs auf die Spur zu kommen, muss der Spieler zahlreiche Rätsel lösen. Dazu klickt er sich genretypisch mit der Maus durch gezeichnete Standbilder, in denen er Gegenstände einsammelt und diese möglichst klug mit anderen kombiniert. So muss man etwa mit dem Titanknochen eines verblichenen Mitgefangengen die verschlossene Zellentür aufhebeln.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Brücke wirkt eher so, als habe hier vor Kurzem eine Karnevalsfeier stattgefunden.

Durchlauf

Suspended Sentence ist das erste Programm, das erfolgreich den Ubuntu Application Review Process durchlaufen hat [3]. Er ermöglicht Entwicklern ihre Anwendungen über das in Ubuntu enthaltene Software Center anzubieten. Dazu reicht der Programmierer seine Software an den Distributor Canonical, dessen Mitarbeiter die Anwendung auf Fehler prüfen und dann im Software Center freischalten. Suspended Sentence finden Ubuntu 10.10-Nutzer dort in der Kategorie Unabhängig.

Abbildung 3

Abbildung 3: Dank der Übersichtskarte gelangt man schnell in die Räume des Raumschiffs. Dabei sind nur die grünen Zimmer gefahrlos und ohne Hilfsmittel begehbar.

Besitzer einer anderen Distribution installieren zunächst über den Paketmanager Python in Version 2.5 oder höher und PyGame in mindestens Version 1.8. Anschließend wechselt man auf die Suspended Sentence-Homepage [1], lädt sich dort das Unix (gzipped tarball)-Archiv herunter und entpackt es auf der Festplatte. Im neu entstandenen Unterverzeichnis ruft man dann in einem Terminal den Befehl python run_game.py auf.

Klickediklick

Im Hauptmenü klickt man auf Start, um umgehend vom Bordcomputer geweckt und begrüßt zu werden. Fährt man mit dem Zeiger über einen Gegenstand, zeigt das Spiel eine kurze Beschreibung an. Färbt sich dabei die Hand rötlich, kann man das Objekt mit einem Mausklick benutzen oder aufheben. Auf diese Weise eingesackte Gegenstände sammeln sich am unteren Bildschirmrand. Dort kann man sie mit einem Mausklick wieder aufheben und dann mit einem anderen Objekt kombinieren.

Abbildung 4

Abbildung 4: Einige Objekte, wie hier der tote Mithäftling in seiner Schlafkapsel, zeigt Suspended Sentence vergrößert. Diese Ansicht verlässt man mit einem Klick auf Close.

Um das Spiel zu unterbrechen, klickt man links unten auf das Menü-Symbol. Doch Vorsicht: Suspended Sentence kann sich dummerweise den bisherigen Fortschritt nicht merken. Sobald man das Spiel per Quit verlässt, muss man komplett von vorne anfangen. Im Angesicht der kurzen Gesamtspielzeit ist das aber weniger dramatisch, als es zunächst klingt. Wer in einer Sackgasse steckt und gar nicht weiterkommt, findet auf der Homepage [1] eine Komplettlösung.

Abbildung 5

Abbildung 5: In der Küche wuchert ein Brokkoli, der offenbar auch ein Teil der Versorgungsschläuche zerstört hat.

Fazit

Suspended Sentence entstand in nur einer Woche im Rahmen der PyWeek Game Progamming Challenge [2]. Daher wirkt die gezeichnete Grafik etwas kindlich-naiv, die Tonausgabe beschränkt sich auf eine Hand voll Geräusche und der Umfang ist so dürftig, dass Adventure-Profis das Spiel mal eben in der Mittagspause lösen. Die Hintergrundgeschichte beginnt zunächst spannend, verläuft dann aber seicht und endet schließlich vorhersehbar mit vielen offenen Fragen. Da helfen auch die immer wieder mit etwas Humor gewürzten englischen Texte nicht. Das Ergebnis ist für den recht kurzen Entwicklungszeitraum allerdings recht erstaunlich. Die unter Linux generell etwas vernachlässigten Knobelfreunde können daher ruhig einmal reinschauen.

Suspended Sentence

Bezugsquelle: http://suspended-sentence.org/
Entwickler: Simon Cross, Neil Muller, Adrianna Pinska, Stefano Rivera und Jeremy Thurgood
Lizenz: MIT License
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Halbwegs aktuelle Linux-Distribution mit Python

Infos

[1] Projekt-Homepage: http://suspended-sentence.org/

[2] PyWeek: http://www.pyweek.org/

[3] Ubuntu Application Review Process: https://wiki.ubuntu.com/AppReviews

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare