Rauchende Colts

Der Wilde Westen lieferte nicht nur Stoff für unzählige Filme, sondern bietet auch eine perfekte Kulisse für spannende Multiplayer-Shooter. Um so erstaunlicher, dass die meisten Vertreter im Weltraum oder irgendwelchen Fantasy-Gebieten spielen. Eine der wenigen Ausnahmen hört auf den Namen Smokin' Guns.

Wie dieser Marktplatz sind die meisten Karten recht weitläufig gestaltet und eignen sich daher eigentlich nur für viele Mitspieler.

Bewährter Realismus

Wie die meisten Kollegen des Genres ist der 3D-Shooter vollständig auf Mehrspielerpartien ausgelegt. Wer zunächst alleine trainieren möchte, kann sich immerhin ein paar Computergegner als Sparringspartner in die Landschaft setzen lassen. Einschlägig bekannt sein dürften auch die Spielmodi Deathmatch und Team Deathmatch. In ihnen gewinnt, wer zuerst eine bestimmte Anzahl Gegner ausradiert oder innerhalb einer vorgegebenen Zeit die meisten Treffer erzielt hat - je nachdem, was man zu Beginn der Partie festgelegt hat. Damit enden dann aber auch schon die Gemeinsamkeiten zu herkömmlichen Shootern.

Clint und seine anderen Computerkollegen sind teilweise dumm wie Dosenbrot.

So liegen in Smokin' Guns weder Waffen noch Munition unmotiviert in der Landschaft herum. Stattdessen findet man hier und da nur ein paar Geldscheine. Wer mit ihnen seine Brieftasche genügend aufgepolstert hat, darf sich in einem virtuellen Waffenladen aufrüsten. Zur Auswahl stehen dabei die im Wilden Westen üblichen Schießeisen: angefangen von Pistolen über Schrotflinten bis hin zu Messern und Dynamit. Darüber hinaus gibt es in Smokin' Guns keinerlei Heiltränke, Medikits oder andere Gegenstände, mit denen man seine Gesundheit wieder auffrischen könnte. Ein unglücklicher gegnerischer Treffer reicht folglich aus, um die Radieschen von unten zu betrachten. Streifschüsse überlebt man, wenn auch entsprechend verwundet. Lediglich eine Ofenklappe für schlappe 15 Dollar darf man sich als leidlich guten Schutz vor den Bauch schnallen.

Die Waffenhandlung darf man jederzeit aufrufen. Wie der Hintergrund zeigt, ist die Grafik zwar karg, die Entwickler haben die Umgebungen aber liebevoll gestaltet.

High Noon

Diese Limitierungen bilden allerdings auch die Grundlage für die übrigen Spielmodi. Die laufen allesamt rundenbasiert ab: Hat man sein Leben ausgehaucht, muss man bis zur nächsten Runde auf eine Rückkehr (Respawn) warten. Als Gesamtsieger geht schließlich hervor, wer die meisten Runden für sich entscheiden konnte. Die einfachste Variante ist dabei das "Round-Teamplay". Eine Runde gewinnt hier das Team, das zuerst sämtliche Gegenspieler über den Haufen geschossen hat. Kniffliger ist da schon der Bankraub ("Bank Robbery"). In ihm muss ein Team eine Bank betreten, mit Dynamit den Safe sprengen und das erbeutete Geld an einen sicheren Punkt auf der Karte bringen - während gleichzeitig ein anderes Team genau das alles zu verhindern versucht.

Einige der Karten erinnern dezent an Counterstrike.

Besonders originell ist der "Duell Mode". Wie sein Name schon andeutet, stehen sich hier zwei Schützen wie im klassischen Wildwestfilm gegenüber. Solange die Intromusik spielt, dürfen sich die Kontrahenten im virtuellen Shop eine Waffe besorgen. Ist die Zeit um, sollte man möglichst schnell zum Holster greifen und seinen Gegenüber umnieten. Der Gewinner des Duells erhält ein kleines Preisgeld, mit dem er im nächsten Duell eine bessere Waffe kaufen kann. Wer als erster fünf Duelle für sich entscheiden konnte, bekommt einen sogenannten Duell-Punkt. Gleichzeitig verlieren alle Spieler ihr Geld und die Duelle beginnen von vorne. Gesamtsieger ist schließlich derjenige, der als erster eine vorgegebene Anzahl Duell-Punkte einheimsen konnte. Für diesen ungewöhnlichen Spielmodus gibt es sogar spezielle Karten, auf denen sich mehrere Pärchen gleichzeitig duellieren dürfen. Der Gewinner eines Duells bleibt dabei an seiner Position stehen, während der Verlierer zu einem anderen Gegner strafversetzt wird.

