Chemiefabrik

SpaceChem

Das Spiel zum Wochenende: SpaceChem

18.08.2012
Wenn man Atome zusammentackert, erhält man schicke Moleküle. Diesen eigentlich simplen Vorgang verkompliziert Zachtronics Industries erheblich und schafft so ein faszinierendes Tüftelspiel.

In SpaceChem muss man vorgegebene Atome zu ebenfalls vorgegebenen Molekülen zusammensetzen. Das dazu notwendige Vorgehen ist allerdings recht umständlich – und zudem etwas schwierig zu erklären: Der Spieler blickt von oben in einen Reaktor. Dieser besitzt zwei Eingänge und zwei Ausgänge. Über die Eingänge landen unablässig Atome im Reaktor, die fertigen Moleküle wandern über die Ausgänge in Lagerhallen.

In dieser Aufgabe muss man aus einem Wasserstoffatom (das auf einem Feld im linken oberen Bereich herein kommt) und einem Chor-Atom Salzsäure erstellen. Letztgenannte muss im Bereich rechts unten fallen gelassen werden.

Fertigungsstraße

Innerhalb des Reaktors gibt es zwei Förderbänder. Auf ihnen läuft jeweils ein Greifarm entlang, der sogenannte Waldo [2]. Die Routen der Förderbänder kann man als Spieler selbst festlegen. Meist wird man sie so verlegen, dass die Greifer an einem der Eingänge ein Atom aufnehmen und dann später das fertige Molekül über einem der Ausgänge fallen lassen.

Hier ein erster Probelauf: Der rote und der blaue Kreis repräsentieren die Waldos. Vom Start aus öffnet die Aktion „in“ den oberen linken Eingang, „Grab“ hebt das Atom auf.

Entlang der Förderbänder kann der Spieler Aktionen platzieren. Sobald der Greifarm über eine solche Aktion fährt, löst er sie automatisch aus. Typische Aktionen lauten: „Öffne den oberen linken Eingang“, „Greife zu“ oder „Lasse das Atom fallen“. Des Weiteren darf man entlang der Förderbänder noch spezielle Arbeitsstationen positionieren, die zwei Atome miteinander verbinden (oder ihre Verbindung wieder lösen) und somit die eigentliche Hauptaufgabe erledigen.

Die Waldos ziehen die beiden Atome über die runden Spezialfelder. Gleichzeitig läuft der rote Waldo über die „Bond“-Aktion, was die Atome schließlich zu einem Molekül verbindet.

Fliesenleger

Dummerweise stehen diese Arbeitsstationen nur in begrenzter Zahl zur Verfügung. Zudem ist der Platz im Reaktor recht begrenzt: Sein Boden besteht aus insgesamt 80 Fliesen. Eine Fliese im linkeren oberen und eine im linken unteren Bereich dient jeweils als Eingang, dort landen immer die hereingebetenen Atome. Die Kacheln auf der rechten Seite dienen als Ausgänge. Jede Aktion für den Greifer belegt zudem immer genau eine Fliese.

Der rote Waldo läuft über das rote „Drop“-Symbol, wodurch er sein Atom fallen lässt. Damit hat der blaue Waldo das komplette Molekül am Haken.

Folglich will der Verlauf der Förderbänder wohlüberlegt sein. Zwar dürfen sich die Förderbänder auch kreuzen und sogar auf den gleichen Kacheln entlanglaufen, stoßen aber zwei Atome zusammen, halten die Förderbänder umgehend an.

Der Pfeil hat das Molekül gedreht.

Erschwerend kommt hinzu, dass man eine bestimmte Anzahl produzierter Moleküle liefern muss. Es genügt also nicht, nur irgendwie ein Molekül zusammenzusetzen, die Fertigungsstraße muss auch eine Weile reibungslos laufen. Als wäre das immer noch nicht genug, muss man im späteren Spielverlauf gleich mehrere Reaktoren bauen und diese geschickt hintereinander schalten. Die Ausgabe eines Reaktors ist dann gleichzeitig die Eingabe eines anderen.

Auf „Drop“ hin lässt der blaue Waldo das Molekül sofort an Ort und Stelle fallen – hier passenderweise direkt über dem Bereich für die Ausgabe.

Wer hat den Schnellsten?

