Qualmende Reifen

Speed Dreams 2.0

Das Spiel zum Wochenende: Speed Dreams 2.0

28.04.2012
Weil einigen Fans die Entwicklung nicht schnell genug voran ging, schnappten sie sich das Rennspiel TORCS, bohrten seine Grafik auf und spendierten ein paar zusätzliche Strecken. Das Speed Dreams getaufte Ergebnis erschien jetzt in einer verbesserten Version 2.0.

Wie TORCS konzentriert sich auch Speed Dreams auf die Simulation von Hochgeschwindigkeitsrennen. Mangels offizieller Lizenzen nimmt man am Steuer von fiktiven NASCAR-, GT1- und Formel1-Wagen Platz. Die Ähnlichkeit mit ihren realen Vorbildern ist jedoch unübersehbar: So erinnert beispielsweise der Cavallo 360 frappierend an einen Ferrari F360. Mit ihm oder einem seiner Kollegen brettert man über asphaltierte Grand-Prix-Rennstrecken, liebevoll gestaltete Straßenkurse oder einer staubigen Off-Road-Strecke – je nach virtueller Wetterlage auch schon mal in der Nacht oder bei strömenden Regen.

Die Fahrt durch die Berge gehört zu den grafisch schönsten Strecken.

Arbeitsverweigerung

Neu in der Version 2.0 ist der Karrieremodus. In ihm kann der Spieler eine komplette Karriere als Profi-Fahrer durchleben. Diesen interessanten Spielmodus erhält jedoch nur, wer auch noch das Paket mit den unfertigen Strecken und Fahrzeugen einspielt (wip-cars-and-tracks, dazu gleich noch mehr). Alternativ zum Karrieremodus darf man eine von mehreren Meisterschaften (Championships) in Angriff nehmen. Sie besteht schlicht aus einer Reihe von vorgegebenen Rennen. Für Siege gibt es Punkte, der Fahrer mit dem dicksten Punktekonto gewinnt am Schluss die komplette Meisterschaft.

Wer sich für die normalen Grand-Prix-Rennstrecken entscheidet, düst meist durch karge und eintönige Landschaften, bei den Nascar-Varianten beschränkt sich das prinzipbedingt noch auf einfache Ovale.

Wer nur mal eben eine Runde drehen will, kann entweder im Practice-Modus die Strecke erkunden und seine Rundenzeiten verbessern oder bei einem Quick-Race eine vorgegebene Rundezahl gegen einen oder mehrere Computergegner fahren. Die Eckdaten, wie Rundenzahl, Länge oder Renndauer, darf man dabei selbst vorgeben und sogar miteinander kombinieren. Speed Dreams kürt dann beispielsweise den Fahrer zum Gewinner, der als erster nach fünf Runden über die Ziellinie geht, wobei das gesamte Rennen nicht länger als 30 Minuten dauern darf.

Die Strecken sind herausfordernd, durchdacht und abwechslungsreich angelegt.

Dumme Intelligenzbolzen

Während TORCS die künstliche Intelligenz der Computergegner in den Vordergrund stellt [2], wollen die Speed-Dreams-Macher in erster Linie ein unterhaltsames Rennspiel schaffen. Enthalten sind deshalb vorerst nur drei Computerhirne (die sogenannten Robots), die den zur Verfügung stehenden Computerfahrern in unterschiedlich bräsigen Varianten eingesetzt wurden. In einem Extrapaket (unmaintained) stellen die Entwickler eine neue, noch als experimentell gekennzeichnete Physik-Engine bereit. Sie soll für ein noch realistischeres Fahrverhalten sorgen.

Wer nicht nur mit Computergegnern fahren möchte, darf auch gegen menschliche Spieler im Split-Screen-Modus das Gaspedal durchtreten. Rennen über das Netzwerk oder Internet sind im Moment noch nicht möglich, die Entwickler arbeiten jedoch an einer entsprechenden Funktion.

Im Splitscreenmodus können auch mehr als nur zwei Personen gegeneinander antreten – entsprechend viele Eingabegeräte vorausgesetzt.

Jede Kollision mit einem Hindernis führt zu einem spürbaren, wenn auch optisch nicht sichtbaren Schaden. Darüber hinaus schlucken die Autos mit jedem gefahrenen Kilometer eifrig Benzin. Die meisten Strecken ermöglichen daher Boxenstopps, die Schäden am Wagen reparieren und den Benzinvorrat wieder auffüllen. Speed Dreams simuliert somit auch Ausdauerrennen (Endurance), selbst ein 24-Stunden-Rennen in Echtzeit ist kein Problem.