Im "Duell Mode" steht man seinem Kontrahenten Auge in Auge gegenüber (hier in der Zuschaueransicht).

Beschaffungsmaßnahme

Wer die Homepage von Smokin' Guns ansteuert, landet überraschenderweise direkt in einem Forum [1]. Dort tauschen sich Spieler und Entwickler aus. Um Smokin' Guns herunterzuladen, betritt man den Downloads-Bereich, der einen ohne Vorwarnung auf eine Unterseite des ModDB-Portals weiterleitet [2]. Dort hat man die Wahl zwischen der stabilen, aber schon etwas älteren Version 1.0 (hinter dem Link Smokin' Guns 1.0 .zip) oder der aktuellen, leicht verbesserten Entwicklerversion Smokin' Guns 1.1beta5a. Hat man sich für eine der beiden entschieden, muss man noch einmal auf Download now! und dann den Dateinamen am oberen Rand des neu geöffneten Fensters klicken. Wie es jetzt weitergeht, hängt vom entsprechenden Internetserver ab. Landet man bei GameFront, ist noch ein Klick auf die braune Schaltfläche Download now notwendig. Hat man das fast 400 MB fette ZIP-Paket auf der Festplatte liegen, muss man es glücklicherweise nur noch entpacken.

Smokin' Guns bietet nicht nur verschiedene Westernstädte als Kulisse, sondern auch andere Karten, wie etwa diesen Raddampfer.

Um Smokin' Guns zu starten, macht man das Programm smokingguns.x86 respektive smokinguns.i386 ausführbar (beispielsweise unter den Eigenschaften im Kontextmenü der rechten Maustaste) und ruft es dann einfach auf. Der Startbildschirm ist gleichzeitig das Hauptmenü, die entsprechenden Punkte verbergen sich hinter den Gegenständen. Ein Einzelspiel startet beispielsweise ein Klick auf den einzelnen Revolver.

Der durch einen Canyon brausende Zug bietet nicht nur wenige Ausweichmöglichkeiten, man sollte auch tunlichst nicht von ihm herunterfallen.

Im Untermenü klickt man sich dann die Partie zusammen: Ganz links oben in der Bildschirmecke wechselt man den Spielmodus (mit einem Klick auf Gametype), wählt dann noch in der Liste am linken Rand eine passende Karte, rückt rechts oben die Spielregeln zurecht und beginnt die Partie schließlich mit einem Klick auf die Patrone rechts unten in der Ecke (Start Server). Mit der Maus blickt man sich um, die linke Maustaste feuert, die mittlere öffnet Türen oder löst andere Aktionen aus. Via [w], [a], [s], [d] läuft man durch die Landschaft, [b] ruft den Shop auf und [Esc] aktiviert das Hauptmenü. Eine englischsprachige Anleitung liegt im Unterverzeichnis manual, in dem man mit dem Browser die Datei index.html öffnet.

Miss Oakley spürt gleich das Blei aus dem Revolver. Den muss man übrigens immer wieder manuell nachladen.

Fazit

Smokin' Guns sieht selbst im Vergleich zu anderen kostenlosen Actionspielen reichlich altbacken und - offen gesprochen - hässlich aus. Die Computergegner sind zudem nur mäßig intelligent und es gibt gerade einmal fünf einfach gestrickte Spielmodi. Im Duell mit realen Gegnern macht das Cowboy-Spiel dennoch erstaunlich viel Spaß. Die Karten sind abwechslungsreich gestaltet und fangen das Western-Flair gut ein. Die fehlenden Medikits und das Bezahlsystem sind zu Beginn ein klein wenig gewöhnungsbedürftig, erzwingen aber ein taktisches und wohlüberlegtes Vorgehen. Und in welchem Actionspiel bekommt man schon waschechte Pistolenduelle geboten?

Smokin' Guns

Bezugsquelle: http://www.smokin-guns.net
Entwickler: Smokin' Guns Productions und Iron Claw Interactive
Lizenz: Smokin' Guns LICENSE v1.0 (besteht aus mehreren Lizenzen, das Programm steht beispielsweise unter der GPL, die Inhalte sind durchweg Creative Commons)
Preis: Kostenlos
Voraussetzungen: Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik

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