Sobald man eine Aufgabe gelöst hat, zählt das Spiel, wie viele Aktionen man platziert hat, wie weit beziehungsweise wie lange die Waldos laufen mussten und (im späteren Verlauf), wie viele Reaktoren man benutzt hat. Bereits gemeisterte Aufgaben kann man immer wieder in Angriff nehmen und so vielleicht doch noch eine bessere Lösung finden. Wer glaubt, eine besonders pfiffige Produktionsmethode gefunden zu haben, kann seine laufenden Reaktoren als Video auf YouTube hochladen.

„Out“ wirft das Molekül hinaus, während der blaue Waldo wieder über Start fährt und sich das komplette Spielchen wiederholt.

Die Entwickler verkaufen SpaceChem über ihre Homepage für 10 Dollar. Derzeit bekommt man das Knobelspiel auch im Rahmen des Spielepakets Humble Bundle for Android 3 für einen beliebig wählbaren Preis [3]. Am Namen der Aktion sollte man sich nicht stören: Alle darin angebotenen fünf Spiele darf man für Android, Windows, Mac OS X und natürlich Linux herunterladen.

Am Ende teilt das Spiel mit, wie gut die eigene Lösung war – und ob andere Spieler eine bessere gefunden haben. Diese Lösung war nicht so gut.

Heimreaktor

Wer zunächst in SpaceChem hineinschnuppern will, kann sich eine Demo-Version herunterladen [1]. Dazu folgt man auf der SpaceChem-Homepage zunächst dem Link Try The Demo und klickt dann auf der neuen Seite am rechten Rand im Bereich Demo den Punkt Linux an. Das dabei erhaltene .tar.gz-Archiv entpackt man auf der Festplatte. Das weitere Vorgehen hängt jetzt von der Distribution ab:

Sofern man ein 32-Bit-Linux-System besitzt, das DEB-Pakete nutzt (wie etwa Ubuntu), installiert man einfach das Paket SpacheChemDemo-i386.deb.

Bei einem 64-Bit-System, das DEB-Pakete nutzt, ruft man zunächst das Skript make-amd64-package.sh auf und installiert dann das Paket SpacheChemDemo-amd64.deb.

Kommt keiner dieser Wege infrage oder lässt sich das DEB-Paket nicht installieren, wird es etwas komplizierter: Zunächst installiert man über den Paketmanager SDL, SDL_mixer, SDL_image, Mono 2.0, die Mono-WCF-3.0-Bibliothek (häufig unter dem Namen libmono-wcf3.0-cil), die Mono-WinForms-Bibliothek (meist libmono-winforms2.0-cil) und xclip. Anschließend öffnet man ein Terminal-Fenster, wechselt in das Verzeichnis mit der Datei SpacheChemDemo-i386.deb und setzt die folgenden Befehle ab:

ar x SpaceChem.deb
tar xf data.tar.gz

Im Unterverzeichnis opt/zachtronicsindustries/spacechem-demo/ kann man das Spiel jetzt via mono SpaceChem.exe starten.

Fazit

Eigentlich ist das Spielprinzip recht simpel und durchaus auch schnell zu durchschauen – würde der Entwickler Zachtronics Industries nicht seine ganz eigene Terminologie verwenden. Das Tutorial hat zudem seinen Namen nicht verdient: Wichtige Konzepte erklärt es entweder viel zu spät oder auf etwas unübersichtlichen und verwirrenden Tafeln. Die extrem karge Grafik versprüht den Charme eines CAD-Programms, das sich mit einer Excel-Tabelle gepaart hat.

Solche Tafeln ersetzen die Anleitung.

Wer sich für SpaceChem interessiert, braucht somit vor allem am Anfang recht viel Durchhaltevermögen. Ist man jedoch einmal mit der Bedienung, den Begriffen und der extrem kargen Grafik warm geworden, lässt einen SpaceChem nicht mehr so schnell wieder los. Wer gerne tüftelt, sollte sich besser gleich ein komplettes Wochenende freinehmen.

SpaceChem

Bezugsquelle: http://spacechemthegame.com/
Entwickler: Zachtronics Industries
Lizenz: Kommerziell
Preis: 10 Dollar
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik, 1 GB Hauptspeicher

Infos

[1] Projekt-Homepage:
http://spacechemthegame.com

[2] Wikipedia-Eintrag zu Waldos:
http://en.wikipedia.org/wiki/Remote_manipulator

[3] Humble Bundle for Android 3:
http://www.humblebundle.com/

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