Hübsche Rennpappe

Einigen der Wagen haben die Entwickler animierte Fahrer spendiert, in der Außenansicht wirkt es folglich nicht mehr so, als würden die Autos ferngesteuert über die Piste brettern. Apropos Ansichten: Neben den klassischen Stoßstangen- und Verfolgeransichten gibt es noch unzählige weitere Kameraperspektiven. So darf man sein Auto auch aus der Vogelperspektive betrachten und sogar auf eine Helmkamera umschalten. Ähnlich wie in der Need-for-Speed-Reihe schwenkt dabei mit jeder Lenkbewegung auch die Sicht leicht in die entsprechende Richtung.

Speed Dreams bietet auch ungewöhnliche Kameraperspektiven, wie diese Überkopfkamera.

Steuern lässt sich der eigene Rennwagen per Lenkrad, Gamepad, Joystick, Tastatur und sogar die Maus. Die letzte Variante klingt etwas merkwürdig, funktioniert aber erstaunlich gut: Über die Pfeiltasten gibt man Gas, mit der Maus lenkt man nach links und rechts. Man darf sogar verschiedene Eingabegeräte miteinander kombinieren und etwa einen Joystick zum Schalten verwenden, während man mit dem Lenkrad steuert.

Speed Dreams ist modular aufgebaut, wer mag, kann fast alle Aspekte des Spiels verändern. Neben eigenen Strecken und Fahrzeugen darf man auch eine komplette Weltmeisterschaft oder einen eigenen Karrieremodus zusammenbasteln. Es lassen sich sogar für TORCS geschaffene Computergegner (Robots) nachinstallieren. Alle dazu nötigen Informationen findet man im Wiki [3].

Die Helmkamera nimmt in vielen Autos die Sicht auf die Strecke.

Fazit

Speed Dreams steckt voller interessanter und spannender Ansätze. Angefangen bei der Maussteuerung, über die Helmkamera und die Boxenstopps, bis hin zu den vielen unterschiedlichen Spielmodi. Dank der (modifizierten) Robots aus TORCS sind die gegnerischen Fahrer für ein kostenloses Spiel zudem recht intelligent.

So hässlich sind Rennen bei Nacht, die Scheinwerfer sind mehr Dekoration.

Dummerweise stößt man in der Praxis immer wieder auf kleine Probleme und Unzulänglichkeiten. So fehlt derzeit in den Paketen aus dem Ubuntu-PPA der Practice-Modus, den Karrieremodus muss man zudem separat nachinstallieren. Die Helmkamera nimmt einen Großteil der Sicht und erreicht nicht die Klasse des Vorbildes aus Need for Speed. Durch die Optionen- und Funktionsvielfalt fällt obendrein der Einstieg etwas schwer.

Aus der hoffnungslos veralteten Grafikengine versuchen die Streckenbauer das Beste herauszuholen. Insbesondere die Straßenkurse machen angesichts der Limitierungen eine äußerst gute Figur. Auch die Fahrzeuge wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Als angenehmer Nebeneffekt rasen die Autos auch auf etwas älteren Grafikkarten flüssig über den Asphalt.

Rennsportfans sollten Speed Dreams unbedingt eine Chance geben und am besten gleich bei der Verbesserung mithelfen – etwa mit einem selbst zusammengestellten Karrieremodus.

Speed Dreams 2.0

Bezugsquelle: http://www.speed-dreams.org/
Entwickler: Speed-Dreams-Projekt
Lizenz: GNU GPLv2 und Free Art License
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, sowie mindestens 1GHz Prozessor und 1GB Hauptspeicher

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Einzelne Ausgabe
 

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Kommentare
Schöner Artikel
bart@neeneenee.de (unangemeldet), Sonntag, 29. April 2012 17:49:59
Ein/Ausklappen

Schöner Artikel, endlich mal mehr als nur News ala "Ist neu erschienen".

Das Projekt sucht zur Verkürzung der Release-Zyklen noch Unterstützung. Was, wer und wie erfährt man hier:
http://sourceforge.net/apps...c/speed-dreams/wiki/helpWanted


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